// Fahrbericht / Seat Ibiza ST 1.4 16V

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Seat Ibiza ST 1.4 16V

Praktisch und sportlich. Okay, so ein bisschen geht beim Kombi die „auto emoción“ verloren, und vor allem der recht graue Innenraum kann da nicht mithalten, aber im Gesamten ist auch der Lastesel unter den Ibiza-Modellen zumindest äußerlich schon mal richtig flott und ansprechend. Der 1.4 16V Motor braucht mit seinen 85 PS schon etwas Drehzahl um flott zu sein, und dann kann man auch schon mal 8,5 Liter Super auf 100 km brauchen, defensiver geht es auch mit 6 Litern im Mix. Der gut nutzbare Kofferraum fasst 430 bis 1.164 Liter, das Platzangebot ist vor allem vorne gut, hinten wird es ab 1,80 m eng. Das Fahrwerk, die Lenkung und die Schaltung sind typisch Seat, sportlich straff und angenehm, wie die Sitze.

Früher genügte es, wenn ein Kombi praktisch war, heutzutage sind die Lastesel schon mehr Lifestyle-Objekte. Da ist es von Vorteil, wenn man – wie der Ibiza ST – schon mal auf die sportlichen Gene der Limousine zurückgreifen kann. Und von ihr übernimmt der spanische Transporter auch die dynamische Front.

Das Arrow-Design bestimmt die aktuelle Linienführung bei Seat und spannt den Bogen von der Frontschürze geschickt über die Scheinwerfer in die Seitenlinie um hier langsam nach hinten abzufallen. Daraus entwickelt sich dann eine neue Aufwärtslinie bis in die Rückleuchten. Und in der Seitenansicht wird schon klar, dass es diesem Kombi nicht allein um praktischen Nutzengeht, die schräg stehende Heckklappe lässt schon von außen erkennen, dass das Ladevolumen nicht … doch halt, der Kleine steckt mehr weg als man meinen möchte.

Vor allem schafft der Ibiza ST aber eine dynamische Optik, die vom schwungvoll abfallenden Dach, der Dachreling und neben der flach stehenden Heckklappe nebst Dachkantenspoiler auch vom kleinen hinteren Seitenfenster geprägt wird. Die Heckklappe nimmt ihren Schwung mit bis tief nach unten in die Heckschürze, mündet dort in eine gegen Ladekratzer ungeschützte Stoßstange. Die Heckklappe wird über das Seat-Logo geöffnet, schwingt aber leider nur so weit auf, dass man sich ab 1,85 m leicht mal anstoßen kann, zum Schließen ist ein gut erreichbarer Griff vorhanden.

Damit sind wir auch schon im Gepäckabteil, das von den 18 cm mehr an Länge des Kombi gegenüber der Limousine am meisten profitiert. Und so gehen doch 430 Liter Gepäck über die niedrige und gut geschützte Ladekante (mit anschließender kleiner Stufe nach unten) rein, klappt man die Sitzflächen der Rücksitze vor, nimmt ggf. die Kopfstützen raus (ist nicht nötig, wenn die Vordersitze nicht ganz hinten stehen) und legt dann die Lehnen um, kann man bis zu 1.164 Liter unterbringen, allerdings bleibt im soliden Ladeboden eine unpraktische Stufe zurück. Unter dem Boden steckt statt eines Reserverades ein riesiger Styroporbock mit Ausformungen für „was-auch-immer“. Erfreulich ist auch die mit 515 kg guteZuladung und die ziemlich glattflächige Auskleidung.

Ab den Rücksitzen ist auch der Kombi ganz Ibiza. Nur die längeren Türen sorgen dafür, dass man auch hinten ganz bequem rein und raus kommt. Bis zu einer Körpergröße von 1,80 m sitzt man auch in der zweiten Reihe und auch hinter einem großen Fahrer noch ganz bequem, viel Luft bleibt dann aber auch im Kopfraum nicht.

Deutlich großzügiger geht es natürlich in Reihe eins zu, auch wenn große Menschen leicht mal an der B-Säule hängen bleiben. Die Sitze sind angenehm straff, ausreichend ausgeformt und groß dimensioniert, die Verstellung erfolgt manuell, eine gute Sitzposition ist schnell gefunden, schließlich lässt sich auch das Lenkrad in Höhe und Weite verstellen. Es war bei unserem Testwagen in schickes Leder gehüllt und griffgünstig ausgeformt.

Dahinter stecken die typischen Instrumente in zwei Röhren, die das Silbergrau der Applikationen in den Lenkradstreben wieder aufnehmen. Auch rund um die Luftaustrittsdüsen, den inneren Türöffnern und am Schaltknauf taucht die Verzierung wieder auf, ansonsten war das Cockpit unseres Testwagens abgesehen von den glänzend schwarzen Einlagen am Radio und der Klima-Bedieneinheit leider ziemlich Grau in Grau gehalten.

Trotzdem kann man dem Ambiente eine gewisse Sportlichkeit nicht absprechen und es gibt auch andere „Gestaltungsmöglichkeiten“. Kaum Probleme gibt es bei der Bedienung, auch wenn die im Bogen angeordnetenTasten immer wieder einen Blick verlangen. Die Verarbeitung ist okay, der reichlich verwendete Kunststoff wirkt keinesfalls billig. Oft nicht mal bei teureren Fahrzeugen denkbar: Selbst wenn der Schlüssel schon aus dem Zündschloss gezogen wurde lassen sich die Fenster noch elektrisch schließen.

Der Seat Ibiza ST hat ein äußerst agiles Fahrwerk, das mit guten Komforteigenschaften aufwartet und gleichzeitig die sportlichen Gene der Marke trägt. Und so geht es auch im ST wenn es sein soll richtig flott und nur leicht untersteuernd um die Ecken, die Karosserieneigungen sind gering und der Kontakt zur Straße ist durch die straffe, angenehm direkte und gefühlvolle Lenkung garantiert, vom Antrieb der Vorderräder ist hier praktisch nichts zu spüren.

Ob lange Bodenwellen oder kurze Querrillen, ja selbst vor Schlaglöchern muss einem im Ibiza ST nicht Bange werden, die ausgewogene Federung schluckt die meisten Unebenheiten sehr ordentlich weg. Und er liegt auch bei hohem Tempo sauber auf der Straße, selbst Spurrillen bringen ihn kaum aus der Ruhe.

Das serienmäßige ESP hält seine Hand schützend über Sie ohne wirklich störend einzugreifen. Dem Komfort ein wenig abträglich ist die Tatsache, dass der ansonsten recht ruhig laufende Motor ab Tempo 100 relativ laut wird und sich zudem deutliche Umfeldgeräusche einstellen.

Unser Testwagen war mit Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet, ausgestattet, dazu gesellt sich ABS mitelektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent. Bei einer Vollbremsung, die automatisch den Warnblinker aktiviert, steht der Ibiza ST aus Tempo 100 nach rund 38 Metern, taucht dabei an der Front aber ganz schön tief ein und kann sich weder ein Reifenquietschen noch ein ABS-Rubbeln verkneifen.

Im Alltag spricht die Bremsanlage sehr spontan an, verlangt ggf. sogar eine gewisse Eingewöhnung um unnötig heftige Bremsmanöver zu vermeiden.

Aus dem breiten Spektrum von insgesamt sieben Motoren haben wir unseren Testwagen mit dem 63 kW starken 1,4 Liter 16V Vierzylindermotor geordert. Seine 85 PS stehen bei 5.000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung und er entwickelt bei 3.800 Touren sein maximales Drehmoment von 132 Nm. Er springt kultiviert an und läuft auch leise, bis es über die Tempo 100 geht, dann wird der Motor recht laut.

Das gilt auch für Vollgas-Passagen, und die sind immer dann nötig, wenn man richtig flott vorankommen will, denn dafür verlangt der Vierzylinder nach Drehzahl. Und das wiederum bedeutet öfter mal schalten, was mit dem exakt geführten Fünfgang-Getriebe aber gut gelingt. Der Schalthebel gleitet angenehm straff auf ausreichend kurzen Wegen und praktisch ohne Hakler durch die Kulisse, die Abstufung harmoniert recht gut mit dem Motor, man vermisst den fehlenden sechsten Gang eigentlich nie.

Na, vielleicht wenn es um den Verbrauch geht. Laut Seat kommt man mit 8 Litern 100 km weit durch die Stadt,außerorts sollen es 4,7 und im Mix 5,9 Liter Super sein. Bei flotten Fahrten haben wir um die 8,5 Liter verbraucht, und selbst mit gefühlvollem Gasfuß waren es im gemischten Betrieb nicht unter 5,2 Liter. Der 1.4 16V soll zu den am meisten nachgefragten gehören, gut für Sie zu wissen, dass er lässt sich auch angenehm niedertourig fahren.

Mit Front- und Kopf-Thorax-Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie dem gängigen Angebot an Kopfstützen und Dreipunkt-Automatikgurten auf allen Plätzen, vorne mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern erfüllt der Ibiza ST die Grundanforderungen. ISOFIX, ESP und ABS gehören ebenfalls zum serienmäßigen Lieferumfang.

Den von uns gefahrenen Seat Ibiza ST 1.4 16V mit 85 PS gibt es als Style für 16.350,- Euro. Dann sind die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorn und hinten, höhenverstellbare Sitze für Fahrer und Beifahrer, ein Tempomat, Bordcomputer, eine Coming-home-Lichtfunktion, Nebellampen mit Abbiegelicht-Funktion, eine Klimaanlage sowie die silberne Dachreling mit an Bord, um nur einige zu nennen.

Optional sind dann so praktische Dinge für das Gepäck zu bekommen, wie Gepäcknetz, Verzurrösen, eine Ablagebox, Fächer unter dem Fahrer- und Beifahrersitz oder auch ein Licht- und Regensensor oder z.B. das Leder-Paket mit Winterpaket, also Scheinwerfer-Reinigungsanlage und beheizteScheibenwischerdüsen für 1.130,- Euro, ein Panorama-Glasdach für 680,- Euro oder die Metallic-Lackierung für 425,- Euro.

Für 17.100,- Euro gibt es den Ibiza ST 1.4 16V dann auch noch in der Ausstattungsreihe Style Copa.

Stand: Februar 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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