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Gewerblicher Laster: Citroën Berlingo HDI 90 Kastenwagen

Er sieht aus wie alle Berlingo, nur die verblechten Fenster an der Seite und hinten deuten auf den reinen Lastesel hin – falls der Besitzer die nicht hat optional verglasen lassen. Dabei spielt die Optik eigentlich keine Rolle. Viel wichtiger ist die riesige Ladeöffnung mit den beiden Flügeltüren und der niedrigen Ladekante, noch wichtiger ist der dahinter liegende große Laderaum, der das Wort Raum auch tatsächlich verdient. Und die Trennwand zur Fahrerkabine besitzt eine Durchreiche mit der die vorklappbaren Beifahrersitze auch noch einbezogen werden können. Mit wenigen Schrauben ist auch die Hälfte der Trennwand weg und dann … dann müssen Sie einfach den Test lesen, für die Einleitung ist das alles zu viel.

Er ist die Handwerker-Variante des erfolgreichen Familien-Berlingo, und auch er hat das Zeug für den ganz großen Erfolg. Und diese Garanten beginnen schon bei der Optik. Obwohl er ausgesprochen nützlich und praktisch daher kommt, sieht er trotzdem richtig schick aus. Wer den Kastenwagen noch etwas kaschieren möchte, kann die hinteren verblechten Fenster mit einer dunklen Folie bekleben und schon sieht er aus wie ein Pkw mit abgedunkelten Scheiben, oder sie ordern optional eine Rundum-Verglasung.

Unbedingt nötig ist das aber nicht, denn auch unser geschlossener Kastenwagen sieht schick aus, so wie er ist. Die gelungene Front des Berlingo ist hier zum Schutz vor möglichen Parkremplern im unteren Bereich aus schwarzem Kunststoff gefertigt, den nötigen Glanz bringt auch hier der in reichlich Chrom eingefasste Kühler.

Wie es sein muss, sind auch die Seiten massiv mit schwarzen Kunststoffleisten beplankt, was auch gut zu den schwarzen „echten“ Türgriffen passt, die großen Außenspiegel sind in Wagenfarbe lackiert. Ganz auf Praxis getrimmt hat unser Kastenwagen „Niveau B“ optional auf beiden Seiten eine Schiebetür (rechts Serie), die allerdings, auch wenn sie den zur Verfügung stehenden Platz so gut als irgend möglich nutzen, für große Gegenstände etwas zu eng sind.

Aber keine Bange, dafür gibt es am Heck, wo natürlich auch die Stoßstange in schwarzen Kunststoff gehüllt und gut gegen Verkratzen geschützt ist, eine zweiflüglige Tür, die natürlich bis zur ganz niedrigen Ladekante herunterreicht und vor allem auch nach links und rechts keinen Millimeter verschenkt und eine riesige Ladeöffnung zurück lässt. Hier passen auch richtig große Dinge rein, wie unser Foto mit dem Modellhaus im Maßstab 1:10 und einer Ausdehnung von fast 120 x 120 cm beweist.

Die Türen öffnenfür deutsche Verhältnisse genau richtig, die größere Tür zur Straße, die kurze zum Gehsteig hin, die minimale Breite ist 1,10 m, maximal sind es 1,25 m, die Höhe der Öffnung beträgt 1,15 m. Durch die fehlenden Fenster ist der Berlingo natürlich nach hinten und auch beim Blick über die Schulter etwas unübersichtlich, eine gute Abhilfe sind da die Parksensoren in der Heckstoßstange.

Etwas Eingewöhnung braucht es, bis man sich daran gewöhnt hat, im Innenrückspiegel nichts zu sehen. Besonders bei Nacht ist man oft versucht zu glauben, dass kein Fahrzeug hinter einem fährt.

Womit wir auch schon beim Innenraum wären, und wenn wir schon über die große Hecktür gesprochen haben, beginnen wir gleich mit dem Laderaum. Und auch hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Mit den Abmessungen 1,80 x 1,23 m (zwischen den Rädern) und einer Höhe von 1,20 m stehen 3,3 m³ Ladevolumen zur Verfügung, und die sind optimal nutzbar, weil kein Radkasten oder sonst was in den Laderaum störend hineinragt. Wer es noch größer braucht, kann statt des L1 den L2 ordern, der statt 4,38 m eine Außenlänge von 4,.63 m aufweist und stolze 3,7 m³ Ladevolumen mitbringt.

Der Boden ist stabil ausgeführt, die Rillenstruktur macht es möglich, auch schwere Gegenstände leicht zu verschieben, damit alles an seinem Platz bleibt, wurden 6 Verzurrösen montiert. Und hier helfen die seitlichen Schiebetüren wieder gut beim Beladen, nach dem Hineintragen großer Kisten zum Beispiel, kommt man hier problemlos wieder aus dem Fahrzeug raus, falls man nicht ganz professionell mit einem Gabelstapler beladen kann.

Nach vorne zur Fahrerkabine hin ist der Laderaum – auch wieder optional – mit einer stabilen Trennwand abgeteilt, und die kann man auf der Fahrerseite leicht öffnen, sprich den unteren Teilherausnehmen. Und dann geht es nahtlos in den Fahrgastraum weiter, denn hier kann man beide Beifahrersitzlehnen nach vorne klappen und so auch wirklich lange Gegenstände bis 3 Meter durchladen, die Lehnenrückseite des äußeren Sitzes ist dazu mit einer Metallverleidung optimal vorbereitet.

Die langen Gegenstände müssen allerdings in der Höhe begrenzt sein, der obere Teil der Abtrennung ist fix – das heißt, man braucht einen Schraubenschlüssel und schon ist mit wenigen Schrauben auch der ganz entfernt und die volle Höhe nutzbar. Zwar muss dazu auch die Stoffverkleidung zum Fahrgastraum gelöst und umgeklappt werden, was so eigentlich nicht vorgesehen ist, aber der Nutzen erhöht sich enorm.

Bleiben wir bei den Beifahrersitzen, die können nämlich auch zur Trennwand hin die Sitzflächen hochklappen, um dann den Fußraum zu einem weiteren Laderaum umfunktionieren. Und wie es sich gehört, kann natürlich jeder der beiden Beifahrersitze getrennt vor- oder hochgeklappt werden. So können wahlweise ein oder zwei Mitfahrer untergebracht werden. Weitere Fächer unter dem Mittelsitz und dem Fahrersitz und weitere Ablagen nehmen zahlreichen Kleinkran auf.

Dabei wollen wir aber nicht verschweigen, dass der Mittelsitz nicht nur recht schmal ausfällt, sondern dem Mitfahrer auch einiges abverlangt, vor allem, wenn der Fußraum weitgehend mitbeladen wurde, dann bleibt durch die doch weit ausladende Mittelkonsole mit dem hier montierten Schalthebel nicht viel Platz für die Beine.

Auf dem äußeren Beifahrersitz findet man ein ebenso gutes Unterkommen wie auf dem Fahrersitz. Hier sind vor allem die Seitenwagen im Rückenbereich gut ausgeprägt und so ist neben dem guten Sitzkomfort auch ein guter Seitenhalt geboten. Die Lehnenverstellung ist allerdings nicht ganz optimal erreichbar.

Und damitsind wir auch schon am Cockpit, das eigentlich mit dem normalen Berlingo identisch ist. Lediglich einfachere Materialien und fehlende Aluapplikationen machen den Unterschied. Geblieben ist die einfache Bedien- und Erreichbarkeit, die zweifach in Höhe und Weite verstellbare Lenksäule und das gute Raumgefühl.

So ein Berlingo Kastenwagen will ja nun nicht unbedingt eine Reiselimousine sein, aber wenn es denn sein muss, kann man – zumindest zu zweit – auch weite Strecken ganz bequem zurücklegen. Das Fahrwerk ist komfortabel genug ausgelegt, um die meisten Bodenunebenheiten sauber wegzustecken und auf der anderen Seite bei einer höheren Zuladung – bis zu 779 kg sind möglich – nicht gleich in die Knie zu gehen. Und er hat auch das Zeug, mal flotter um die Ecken zu flitzen.

Allerdings stört dann die etwas indirekte Lenkung ein wenig, die auch sonst immer wieder mal eigentlich unnötige Lenkradbewegungen nötig macht. Kommt dann noch starker Seitenwind auf, reagiert der Berlingo mit seinem hohen Aufbau recht unruhig. Dafür bleibt er in Kurven mit dezentem Untersteuern gutmütig, und das auch mit zunehmender Beladung. Hier sollte man natürlich den Schwerpunkt möglichst weit nach unten legen, sonst verstärkt sich die Karosserieneigung doch merklich.

Und mit zunehmend schwererem Heck kommt dieses bei flotter Kurvenfahrt auch mal eher quer, was aber wohl mehr daran lag, dass wir es nicht so gewohnt sind, Nutzfahrzeuge zu testen und zumeist etwas flotter unterwegs waren. Auf jeden Fall gibt es ESP nur gegen Aufpreis in einem der Sicherheits-Pakete.

Die wachsende Beladung spürt der Fahrer auch beim Bremsen. Dann kann der Bremsweg aus Tempo 100 zum Stillstand schnell auf über 40 Meter anwachsen, ansonsten lässt sich die Bremsanlage mit ABS und Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) undhinten sowie Bremsassistent gut dosieren und spricht schnell an.

Was bei den normalen Berlingos als Einstiegsmotorisierung gilt, ist beim Gewerbe-Fahrzeug schon die Topmotorisierung. Der 66 kW/90 PS HDi Vierzylinder ist wahlweise mit und ohne FAP Rußpartikelfilter zu haben, beide entwickeln ein maximales Drehmoment von 215 Nm schon bei niedrigen 1.750 U/min. Damit ist man ausreichend motorisiert und kommt auch aus dem Stand gut los. Leer oder nur leicht beladen zeigt sich der Berlingo damit auch ausreichend spritzig, an Autobahnsteigungen geht ihm aber spätestens beladen etwas die Puste aus.

Im Lieferverkehr auf Landstraßen oder in der Stadt kann man aber jederzeit locker mithalten, nur Überholvorgänge setzen eine gewisse Weitsicht voraus. Akustisch geht der Common-Rail-Turbodiesel voll in Ordnung, wird gefordert zwar kernig aber eigentlich nie störend, außer man bewegt sich für längere Zeit an der Grenze zur Höchstgeschwindigkeit, die er mit 160 km/h erreicht.

Dann ist auch der ansonsten sehr gute Mixverbrauch von 5,9 Litern auf 100 km, den wir auf unserer Normstrecke ermittelt haben, nicht mehr drin, aber mehr als 8 bis 9 Liter genehmigt sich der kleine Lastesel auch dann nicht. Stadtfahrten gibt Citroën mit 7,0 Litern, Außerortsfahrten mit 5,1 Litern an. Hier helfen die lang übersetzten oberen Gänge der serienmäßigen Fünfgang-Schaltung.

Wer nicht ständig am Limit fährt kann den HDi 90 auch ganz schaltfaul bewegen, der Reihenvierzylinder stellt genügend Durchzug dazu bereit. Und wenn nicht, dann liegt der auf der Mittelkonsole platzierte Schalthebel sehr griffgünstig und zeigt sich zudem auf ausreichend kurzen Wegen exakt geführt.

Bei Nutzfahrzeugen richten sich die Hersteller stärker nach den Anforderungen der Kunden, wo kein Beifahrer sitzt, braucht es auchkeinen Airbag, also ist auch der Berlingo von Haus aus erst mal nur mit einem Fahrerairbag ausgestattet. Auf Wunsch können für 404,60 Euro ein Beifahrer- sowie Seitenairbags geordert werden. Im Rahmen der Sicherheitspakete gibt es dann auch ESP mit Berganfahrhilfe.

Serienmäßig sind für die Dreipunkt-Sicherheitsgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern sowie Kopfstützen an Bord. Sicherheit auf der Baustelle z.B. gibt das Schlechtwege-Paket für 142,80 Euro mit einem Motorschutzblech.

Für viele ist der „normale“ Berlingo schon ein Lastesel, aber eigentlich geht das reine Nutzfahrzeug erst beim Kastenwagen los. Und hier ist dann die Grundausstattung auch dem Einsatzzweck angepasst entsprechend reduziert. Unser Testwagen mit dem 90 PS Diesel in der kurzen Version L1 und Niveau B kostet ohne FAP Rußpartikelfilter 17.314,50 Euro und mit FAP 17.790,50 Euro.

Dann sind die geteilte Hecktür, eine seitliche Schiebetür rechts, ABS, Zentralverriegelung, höhenverstellbarer Fahrersitz, eine Beifahrersitzbank, ein zweifach verstellbares Lenkrad, Servolenkung, ein Staufach unter dem Fahrersitz, 6 Verzurrösen im Laderaum, Laderaumverkleidung am Boden und der Seite bis Fensterunterkante, eine Taschenlampe mit Ladekontakt und ein vollwertiges Ersatzrad dabei.

Optional kann dann die Hecktür gegen eine Heckklappe getauscht oder auch verglast werden, gleiches gilt für die Seitenfenster, es kann eine zweite Schiebetür für 321,30 Euro geordert werden oder das Fahrzeug in eine schicke Metallic-Lackierung für 357,- Euro gehüllt werden. Ein Tempomat kostet 238,- Euro, das Sicherheits-Paket 3 mit Beifahrer- und Seitenairbag, ESP, Sichtpaket und Reifendrucksensor kostet 940,10 Euro extra. Dabei sind im Sichtpaket ein Licht- und Regensensor sowie Nebelscheinwerfer enthalten, das es auch separat für309,40 Euro gibt.

Interessierte Leser sollten einen Blick in die Aufpreisliste werfen, wo auch noch Trennwände, Navigationssysteme, Dachträger, Einparkhilfen, Klimaanlage und Anhängerkupplungen zu finden sind.

Stand: Juli 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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Kommentare

2 Kommentare for “Gewerblicher Laster: Citroën Berlingo HDI 90 Kastenwagen”

  1. „Mit den Abmessungen 1,80 x 1,23 m (zwischen den Rädern) und einer Höhe von 1,20 m stehen“

    1,20m die Höhe der Öffnung hinten, oder bis zum Himmel?

    Z.B. verglichen mit einem Chrysler Grand Voyager 4 (RG).
    Da sind es ca. 95cm an der Ladekante zur Kante oben.
    Aber in der Himmelsmitte ca. 1,21m, und an den Himmelsrändrn ca. 1,08m

    Von Tobias Claren | März 9, 2017, 16:00
  2. Hallo,

    bei den Abmessunegn handelt es sich um die des Laderaums, also vom Boden bis zum Dach.

    LG Ludwig Lind

    Von Redaktion (LL) | März 16, 2017, 11:37

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