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Was für ein VW – Der Passat CC

Wir geben es zu, auch wir haben VW oft dafür kritisiert, dass die Autos zwar tadellos verarbeitet und in der Funktion absolut topp waren, aber optisch meist langweilig oder bieder daher kamen. Und jetzt steht da dieses Passat Comfort Coupé – dafür steht das CC – vor uns, dynamisch, emotional, richtig rassig, und auch innen alles andere als langweilig. Und dann fährt der auch noch super, ist sparsam und man will gar nicht mehr aussteigen – worüber soll man denn da noch meckern? Kleinigkeiten nur, wie z.B. die Gefahr des Kopfanstoßens beim Einstieg, vor allem hinten, die kleine Ladeluke und der Preis. Unser Testwagen kostet nämlich die Kleinigkeit von 33.150,- Euro, ohne all die feinen Extras, die den Preis auf über 50 Mille nach oben treiben.

Das soll ein Passat sein? Mehr noch, ein VW? Klar, sieht doch ein Blinder schon am großen VW-Logo! In der Tat, es ist ein Auto aus der Wolfsburger Blechschneiderei, das da vor uns steht, aber welcher Schneider war da am Werk, das ist Haute Couture vom Feinsten.

Das Einzige, das man bemängeln könnte, ist dass man eigentlich nicht so recht weiß, was das sein soll, mit dem „gewöhnlichen“ Passat hat dieses Fahrzeug nichts gemein. Doch, die vier Türen, aber die sind so geschickt verpackt, dass er problemlos als Coupé durchgeht, und dafür steht ja auch das CC = Comfort Coupé. Und schon rund um das große Logo im Kühlergrill sieht der Passat CC auch nicht nach Limousine aus. Sportlimousine vielleicht, aber eigentlich doch mehr nach Coupé, sportlich und schick, dynamisch und edel.

Markant sind die Radläufe ausgeformt und mit großen Rädern gut gefüllt, darüber schwingt sich die Schulterlinie sanft nach oben und die flache Frontscheibe legt einen Schwung hin … das muss ein Coupé sein, eines mit vier Türen halt.

Denn auch mit Blick auf das Heck kommt kaum ein Gedanke an eine Limousine auf. Und obwohl auch hier ein großes VW-Logo thront und der Wagen auch durchaus nach VW aussieht, will man es kaum glauben. Angefangen von der markanten Abrisskante im Kofferraumdeckel über die unverwechselbaren Rückleuchten und der dynamischen Schürze kann der Passat CC allein schon von der Optik her nur begeistern.

Zur sportlichen Optik kommt ein gehöriger Schuss Eleganz und Hochwertigkeit, die vor allem von den reichlich verarbeiteten Chromleisten noch unterstrichen wird. Ein absoluter Hingucker und zudem mittlerweile nicht mehr das einzige VW-Modell, das in diese Richtung geht, neben den Brot-und-Butter-Autos Golf und Polo, die jetzt viel mehr Emotion zeigen, strotzt ja auch der neue Scirocco nur so davon.

Also öffnen wirmal eine der vier Türen und auch wenn uns jetzt eigentlich schon nichts mehr überraschen kann, entlockt uns der erste Blick nach innen doch ein gewisses Staunen. Modern, ja richtig stimmungsvoll und mit viel Gefühl und Liebe zum Detail präsentiert sich uns das Cockpit des Passat CC.

Zahlreiche Aluapplikationen dominieren das gesamte Armaturenbrett nebst Mittelkonsole und reichen bis ins schick und sportlich ausgeformte Lenkrad. Und trotz aller Modernität und auch besten Funktionalität lebt das Ganze, und eine hervorragende Verarbeitung und überall wo nötig weiche Materialien können nur gefallen, hier bleibt man gerne sitzen.

Und daran haben auch die Sitze einen riesigen Anteil. Nicht, dass wir in den vorangegangenen Testwagen von VW schlecht gesessen hätten, aber hier kommt zur ausreichenden Größe und angenehm straffen Polsterung auch noch eine perfekte sportliche Ausformung und die passende dynamische Optik – Sportsitze eben, allerdings gegen Aufpreis. Allenfalls die Beinauflage könnte für große Fahrer etwas länger sein, mit der elektrischen Sitzverstellung und dem zweifach verstellbaren Lenkrad findet man auf jeden Fall schnell die optimale Sitzposition. Um die weit öffnenden Vordertüren zu schließen, muss man die aber nochmals verlassen, so entfernt sind die Zuziehgriffe .

Dass rundum feine Materialien in bekannt hochwertiger Wiese verarbeitet wurden, braucht man bei diesem VW eigentlich nicht mehr extra betonen, und die gebotenen Platzverhältnisse sind in Reihe eins erstklassig, und doch fühlt man sich richtig gut eingepackt.

Und das gilt eigentlich auch für die zweite Reihe, in der uns ebenfalls zwei Einzelsitze erwarten – da taucht wieder der Gedanke an ein Coupé auf – auf denen man zumindest bis 1,80 m Körpergröße auch noch hinter ebenso großen Fahrern bequemen Platz findet. Das Dach ist dannaber doch schon ziemlich dicht am Kopf, alles andere hätte bei der Dachlinie aber auch verwundert. Und das Dach sollte man vor allem beim Einstieg hinten (als großer Mensch unbedingt auch vorne) im Auge behalten, sonst hat man sich schnell mal den Kopf angestoßen – also doch ein Coupé?!?

Zwischen den beiden Einzelsitzen kann eine Durchreiche für den Transport längerer4 Gegenstände genutzt werden, gegen Aufpreis kann das Umklappen der Rücksitze geordert werden, wobei die Lehen dann asymmetrisch geteilt, die Sitzbank ungeteilt umgelegt werden kann.

Die Öffnung des Kofferraums kann den Gedanken an ein Coupé gleich wieder auffrischen, sie reicht gerade so, um eine Getränkekiste durch zu bringen, aber der Blick in den großen, ewig tiefen Kofferraum, der fast schon an eine Grotte erinnert, lässt diesen Gedanken gleich wieder verfliegen. Mit 532 Litern geht hier doch eine ganze Menge rein, statt eines Reserverades nimmt ein zusätzliches Fach weiteres Gepäck auf. Unter der Abdeckung ist als Bordwerkzeug einzig ein Schraubenzieher sorgfältig verstaut.

Unser Testwagen war mit dem schlüssellosen Schließ- und Startsystem KESSY ausgerüstet, mit dem das Entern des Innenraums noch komfortabler wird. Warum aber auch wenn nur der Fahrer einsteigt immer gleich alle vier Fenster runter und wieder rauf fahren wollte sich uns nicht so ganz erschließen.

Schon immer ist es VW gelungen, Fahrwerke zu bauen, die den Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort perfekt hinbekommen. Beim Passat CC haben die Wolfsburger ein wahres Meisterstück geschaffen. Wer will, cruist mit einem enormen Komfort, Schlaglöcher verlieren ihre Schrecken und auf der Autobahn gleitet man förmlich dahin, das aber auch bei sehr hohem Tempo.

Und dann überkommt einen der Wunsch, auch mal so richtig Stoff zu geben, mal über kleine Landsträßchen zu räubernund dann … ja dann geht der Passat CC mit solch schwindelerregendem Tempo um die Ecken, dass es selbst einem Testfahrer Schauer über den Rücken jagt, wohlige Schauer aber. Kaum ein Reifenquietschen dringt an unser Ohr, die Elektronik greift erst spät ein und lässt dem Fahrer volle Kontrolle – hier kommt nicht der Gedanke an ein Coupé auf, nein man glaubt sich in einem Sportwagen. Mit leichtem Quietschen ließ er sich um die Pylonen unseres Slalomtests jagen, auch mit deaktiviertem ESP alles kein Problem, mit ganz wenig Untersteuern gibt sich der Passat CC nahezu neutral.

Wie auch immer, in jeder Situation bietet der Passat CC das perfekte Fahrverhalten – super komfortabel oder super sportlich. Dafür zeichnet die adaptive Fahrwerksregelung DCC verantwortlich, hier beschränken sich die Unterschiede zwischen „Sport“ und „Komfort“ mal nicht nur auf die Stellung des Schalters.

Direkt, in einer angenehmen Mischung von straff und leichtgängig bietet die Lenkung einen sehr guten Fahrbahnkontakt und sorgt für ein problemloses Handling. Unser Testwagen war optional mit dem Spurhaltesysteme „Lane Assist“ ausgestattet. Statt wie sonst üblich mit Vibrationen im Sitz oder Lenkrad auf den Fahrer einzuwirken, greift dieses System durch automatische Lenkeingriffe ins Geschehen ein.

Und als weitere optionale Sicherheitsausstattung kamen die automatische Distanzregelung ACC und das Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ zum Einsatz, die wie der ParkPilot bei auftauchenden Hindernissen warnen bzw. eigenständig durch Bremseingriffe dem Fahrer hilfreich zur Seite stehen.

Sehr hilfreich ist auch die echt gute Bremsanlage, die im Passat CC ihren Dienst verrichtet. ABS, elektronische Bremskraftverteilung, Bremsassistent und Scheibenbremsen vorn und hinten sorgen für sehr gute Verzögerungen, aus Tempo 100 steht der VWnach weniger als 37 Metern, darüber hinaus sind die Bremsen fein dosierbar und sprechen schnell an. Eine feine Sache ist auch die elektronische Parkbremse, leider löste sie sich bei unserem Testwagen nicht immer automatisch.

Nach allem was wir bislang geschrieben haben schreit der Passat CC förmlich nach Power unter der Haube, nach 200 oder noch besser 300 PS. Gibt es auch, als TSI oder als V6 4Motion, dann hat er genau den Bums, den man erwartet. Da muss doch der 103 kW / 140 PS TDI, der in unserem Testwagen verbaut war, einfach zu schwach sein.

Na ja, so von unten raus fehlt dem Vierzylinder Common-Rail-Diesel einfach der richtige Bums, aber man ist keineswegs langsam damit. In 9,8 Sekunden erledigt er den Sprint aus dem Stand auf Hundert und bei Bedarf wird er 210 km/h schnell. Das sollte genügen, zumal der Diesel unglaublich sparsam ist. Wer es nicht übertreibt, kann locker unter sechs Litern bleiben, mit wenig Stadtverkehr sind sogar fünf Liter drin, und dabei war unser Passat CC mit dem Doppelkupplungsgetriebe DSG bestückt, das sich zumindest im Verbrauch hinter dem normalen Sechsgang-Schaltgetriebe einreihen muss.

Dafür kann man mit dem DSG entweder ganz komfortabel unterwegs sein, die Schaltvorgänge gestalten sich dann so sanft, dass man sie kaum mitbekommt, wenn auch beim Zurückschalten nach dem Tritt aufs Gas erst eine kleine Gedenksekunde vergeht. Auf „Sport“ geht auch das wesentlich zackiger. Seine gesamte Arbeitsweise ist so beeindruckend, dass man die Tatsache, dass sich die Elektronik wenn man selbst schalten möchte letztendlich doch wieder einmischt, locker verkraften kann. Der Schaltknauf ist für unseren Geschmack ohnehin etwas zu riesig geraten. Die Abstufung harmoniert gut mit dem Motor und wie bei einer konventionellen Automatik rollt der Wagen nach dem Lösen der Bremse eigenständig sanft an,wodurch Rangiermanöver enorm erleichtert werden.

Kommen wir noch mal zurück zum Motor. Er läuft sehr kultiviert, auch wenn gute Ohren den Diesel als solchen erkennen, er wird aber zu keiner Zeit aufdringlich sondern bleibt stets angenehm leise und stellt mit seinem maximalen Drehmoment von 320 Nm zwischen 1.750 und 2.500 U/min genügend Schub zur Verfügung, um jederzeit flott mithalten zu können.

Zu den serienmäßigen Sicherheits-Luftsäcken in Form von Front-, Seiten- und Kopfairbags kann man – wie bei unserem Testwagen – optional auch noch Seitenairbags hinten ordern. Dann haben auch die Gurte auf den Rücksitzen wie vorne Gurtstraffer. Vorne kommen noch Gurtkraftbegrenzer und eine Höhenverstellung hinzu, die Kopfstützen sind vorne wie hinten höhenverstellbar, reichen aber im Fond gerade so für Personen bis 1,70 m.

Und was kostet jetzt der Spaß, mit dem VW Passat CC 2.0 TDI mit 140 PS und DSG durch die Lande zu fahren? 33.150,- Euro. Na, nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber … halt, bevor Sie jetzt voreilige Schlüsse ziehen, das ist der Grundpreis, und wenn Sie Ihren Passat CC halbwegs gut ausstatten wollen, dann sind schnell über 50.000,- Euro fällig.

Dann sind aber neben einem Soundsystem, einer 230 V-Steckdose im Fond, der Fahrwerksregelung DCC auch das ACC, der Front- und Lane Assist, Dekoreinlagen „gebürstetes Aluminium“, Climatronic, Lederausstattung „Nappa“, dem ParkPilot, KESSY, den feinen Sportsitzen, einem Winterpaket, u.a. mit beheizbaren Rücksitzen, Xenonlicht mit Kurven- und Tagfahrlicht sowie Seitenairbags hinten auch 18 Zoll Alufelgen mit 235er Breitreifen etc. mit dabei. Allerdings muss man auch für die Raucherausführung extra bezahlen.

Und dann sind auch noch längst nicht alle Extras drin. Die Versicherungseinstufung geht mit HPF 18, VK 22 und TK 25 für solch ein Fahrzeugnoch in Ordnung, die Werkstattbesuche (Ölwechsel und Inspektion) ermittelt das Fahrzeug fahrabhängig, letztendlich sind aber doch alle zwei Jahre ein Ölwechsel und dazwischen die Inspektion fällig.

Stand: Juni 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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