// Fahrbericht / Komm, Kia Venga, komm

Kia

Komm, Kia Venga, komm

Erst im September letzten Jahres feierte der Kia Venga auf der IAA seine Premiere und nun rollt der neue B-MPV bereits zum Händler. Das Fahrzeug präsentierte sich bisher als Studie No.3 und hört nun auf den spanischen Namen „Venga“, was übersetzt „Komm!“ oder „Los“ bedeutet. Was Sie unter B-MPV (Multiple Purpose Vehicle) verstehen dürfen? Kurz gesagt handelt es sich dabei um einen Minivan im B-Segment – übersetzt: ein Mehrzweckauto. Zu seinen Mitbewerbern zählt z. B. der Opel Meriva oder Citroën C3 Picasso. Platz, Variabilität, das Motorenangebot wie auch das Fahrwerk gehen voll in Ordnung, die Sitze bieten etwas wenig Seitenhalt und Blick nach schräg hinten ist eingeschränkt, ansonsten aber ein gutes Angebot zum fairen Preis.

Jetzt ist auch Kia im stetig wachsenden B-Segment hervorragend aufgestellt, ob klassischer Kleinwagen (Rio), flippiges Lifestyle-Fahrzeug (Soul) oder nun eben der Minivan als jüngste Neuheit. Der Venga stammt jedoch, anders als seine Schwestermodelle, vollständig aus Europa.

Zu den optischen Merkmalen gehören neben dem langen Radstand verbunden mit kurzen Fahrzeugüberhängen und der stattlichen Fahrzeughöhe, das Spiel mit sanften Schwüngen und markant gezeichneten Linien. Während gerade die Front mit stark und scharf gezeichneten Scheinwerfern daherkommt, deren Form sich auch im Kühlergrill widerspiegelt, ist das Heck kompakt-rundlich gehalten.

Bis hier hin schwingt sich die Motorhaube in direkter Linie über die flache Frontscheibe und die sanfte Dachwölbung, schafft mit der4 deutlich ansteigenden unteren Fensterlinie in einem kleinen hinteren Seitenfenster. Um die Seite etwas aufzulockern, bekamen die Türen am unteren Ende eine Markante Sicke verpasst.

Dank stark ausgestellten Radläufen stehtder Venga auf breiter Spur, für den sportlichen Touch am Heck sorgt die geschwungene Heckscheibe mit Dachkantenspoiler und ein angedeuteter Difussor in der Heckschürze.

Das Cockpit des Kleinen kommt modern, aufgeräumt und übersichtlich daher, auch die Verarbeitung gibt keinen Anlass zur Kritik. Nur die Sitze konnten nicht überzeugen, mit zu wenig Seitenhalt und nur geringer Lendenwirbelunterstützung verlangt das ansonsten angenehm straffe Gestühl nach Verbesserung.

Die erhöhte Sitzposition sowie die weit entfernte Windschutzscheibe/A-Säule in Verbindung mit der enormen Dachhöhe vermittelt absolutes Van-Gefühl. Die hinteren, breiten Säulen schränken allerdings den Blick sehr ein. Hier schafft jedoch die optional erhältliche Rückfahrkamera Abhilfe. Diese zeigt das Bild, wie bereits aus dem Soul bekannt, im Innenspiegel an. Eine Lösung, die zwar eine kurze Eingewöhnungsphase verlangt, sich dann aber als absolut praktisch erweist.

Eine weitere tolle Option hält Kia mit dem zweiteiligen Panoramaglasdach bereit. Es erstreckt sich fast über das gesamte Dach und der vordere Teil lässt sich elektrisch öffnen. Bei uns leider nicht zu haben, das Multimedia-Navigationssystem.

Für einen Kleinwagen nicht selbstverständlich, das in Höhe und Weite justierbare Lenkrad. Dies liegt zudem gut in der Hand und ist im sportlichen Look gehalten, allerdings erst ab der Variante Spirit mit Leder bezogen. Je nach Ausstattung sind die Bedienelemente für das Audiosystem Serie oder optional erhältlich, ebenso die Bedieneinheit für die Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Geschwindigkeitsregelanlage.

Der sportliche Touch wurde auch in der Instrumenteneinheit beibehalten, in Röhrenoptik und mit roter Beleuchtung versehen sind die drei Rundinstrumente gut ablesbar. Ein Bordcomputer ist ab der Linie Vision mitdabei.

Während die Applikationen der Basisausstattung in Metalloptik gehalten sind, verfügen die höheren Ausstattungen über Dekors in schwarz glänzender Klavierlackoptik die zudem auch in den Farben Grau oder Grün erhältlich sind.

Nehmen wir nun in Reihe Zwei Platz … auch als Großgewachsener sitzen wir hier richtig angenehm und mit ausreichend Raum, gerade was die Kopffreiheit angeht ist von Kleinwagenatmosphäre nichts zu spüren. Die Rückbank lässt sich zudem in Längsrichtung bis zu 130 mm verschieben, hierzu ist wie auch beim Umlegen nur ein Handgriff nötig. Die Kopfstützen müssen dabei nicht entfernt werden. Nur ein, zwei Handgriffe mehr benötigen wir, um den flexiblen Ladeboden zu variieren.

Je nach Einstellung entstehen eine ebene Ladefläche oder aber zwei unschöne Stufen, wobei eine davon beim Ein- und Ausladen zu überwinden ist. Ohnehin ist die Ladekante recht hoch, die Heckklappe schwenkt dafür aber auch weit nach oben auf.

Das Fassungsvermögen des Venga reicht je nach Einstellung der asymmetrisch geteilten Rückbank und des flexiblen Ladebodens von 314 Liter bis hin zu 1.341 Liter. Zusätzliche 18 Liter Fassungsvermögen bietet die Box unter dem Gepäckraumboden.

Es dem Kunden recht zu machen ist nicht immer leicht, dem einen ist das Fahrwerk zu weich, dem anderen zu unkomfortabel. Nicht weich, wie häufig für einen Asiaten üblich, sondern angenehm straff ist der „europäische“ Venga ausgelegt und zusätzlich mit einer guten, direkten MDPS-Lenkung bestückt, diese elektronisch unterstützte Zahnstangenlenkung senkt zudem den Kraftstoffverbrauch.

Ein sportlicher Kurvenritt macht dem Kleinen nicht zu schaffen, im Gegenteil. Doch die gebotene Dynamik schränkt folglich den Komfort ein und so wurde der schlechte Zustand der Straßen um Rom deutlich nach innen getragen.Hier zulande wird das Ganze jedoch deutlich anders aussehen und somit sind wir uns sicher, dass der Venga immer noch ausreichend Komfort bietet. Seine Wendigkeit drückt der Venga mit 10,42 Meter Wendekreisdurchmesser auch ganz klar in Zahlen aus.

Scheibenbremsen rundum, vorn innenbelüftet, sorgen in Verbindung mit 4-Kanal-4-Sensoren-ABS inkl. elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) und einem Bremsassistent für ordentliche Verzögerungswerte und ein sicheres Gefühl, denn sie sprechen schnell und bereits auf leichten Tritt an.

Zur Markeinführung dieser Tage stehen vier Motoren zur Wahl, jeweils ein 1,4 Liter und 1,6 Liter-Aggregat auf der Benziner- sowie der Diesel-Seite.

Die Einsteiger starten mit 90 PS und schon damit ist der Venga ausreichend bestückt. Wer allerdings auf Durchzugvermögen Wert legt, muss auf den 1.6 CVVT oder CRDi zurückgreifen. Alle Motoren erfüllen bereits die Euro-5-Norm.

Konzentrieren wir uns heute auf die Einsteiger, den 1.4 CVVT der vorrausichtlich das Volumenmodell darstellen wird und den völlig neuen 1.4 CRDi.

Der Benziner schafft es mit seinen 66 kW / 90 PS und dem maximalen Drehmoment von 137 Nm bei 4.000 U/min in 12,8 Sekunden auf Tempo 100, die Topspeed ist bereits bei 168 km/h erreicht. Fahrwerte, die zwar nicht unbedingt für Glücksgefühle sorgen, aber für ein ausreichend schnelles Vorankommen. Der Mixverbrauch pendelt sich dabei um die 6,2 Liter ein. Die CO2-Werte liegen hier bei 147 g/km.

Rein vom Gefühl her geht das Dieselaggregat mit 220 Nm etwas spritziger ans Werk. Ein Turboloch trübt allerdings den Fahrspaß ein wenig und mit 14,5 Sekunden für den Sprint von Null auf 100 km/h muss er sich dem Benziner doch deutlich geschlagen geben. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 167 km/h, Werte, die vor allem mit Blick auf den Verbrauch von 4,7 Liter auf100 Kilometer und einem CO2-Ausstoß von 124 g/km vollkommen in Ordnung gehen.

Das Stopp-Start-System ISG reduziert diesen Wert nochmals um mindestens 0,2 Liter, aber auch die CO2-Emissionen, was sich gerade beim Diesel sehr bemerkbar macht, der es dann nämlich unter die 120 g/km-Grenze schafft und somit von der Kraftfahrzeugsteuer befreit ist.

Dieses System ist für unsere getesteten Motoren abgesehen von der Basis-Ausstattung für 300,- Euro Aufpreis erhältlich. Es kommt zum Einsatz, wenn das Fahrzeug zum Stehen gekommen ist und der Fahrer entkuppelt. Der Motor startet bei erneutem Gang Einlegen schnell und leise. Gekennzeichnet sind die ISG- Fahrzeuge mit dem „EcoDynamics“-Emblem und sie verfügen zudem über ein energiesparendes Lichtmaschinen-Management und Leichtlaufreifen. Eine Schaltpunktanzeige gehört wiederum bei allen Versionen zum Serienumfang.

Die Dieselversionen sind mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe ausgerüstet, die Benziner leider noch mit einem Fünfgang-Handschalter. Schaltweg und Führung gehen ebenso in Ordnung wie die Abstimmung.

Heutzutage darf sich ein Auto keine Schwächen im Bereich Sicherheit leisten, dass gilt natürlich auch oder besonders für Kleinwagen.

Mit dem Kia Venga sind Sie in jedem Fall auf der sicheren Seite. Bereits die Basis verfügt über das integrierte Rückhaltesystem SRS (Safety Restraint System), das u.a. Front- (Beifahrerairbag abschaltbar) und Seitenairbags sowie durchgehende Kopfairbags, höhenverstellbare Sicherheitsgurte inkl. Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer, aktive Kopfstützen, ISOFIX-Halterungen und Befestigungspunkte für Top-Tether-Gurte auf den äußeren Sitzplätzen im Fond beinhaltet.

Die bereits erwähnten Features ABS, TCS, BAS und ESC inkl. Berganfahrhilfe HAC sind ebenfalls serienmäßig an Bord.

Wenn Kia beim Venga von derBasisausstattung spricht, dann meint Kia das nicht ganz so. Mit 15-Zoll-Stahlfelgen, einem höhen- und weitenverstellbaren Lenkrad, einem höhenverstellbaren Fahrersitz, elektrischen Fensterhebern vorn, Sonnenblenden mit beleuchteten Make-up-Spiegeln, einer in Längsrichtung verschiebbaren Rückbank, dem verstellbaren Gepäckraumboden und einer Zentralverriegelung inkl. Fernbedienung ist er schon ganz ordentlich ausgestattet.

Allerdings sind ein Radio, Bordcomputer, elektrisch einstellbare Außenspiegel oder eine Klimaanlage nicht verbaut, trotzdem kann sich der Preis von 13.990,- Euro für den 1,4 CVVT Attract durchaus sehen lassen, der 1.4-Liter-Diesel beginnt aber erst bei 15.750,- Euro.

In der Ausstattung Vision ab 15.570,- Euro bietet der Venga zwar eine manuelle Klimaanlage und einen Bordcomputer, doch elektrische Fensterheber hinten, ein klimatisiertes Handschuhfach, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Nebelscheinwerfer, Instrumentendimmer, in Wagenfarbe lackierte Außenspiegel und Türgriffe, ein Lederlenkrad sowie –schaltknauf sind erst ab der Linie „Spirit“ je nach Motorisierung zwischen 17.075,- und 19.775,- Euro mit an Bord.

Dann sind außerdem eine Klimaautomatik, Sitzheizung vorn, die Bluetooth-Freisprecheinrichtung, ein iPod-Kabel und Blinkleuchten in den elektrisch anklappbaren Außenspiegeln im Preis inklusive.

Wer dann noch gerne über Extras wie die Rückfahrkamera, einen Tempomat, dunkel getönte Scheiben hinten oder das Panoramadach verfügen möchte, kann diese in Form von Paketen ordern, allerdings nicht für die Basis-Variante und nur zum Teil für den „Vision“.

Mit all diesen Features und noch reichlich mehr fühlen wir uns in der Topversion „Mind“ rundum verwöhnt, diese ist aber nur mit den 1.6-Liter-Motorisierungen kombinierbar und beginnt bei 18.655,- Euro, der Dieselknackt sogar die 20.000-Euro-Grenze.

Keinen Unterschied macht Kia dagegen bei der Garantie, für alle Fahrzeuge gilt: Sieben Jahre (oder 150.000 km) auf das gesamte Fahrzeug und zwölf Jahre gegen Durchrostung.

Stand: Januar 2010, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

Diesen Artikel weiterempfehlen:

ähnliche Beiträge

Kommentare

Keine Kommentare for “Komm, Kia Venga, komm”

Kommentar schreiben

XHTML: Folgende HTML-Elemente sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Archive

banner