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Focus RS: Klotzen, nicht kleckern!

Vorsicht bissig! Auch das trifft auf den neuen Ford Focus RS zu, und zwar nicht nur auf die giftgrüne Außenfarbe sondern auch auf die Optik im Allgemeinen. Und im Besonderen auf die 305 PS, die den Focus RS zum derzeit stärksten frontangetriebenen Vertreter seiner Klasse machen. Das es sich hierbei um die Basis für das künftige WRC-Auto (World Rally Championship) handelt, verwundert keineswegs. Aber überzeugen Sie sich selbst und steigen Sie mit uns ein in die Rallye-Sport-Welt von Ford – für nichts anders steht das Kürzel „RS“. Seien Sie überrascht, wie gut der Bolide seine Power auf den Boden bringt, wie geil sein Sound aus den dicken Auspuffrohren brüllt und wie sie die Schalensitze fest halten, und warum …

Bewusst protzig präsentiert sich der neue Ford Focus RS. Dabei fallen die wie Kiemen auf der Motorhaube angebrachten Lüftungsöffnungen noch am wenigsten auf. In die tief auf den Boden reichenden Frontschürze wurde ein üppig dimensionierter Lufteinlass mit schwarzer Verkleidung integriert, der zusammen mit der schwarzen Leiste über dem oberen Lufteinlass und den schwarzen Augenrändern unter den Scheinwerfern macht jedem Blick in den Rückspiegle sofort klar, dass hier was außergewöhnliches unterwegs ist.

In den dick ausgestellten Radhäusern stecken schicke 19-Zöller mit Niederquerschnittreifen und auch aus diesem Blickwinkel sorgen nicht zuletzt die wuchtigen Seitenschweller für den gewünschten Aha-Effekt.

Und dabei kommt das dicke Ende erst noch. Das beginnt mit dem mächtigen, schwarzen, doppelflügligen Heckspoiler oberhalb der Heckscheibe und endet in der wuchtigen Heckschürze mit dem ebenfalls schwarzen Diffusor. Und damit auch niemand auf die Idee kommt, das sei alles nur Schau, stecken hier links und rechts zwei dicke verchromte Auspuffrohre im Format eines kleinen Ofenrohrs, aus denen ein echt geiler Sound entströmt.

Drei exklusive Außenfarben mit darauf abgestimmter Interieur-Optik sorgen zudem für das gewisse Etwas. Zur Auswahl stehen das von uns gefahrene neue „Ultimate Green“ sowie das bekannte „Frost-Weiß“ und „Indianapolis-Blau“.

Auch im Innenraum ist der RS zwar noch klar als Focus zu erkennen, mit farblichen Akzentenund Nähten, sowie den Carbon-Applikationen, den Recaro-Sitzen und den zusätzlichen Instrumenten hebt er sich aber auch hier als RS deutlich von der Basis ab.

So wollen wir aus den geilen Schalensitzen mit wahnsinnigen Seitenwangen gar nicht mehr raus, hier sind wir einfach perfekt eingepackt und fühlen uns wahrlich wie ein Rennfahrer. Aus dem Motorsport stammt auch der spezielle Microfaserbezug mit dem das Gestühl bezogen ist.

Die Innenseiten der Sitzwangen sind farblich auf die Außenfarbe abgestimmt und mit schwarzem Leder an den Außenbahnen kombiniert. An den Rückenlehnen prangt jeweils das „RS“- und „Recaro“-Logo.

Dieses sportliche Feeling bleibt auch im Fond erhalten, hier bietet der RS zwei Passagieren auf knackig ausgeführten Einzelplätzen den richtigen Halt und doch gute Platzverhältnisse.

Das angenehm dicke und griffig in der Hand liegende Dreispeichen-Sportlenkrad inklusive RS-Signatur, die Aluminium-Fußpedalerie und der 6-Gang-Schalthebel unterstreichen den sportlichen Touch. Motorsportcharme kommt außerdem mit den auf dem Armaturenbrett platzierten zusätzlichen kleinen Rundinstrumenten für den Druck des Turboladers, Öldruck und –temperatur auf.

Neuerungen bis ins kleinste Detail: So präsentiert sich zum ersten Mal in der RS-Geschichte das Logo in neuem Look. Allerdings wurde die Überarbeitung nur sehr dezent ausgeführt, die Grafik kraftvoller gestaltet und die Chromeinfassung reduziert.

Der Kofferraum wird hierabsolut zur Nebensache, bietet bei Bedarf jedoch 385 Liter Stauvolumen.

Bei diesem Ford-Boliden sollte der nächste Punkt wohl besser „Sportlichkeit/Fahrwerk/Bremsen“ anstatt „Komfort. . .“ denn dieser spielt hier wirklich nur eine kleine Nebenrolle. Was aber nicht heißen soll, dass der Focus RS im Alltag unfahrbar ist. Doch dass er über Schlaglöcher poltert und Sie die Straße und ihr Zustand jederzeit hautnah zu spüren bekommen, sollte einfach klar sein.

Tja, das Fahrzeug liegt hervorragend wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße, und selbst mit Untersteuern muss man sich nicht herumschlagen. Selbst in engen Kehren bei schwindelerregend hohen Geschwindigkeiten vermittelt der RS Fahrspaß pur. Das auf den RS abgestimmte elektronische Stabilitätsprogramm ESP tut dem auch kein Abbruch sondern hat den Boliden im Grenzfall gut unter Kontrolle.

Die Lenkung ist angenehm straff und wunderbar exakt, mit ihr lässt sich der RS prima einlenken. Ganz anders als zunächst erwartet, sind die Antriebseinflüsse an der Lenkung nur gering zu spüren, ein brutales Zerren ist ebenso Fehlanzeige wie das Verlieren der Kontrolle, wenn man den Gasfuß zu ungestüm einsetzt. So bliebt auch ohne den wöchentlichen Besuch in der Mucki-Bude der RS selbst beim Herausbeschleunigen aus Kurven optimal zu handeln.

Und das bei geballten 305 PS auf der Vorderachse, hier hat uns Ford absolut überrascht und überzeugt. Dazu geführt hat der Verzicht auf eine klassischeMcPherson-Federbein-Konstruktion, stattdessen hat Ford die „Revo“-Achse entwickelt. Das Besondere an ihr ist, dass der sonst aus einem Stück bestehende Achsschenkel sich in zwei Teile aufgliedert – eines fixiert Federbein und unteren Querlenker, das andere rotiert um die Lenkachse des Autos. Dies erlaubt umfangreiche Einstellmöglichkeiten, wie sie sonst nur Doppel-Querlenker-Layouts von Rennwagen offerieren.

Ebenfalls eigens für den Focus RS entwickelt: Die Continental-Reifen der Dimension 235/35-R-19. Diese krallen sich beim Tritt aufs Bremspedal fest im den Asphalt, die Vollbremsung aus Tempo 100 gelingt ihm in gerade mal 34,8 Metern. Und auch sonst reagiert die Bremse auf leichten Tritt schnell und mit festem Biss.

An den Vorderrädern arbeiten innenbelüftete Scheibenbremsen mit einem Durchmesser von 336 Millimetern und extra versteifte Bremssättel inkl. 60 mm Bremskolben. Die hinteren Bremsscheiben messen 300 Millimeter und zudem kommt im RS ein Tandem-Bremskraftverstärker sowie spezielle Bremsbeläge zum Einsatz. Nicht zu vergessen, das Antiblockier-Bremssystem mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD.

Hier präsentiert sich der stärkste und damit schnellste Serien-Ford Focus aller Zeiten. Der 224 kW / 305 PS starke 5-Zylinder-Highperformance-Motor haucht dem Focus RS so richtig Leben ein und sorgt für einen rasanten Puls. Imposant präsentieren sich auch die 440 Nm maximales Drehmoment schon ab 2.300 U/min.

Wir fahren uns förmlich in einen Rausch,immer wieder wollen wir den Kick des Turboladers spüren, keine Spur von einem Turboloch, dafür aber jede Menge Bums. Jeder noch so dezente Tritt aufs Gaspedal wird schier unglaublichen Vortrieb umgesetzt. In gerade mal 5,9 Sekunden katapultiert er aus dem Stand auf Tempo 100. Selbst in den oberen Gängen ist der Durchzug enorm, ein Ende der Beschleunigungsorgie ist erst bei 263 km/h erreicht – Damit schafft er zwar keinen echten Porsche, aber alle elektronisch abgeregelten Autofahrer aufgepasst …

Dieses Kraftpaket animiert und heizt den Fahrer mächtig an, verlieren Sie also nie den Tacho aus dem Blick, zu schnell ist man zu schnell … Focus RS Fahrer aufgepasst!

Die Kombination aus Leistung und Sound sorgt für Gänsehaut. Gerade an letzterem wurde ordentlich gefeilt und dank einem eigens entwickelten „Sound Symposer“ kommen wir nun auch im Inneren in den absoluten Klanggenuss – und der reicht von einem sonoren Brummen bis hin zum lauten Gebrüll.

Die möglichen 9,4 Liter Super Plus Mixverbrauch auf 100 Kilometer möchten wir gar nicht bestreiten, doch ganz ehrlich, auf unserem Ausritt waren wir gut und gerne fünf Liter drüber – mindestens. Der CO²-Ausstoß liegt bei 225 g/km.

Dank der Schaltweg-Verkürzung gehen die Gangwechsel noch knackiger und exakter von der Hand. Hier passt alles zusammen, zudem sind die sechs Vorwärtsgänge entsprechend knackig übersetzt.

In diesem Punkt steht der RS dem Basis-Focus in nichts nach und kann ebenfallsmit dem Intelligent Protection System \“IPS\“, dass bei Ford unter anderem Front-, Seiten- und Kopf-Schulter-Airbags, Dreipunktsicherheitsgurte mit pyrotechnischen Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern vorn und eine Sicherheitspedalerie umfasst aufwarten.

Neben dem Antiblockier-Bremssystem ABS inkl. elektronischer Bremskraftverteilung EBD, ESP kann er auch noch mit der Antriebsschlupfregelung ASR aufwarten. Ebenso serienmäßig an Bord sind die automatische Unterbrechung der Benzinzufuhr bei einem Aufprall, die ISOFIX-Halterung, das Notbremslicht, der Seitenaufprallschutz und der Sicherheits-Bremsassistent EBA.

Der Ford Focus RS sorgt wahrlich für Begeisterungsstürme und wider erwarten, werden wir auch beim Thema Kosten nicht gleich wieder aus allen Wolken gerissen. Im Gegenteil, die Freude steigt weiter. Mit einem unschlagbaren Preis von 33.900,- Euro ist der PS-Bolide absolut bodenständig und lässt seine Mitbewerber wahrlich alt aussehen.

Denn diese sind nicht nur im Einstiegspreis deutlich teurer, sie bringen auch weit weniger ab Werk mit. Beim Ford Focus RS in jedem Fall erwähnenswert: das Audio-Sony-CD-Radio, die elektrisch einstell- und anklappbaren Außenspiegel, Bi-Xenon-Scheinwerfer, der Bordcomputer, el. Fensterheber, die Ford Power-Startfunktion, eine Klimaautomatik, die Recaro-Schalensitze, Regensensor, Scheinwerfer-Assistent, das Sportfahrwerk und die optischen Features innen wie außen.

Gegen Aufpreis erhalten Sie zum Beispiel dasPark-Pilot-System, verschiedene Pakete oder Audio- und Navigationssysteme. Die Außenfarben liegen bei 480,- Euro für das Indianapolis-Blau-Metallic und recht üppigen 1.230,- Euro für das neue Ultimate-Green-Metallic.

Stand: Juli 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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