// Fahrbericht / Porsche Boxster S

Porsche

Porsche Boxster S

Die jüngste Generation der Porsche Boxster Reihe hat einen sehr hohen Reifegrad erreicht. Von den leichten optischen Retuschen stechen vor allem die runden Scheinwerfer ins Auge. Völlig neu sorgen vor allem die Aluapplikationen im Innenraum für Frische. Die Sitze bieten jetzt mehr Seitenhalt und das Lenkrad ist in Weite und Höhe verstellbar. Ausgesprochen zackig geht er um die Ecken, grobe Querrillen auf der Autobahn machen ihm bei hohem Tempo aber sehr zu schaffen, werfen das Fahrzeug fast aus der Bahn – der einzig wirkliche Mangel. Mit der auf 280 PS gesteigerten Motorleistung ist man stets souverän unterwegs, Lenkung, Schaltung und Bremsen arbeiten auf sehr hohem Niveau.

Viel haben die Designer nicht verändert am neuen Porsche Boxster, vor allem die Scheinwerfer sind jetzt wieder „rund“ und passen gut zur geschwungenen Karosserie.

Beim Rest muss man schon genauer hinschauen, um die Veränderungen zu entdecken. Da ist z.B. die neue Frontschürze mit den neuen, dreigeteilten Lufteinlässen und auch an der Seite vor dem hinteren Radausschnitt wurde der Lufteinlass in die Höhe gezogen. Noch sportlicher kommen jetzt die Außenspiegel mit der neuen Halterung rüber.

Mehr auf der praktischen Seite schlagen die neuen, „echten“ Türgriffe zu Buche. Am Heck wurde vor allem im unteren Bereich die Schürze modifiziert und geglättet, das Doppelrohr des Endschalldämpfers in der Mitte ist jetzt mehr oval, der geile Sound, der ihnen entströmt ist nach wie vor gleich animierend. Leicht umgestaltet zeigen sich auch die Heckleuchten, außerdem fallen noch die den höheren Kopfstützen der Sitze angepassten Überrollbügel auf. Im gesamten hat der BoxsterS seine gelungene Form beibehalten.

Gewaltig sind die Veränderungen im Innenraum, mehr noch, hier ist eigentlich nichts gleich geblieben.

Fangen wir mit den Sitzen an: etwas größer reicht jetzt vor allem die Kopfstütze deutlich weiter, wer keine Überbreite mitbringt, ist in der straffen Polsterung optimal untergebracht, die gute Ausformung garantiert besten Seitenhalt. Etwas eng geht es zu wenn man an die elektrische Sitzverstellung der optionalen Ledersportsitze will, super schnell arbeitet die Sitzheizung. Wer will kann sich sogar mit adaptiven Sportsitzen verwöhnen, die mit einstellbaren Seitenwangen noch mehr Seitenhalt bieten.

Deutlich aufgewertet und frischer zeigt sich das gesamte Armaturenbrett. Statt Einheitsgrau kommen jetzt hell-dunkel-kombinierte Kunststoffe und Leder zum Einsatz, die Materialwahl ist nach wie vor hochwertig. Besonders die jetzt reichlich verwendeten Aluapplikationen stechen ins Auge, ob als Innentürgriff, am Lenkrad, den Instrumenten und Lüftungsdüsen oder als Blende am Armaturenbrett.

Vor dem Beifahrer verbirgt sich selbst beim Getränkehalter Hightech hinter dieser Blende. Auf Druck klappt die Blende auf, dann können zwei Cupholder ausgefahren und anschließend die Blende wieder zugeklappt werden. Mitgedacht haben die Entwickler auch bei den Schaltern für die elektrischen Fensterheber, die jetzt in die Türverkleidung gerückt sind und es erlauben, mit einem Finger gleich beide Seitenscheiben zu bedienen.

Die Art, wie man die Stoppuhr (Bestandteil des „Sport Chrono Pakets“) aufs Armaturenbrett gepackt hat ist Geschmacksache und viele werden das Teil auch gar nicht brauchen, aber das silberne Design dieses Rundinstruments hat uns sehr gut gefallen, schade, dass mandie restlichen drei Rundinstrumente nicht auch so gestaltet hat. Im Vergleich zum Vorgänger sind sie jetzt weniger stark ineinander verschachtelt und noch besser ablesbar. In Sachen Tempo schaut man aber meist eh nur auf die zusätzliche digitale Anzeige.

Die meisten Bedienteile sind in der neuen Mittelkonsole untergebracht, der Monitor ist gut abzulesen, die vielen Schalter sind teils recht klein und verlangen ein kurze Eingewöhnung.

Kennen Sie das Geräusch, wenn man die Handbremse anzieht, und dabei nicht den Knopf drückt? Egal, beim Boxster S werden Sie garantiert immer den Knopf drücken, denn sein Klacken ist so laut und billig, alles andere als Porsche. Aber diesen Schönheitsfehler kann man dem rassigen Sportwagen aus Zuffenhausen leicht verzeihen, leistet er sich doch sonst nur einen groben Schnitzer, doch dazu kommen wir später.

Erst begeistern wir uns mal am Verdeck. Klar, elektrisch und schnell, auch wenn man erst noch einen Hebel am Dach bedienen muss. Es faltet sich so hinter den Sitzen zusammen, dass sich eine Persenning erübrigt, es ist gut gepolstert und innen bestens verkleidet. Auch wenn man den Schalter losgelassen hat, fahren am Ende die Fenster automatisch nach oben. Auch in der Waschstraße kommt kein Tropfen ins Innere, die Geräuschentwicklung bleibt auch bei hohem Tempo vertretbar.

Das Lederlenkrad liegt nicht nur gut in der Hand, es ist jetzt (endlich) nicht nur längs-, sondern auch höhenverstellbar. Ein wenig klein geraten ist der Aschenbecher und die Instrumentenbeleuchtung geht nur dann an, wenn sie es selbst auch für ausreichend dunkel hält.

Beim Thema Kofferraum überrascht der Porsche Boxster immer wieder. Denn nicht nur hinter dem Mittelmotor findet sich ein 130Liter großes Plätzchen für’s Gepäck, auch unter der vorderen Haube steckt ein mit 150 Litern recht gut nutzbares Gepäckabteil. Wer Probleme mit der Bandscheibe hat, sollte jedoch bei schweren Kisten Vorsicht walten lassen, denn es geht sehr tief runter.

Erwartet man bei einem Porsche Komfort? Warum nicht? Zumindest ist der Boxster ein absolut alltagstaugliches Gefährt, mit dem man, wenn’s denn sein muss, auch morgens die Brötchen holen kann. Zumindest in der Normalstellung kann er mit einem durchaus angemessenen Fahrkomfort aufwarten, und all die feinen Zutaten wie Klimaautomatik, el. Verdeck und nicht zu vergessen die ggf. eingebaute Bose Soundanlage schaffen schon eine gehörige Portion Wohlbefinden. Und für mich ist der heiße Motorsound irgendwie auch Komfort.

Das Fahrwerk kann aber auch ganz anders, und das nicht nur in der Sportstellung von PASM (Porsche Active Suspenion Management). Der Boxster S liegt satt auf der Straße und hält auch dann noch stur die Spur, wenn andere längst rutschen. Allerdings kommt er dann aber fast unerwartet mit dem Heck. Statt 17 Zoll Rädern sind jetzt größere 18 Zöller montiert, auf Wunsch, wie bei unserem Testwagen, sogar 19-Zöller, dazu auch eine verbreiterte Spur. Geht es auf die Autobahn und dort jenseits der 200 km/h, sind aber volle Konzentration und beide Hände am Lenkrad gefordert.

Denn grobe Querrillen schlagen ihn dann hin und her und treten sie in Kurven auf, hebeln sie das Fahrzeug fast aus. Um schlimmeres zu verhindert schaltet das System beim Auftreten solcher Fahrbahnunebenheiten automatisch den Sportmodus aus. Völlig verhindert werden kann der Bodenwellentanz damit nicht.

Ganz anders im Slalomtest, den wir allerdings auch mehr mit Tempo 60bis 70 absolvieren. Hier bekommt das Wort „zackig“ ein ganz neue Dimension, mit fast neutraler Fahrzeugreaktion folgt er jeder kleinen Lenkbewegung und baut einen unglaublichen Kontakt zur Fahrbahn auf. Gierig saugt er jede Kurve auf, da fährt man sich glatt in eine Rausch.

Damit es dann kein böses Erwachen gibt, hat Porsche dem Boxster S ein kräftige Bremsanlage verpasst, deren Bremssättel durch die Alufelgen leuchten. Im Alltag trotz straffem Bremspedal gut zu dosieren, packen Sie bei einer Vollbremsung bärig zu. So fest, dass es gelegentlich zu leichtem Rubbeln im Lenkrad kommt, an der Spurstabilität ändert das aber nichts.

Innenbelüftete und gelochte Scheibenbremsen vorne mit 318 und hinten mit 299 mm Durchmesser, dazu ABS mit Bremskraftverstärker gehören zum serienmäßigen Umfang, schaffen aus Tempo 100 heraus nach nur 37 m den Stillstand. Auch zehn solcher Notbremsungen können keinerlei Ermüdungserscheinungen zutage fördern, besonders dann nicht, wenn die optionalen Keramikbremsen mit 350 mm Durchmesser montiert sind.

Jedes neue Modell hat auch eine Leistungssteigerung zufolge. So auch beim jüngsten Boxster S. Der kann jetzt auf 280 PS / 206 kW zurückgreifen, die bei 6.200 Umdrehungen anliegen und die ohnehin schon guten Fahrleistungen weiter nach oben schrauben. In Verbindung mit dem neuen Sechsgang-Schaltgetriebe braucht er jetzt mit 20 PS mehr Leistung 5,5 Sekunden für den Sprint von Null auf Hundert und rennt 268 km/h schnell.

Aus 3,2 Litern Hubraum entwickelt der Sechszylinder-Motor zwischen 4.700 und 6.000 Touren sein maximales Drehmoment von 320 Nm. In der Praxis heißt dass, in praktisch jeder Lebenslage steht ausreichend Vortrieb zur Verfügung. Selbst bei Tempo 50 im fünftenGang geht es fast ansatzlos vorwärts, wenn das Gaspedal durchgetreten wird.

Dabei dreht der Porsche jeden Gang ohne Einbruch bis an den Drehzahlbegrenzer aus, zeigt sich herrlich bissig und untermalt jeden Gasstoß mit einem Aufbrüllen des Motors. Das neue Sechsganggetriebe verfügt über eine Mehrfach-Synchronisation und nochmals optimierte Schaltwege. So können die Gangwechsel um 15% schneller ausgeführt werden.

Im Rahmen des Sport Chrono Paktes, zu erkennen an der Stoppuhr, schöpfen schärfere Motorkennfelder und Regelstrategien die Grenzbereiche noch weiter aus.

Mit einem Verbrauch von nur 9,3 Litern, allerdings vom teuren Super Plus, auf unserer Normteststrecke kann man sehr zufrieden sein. Wenn man das Potential des Sechszylinder-Boxermotors nutzt, und dafür kauft man sich ja schließlich so ein Auto, sollte man aber lieber 12 bis 15 Liter einkalkulieren, bei ständigen Vollgasfahrten auf der Autobahn auch noch mehr.

Im Porsche Boxster S kommt der weltweit erste Kopfairbag für Cabrios zum Einsatz. Er schnellt bei einem Seitenaufprall aus der Brüstung unter der Seitenscheibe. Ihn ergänzt der Thoraxairbag, der in der Sitzlehne integriert ist, dazu kommen dann noch die Frontairbags, ein Überrollschutz sowie Dreipunkt-Automatikgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern.

Den Porsche Boxster S mit 280 PS finden Sie mit 52.265,- Euro in der Preisliste. Für jede Menge Fahrspaß reicht das vollkommen aus, aber mit einigen netten Zutaten lässt sich der durchaus noch steigern.

So wollen wir hier noch das Xenonlicht mit Scheinwerferreinigung für 904,80 Euro, das Porsche Kommunikationssystem mit Navi für 3.114,60,- Euro, einen Regensensor und automatisch abblendende Spiegel für 510,40,-Euro, die Tiptronic S für 2.575,20 Euro und schließlich die Metallic-Lackierung für 788,80,- Euro anführen. Allein für die Keramikbremsen könne Sie nochmals rund 8.000,- Euro locker machen.

Stand: September 2005; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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