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Jaguar

Eine ganz heiße Katze – Jaguar XFR

Optisch kehrt der XFR nur dezent seine Power heraus, die großen Luftöffnungen und die vier Auspuffrohre sind die wesentlichen Indikatoren für die 510 PS unter der Haube, zu hören bekommen davon die Insassen auch nicht viel – leider. Dafür spürt man wenn es so richtig los geht, denn zusammen mit dem gewaltigen Drehmoment von 625 Nm schieben die 510 Pferde des V8 Kompressors bärig an. Gut, dass man per Tastendruck das sehr komfortable Fahrwerk straffer stellen und das elektronische Stabilitätsprogramm ggf. an die kurze Leine nehmen kann. Der Innenraum wurde ebenfalls nur dezent auf Super-Sportler getrimmt, Alcantara und Leder verwöhnen ohne Ende, dazu Sitzheizung und –kühlung. Für 90 Mille ist man komplett versorgt, selbst der Metallic-Lack ist schon dabei.

Mit 510 Pferdestärken bestückt, spielt der Jaguar XFR ganz klar in der Liga der Super-Sportlimousinen, unterbietet seine stärksten Mitbewerber jedoch erheblich im Preis. Wenn es sich bei 89.900,- Euro auch nicht um einen Sparpreis handelt, so macht er gerade auf die deutschen Mitbewerber Mercedes und BMW bei gleicher Ausstattung gerne 10.000 bis 30.000,- Euro gut.

Dezente Änderungen gegenüber dem zivilen XF lassen den XFR kraftvoll und überwältigend aussehen, ohne aber den Eindruck entstehen zu lassen, er sei protzig oder prollig. Auch wenn sich beim XF noch die Betrachter darüber streiten, ob das nun ein Jaguar ist oder nicht, mit dem XFR sind die Briten im Hier und Heute angekommen.

Die schicken „Supercharged“-Lüftungsschlitze auf der Motorhaube, der vergrößerte untere Lufteinlass mit schwarzemGitter und vor allem die chromumrandeten Lufteinlässe links und rechts unter den Scheinwerfern, dazu markantere und größere Seitenschweller, eine auf dem Kofferraumdeckel platzierte dezente Spoilerlippe, vier glänzende Auspuff-Endrohre, exklusive 20 Zoll-Räder inklusive „Jaguar Supercharged“-Schriftzug sowie das „R“-Emblem lassen bereits im Stand erahnen, was sich unter diesem heißen Blech verbirgt.

Ebenso behutsam wurde auch im Interieur Hand angelegt. Hauptunterschiede finden wir im Gestühl, den Dekors und beim Lenkrad.

Die Ledersitze sind schön knapp geschnitten, bestens ausgeformt und angenehm straff gepolstert, zahlreiche Justierungsmöglichkeiten wie z.B. Seitenwangenverstellung vermitteln das Gefühl herrlich eingepackt zu sein, diesen Eindruck untermalt der hoch angesetzte Mittelkonsolen-Tunnel.

Das geänderte Lederlenkrad inkl. Multifunktionstasten, Alu-Pedale und geriffeltes dunkles Alu-Dekor kombiniert mit dunklen Holzeinlagen, ein in Alcantara gehüllter Dachhimmel und rote Zeiger inkl. „Supercharged“ Schriftzug in der Instrumentierung lassen den Innenraum gediegen sportlich wirken.

Wie bereits von der XF-Limousine bekannt, ist das Design sehr modern gehalten, wirkt aber wegen der phosphorblauen Innenraumbeleuchtung teils etwas unterkühlt. Das auch im XFR ein Herz schlägt und Leben herrscht, beweist bereits der Power-Start-Knopf, der vor dem Start wie ein pulsierendes Herz aufleuchtet.

Hier lässt man sich wirklich nicht lange bitten … und wird der Schalter gedrückt, fährt der DriveSelector aus der Versenkung, dieser Drehregler löst die altbekannte Automatik-Schaltkulisse ab. Auf die zu- bzw.aufschwenkenden Lüftungsdüsen wurde beim „R“ ebenfalls nicht verzichtet.

JaguarSense ist natürlich auch wieder an Bord und wie schon bei den Basis-Modellen reagieren die Sensoröffner am Handschuhfach oft nur wenn sie wollen, das ebenfalls über Softtouch bedienbare Innenlicht funktioniert dagegen sehr gut.

Ebenso die simple Steuerung über den Touchscreen-Monitor, wodurch zahlreiche unnötige Schalter entfallen. Die wenigen, die noch im Innenraum zu finden sind, sind dafür gut erreichbar platziert und angenehm groß ausgeführt.

Bei den Platzverhältnissen musste die „Sportvariante“ (fast) keine Einbußen hinnehmen, die Raumverhältnisse sind gut, nur hinten fällt die Kopffreiheit der schicken Coupésilhouette zum Opfer. Nicht anders ergeht es dem XF, der mit 540 Liter nur 40 Liter mehr Stauvolumen bietet, als der XFR. Durch Umlegen der Rücksitze lässt sich bei beiden Modellen der Stauraum erheblich erweitern.

So viel Kraft möchte natürlich auch im Zaum gehalten werden. Das es dem Hecktriebler bei Nässe damit schwer fällt, ist nur verständlich. Dennoch verbessert die serienmäßig verbaute Differenzialsteuerung ADC an der Hinterachse die Traktion erheblich.

Außerdem wurden im XFR adaptive Dämpfer (Adaptive Dynamics) verbaut, die sich automatisch und stufenlos der jeweiligen Fahrsituation anpassen oder dem Fahrer wenn gewünscht betonten Komfort oder Sportlichkeit bieten.

Für unseren Geschmack war das Fahrzeug für diese PS-Klasse insgesamt zu komfortbetont. Gerade bei richtig schnellen Kurven oder auch bei Kurvenfolgen bei hohem Autobahntempo wirddas Fahrzeug etwas zu weich und schaukelt sich ggf. auch auf. Bei Aktivierung des Dynamik-Modus durch Drücken der Zielflaggen-Taste wird das Fahrzeug zwar spürbar straffer und damit besser und sicherer zu handeln, dennoch liegt der Fokus auf Komfort.

Im sportlichen Modus wird auch das ansonsten stark eingreifende DSC – man wird regelrecht brachial eingebremst – spürbar gezähmt und dem geübten Fahrer steht es auch frei, die zweistufige dynamische Stabilitätskontrolle vollständig zu deaktivieren. Die so genannte „Understeer Control Logic“ erhöht bei einsetzendem Untersteuern mittels gezielter Eingriffe ins Motormanagement und Bremssystem wieder die Haftung der Vorderräder.

Zu den aktiven Fahrassistenzsystemen zählen des weiteren ein Notfall-Bremsassistent (EBA), die elektronische Bremskraftverteilung (EBD), das Antiblockiersystem (ABS), eine elektronische Traktionskontrolle, eine Kurven-Bremssteuerung (CBC) und eine Motordrehmomentregelung (EDR).

Gegenüber der Basis erhielt der XFR eine noch direktere geschwindigkeitsabhängige Servolenkung und eine größer dimensionierte Bremsanlage mit innenbelüfteten Bremsscheiben rundum. Durch silbergrau lackierte Sättel und dem „R“ Emblem unterscheiden sich die Varianten auch optisch.

In unserer Testphase hinterließen die Bremsen einen zuverlässigen Eindruck und brachten das Fahrzeug auch aus hohem Tempo heraus sicher zum Stehen, sie sind angenehm zu dosieren und packen bei Bedarf bissig zu, aus Tempo 100 braucht der Jaguar XFR rund 35 Meter bis zum Stillstand, Fading ist ein Fremdwort für die Bremsanlage.

Die Krönung befindet sich wahrlich unter der Motorhaube. Mit375 kW / 510 PS und einem gigantischen Drehmoment von 625 Nm geht der neue Supercharged „R“ gegenüber seinem Vorgänger spürbar gestärkt ans Werk, mehr Leistung bei weniger Verbrauch, eine Devise der mittlerweile alle Hersteller folgen.

So erreicht der neu entwickelte 5,0-Liter-V8 Kompressor aus dem Stand in 4,9 Sekunden, die 100 km/h-Hürde. Spielerisch lässt er auch Tempo 200 hinter sich, leider ist das Aggregat jedoch bei 250 km/h elektronisch abgeregelt.

Was einem immer und immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubert ist der vehemente und gewaltige Durchzug, nur ein kleiner Tritt auf´s Gaspedal reicht aus und die Limousine prescht gewaltig nach vorne ohne aber aufdringlich zu wirken. Understatement ist eben alles! Leider war Jaguar auch beim Motorensound etwas zurückhaltend, das im Kern sonore Schnurren ist zwar schön, dennoch vermissen wir ein regelrechtes aufbrüllen des Motors, er läuft stets leise und kultiviert.. nur unter Volllast lässt der bärenstarke V8 ein wenig Gänsehaut-Feeling entstehen.

Die gestiegene Leistung zieht erfreulicherweise keinen erhöhten Verbrauch sowie gestiegene CO2-Emissionen nach sich, außerdem erfüllt der Motor die Euro 5 Norm. Jaguar selbst gibt den möglichen Mixverbrauch mit 12,5 Litern auf 100 Kilometer an. Was haben wir so für Sie erfahren? Auf der Normstrecke kam der XFR auf 12,1 Liter im Mix, nach einigen Hundert Kilometern „normaler“ Fahrt, also so wie man den Sportler am liebsten her nimmt, flossen 14 Liter aus dem Tank, bei zurückhaltender Landstraßenfahrt im Schnitt 8,7 Liter, bei 200 km/h als Autobahnschnitt waren es locker 20 Liter Super bleifrei. Wiegering der Verbrauch auch für einen „R“ sein mag, so ist der 69,5 Liter Tank auch bei gemäßigtem Gasfuß einfach zu klein.

Ebenfalls überarbeitet geht das Getriebe ans Werk. Die Sechsstufenautomatik schaltet sanft und schnell, im manuellen Modus gönnt sie sich gelegentlich eine kleine Gedenksekunde. Mittels Paddels am Lenkrad wird der sportliche Touch schon mal ordentlich hervorgehoben, und legen wir nun noch den „S“-Gang ein, werden die Schaltbefehle noch einen Tick schneller umgesetzt, allerdings greift schlussendlich die Automatik doch wieder ein.

Und auch so waren wir eigentlich nur ganz selten mal bemüht, selbst schalten zu wollen. Mit dem gewaltigen Drehmoment von 625 Nm hat der V8 Kompressor stets so viel Bums, dass man gar nicht schalten muss.

Übernommen von der Basis ist auch die Sportlimousine mit zweistufig auslösenden Frontairbags, Seiten- und Kopfairbags, aktiven Kopfstützen, Dreipunkt-Automatikgurten mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern, einer beim Crash sich anhebenden Motorhaube sowie den zahlreich – bereits erwähnten – aktiven Fahrhilfen sowie einem Radarsystem zur Überwachung des „Toten Winkel“ bestückt.

Das der XFR in punkto Preis-/Leistungsverhältnis in seinem Segment unschlagbar ist, haben wir bereits Eingangs erwähnt. Für 89.900,- Euro erhalten Sie eine 510-PS-Nobelkarosse die mit zahlreichen serienmäßigen Features verwöhnt.

Hier wären in jedem Fall erwähnenswert: die 18-fach elektrisch verstell-, beheiz- und kühlbaren Sportsitze in Softgrain-Volllederausstattung, die axial und vertikal einstellbare Lenksäule, eine elektronische Einparkhilfe hinten,Geschwindigkeitsregelung mit -begrenzer, die Klimaautomatik mit Zweizonen-Regelung, eine Bluetooth-Schnittstelle, der 7 Zoll-Touchscreen-Monitor, JaguarSense … Ja, sogar die Metallic-Lackierung ist im Preis inbegriffen.

Stand: Februar 2010, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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