// Fahrbericht / Nissan Qashqai 1.5 dCi

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Nissan Qashqai 1.5 dCi

Sag mir was ich fahre … So ganz sicher kann man sich bei diesem Auto nicht sein, SUV, Kompakter … auf jeden Fall ein Crossover, der mit seiner eigenständigen Optik ebenso gefallen kann wie mit seinem guten Raumangebot, dem ausgewogenen Fahrwerk, der selbst mit dem kleinen Diesel ordentlichen Motorisierung, dem sauber verarbeiteten Cockpit, den guten Bremsen, der exakten Lenkung, der angenehm straffen Schaltung, der umfangreichen Grundausstattung und dem fairen Preis. Wirklich meckern kann man eigentlich nur über den Kofferraum – hohe Ladekante, nicht weit genug öffnende Hecklappe und nach dem Umlegen der Rücksitzlehnen (mehr geht nicht), bleibt ein ansteigender Ladeboden übrig.

Irgendwie ist er schwer zuzuordnen, soll gar ein Konkurrent des VW Golf sein. Dabei sieht er doch auf den ersten Blick aus wie ein Offroader, also zumindest wie ein SUV. Und schließlich stammt sein Name ja von einem Nomadenstamm ab. Egal, der kompakte Qashqai gibt eine gute Figur ab und versinkt wenigstens nicht in der Masse.

Dass man beim Anblick das Japaners sofort an Crossover denkt, liegt natürlich in erster Linie an der Kunststoffbeplankung rundum, die von der Schürze über die Radläufe und die Seitenschweller bis hin zur Heckschürze reicht. Vorne nimmt sie die zweite Kühleröffnung auf, am Heck ist eine Art Unterfahrschutz integriert. Und auch wenn man wirklich nicht ins Gelände will, gegen Steinschläge und Parkrempler hilft der schwarze Kunststoffanbau unbedingt.

Für ein wenig edlen Touch sorgt der Kühlergrill mit reichlich Chrom, die Form der Seitenfenster unterstreicht mit dem schwungvoll abfallenden Dach den sportlichen Anspruch, besonders die markant gezeichneten Rückleuchten sorgen für einegute Wiedererkennung, und mittlerweile steht der Nomade auf vier Rädern auch fast an jeder Ecke.

Und das liegt nicht nur an der gefälligen Form, sondern auch an den inneren Werten, mit denen der Qashqai durch die Bank glänzen kann, vom ausgewogenen Fahrwerk, den guten Bremsen und dem selbst mit nur 76 kW nicht gerade übermotorisierten, aber völlig ausreichenden Dieseltriebwerk ganz zu schweigen.

Dass es sich nicht einfach „nur“ um einen kompakten Pkw handelt merkt man auch gleich beim bequemen Einstieg, dem hohen Hüftpunkt und der höheren Sitzposition sei Dank. Zwar gibt es für den Innenraum auch zweifarbige Ausstattungen, unser Testwagen war vorwiegend in Schwarz gehüllt. Vor allem an der Mittelkonsole fällt das etwas negativ auf, dabei ist doch der Anfang mit schicken Alu-Applikationen am Lenkrad, den Griffen an der Tür oder rund um die runden Luftauslässe bereits gemacht.

Schön gelöst ist das griffig ausgeformte Lederlenkrad und die an allen wichtigen Stellen angenehm weich ausgeführte Kunststoffpolsterung, auch die Materialauswahl zeigt eine hohe Wertigkeit. Die Anordnung und Bedienbarkeit aller Schalter wird nur durch die recht weit unten in der Mittelkonsole angeordnete Heizungs-/Lüftungseinheit etwas beeinträchtigt, der ganz oben angebrachte Monitor für Navi und Co. liegt optimal im Blick, gestalterisch hätte man sich hier aber etwas mehr Mühe geben können.

Nichts zu meckern gibt es an den gut ablesbaren Rundinstrumenten, der stimmungsvollen Beleuchtung in Orange wie auch den Sitzen. Die sind ausreichend groß dimensioniert und gut ausgeformt, bieten neben ordentlichem Seitenhalt einen guten Sitzkomfort und sind einfach manuell zu verstellen. Die Rundumsicht wird vor allem durch die breiten C-/D-Säulen etwas eingeschränkt, daskleine Fenster nützt hier nicht wirklich viel.

Platzprobleme treten nicht auf, und das gilt auch für die Rücksitze, wo auch für 1,80 m große Mitfahrer noch genügend Platz vorhanden ist, auch im Kopfbereich. Für größere Passagiere reichen dann aber die Kopfstützen nicht mehr aus. Die beiden Außenplätze sind in der zweiten Reihe ebenso gut ausgeformt wie vorne, bieten entsprechend komfortables Reisen, den Mittelsitz kann man aber getrost vergessen. Gelingt der Einstieg auch hinten problemlos, wird es beim Raus im Fußbereich aber etwas eng, zudem könnten die hinteren Türen etwas weiter öffnen.

Mit bis zu 14 Litern bietet das kühlbare Handschuhfach wiederum viel Platz, hinzu kommen weitere Fächer unter dem Beifahrersitz und zwischen den Sitzen, Fächer für allerlei Kleinkram sind aber dünn gesät.

Um den 410 Liter großen Kofferraum beladen zu können, muss man eine recht hohe Ladekante überwinden, was den Gedanken an ein SUV sofort wieder aufkommen lässt. Leider öffnet die Heckklappe nicht weit genug, so dass man sich schon ab einer Körpergröße von 1,75 m schnell mal eine Kopfnuss holt. Als nächstes stört die Gepäckraumabdeckung beim Beladen, auch hier stößt man sich immer wieder mal den Kopf an. In Sachen Kofferraum hat der Qashqai also noch Nachholbedarf, und mit dem bemängelten ist es noch nicht genug, denn dadurch, dass man bei der geteilten Rücksitzbank nur die Lehnen umklappen kann, bleibt ein ansteigender Ladeboden zurück, die 1.513 Liter Ladevolumen gehen aber voll in Ordnung.

Was den Fahrkomfort angeht, verhält sich der Nissan mehr wie ein Pkw, gibt sich komfortabel mit einem kleinen Schuss Sportlichkeit, zeigt jedoch in schnellen Kurven neben einem unproblematischen aber deutlichen Untersteuern – Schieben über dieVorderräder – ein starkes Neigen der Karosserie, blieb aber auch im Slalomtest gutmütig, verlangt hier aber nach recht viel Lenkarbeit.

Als nächstes nach dem spürbaren „in die Kurve legen“ ermahnen die quietschenden Reifen den Fahrer zur Mäßigung, das ESP greift nur dezent ein, allenfalls in Spitzkehren stört dessen Arbeit etwas. Um allzu starkes Untersteuern zu verhindern ist auch EUC – Enhanced Understeer Control an Bord. Die Lenkung findet einen feinen Kompromiss, ist angenehm straff auf der Landstraße und leichtgängig genug in der Stadt um den Qashqai problemlos handeln zu können, bei hohem Autobahntempo wurde sie für unseren Geschmack aber einen Tick zu straff.

Der Kompakt-SUV steht schon ein wenig hochbeinig da, mit 20 cm Bodenfreiheit könnte da auch schon mal der Gedanke an einen Ausritt ins Gelände aufkommen, in der Praxis – vor allem mit dem Frontantrieb – ist aber allenfalls ein schlechter Feldweg zu empfehlen. Keine Frage, auf Asphalt fühlt sich unser Qashqai am wohlsten, liegt auch auf der Autobahn angenehm ruhig, bietet einen sehr guten Fahrkomfort ohne zu weich zu sein.

Sehr zufrieden waren wir auch mit der Bremsanlage. Neben CBC (Cornering Brake Control), und dem hydraulischen Fading-Ausgleich (HFC = Hydraulic Fade Compensation) sind rundum Scheibenbremsen an Bord, die über ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und einem Bremsassistent angesteuert werden.

Im Alltag lässt sich die Bremse damit sehr fein dosieren und sie spricht schnell an. Im Notfall krallt sich der Nissan förmlich in den Asphalt und steht aus Tempo 100 nach rund 36,5 Metern, wenn auch mit lautem Quietschen, dafür aber spurtreu und konstant, selbst nach dem 10. Bremsversuch.

Unser Testwagen war mit dem 1,5 Liter Vierzylinder-Dieselmotor mit 76kW/103 PS bestückt, klingt nicht eben nach viel, zeigte sich aber für den „kurzen“ Qashqai absolut ausreichend. Dafür, dass der Japaner trotzdem einen flotten Eindruck hinterlässt, ist neben dem guten Drehmoment von 240 Nm bei 2.000 U/min auch die entsprechend kurze Abstimmung in den unteren Gängen und der Turbolader mit Ladeluftkühlung verantwortlich.

Dadurch sprintet der Qashqai 1.5 dCi, dessen Diesel mit zwei Ventilen pro Zylinder auskommt und in fast allen Bereichen angenehm kultiviert läuft, trotz einer kleinen Anfahrschwäche in nur 12,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, allerdings dreht der Motor im dritten Gang dann schon in den roten Bereich. Aber auch die Gänge vier und fünf sind nicht sonderlich lang übersetzt, was dem Fahrzeug auch bei Tempo 80 im fünften Gang noch einen guten Durchzug beschert und es schon nach 11,8 Sekunden auf Tempo 120 bringt. Außerdem kann man sich vor allem auf längeren Autobahnstrecken über den sechsten Gang freuen, der auch dann den Spritverbrauch in niedrigen Grenzen hält.

Schade ist nur, das der Dieselpartikelfilter nur optional an Bord kommt und der Verbrauch dann z.B. von 6 Litern in der Stadt auf 6,6 Liter wächst, außerorts sind es laut Nissan immer 4,8 Liter. Auf unserer Normstrecke kam der 1.5 dCi auf 5,3 Liter Diesel auf 100 km, der CO2-Ausstoß beträgt 146 g/km, bei der Abgasnorm erreicht der Wagen „nur“ Euro 4.

Die Bedienung des serienmäßigen Sechsgang-Schaltgetriebes bietet keinen Grund zur Beanstandung. Der Schalthebel gleitet angenehm straff geführt auf ausreichend kurzen Wegen durch die Kulisse, nur über die Leerlaufstellung ist ein ganz leichter Holperer festzustellen.

Was man heutzutage an Sicherheitsfeaturers von einem modernen Fahrzeug erwartet, hat auch der Nissan Qashqai anBord, also Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer, außerdem durchgehende Kopfairbags vorne und hinten.

Außerdem sind natürlich alle Sitzplätze mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten und Kopfstützen bestückt, vorne zusätzlich mit pyrotechnischen Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sowie aktiven Kopfstützen.

Unser Nissan Qashqai 1.5 dCi DPF wird als Visia für 22.140,- Euro angeboten, ohne Partikelfilter hat er dann statt 76 sogar 78 kW und kostet 21.540,- Euro, in der Ausstattungsvariante Acenta kostet er 23.990,- Euro (ohne Filter 23.390,- Euro) und in der Topversion Tekna 27.490,- bzw. 26.890,- Euro.

Schon in der Basisversion sind elektrisch verstellbare Außenspiegel, el. Fensterheber, eine manuelle Klimaanlage, eine Radio/CD-Kombination mit Bluetooth-Schnittstelle, ein Bordcomputer, verschiebbare Armablage zwischen den Vordersitzen und ein höheneinstellbarer Fahrersitz mit an Bord. Beim Acenta gehören noch ein Lederlenkrad, die Zweizonen-Klimaautomatik, ein Tempomat und eine Lendenwirbelstütze für den Fahrer sowie ein Regensensor und die Fahrlichtautomatik zur Serienausstattung.

Beim Tekna sind dann auch noch eine Lederausstattung, Xenon-Scheinwerfern, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen-Felgen, Intelligent Key, Sitzheizung, Einparkhilfe, Panorama-Glasdach, beleuchtete Make-up-Spiegeln und ein Sechsfach-CD-Wechsler mit dabei.

Entsprechend kurz ist die Liste der möglichen Extras. So kostet die Navigationseinheit mit Rückfahrkamera für den Acenta 850,- Euro, für den Tekna 650,- Euro, das Panorama-Glasdach für den Acenta 900,- Euro und das Comfort-Paket für den Acenta u.a. mit der Einparkhilfe 500,- Euro. Für alle Versionen ist die Metallic- oder Mineraleffekt-Lackierung für 490,- Euro erhältlich.

Der Vollständigkeit halber sei nocherwähnt, dass der Qashqai alle 12 Monate bzw. 20.000 km zur Wartung in die Werkstatt muss, eine Drei-Jahres-Garantie bis 100.000 km besitzt und folgende Versicherungseinstufungen besitzt: HPF 17, VK 18 und TK 22.

Stand: Oktober 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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