// Fahrbericht / Honda Accord Tourer 2.2 i-DTEC

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Honda Accord Tourer 2.2 i-DTEC

Er setzt seine Linie fort, kommt aber vor allem am Heck deutlich bulliger und insgesamt gefälliger, weicher daher. Auch am Cockpit hat sich einiges getan, zahlreiche Materialien und Knöpfe finden zu einer ganzen Landschaft zusammen, geblieben sind die guten Sitze. Die neue Heckklappe öffnet elektrisch – mit bisweilen nervigem Piepsen – aber nicht weit genug. Der neue Diesel wurde auf 150 PS aufgestockt, bringt jetzt mehr Topspeed und in der Stadt weniger Verbrauch, die Sechsgang-Schaltung ist gewohnt knackig. Den arktischen Temperaturen während des Tests war vor allem die Heizung nicht ganz gewachsen, Bremsen, Fahrwerk und Traktion ließen sich auch durch Schnee in Massen nicht beeindrucken.

Er ist sich und seiner Linie treu geblieben, fällt vor allem durch seine Länge auf, die durch die flachen Seitenfenster und die großen Fahrzeugüberhänge noch betont wird. Der optische Gesamteindruck ist fast unverändert, dabei blieb im Detail praktisch nichts wie es war.

So hat Kühlergrill jetzt drei statt einer Strebe, an den Scheinwerfern wurde die Spitze ebenso gekappt wie an der unteren Kante der hinteren Seitenfenster, und wie immer bei einem Facelift wurde die Frontschürze modifiziert. Jetzt deutlich stärker ausgestellt, geben die Radläufe dem Fahrzeug viel mehr Profil und die echten Türgriffen laufen auf einer Linie mit der seitlichen Sicke, die ihrerseits schwungvoller und mit sanftem Anstieg auftritt.

Deutlich gewonnen hat das neue Heck des Honda Accord Tourer. Es ist merklich rundlicher und bulliger geworden, duckt sich jetzt tiefer auf den Asphalt und verschafft dem Wagen ein wesentlich dynamischeres Auftreten, weil auch die D-Säule nebst Heckfenster wesentlich flacher stehen. Hier fällt auf, dass der neue Accord niedirger und breiter wurde. Ganz unten sorgt ein angedeuteter Diffusor für den sportlichen Abschluss, schade nur, dass sich der Auspuff so versteckt.

Komplett neu gibt sich der Accord im Innenraum. Zwar war auch in unserem Testwagen Schwarz noch immer der vorherrschende Ton, doch kommen jetzt von den Türgriffen über die Instrumente und das Lenkrad bis hin zur geschwungenen Blende vom Armaturenbrett bis zur Mittelkonsole vermehrt Aluapplikationen ins Spiel, die viel Frische ins Cockpit bringen.

Dazu dunkleHolzapplikationen auf der Mittelkonsole und fertig ist eine hochwertige, schwungvolle und moderne Anmutung, bei der sich Luftaustrittsöffnungen, Drehknopf und Drucktasten zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen und eine richtige Landschaft bilden, zu deren gelungenem Materialmix sich leider auch reichlich Hartplastik gesellt. Seine Schalter und Tasten sind recht zahlreich und reichen bis ins Lenkrad, für unseren Geschmack ist das Cockpit fast schon etwas zu voll.

Die Sitze entsprechen abgesehen von einigen leicht versetzten Nähten denen des Vorgängers, sehen schon rein von der Optik her gut aus und bieten dann auch in der Praxis guten Sitzkomfort, Seitenhalt und Verstellmöglichkeiten. Lediglich die Beinauflagefläche könnte gerne einen Tick länger sein.

Wie gehabt, ist das Platzangebot vorne bestens aus und auch hinten hat man als 1,80 m Mensch noch hinter einem 1,80 m Fahrer Platz, allerdings bleibt den Knien dann nicht mehr viel Luft. Und weil die B-Säule recht weit hinten steht wird es hinten beim Ein- und Ausstieg vor allem für die Füße etwas eng, hier spürt man fast, dass sich der Radstand geringfügig verkürzt hat.

Etwas knapp fällt auch die Höhe aus, die die auf Knopfdruck elektrisch aufschwingende (und auf Dauer etwas nervig piepsende) Heckklappe schafft, schon mit 1,70 m Körpergröße wird es kritisch. Nicht gerade knapp aber deutlich kleiner ist der 406 Liter große Kofferraum bemessen, der neben zusätzlichen Fächern (u.a. auch unter dem Ladeboden) auch durch einfaches Umlegen der Rücksitzlehnen erweiterbar ist, die Ladeflächeist fast eben und nur eine kleine Stufe stört. Hier hat der Tourer klar einen Schritt in Richtung Lifestyle getan, das schräge Heck ließ das schon vermuten.

Das Fahrwerk des neuen Accord bietet einen guten Komfort, dazu passt der sich zumeist angenehm zurückhaltende Motorsound und die gute Dämmung was Abroll- und Windgeräusche angeht.

Trotz des Komforts kann man mit dem Honda auch ganz gut flott durch die Kurven räubern, leicht untersteuernd gibt er sich ausgesprochen gutmütig, und das gilt auch bei winterlichen Straßenverhältnissen, von denen wir im Rahmen unseres Tests mehr als genug hatten. Reichlich Schnee und bittere Kälte konnten dem Accord nichts anhaben, zumindest was die fahrerischen Qualitäten und den Motor angingen. Selbst bei tiefen Minusgraden sprang der Motor ohne Mucken oder langes Vorglühen an und lief von Anfang an ruhig, und die Traktion des Frontrieblers konnte sich ebenso sehen lassen wie die schön direkte und angenehm straffe Lenkung.

Dafür zeigte er andere Winterschwächen. So frohren – anders als bei den anderen unserer Testwagen dieser Tage – ständig über Nacht die Scheiben innen zu und das Lenkrad war stets gefühlte 5 bis 10 Grad kälter, wurde auch während der Fahrt nur ganz langsam wärmer. Das galt auch für die Sitzheizung, die locker 10 km Fahrstrecke brauchte, um einen warmen Sitz zu schaffen, und das auf der Stellung „High“. Und auch die Heizung selbst ließ sich bei eisiger Kälte recht viel Zeit, um den Innenraum in mollige Wärme zu hüllen.

Wiederum ganz auf Komfort getrimmt spricht der Accordsogar mit Ihnen, z.B. Tür offen, Handbremsen lösen, anschnallen … Außerdem zeigt er an „Bremsen“, wenn das Abstandsradar ein zu dichtes Auffahren registriert. Dann allerdings haben sie das Präventive Fahrerassistenzsystem, kurz CMBS, mit der Adaptiven Geschwindigkeitsregelung ACC an Bord und aktiviert, und dann hält der Accord automatisch den nötigen Sicherheitsabstand ein. Dabei bremst das System angenehm sanft ab, lässt sich aber bei mehrspurigen Fahrbahnen in Kurven von Fahrzeugen auf der anderen Fahrbahn beeinflussen. Beträgt der Abstand zum Vordermann weniger als 1 Sekunde, dann werden vorsichtshalber die Sicherheitsgurte von Fahrer und Beifahrer gestrafft und es wird stark abgebremst.

Bei unseren Bremstests sorgte eine stets zumindest teilweise Schneedecke für verlängerte Bremswege, dafür konnte der Honda natürlich nichts, zeigt aber eindrücklich, wie spurstabil er dank ABS auch bei widrigen Straßenverhältnissen bleibt. An der guten Dosierbarkeit und dem schnellen Ansprechen hat sich nichts geändert, und nach wie vor sind Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten, elektronische Bremskraftverteilung und Bremsassistent serienmäßig an Bord.

Bestandteil des Honda Advanced Safety Pakets ist neben den bereits genannten Systemen CMBS und ACC auch der aktive Spurhalteassistent LKAS, der beim Überfahren der Fahrbahnmarkierungen ohne Blinkerbetätigung und bei entsprechendem Lenkwinkel, der keinen absichtlichen Spurwechsel vermuten lässt, aktiv wird. Allerdings kann LKAS nur 80% des erforderlichen Lenkmoments liefern, der Rest mussvom Fahrer kommen, und der muss auch die Hand am Lenkrad haben – ist also nichts mit zurücklehnen und ein Schläfchen halten …

Na, den kennen wir doch. Auch unter der Haube des neuen Accord schlägt ein bekanntes Herz, das aber eine kleine Bypass-Operation erfahren hat. Sprich, aus den bewährten 2,2 Litern Hubraum, verteilt auf vier in Reihe verbauten Zylindern holt der aktuelle Common-Rail-Direkteinspritzer jetzt mit 150 PS (110 kW) ganze 10 PS mehr raus, und auch das Drehmoment von 350 Nm ist um 10 Nm gewachsen.

Damit ändert sich aber die Leistungsausbeute kaum, mit 207 km/h Topspeed nur unwesentlich (10 km/h) schneller schafft der den Sprint von Null auf Hundert nur noch in 9,8 Sekunden (0,4 Sekunden langsamer), ist aber damit mehr als ausreichend motorisiert, zumal der Diesel angenehm leise läuft und nur wenn er die Topspeed erreichen muss oder voll gefordert wird sich ein wenig kernig zeigt.

Dabei begeistert der Accord 2.2 i-DTEC, wie der Diesel jetzt heißt, mit einem sehr guten Durchzug und der sehr angenehmen Möglichkeit auch niedertourig und schaltfaul ganz bequem fahren zu können. Dabei hilft das serienmäßige Sechsgang-Schaltgetriebe auch noch mit einer Schaltempfehlung, die zudem Sprit spart, und eine Anfahrschwäche zeigt auch der neue Motor nicht.

Etwas kleiner ist die Gedenksekunde geworden, die sich der Honda gönnt, bevor er den Tritt aufs Gas mit mächtigem Vortrieb quittiert und der Rußpartikelfilter ist jetzt serienmäßig an Bord, trotzdem schafft auch der 150 PS-Diesel nur die Abgasnorm Euro 4. Im Verbrauch hat sichzumindest innerorts was verbessert, mit jetzt 7,5 Litern nimmt er seinem Vorgänger 0,2 Liter ab, außerorts sind es aber mit 5,0 Litern 0,1 Liter mehr. Fast 14 Tage Schneechaos auf den Straßen haben uns diesmal einen Strich durch die Benzinmessfahrt gemacht.
An der Sechsgang-Schaltung hat sich nichts geändert, sie harmoniert nach wie vor bestens mit dem Motor und lässt sich auf knackig kurzen Wegen präzise schalten.

Neben den „normalen“ Sicherheitselementen wie Front-, Seiten- und Kopfairbags, Kopfstützen (vorne aktiv), Dreipunktgurten (vorne mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sowie höhenverstellbar) und ISOFIX hat er auch noch das Stabilitätsprogramm und die Anhängerstabilisierung TSA an Bord, und optional das oben beschriebene Sicherheitspaket für allerdings stattlich 2.450,- Euro.

Unser Testfahrzeug, der Honda Accord Tourer 2.2 i-DTEC in der Ausstattungslinie Executive kostete komplett ausgestattet mit Sicherheits-Paket, DVD-Navigation (2.400,- Euro) und Metallic-Pearl-Lackierung (530,- Euro) stolze 40.055,- Euro.

Da gehören dann aber z.B. auch die elektrische Heckklappe, die 17 Zoll Alufegen, Dachreling, Licht- und Regensensor, Xenonlicht, el. verstellbarer Fahrersitz, Handschuhfach und Fach in Mittelarmlehne klimatisiert, Premium-Sound-System mit CD-Wechsler und geschwindigkeitsabhängiger Lautstärkeregelung, Zweizonen-Klimaautomatik, Ledersitze mit Sitzheizung, elektrische Fensterheber, Nebelscheinwerfer, Einparkhilfe vorne und hinten, die Alarmanlage und die Zentralverriegelung zum Serienumfang.

Es geht aber auch günstiger,wer will, kann mit dem 2.2 i-DTEC Elegance ab 29.975,- Euro oder mit dem Zwei-Liter Benziner als Comfort ab 26.100,- Euro einsteigen. Die Versicherungseinstufungen für unseren Testwagen lauten HPF 19, VK 22 und TK 24.

Stand Juni 2009, Test: Redaktionsbüro Lind, Fotos: Honda

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