// Fahrbericht / Porsche Cayman S

Porsche

Porsche Cayman S

Als kleiner Bruder vom großen Carrera hat man es nicht leicht, schon einige Modellreihen mussten im Schatten des 911er alsbald wieder die Segel streichen. Doch der Cayman, der eigentlich „nur“ die geschlossene Version des Boxster ist, hat wirklich gute Karten. Das beginnt bei der gelungenen, in sich schlüssigen Optik mit geradezu erotischen Schwüngen an den hinteren Kotflügeln, geht weiter über den Innenraum und besonders die Sitze stehen dem 911er in nichts nach, der Motor ist begeisternd und die Straßenlage auf der Autobahn ruhiger und in Kurven eine Spur zackiger. Ausreichend Kofferraum hat er auch und wenn man sich dann noch ein paar Tausender sparen kann …

Die Verwandtschaft zum 911er ist unverkennbar, Details wie die Außenspiegel und die seitlichen Blinker sind absolut identisch, und doch ist der Cayman ganz anders.

Nachdem er auf dem Boxster aufbaut, hat er natürlich dessen Scheinwerfer, die nicht ganz so rund sind und die Dachkuppel wirkt zierlicher und gewölbter. Die Frontschürze unterscheidet sich auch vom Boxster, macht noch mehr auf sportlich und die runden Nebellampen sitzen auf dicken Querstreben.

Nachdem die hinteren Kotflügel den Schwung der vorderen wieder aufnehmen ergibt sich für meine Geschmack sogar noch ein harmonischeres Gesamtbild als beim 911er. In einer langen Geraden läuft die Dachkuppel ins Heck, schafft so Platzfür eine praktische Heckklappe und endet in einem auch zum Boxster unterschiedlichen und in jeder Stellung auch optisch gelungenem ausfahrbaren Heckspoiler.

Betont sportlicher gibt sich auch das Heck, wo der mächtige Doppelrohrauspuff in der Mitte von einem Diffusor eingerahmt wird. Von vorne bis hinten liefert der Cayman eine stimmige Optik.

Und dabei ist der Cayman mit seinem Mittelmotor-Konzept auch noch richtig praktisch, denn hinter der Heckklappe verbirgt sich ein mit 260 Litern durchaus gut nutzbarer Kofferraum, der den 150 Liter Stauraum unter der Fronthaube ergänzt. Vor allem zeigt sich, ganz wie es sich für einen Porsche gehört, auch der Heck-Kofferraum mit viel Liebe zum Detail gearbeitet.

Feinster Teppichboden, schicke Leisten in Aluoptik … und eine kleine Klappe, hinter der sich die einzige Verbindung zum Motor zeigt, in Form von Einfüllstutzen für die Betriebsflüssigkeiten Wasser und Öl. Über der Motorabdeckung nimmt ein Gepäcknetz noch weiteren Kleinkram auf.

Besonders in der Farbkombination silberner Lack und Terrakotta farbener Innenraum kommt der Cayman ganz groß raus, auch wenn das natürlich extra kostet. Denn nicht nur im Gepäckraum herrscht diese Farbe vor, auch unter der kleinen Kuppel treibt es unser Cayman bunt. Praktisch das gesamte Armaturenbrett, die Türverkleidungen, der Boden und natürlich die Sitze sind in Terrakotta getaucht. Dazwischen Alu und gelegentlich etwasSchwarz, das macht schon Laune.

Erst recht, wenn man die vielen netten Details betrachtet. Ob raffiniert hinter der Zierleiste versteckte Getränkehalter oder ob gelochte Abdeckung über den drei Rundinstrumenten, die in Porsche-Manier gestaltet, Alufarben unterlegt und schwarz umrandet sind. Das sieht schon toll aus, obwohl uns der silberne Grund der Stoppuhr in der Mitte des Armaturenbrettes noch besser gefällt.

Besser gefallen hatten uns auch die ovalen Luftaustrittsöffnungen, wenn sie statt vertikal horizontal ausgerichtet wären. Aber über Geschmack wollen wir hier nicht streiten.
Einhellig dürfte die Meinung über die Sitze ausfallen. Das bei unserem Testwagen komplett in Leder gehüllte Gestühl zeichnet sich durch eine sportlich straffe Polsterung aus, und mit den elektrisch verstellbaren Seitenwangen lässt sich der Seitenhalt optimal verfeinern. Eine gewisse Sportlichkeit wird allerdings auch von den Körpermaßen der Insassen erwartet, wer zu dick ist passt kaum zwischen die Polster.

Die gesamte Verarbeitung wie auch die Materialanmutung zeigt sich ausgesprochen hochwertig, doch was ist das? Am inneren Türgriff auf der Fahrerseite zeigten sich doch nach nur 30.000 km Laufleistung deutliche Abschürfungen an der silbernen Haut, das hätten wir nicht erwartet.

Wie beim Boxtser und dem 911 sind die Hebel und Schalter einfach zu bedienen und in guter Reichweite platziert, aber teilweise doch ziemlichklein geraten.

Der Cayman S ist ein waschechter Porsche, entsprechend tritt der reine Komfortgedanke etwas in den Hintergrund und macht einer sportbetonten Fahrwerksauslegung Platz. Und bei ihm kommt auch noch das Mittelmotor-Konzept hinzu, was sich bei schneller Kurvenhatz durch ein ruhigeres Heck und eine geradezu zackige Slalomfahrt bemerkbar macht.

Auf der Autobahn hatten wir den Eindruck, dass er deutlich ruhiger liegt als ein 911er. Bevor sein Heck zum Überholen ansetzt, muss man sich schon über sämtliche Verkehrsregeln und Tempolimits hinwegsetzen, im Alltag fährt sich der Cayman S absolut problemlos, lässt aber keinen Zweifel über die Beschaffenheit der Straße aufkommen.

Einzig die etwas eingeschränkte Sicht nach schräg hinten fällt einem da schon mal negativ auf, aber da man die knackigen Kotflügel bestens in den Rückspiegeln sieht, lässt sich der Porsche auch so gut einparken und eine Einparkhilfe gibt es gegen Aufpreis auch noch. Die Servolenkung mit variabler Lenkübersetzung arbeitet hier angenehm leichtgängig, bietet beim schnellen Fahren aber einen hervorragenden Kontakt zur Fahrbahn, wirkt super direkt und exakt.

So sportlich wie das Fahrwerk geben sich auch die Bremsen. Innenbelüftet, gelocht und dann schimmern da auch noch gelbe Bremssättel zwischen den großen 18-Zoll-Felgen hervor – untrügliches Zeichen bei Porsche, dass es sich um Keramik-Bremsen handelt.

Keine Angst, auch wennSie Ihren Cayman S mit „normalen“ Bremsen ordern, hervorragende Bremsleistungen und auch nach 10 Vollbremsungen aus Tempo 100 zum Stillstand keinerlei Ermüdungserscheinungen sind Ihnen auch dann sicher.

Damit es doch etwas Unterschied zum großen Bruder gibt, schlägt im Cayman S ein kleineres Herz. Sie sind also Herr über einen 3,4 Liter Sechszylinder mit 217 kW / 295 PS, die bei 6.250 Touren ihre volle Power bereitstellen. Das maximale Drehmoment von 340 Nm liegt zwischen 4.400 und 6.000 U/min an. Damit schafft der Cayman S sehr sportliche Fahrleistungen, geht in 5,4 Sekunden aus dem Stand auf Hundert und weiter bis zur Topspeed von 275 km/h.

Mehr noch als der reine Vortrieb begeistert hier der Mittelmotor, der unmittelbar hinter den Sitzen einen absolut geilen Motorsound abgibt, der nicht nur für Fans locker das Radio ersetzen kann.

Und wie es sich für einen Porsche gehört, hängt auch der Cayman S gierig am Gas, dreht herrlich hoch und setzt jeden kleinen Gasstoß in bärigen Vortrieb um, der zudem dank sehr guter Traktion prima auf den Asphalt zu bringen ist. Bei Nässe sei aber einmal mehr zur Vorsicht im Umgang mit dem Gaspedal geraten.

Dabei lässt sich auch der Cayman S ausgesprochen schaltfaul fahren. Aber wer will das schon bei dem knackigen Sechsgang-Schaltgetriebe, bei dem der Schalthebel auf exakten und sportlich kurzen Wegen geführt ist und die Abstufung bestens mit dem Triebwerkharmoniert.

Der Verbrauch geht mit Blick auf die gebotenen Leistungen voll in Ordnung, wer will, kann im Mix leicht unter 10 Litern bleiben, reine Überlandfahrten absolviert er mit 7,8 Litern, vom teuren Super Plus allerdings. Wer häufig die volle Leistung abfordert sollte aber nicht mit weniger als 16 Litern auf 100 km rechnen.

Wie alle Porsche ist auch der Cayman S mit Frontairbags, Seitenairbags in den Sitzen und Kopfairbags in den Türen ausgestattet. Dazu kommen Dreipunktgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern.

Mit der Grundausstattung eines Porsche Cayman S kann man durchaus zufrieden sein, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, Zentralverriegelung, ABS und Co. sind im Einstiegspreis von 58.551,- Euro enthalten, auch die Heimleuchtautomatik, Servolenkung und Sportsitze mit Alcantara und Kunstleder gehören dazu.

Wem der normale Porsche nicht genügt, der kann aus dem Individual-Angebot schöpfen, Holz, Leder, Alu, Carbon und Edelstahl ordern. In der Aufpreisliste kann man stundenlang lesen und so Dinge wie Metallic-Lack für 835,20 €, Xenonlicht für 1.032,40 € und das Sport Chrono Paket (u.a. mit der Stoppuhr) für 724,40 entdecken.

Hier tauchen aber auch so feine Sachen wie die Keramikbremse für 7.830,- € oder die Adaptiven Sportsitze mit der 4-Wege-Seitenwangen-Verstellung für 3.862,80 € auf. Eine Sonderlackierung schlägt mit 2.227,20 € und eine Individual-Lackierung mit 3.190,- €zu Buche.

Überhaupt, wem das Individual-Angebot nicht individuell genug ist, der kann mit dem Exclusiv-Angebot seinen ganz persönlichen und einmaligen Porsche kreieren. Grenzen setzt Ihnen da allenfalls Ihr Geldbeutel.

Stand: September 2006; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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