// Fahrbericht / KIA Soul 1.6 CRDi

Kia

KIA Soul 1.6 CRDi

Schon die Grundform fällt aus dem Rahmen, mit diversen Mustern und elf Lackierungen sowie dazu auch noch verschiedenen Ausstattungen kann jeder seinen ganz individuellen Soul leben. Blickt man auf die Straße, scheint das aber von den Käufern nicht sonderlich geschätzt zu werden, die meisten kommen z.B. ohne die Auto-Tattoos aus. Viel Platz, etwas wenig Variabilität, ein sportliches Fahrwerk, ein kräftiger Motor mit günstigem Verbrauch und eine ordentliche Ausstattung zum fairen Preis kennzeichnen den Soul. Die Werksvorgaben, welche Version mit welchem Motor und dazu welche Sonderausstattungen gekauft werden kann leuchten uns aber nicht ein – dafür leuchten ggf. die Sitze dank lumineszierendem Stoff.

Die Mischung macht´s, so könnte man meinen beim Anblick des neuen Kia Soul. Er vereint Attribute eines SUV mit denen eines Kompaktvans und liefert damit eine schicke Kombination, die den teils tristen Alltag auf unseren Straßen pfiffig auflockert.

Von der steil stehenden Front mit den optischen Anleihen an einen Unterfahrschutz über die abfallende Dachlinie bis hin zum ebenso steil abfallenden Heck mit den senkrecht angeordneten Rückleuchten ist die Linienführung eigenständig, markant und polarisierend. Die Fahrzeugüberhänge wurden dabei knackig kurz gehalten, der Radstand trumpft mit 2,55 Metern Länge auf.

Für die nötige Raffinesse sorgen Chromakzente, die schwarzen Dachsäulen (A-Säule in Hochglanzoptik) und je nach Geschmack mit diversen Mustern. So kann der Soul mit verschiedenen selbstklebenden „Tattoos“ vom Dragon- bis hin zum Hahnentrittmuster versehen werden.

Ihrer Individualität scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein, denn neben der Möglichkeit aus insgesamt elf zum Teil ausgefallenenAußenfarben zu wählen, stehen zahlreiche Felgendesigns in 16- sowie 18-Zoll und weiteres Zubehör zur Verfügung, um Ihren Soul nicht wie alle anderen aussehen zu lassen.

Nachteile bringt die schicke Optik allerdings auch mit sich. Die sehr breiten C-Säulen schränken den Blick stark ein, hier können auch die kleinen Zusatzfenster keine Abhilfe schaffen. Außerdem flutschen einem die Halbschalen-Türgriffe gerne aus der Hand, was gerade Damen mit manikürten Fingernägeln missfallen dürfte, weil selbige hochgradig gefährdet sind.

Im Interieur geht die Vielfalt der Möglichkeiten weiter, von unterschiedlich farbigen Armaturen bis hin zu Sitzbezügen die bei Nacht leuchten, zeigt Kia hier Ideenreichtum und bekennt sozusagen Farbe. Denn anders als so oft bei einem Koreaner bemängelt, kommt der Soul so gar nicht Grau in Grau daher. Drei Farbvariationen (Schwarz, Beige und Rot) stehen dem Kunden zur Wahl und sogar im Handschuhfach sowie im geschlossenen Ablagefach in der Mittelkonsole strahlt uns ein knalliges Rot entgegen.

Was wir allerdings nicht zu sehen bekommen ist ein Bordcomputer und die damit verbundene Verbrauchs- und vor allem Reichweitenanzeige sowie weitere Fahrzeuginformationen – uns absolut unverständlich und heutzutage eigentlich nicht mehr akzeptabel.

Wiederum gut im Blick liegen die übersichtlich gestalteten und weit oben platzierten Bedienelemente sowie die großen Rundinstrumente mit weißer Skalierung auf schwarzem Grund und einer orange-rötlichen Beleuchtung – warm und sportlich zugleich.
Die Materialauswahl, angefangen von den silberfarbenen Applikationen über die Armaturen bis hin zu den verwendeten Stoffen, gibt kein Anlass zur Kritik, sie wirken ebenso solide wie deren Verarbeitung.

Die Sitze verlangen allerdings nach einer Verbesserung, gerade derBereich Seitenhalt bieten sie zu wenig, und auch die Beine größerer Passagiere liegen nicht richtig auf. Eine Höhenverstellung sollte zudem in allen Varianten serienmäßig sein. Ansonsten lässt sich das Gestühl mittels Hebel fein variieren, die fehlende Längsverstellung des Lenkrades lässt aber viele meist nicht optimal sitzen.

Das Raumangebot ist wiederum vorne wie hinten vorbildlich und bietet selbst großgewachsenen Insassen noch üppig Luft im Bein- wie Kopfbereich. Etwas störend für die Insassen im Fond: die Fenster lassen sich nicht vollständig versenken.

Zu einem der pfiffigsten Highlights zählt ganz klar das optionale Soundsystem mit der klanggesteuerten Mood-Beleuchtung SSML (Sound Sensitive Mood Lighting). Wer hier den Sound ertönen lässt, erhält eine optische Untermalung in Form der zwei LED-Leuchtringen an den Lautsprechern in den Vordertüren. Deren ebenfalls orange-rötliche Beleuchtung pulsiert je nach Einstellung im Rhythmus der Musik mit, die Helligkeit im Allgemeinen richtet sich nach der Lautstärke.

Bei all der Individualität, die Kia mit dem Soul bietet, sind wir überrascht über die mangelnde Flexibilität die der Crossover an den Tag legt. Gerade mal die Rücksitze lassen sich umlegen, das war´s. Ein zusätzliches Umklappen des Beifahrersitzes oder ein Verschieben der Rückbank – wie etwa bei Mitbewerbern – ist hier leider nicht möglich.

Ansonsten bietet der 222 bzw. 340 Liter große Kofferraum ausreichend Platz und ist auf bis zu 1.140 Liter / 1.258 Liter zu erweitern, die entstehende Ladefläche ist nahezu eben, ein Entfernen der Kopfstützen ist nicht nötig. Unter dem Ladeboden befindet sich auf Wunsch ein großes Fach mit zahlreichen Unterteilungen (hiervon sind auch die vorherigen Literangaben abhängig), darunter befindet sich imErsatzreifen sauber verstautes Werkzeug.

Beladen lässt sich der Kia dank weit öffnender Heckklappe an sich gut, nur die Ladekante ist etwas hoch, dafür aber im Gegensatz zur Stoßstange gut gegen Ladekratzer geschützt.

Im Fahrwerk findet der Soul seine dritte Komponente – und zwar die unerwartet sportliche. Das Fahrzeug lässt sich spielerisch – mit und ohne ESP – um enge Kurven jagen oder um die Pylonen zirkeln. Dem sehr dezenten Untersteuern ist problemlos entgegenzuwirken, sein Verhalten ist jederzeit gutmütig. Auf Grund der Fahrzeughöhe besteht zwar eine gewisse Wankbewegung, doch auch diese lässt bei den Insassen zu keiner Zeit Unsicherheit aufkommen.

Für unseren Geschmack hat Kia genau den richtigen Kompromiss für dieses Fahrzeug gefunden, dem ein oder anderen dürfte es allerdings vor allem bei schlecht ausgebauten Straßen ein wenig an Komfort mangeln.

Wiederum jeden überzeugen kann der Soul mit seinem wendigen Fahrverhalten (Wendekreis von 10,5 Meter). Die MDPS-Lenkung (Motor Driven Power Steering) ist bei höherem Tempo angenehm straff und direkt ausgelegt, überzeugt im Stadtverkehr und gerade bei Parkmanövern jedoch mit Ihrer Leichtgängigkeit.

Mit vier Scheibenbremsen bestückt, vorn innenbelüftet, sowie den im elektronischen Stabilitätsprogramm ESP integrierten Bremsassistent (BAS) und 4-Kanal-4-Sensoren-ABS inkl. elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) packt die Bremse recht gut zu und bringt im Notfall – wenn auch mit starkem Quietschen und schwarzen Strichen auf den Asphalt ziehend – den Soul nach ca. 39 Metern aus Tempo 100 zum Stehen.

Der Kia Soul 1.6 CRDi ist mit 94 kW / 128 PS ausreichend stark motorisiert, doch gerade sein maximales Drehmoment von 260 Nm ab 1.900 Touren sorgt unten rum für zügigen Vortrieb. Oben rum geht ihm allerdings dieLuft aus, zudem ist gerade der 5. Gang lang übersetzt.

Doch zurück auf Anfang. Beim Anlassen ist er noch deutlich als Diesel zu vernehmen, lässt sich aber ohne Anfahrschwäche problemlos anfahren. Im warmen Zustand verflüchtigt sich das hörbare Dieseln und entwickelt sich bei voller Beschleunigung sogar in ein angenehm kerniges Motorengeräusch.

Der Vierzylinder-Turbodiesel mit variabler Geometrie (VGT) und serienmäßigen Dieselpartikelfilter sprintet in 11,3 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht seine Topspeed bei 182 km/h. Was den Verbrauch anbelangt, sind im Schnitt 5,1 Liter auf 100 Kilometer möglich (ermittelt auf unserer Normstrecke), die CO2-Emissionen betragen dabei 137 g/km. Im eher flotten Alltagsbetrieb kann man den auch für die Stadt angesetzten Verbrauch von 6,3 Li8tern einplanen, außerorts gibt Kia 4,6 Liter Diesel auf 100 km an. Zwar befindet sich das Aggregat derzeit auf Euro5-Niveau, es ist aber in Euro4 eingestuft.

Das serienmäßige 5-Gang-Schaltgetriebe gibt keinen Anlass zur Kritik und ist auf durchschnittlich kurzen Wegen exakt geführt. Wer will, kann den 1.6 CRDi mit einer Automatik kombinieren, diese verfügt allerdings nur über vier Stufen.

Vorbildlich, den heutigen Standards entsprechend, bietet der Kia Soul serienmäßig Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie Kopfairbags rundum, Dreipunkt-Sicherheitsgurte inkl. Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer, ein integriertes Rückhaltesystem SRS, aktive Kopfstützen vorn, ISOFIX-Halterungen an den hinteren äußeren Sitzplätzen sowie Befestigungspunkte für Top-Tether-Gurte.

Ebenso im Lieferumfang enthalten sind das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, die Traktionskontrolle TCS, ein Bremsassistent BAS, ABS und die elektronische Bremskraftverteilung EBD.

Die Basisvariante „Soul“ sowie dienächsthöhere Version „Attract“ ist mit der von uns gefahrenen Motorvariante nicht kombinierbar, somit entfallen diese schon mal. Von den insgesamt angeboten vier Ausstattung stehen dem Dieselkäufer also nur noch zwei zur Wahl und wer wirklich individuell und flippig sein möchte, sollte auf die Topvariante „Spirit“ zurückgreifen. Denn nur in Verbindung mit dieser Ausstattung stehen einem diverse Optionen zur Wahl. In Kombination mit dem Dieselaggregat sind aber auch diese zusätzlich eingeschränkt, doch dazu gleich mehr.

Zunächst möchten wir Ihnen aber nicht die Ausstattung „Vision“ vorenthalten.
Diese kann mit 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, einer Klimaanlage, ins Lenkrad integrierte Steuerung des Audiosystems, einem höhenverstellbaren Fahrersitz, elektrisch einstell- und beheizbaren Außenspiegeln, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Sitzbezüge mit „Soul“-Schriftzug (lumineszierend) und einer selbstdimmenden Innenbeleuchtung punkten. Das Ganze zu einem Preis von 19.225,- Euro.

Die Top-Variante für 20.725,- Euro ist mit elektrisch anklappbaren Außenspiegeln, Parksensoren hinten, einer Sitzheizung vorn, Lederlenkrad, Lederschaltknauf sowie Aluminium-Optik an Lenkrad, Armaturenbrettkonsole und Innentürgriffen sowie 18-Zoll-Leichtmetallfelgen auf Niederquerschnittsreifen (225/45 R18), einer Dachreling und abgedunkelten Scheiben hinten bestückt.

So sind für unser Testfahrzeug nur das Styling- oder Sicht-Paket mit einem Dachheckspoiler, dem elektrischen Glasschiebedach, dem erweiterten Soundsystem mit 315 Watt Leistung, Subwoofer und klanggesteuerter Mood-Beleuchtung für entweder 560,- Euro oder 960,- Euro erhältlich.

Uns absolut unverständlich, warum die Rückfahrkamera sowie das Reifendruckkontrollsystem dem 1.6 CRDi vorenthalten wird. Wiederum für alle zueinem Preis von 410,- Euro verfügbar: die Metallic-Lackierung. Die Fünf-Jahres-Fahrzeug-, Mobilitäts- und Lackgarantie sowie zehn Jahre Garantie gegen Durchrostung sind ebenfalls bei allen Varianten im Preis inbegriffen.

Stand: Oktober 2009, Text und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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