// Fahrbericht / Renault Mégane 2.0 16V 140 CVT

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Renault Mégane 2.0 16V 140 CVT

Auch wenn sie nicht ganz so rassig aussieht wie das Coupé, die Limousine sieht gut aus, dynamisch und schon im Stand richtig schnell. Trotzdem hat man auch auf der Rückbank ordentlich Platz, lediglich die Dachholme liegen nahe am Kopf. Der Kofferraum ist mit 405 Litern ordentlich groß, das Fahrwerk zeigt sich ausgewogen. Der 2-Liter Benziner mit 140 PS gibt sich richtig kräftig und kultiviert, wenn er unmotiviert aufzuheulen scheint, liegt das an der stufenlosen Automatik, die nur in der Stadt und beim Bummeln überzeugen kann. Will man schnell fahren, sorgt man besser manuell für eine der vordefinierten sechs Fahrstufen. Richtig toll wird es bei der serienmäßigen Ausstattung. Unser „Luxe“ hatte viel, viel mehr, als man erwarten würde…

Der große Lufteinlass in der Frontschürze zieht die Mundwinkel wie zu einem Lächeln nach oben, so als wüsste er, dass er der Anfang eines rundum gefälligen Fahrzeugs ist. Seine Linienführung geht nahtlos in die nach hinten von Fahrtwind mitgezogenen Scheinwerfer. Dazu in schickem Kontrast verläuft die Sicke in der Motorhaube im Bogen bis in die A-Säulen.

Ein flach stehende Frontscheibe, ein sanfter Dachschwung, auch die untere Fensterlinie schwingt sanft nach oben, darunter bildet sich eine schicke Schulter aus, der seitliche Rammschutz trägt Überbreite und ist scheinbar verrutscht, steckt jetzt ganz unten am Schweller, das sieht zwar gut aus, seine Wirksamkeit scheint dort aber mehr als fraglich. Schön gelöst hat Renault die Platzierung des Frontlogos, es scheint förmlich zu schweben.

Mit den breiten Backen und den waagerechten Rückleuchten, die zusätzlich die Breite betonen, steht der Mégane richtig bullig auf dem Asphalt, den unteren schwarzen Ansatz in der Heckschürze hätte man sich aber auch anders ausdenken können. Den letzten Schuss Sportlichkeit holt sich der Franzose mit dem kleinen Dachantenspoiler unddem auch unten stark geschwungenen Heckfenster.

Also nichts wie rein, und schon in den Türverkleidungen setzt sich der schwungvolle Auftritt fort, nicht selbstverständlich in dieser Klasse steckt in allen Türen ein Licht. Und dann auch am Armaturenbrett, wo die Einlagen und Bedienelemente-Inseln jede Gerade meiden. Griffgünstig, schick in Leder gehüllt und in Höhe und Weite verstellbar präsentiert sich das Lenkrad.

Die eingesetzten Materialien sehen nicht nur optisch schön aus, oben rum am Cockpit sind sie auch weitestgehend angenehm weich ausgeführt. Genau an der Stelle, wo im Ernstfall die Knie anschlagen, zeigte es sich bretthart. Eine harte Nuss ist auch die Tatsache, dass der Motor laufen muss, um die elektrischen Fenster zu bedienen. Dach halt, hier muss man nur wissen wie es geht.

Denn der Mégane hat ein Keyless Go. Der Wagen erkennt, wenn sein Fahrer kommt und öffnet die Türen. Doch dann reicht es nicht, die Zündung zu aktivieren, um die Fenster zu öffnen. Das geht nur, wenn man auf die Öffnungstaste an der „Schlüsseltaste“ drückt – erschließt sich aber nicht jedem auf Anhieb, und auch der Start-Stopp-Knopf ist etwas ungewöhnlich platziert, wie man sich auch an die Aktivierung des Tempomaten in der Mittelkonsole erst gewöhnen muss.

Davor ist die komplette Navigationsbedieneinheit untergebracht und lenkt hier den Blick ziemlich von der Straße ab, ein blindes Bedienen ist so einfach nicht möglich und damit sollte die Einstellung in jedem Fall vor Fahrtantritt geschehen. Und wenn wir schon dabei sind: Auch die Bedienelemente fürs Radio sind recht klein und damit nicht immer einfach zu bedienen.

Das war’s dann aber auch schon. Auf den angenehm komfortabel gepolsterten Sitzen findet man ein gutes Unterkommen, Große würden sich vielleicht eine etwas längere Beinauflage wünschen. Die Verstellung geschieht problemlos manuell, Platz gibt es reichlich. Und auch wenn es die Form nicht unbedingt erwartenlässt, auch auf den Rücksitzen findet man als 1,80 m Mensch und hinter einem großen Fahrer noch genügend Platz. So sitzt man auch hinten recht bequem, zumindest auf den beiden Außensitzen, allerdings ist der Dachholm recht nahe am Kopf und beim Aussteigen stoßen die Füße schnell an der B-Säule an, der mittlere Sitz ist eher zum Vergessen.

Soll hier Gepäck untergebracht werden, müssen die Sitzflächen hochgeklappt und dann die Lehnen umgelegt werden, vorher müssen die Kopfstützen raus, doch wohin damit? Im Ladeboden bleibt eine gut 5 cm hohe Stufe und ein störender Spalt zurück, außerdem sollte vorne kein großer Mensch Platz genommen haben. Immerhin bringt man jetzt 1.162 Liter Gepäck unter, im Grundzustand fasst der Kofferraum 405 Liter, dabei ist unter dem Boden statt eines Reserverades noch ein zusätzliches großes Fach – übrigens zwei Zusatzfächer sind vorne im Fußraum eingebaut.

Die Ladekante ist ordentlich geschützt, die Stoßstange eher weniger, die Höhe der Ladekante befindet sich in halbwegs angenehmer Höhe, dahinter geht es aber auch noch mal 20 cm runter, bei schwerem Gepäck weniger praktisch. Die Heckklappe öffnet weit genug, und der recht glattflächige Kofferraum lässt sich gut nutzen.

Ein Kapitel für sich ist die Instrumenteneinheit. In der Mitte thront – chromumrandet – ein helles Rund, in dem ein digitaler Tacho groß und schnell über die gefahrene Geschwindigkeit informiert. Darunter zwei kleine ebenfalls digitale Rundinstrumente mit Motortemperatur und Tankanzeige, und dazwischen ist noch ein Plätzen wo geöffnete Türen angezeigt werden.

Bis hierhin alles okay, aber leider hat sich Renault dann doch nicht richtig getraut, und den Drehzahlmesser links daneben wieder in konventioneller, analoger Form untergebracht. Der ebenfalls chromumrandete Auswuchs zur rechten des Tachos will dann optisch auch nicht so ganz dazu passen, hier werden dann Infos zum Gurtstatuts, die Reichweite etc.angezeigt.

Noch ein Wort zur Rundumsicht. Nach vorne ist der Blick des Fahrers nahezu ungetrübt, ganz anders sieht das nach hinten aus. Durch die breiten C-Säulen und das eher kleine Heckfenster ist die Sicht hier ziemlich eingeschränkt.

Das Fahrwerk des neuen Mégane findet einen angenehmen Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit, ist aber mehr in Richtung Dynamik ausgelegt, gibt Querrillen und Schlaglöcher entsprechend deutlich an die Insassen weiter.

In schnellen Kurven wie auch in unserem Slalomtest legt sich der Franzose ordentlich ins Zeug und ebenso ordentlich zur Seite, fängt schnell an mit den Reifen zu quietschen. Aber alles harmlos, außer einem leichten Untersteuern alles easy, selbst die Elektronik in Form des Stabilitätsprogramms hält sich schön zurück und greift wirklich nur im Notfall ein.

Mit der gefühlvollen und angenehm direkten Lenkung, die je nach Geschwindigkeit leichtgängig oder auch straff arbeitet, hat man den Renault prima im Griff.

Ein wenig Schluss mit Komfort ist, sobald man zu einer Vollbremsung gezwungen wird. Denn dann hauen die ansonsten fein zu dosierenden Bremsen gut rein, bringen den Wagen mit starkem ABS-Rubbeln und einem leichten Fahrzeugschlingern schnell und sicher zum Stehen. Dabei schmeißt der Mégane seine Insassen zum Schluss stark vor und zurück. Was soll’s, bei einer Notbremsung kann man das leicht verschmerzen, wichtiger ist die Tatsache, dass man aus Tempo 100 nach 37 Metern steht und die Bremsleistung auch nach der zehnten Vollbremsung noch ohne Fading zur Verfügung steht.

Dazu gehen in unserem Testwagen Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten ans Werk, angesteuert über ABS und elektronischer Bremskraftverteilung mit Bremsassistent. Der baut bereits den vollen Bremsdruck auf, wenn der Fuß plötzlich vom Gaspedal geht. Einen nicht zu unterschätzenden Komfortanteil hat auch die elektronische Parkbremse. Sie arbeitet automatisch, will heißen siezieht sich nach dem Anhalten eigenständig an und löst sich auch beim Losfahren wieder selbsttätig.

Unter der Haube unseres Mégane schlug ein Vierzylinder-Benziner-Herz mit zwei Litern Hubraum. Daraus entwickelt der 16-Ventiler 103 kW/140 PS bei 6.000 U/min und stellt ein maximales Drehmoment von 195 Nm bei 3.750 Touren zur Verfügung. Damit läuft der Franzose nicht nur angenehm kultiviert sondern auch richtig spritzig, geht in 10,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird 195 km/h schnell.

Ein Merkmal dieses Motors ist die zweistufige Verstellung der Nockenwelle. Stufe eins kommt im Leerlauf und bei Teillast sowie bei hohen Drehzahlen zum Einsatz, die zweite wird genutzt, um gegen Ende der Auslassphase frisches Gas anzusaugen und ermöglicht größere Überschneidungen zwischen Ein- und Auslass. In der Praxis bringt das mehr Drehmoment.

Ein richtig feine Kombination, wäre da nicht das stufenlose Automatikgetriebe CVT. Dabei sind seine Ansätze gar nicht mal schlecht, und solange man nur bummelt oder in der Stadt unterwegs ist, ist man damit bestens bedient. Aber sobald man etwas schneller unterwegs sein will, kommen die alten Probleme praktisch aller stufenlosen Getriebe zum Vorschein. Man tritt auf s Gas und der Motor heult auf – und wie. Vortrieb gibt es dann aber erst mit Verzögerung. Das nervt einfach.

Und auch wenn man auf der Autobahn mit Tempo 130 dahingleitet, läuft der Motor richtig laut, dreht weit über 3.000 Touren. Geht man jetzt auf manuell, fährt man laut Anzeige in der fünften Stufe, kann also noch in die sechste Hochschalten und schon läuft der Zweiliter-Motor hörbar leiser, wirkt nicht mehr so gequält und spart Drehzahl und Sprit. Und schon sind wir bei der feinen Seite der Automatik – dem manuellen Schalten.

Mit den sechs vordefinierten Stufen kommt man bestens zurecht, die Schaltbefehle werden schnell und sanft ausgeführt, jetzt fehlen nur noch Paddels am Lenkrad und der Fahrspaß istperfekt: Na ja, fast, denn auch hier greift die Automatik selbst ein. Ansonsten harmonieren die vordefinierten Fahrstufen sehr gut mit dem Motor, der seine Qualitäten bis hin zur Laufruhe voll ausspielen kann.

Der Motor mit Multipoint-Einspritzung schafft die nur Euro 4 Norm, stößt 174 g/km CO2 aus und gibt sich außerorts mit 6,0 Litern auch noch sparsam. In der Stadt legt sich das aber, hier sind 9,8 Liter auf 100 km recht viel. Unsere Normstrecke hat er mit 7,6 Liter im Mix absolviert.

Den Stand der Zeit repräsentiert der Mégane in Sachen Sicherheit. Neben den Front- und Doppelkammer-Seitenairbags hat er auch durchgehende Windowbags an Bord. Knie-Airbags sind für die Limousine noch nicht im Angebot, dafür verfügt er über eine Anti-Submarinig Sitzfunktion vorne und hinten, Dreipunktgurte auf allen Sitzen mit Gurtkraftbegrenzern und mit doppelten Gurtstraffern vorne, höhenverstellbaren Kopfstützen vorne und hinten, Isofix hinten auf den Außensitzen sowie eine Kraftstoffzufuhr-Unterbrechung und Türentriegelung im Falle eines Unfalls.

Los geht die Renault Mégane-Reihe beim 1.6 mit 100 PS bei 15.900,- Euro, der 2-Liter mit 140 PS kostet als Dynamique 21.450,- und als Luxe 24.450,- Euro. Und wenn man sich diesen Luxe leisten kann, wird man mit einer geradezu märchenhaften Grundausstattung verwöhnt.

Um den Rahmen dieses Berichts nicht zu sprengen, nennen wir Ihnen hier mal nur die wirklich großen Dinge, für die Sie bei fast allen anderen Marken ganz tief in die Tasche greifen dürfen. Also im Mégane Luxe gehören die für Fahrer und Beifahrer getrennte Klimaautomatik, eine Einparkhilfe vorne und hinten, die automatische Parkbremse, 17-Zoll-Aluflegen, die Lederausstattung mit Sitzheizung vorne und das Navigationssystem Carminat TomTom zur Serienausstattung, wie auch die el. Fensterheber, das Radio, Licht- und Regensensor …

Die Inspektion ist erst alle 30.000 km bzw. nach zwei Jahren fällig. Für das Fahrzeug gibtes die zweijährige Neuwagengarantie ohne Kilometerbegrenzung, die 12jährige Garantie gegen Durchrostung und eine lebenslange Mobilitätsgarantie. Die Versicherungseinstufungen lauten HPF 18, TK 20 und VK 21.

Stand: August 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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