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Volkswagen

VW Polo – Ist der groß geworden

Der neue Polo hat mittlerweile Ausmaße angenommen, mit denen er ältere Golf locker in den Schatten stellen kann. Mit der neuen Familienoptik muss man schon genau hinsehen, damit man ihn mit dem aktuellen, rundlicheren Golf nicht verwechselt. Auch innen macht sich der Größenzuwachs bemerkbar, selbst hinter 1,80 m großen Fahrern sitzt man als Erwachsener noch bequem – stark ausgehöhlten Lehnen sei Dank. Der Kofferraum ist gut zugänglich und prima nutzbar. Mit einem ausgewogenen Fahrwerk kann der Wolfsburger komfortabel und sportlich, der mit 55 kW eher kleine Motor bietet in jeder Lage ausreichend Power, läuft angenehm ruhig, verbraucht im Mix 4,1 Liter Diesel und kostet 14.800,- Euro.

Mit einer Gesamtlänge von mittlerweile 3,97 Metern und 1,68 Metern Breite ist der Polo richtig erwachsen geworden. Und mit dem neuen Familiengesicht, das dem Polo mit den kantigeren Scheinwerfern und der stärker angewinkelten Frontschürze mit dem größeren Lufteinlass sowie den eckigen Nebellampen sogar noch besser steht, sieht er richtig gut aus.

Unser Testwagen kommt als Dreitürer auch in der Seitenansicht mit dem geschwungenen Dach und der im leichten Knick ab der B-Säule ansteigenden unteren Fensterlinie und den markanten Radausschnitten richtig dynamisch daher, auch wenn wir gerne zugegeben, dass die silberne Außenhaut nicht unbedingt die peppigste Farbgebung im Angebot ist.

Klare Linien bestimmen das Heck mit den markantenRückleuchten, ein Dachkantenspoiler fehlt ebenso wenig wie eine schwungvolle Heckschürze. Als Öffner für die weit nach unten reichende Heckklappe dient das große VW-Logo.

Und auch das weite Aufschwingen der Heckklappe trägt zum guten Alltagsnutzen des neuen Polo bei (Anstoßgefahr an den spitzen Ecken), wenn jetzt auch noch die Stoßstange so gut gegen Ladekratzer geschützt wäre wie die in angenehmer Höhe stehende Ladekante, hätten wir nichts auszusetzen. Denn mit 280 Litern reicht auch das Ladevolumen im Alltag locker aus, unter dem soliden Klappboden steckt ein zusätzliches Fach und wenn man nach der Sitzfläche auch die Lehne der Rücksitze vorgeklappt hat (Trendline nur komplette Bank, geteilte Rücksitze gegen Aufpreis), steckt der Polo bis zu 952 Liter weg, ebene und solide Ladefläche inklusive.

Also ab nach vorne und erst mal nach hinten in die zweite Reihe. Trotz fehlender hinterer Türen gelingt der Einstieg ganz bequem und selbst wenn vorne große Passagiere sitzen, hat man auf der Rückbank vor allem dank stark ausgehöhlter Sitzlehnen noch ausreichend Platz. Schön auch, dass sich der Vordersitz die ursprüngliche Stellung merkt. Die Kopfstützen lassen sich schön versenken, reichen aber ausgezogen max. bis Personen mit 1,70 m.

Sehr gut sitzt man natürlich in Reihe eins. Die Sitze sind ausreichend groß, straff gepolstert und auch ganz passabel ausgeformt, was die Zweifarbigkeit mit den hellgrauen Mittelbahnen auch optisch etwas unterstreicht. So sitzt man auchauf längeren Strecken sehr gut und fühlt sich keineswegs wie in einem Kleinwagen, das Raumgefühl ist bestens. Und das wächst sogar noch wenn man an den Gurt will, denn typisch Zweitürer ist der recht weit hinten angebracht.

Auf einen Kleinwagen lassen auch die verwendeten, hochwertigen Materialien nicht schließen, nur dass alles in Schwarz versinkt und man z.B. auf jegliche Aluapplikation oder ähnliches verzichtet hat macht die Sache etwas trist. Dafür ist natürlich alles in guter Reichweite, einfach zu bedienen und im Dunkeln schön beleuchtet.

Was fehlt ist auch ein Lederlenkrad, aber den „normalen“ 55 kW TDI mit 1,6 Liter Motor gibt es nur als Trendline, und da muss man halt auf einige Accessoires verzichten. Klar gezeichnet und damit auch gut ablesbar die beiden großen Rundinstrumente und die digitale Anzeige dazwischen, in der man auch diverse Bordcomputer-Infos abrufen kann, zumindest falls man beim Basismodell diese Option als Extra ordert.

Der Polo lässt sich ganz gut mit den Außenspiegeln einparken, die breite B- und C-Säule schränkt dagegen die Rundumsicht merklich ein. Nicht sichtbar, besser gesagt nicht vorhanden, sind Kontrollleuchten für das Stand- und Fahrlicht.

Ein Auto, dass wie der Polo einem sehr breiten Publikum gefallen soll, darf was den Komfort angeht nicht patzen und muss dennoch eine gewisse Portion Sportlichkeit mitbringen. Ausgewogenheit ist das Stichwort und das trifft beim neuen Polo vollauf zu.

Mehr noch, in seiner Gesamtheit ist derPolo ein ideales Fahrzeug für alle, die erst mit den Fahren anfangen oder die einfach nur ohne was von A nach B wollen. Alles ist dort wo es sein soll, alles funktioniert so wie man es erwartet, selbst in schnellen Kurven oder im Slalomtest stellt der Polo seine Fahrer vor keinerlei Problem. Gutmütig folgt er der angenehm leichtgängigen Lenkung, zeigt sich nur leicht untersteuern einfach zu beherrschen und wenn es sein muss greift das ESP unterstützend ein. Meistens lässt aber das laute Reifenquietschen die Fahrer schon vorher vom Gas gehen und auch diese Lastwechsel meistert der Wolfsburger dann ohne Murren.

Ein Tribut an den guten Komfort zahlt man dabei nur in Form von ganz ordentlichen Seitenneigungen in schnellen Kurven. Die gute Rückmeldung der Lenkung gibt einem stets ein gutes Gefühl für die Straße.

Richtig gut zu spüren bekommt man den Polo auch beim Bremsen, zumindest wenn eine Notbremsung fällig wird. Die ansonsten sanft ansprechende und leicht zu dosierende Bremsanlage mit ABS, Bremsassistent, Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten bringt den Wagen aus Tempo 100 früh, schon nach 36 Metern zum Stehen, dabei schmeißt sich der VW vehement in die Bremsen, lässt die Reifen laut quietschen, bringt aber auch nach der zehnten Vollbremsung noch die volle Leistung.

Der Polo ist trotz seines geräumigen Innenraums und der guten Fahrwerksabstimmung nicht unbedingt als Langstreckenfahrzeug konzipiert, da reicht doch eine kleinere Motorisierung voll aus. Odernicht?

Unser Testwagen war mit einem kleinen Diesel bestückt, einem 1,6 Liter großen Vierzylinder Common-Rail-Diesel mit Abgasturbolader und 16 Ventiltechnik. Daraus entwickelt der Wolfsburger 55 kW/75 PS bei 4.000 U/min und ein maximales Drehmoment von 195 Nm zwischen 1.500 – 2.500 Touren. Das reicht aus, um in 13,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu kommen und bei Bedarf 170 km/h schnell zu werden.

VW hat ein weiteres 55 kW Triebwerk im Angebot, das als Dreizylinder mit nur 1,2 Litern Hubraum daherkommt, in Sachen Fahrleistungen und vor allem im Verbrauch den von uns gefahrenen TDI aber deutlich hinter sich lässt, allerdings auch 1.700,- Euro mehr kostet.

Zurück zu unserem Triebwerk, das zwar am Start ganz leicht rau anspringt, dann aber angenehm ruhig läuft, ein Vorteil, der dem Wechsel von Pumpe-Düse auf Common-Rail zu verdanken ist. Und man fühlt sich mit ihm praktisch in jedem Bereich ausreichend motorisiert, er hat genügend Power, zieht gut durch und gibt sich sogar oben rum noch spritzig. Den nicht vorhandenen sechsten Gang vermisst man im Alltag praktisch nicht.

Okay, er mag es nicht so ganz niedertourig, aber ansonsten kann man mit dem gebotenen Fünfgang-Schaltgetriebe sehr zufrieden sein. Der Schalthebel flutscht angenehm straff nur so durch die Kulisse, die Wege sind in Ordnung und auch die Abstufung harmoniert, auch wenn man mit nur fünf Gängen diese etwas mehr spreizen musste, der Motor also etwas höher ausdrehen muss.

In Sachen Spritverbrauch muss ersich zwar dem gleichstarken Dreizylinder geschlagen geben, kann aber mit 5,1 Liter Diesel in der Stadt und 3,6 Litern außerorts durchaus zufrieden stellen. Unsere Normstrecke bewältigte der Polo mit 4,1 Litern auf 100 km. Dabei stößt er 109 g/km CO2 aus und erfüllt die Abgasnorm Euro 5.

Die eher magere Ausstattung unseres Basismodells macht sich zum Glück nicht so sehr bei der Sicherheit bemerkbar. Neben Dreipunkt-Automatikgurten (vorne höhenverstellbar und mit Gurtstraffern) und höhenverstellbaren Kopfstützen auf allen Plätzen kommen Front-, Kopf- und Seitenairbags vorne zum Einsatz. Kopfairbags hinten gibt es gegen Aufpreis.

14.800,- Euro stehen für den VW Polo 1.6 TDI mit 55 kW in der Liste, er ist ausschließlich in der Basisausstattung Trendline zu bekommen und damit auch nur recht mager ausgerüstet.

Neben Stahlrädern gibt es in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger (ohne Rammschutzleisten), zahlreiche Ablagen, eine 12 V-Steckdose im Gepäckraum, ein höhenverstellbarer Fahrersitz, zweifach verstellbares Lenkrad, von innen einstellbare Außenspiegel, Berganfahrassistent, elektrische Fensterheber vorn, Heckscheibenwischer mit Intervall, Komfortblinker mit Tipp-Funktion, Make-up-Spiegel in den Sonnenblenden, Servolenkung und Zentralverriegelung.

Für alles andere, angefangen von der Klimaanlage über Kopfairbags im Fond, Tempomat und Parkpilot, Radio- und Navigationssysteme, Ledersitze und –lenkrad, Regensensor, Alufelgen etc. gibt es Pakete und Positionen in derAufpreisliste.

Zur Inspektion muss der Polo spätestens alle zwei Jahre, das richtet sich ansonsten ein wenig nach Ihrer Fahrweise, mehr als 30.000 km sind aber kaum drin. Dazwischen ist ein Service ohne Ölwechsel fällig.

Stand: Oktober 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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