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Volkswagen

Die Göttin Eos von Volkswagen

Man muss kein Prophet sein, um dem neuen offenen VW, der auch geschlossen jede Menge zu bieten hat, eine sonnige Zukunft zu bescheinigen. Er sieht schick aus, ohne dem sonst üblichen „dicken Hintern“, weil sein Verdeck mit ausgeklügeltem Mechanismus zusammengefaltet wird. Liegt das Dach im Kofferraum, schrumpft der aber stark zusammen, noch kleiner wird die verbleibende Ladeöffnung. Er bietet viel Komfort und lädt zum Cruisen ein, schnelle Kurven mag er nicht so sehr – obwohl ausreichend Power können Sie haben …

VW EOS, das nach der Göttin der Morgenröte benannte Coupé-Cabrio, zeigt mit dem fünfteiligen Hardtop mit integriertem Schiebe-Ausstell-Glasdach eine absolute Weltneuheit.

Durch das CSC-Dach (Cabriolet-, Schiebe- und Coupé-Dach), das gemeinsam mit Webasto entwickelt wurde, war es VW möglich, den Windschutzscheibenrahmen so weit vorne zu platzieren, dass er kaum ins Innere ragt und, anders als vielen Konkurrenten, ein absolutes Offenfahrfeeling bietet. Zudem besteht beim Ein- und Ausstieg auch keine Anstoßgefahr mehr.

Das große Glasschiebedach sorgt nicht nur für viel Licht, sondern bei nicht allzu gutem Wetter auch für frische Luft.

Schon optisch schön gelöst ist der sich zwischen den Sitzen montierte silberfarbene Schalter zum Öffnen und Schließen des Verdecks. Mit einer zusätzlichen schwarzen Taste kann das Schiebedach bedient werden.

Sie brauchen nur den Schalter betätigen und schon setzt sich ein genial ausgeklügelter Vorgang in Bewegung, der aus vielen, exakt koordinierten Abläufen besteht. Zuerst fährt das Schiebe-Ausstell-Glasdach nach hinten, während sich gleichzeitig die Seitenscheibenabsenken. Nahezu zeitgleich hebt sich der gesamte Heckbereich des Daches von der C- bis zur imaginären B-Säule.

Das Schiebe-Ausstell-Glasdach schiebt sich dabei unter den Heckbereich des Daches und bildet mit ihm ein kompaktes „Sandwich“. Jetzt klappt der Verdeckkastendeckel inklusive Kofferraumhaube mittels Hydrauliksteuerung komplett nach hinten. Anschließend lösen sich die seitlichen Dachholme vom Windschutzscheibenrahmen und fahren ebenfalls zurück.

Dann senkt sich das Dach-Sandwich komplett nach hinten ab, die Dachholme gleiten in separate Hohlräume, die durch Klappen verdeckt werden.

Die im Stoßfänger integrierten Sensoren des optionalen Parkpiloten scannen vor dem Start der Dachbetätigung den Raum hinter dem Fahrzeug auf eventuelle Hindernisse ab. Wird ein solches erfasst, bleibt die Öffnungsfunktion des CSC-Daches blockiert.

Die Gepäckraumabdeckung im Kofferraum (zum Schutz vor Beschädigungen von Ladegut und Dach) muss zum Öffnen des Verdecks abgesenkt sein. Ist dies nicht der Fall, macht die Verdeck-Elektronik akustisch sowie durch einen entsprechenden Hinweis im Multifunktionsdisplay darauf aufmerksam.

Das Verdeck benötigt kein Entriegeln irgendwelcher Hebel, nur einen Knopf 25 Sekunden lang drücken und der Sommer kann kommen. Allerdings muss das Fahrzeug stehen.

In einem viersitzigen Cabrio windet es natürlich mehr als in einem Roadster, echte Cabriofans werden aber im Eos ihre Freude haben, für alle, die den frischen Wind um die Ohren nicht so mögen, aber dennoch nicht aufs Offenfahren verzichten möchten, steht schließlich immer noch das große Windschott zur Verfügung.

Der Eos macht offen wie geschlossen eine gute Figur. MarkantesErkennungszeichen an der Front ist der große, chromeingefasste Kühlergrill zwischen den leicht grimmig dreinblickenden Scheinwerfern.

Glattflächig und modern geht es weiter bis ins Heck, auch hier bilden die Rücklichter einen markanten Blickfang.

VW fällt es immer noch schwer, im Innenraum echte Emotionen zu zeigen. So kann auch der Eos innen nur teilweise den Charme der Außenhaut fortführen. In Verbindung mit der hellen Lederausstattung, dem dunklen Armaturenbrett und dazwischen einigen Holzapplikationen kann man aber schon ganz zufrieden sein.

Wie bei VW nicht anders gewohnt, sind die wertigen Materialien sehr solide verarbeitet und keiner der Schalter wirft große Fragen in Sachen Bedienung auf, alles liegt gut im Blick und ist leicht erreichbar.

Die Sportsitze laden zum Verweilen ein. Sehr gut ausgeformt und groß dimensioniert, bieten sie perfekten Seitenhalt bis in die Schultern, ob Stoff oder Leder, hier sitzt man gut und gerne. Und auch die Sitzverstellung, ob manuell oder elektrisch, ist stets gut erreichbar und leicht zu bedienen.

Der Eos gehört zur Gruppe der „viersitzigen Cabrios“, und tatsächlich bietet er genügend Platz für bis zu vier Passagiere. Allerdings geht es im Fond schon etwas enger zu, nur Passagiere bis 1,70 m sitzen hier wirklich bequem. Alle die über dieses Maß hinaus gewachsen sind, müssen bei geschlossenem Dach ein wenig den Kopf einziehen.

Richtig eng kann es dagegen im Kofferraum zugehen. Im Coupé-Betrieb bietet er noch respektable 380 Liter Stauraum, bei geöffnetem Dach schrumpfen die jedoch auf 205 Liter. Zwar reichen die den meisten Cabriofahrern noch aus, doch die Ladeluke ist dann sehr klein und erschwert das Be- und Entladen.Ein kleiner Trost ist die in die Rücksitzbank integrierte und abschließbare Durchlade für lange Gegenstände. Ein schönes und zudem serienmäßiges Schmankerl bietet die Kofferraumklappe mit der elektrischen Zuziehhilfe, das erspart einen festen Schlag zum Schließen des Kofferraums.

In Sachen Komfort hat VW absolut vorbildliche Arbeit geleistet. Im Eos gleiten Sie dahin wie auf Wolken. Doch das tut er mit der nötigen Straffheit und lässt so nicht den wichtigen Fahrbahnkontakt vermissen, bügelt andererseits Schlaglöcher und Co. sehr gut weg. Seine hohe Verwindungssteifigkeit kommt den Insassen zusätzlich zugute.

Für Komfort sorgt auch die Klimaanlage, die berücksichtig, ob das Fahrzeug offen oder geschlossen ist und dementsprechend werden die Luftmengen und die Luftverteilung unterschiedlich geregelt.

Mit der direkten und angenehm leichtgängigen Lenkung ist er gut zu dirigieren und folgt willig jeder Lenkbewegung. Nur so richtig sportlich kann oder will er dann doch nicht, was aber rein von der Leistung her mit Motoren von bis zu 250 PS ja eigentlich kein Problem wäre. Da empfiehlt sich das optionale Sportfahrwerk mit 15 mm Tieferlegung.

Solange man ihm nicht an seine Grenzen treibt, bleibt er mit leichtem Untersteuern gut zu handeln, das ESP greift nur dezent ein, es ist mit einer elektronischen Differenzialsperre und Antriebsschlupfregelung kombiniert.

Dezent und sanft dosierbar kann die ABS-Bremsanlage mit elektronischer Bremskraftverteilung und Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten sowie Bremsassistent bei einer Vollbremsung auch ganz anders.

In der angebotenen Motorenpalette, die sich von 115 PS bis 250 PS erstreckt, findet mit Sicherheit jeder dasRichtige. Wir haben für Sie die 2.0 FSI-Aggregate mit 150 und 200 PS etwas genauer unter die Lupe genommen.

2.0 FSI – 110 kW/150 PS: Klingt erst mal nach viel Leistung, aber dieser Eos wiegt knapp 1.6 Tonnen und so wirkt er doch etwas träge, es fehlt ihm spürbar an Durchzug, was sich aber durch einen häufigeren Griff zum Schalthebel des gelungenen Sechsgang-Getriebes ausgleichen lässt. Wem mehr am Cruisen denn am sportlichen Sprinten gelegen ist, der ist mit den 150 PS, die wie bei allen Eos an die Vorderachse geleitet werden, bestens bedient.

So geht es mit dem Vierzylinder-Ottomotor in 9,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und die Topspeed ist bei ausreichenden 210 km/h erreicht. Rund 8,2 Liter Super bleifrei verbraucht er im Mix, wer will kann auch Super Plus tanken. In der Stadt sind 11,3 Liter, außerorts 6,4 Liter auf 100 km für den Benzindirekteinspritzer angegeben.

2.0 Turbo FSI – 147 kW/200 PS: Mehr braucht der Vierzylinder-Turbo, der übrigens aus dem Golf GTI stammt, auch nicht, aber seine Mehrpower ist deutlich spürbar. Mit 280 Nm Drehmoment schon ab 1.800 Touren geht er richtig gut ab, ist nach 7,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und rennt 232 km/h Spitze.

Er ist mit Sicherheit die richtige Wahl für alle „sportlichen“ unter uns, die rund 5.000,- Euro mehr für den 250 PS V6 doch scheuen. Aber schon die 200 PS animieren zum flotten Fahren und dann sind die guten Verbrauchswerte kaum noch zu halten. Wer sparen will greift dann besser zum 140 PS starken Diesel, der fast die Fahrwerte des 150 PS FSI erreicht, einen guten Durchzug besitzt und in Sachen Verbrauch aber zwei bis drei Liter darunter bleibt.

Für welchen Motor Sie sich auch entscheiden, er wirdmit einem exakt und auf kurzen Wegen geführten Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert. So sanft wie der Eos über die Straßen gleitet, so sanft gleitet der Schalthebel von Gang zu Gang. Ab Herbst wird der Turbo FSI auch mit dem Doppelkupplungsgetriebe DSG ausgestattet, das derzeit dem 250 PS V6 vorbehalten ist.

Die sichersten Plätze sind vorne, hier sorgen Frontairbags sowie kombinierte Kopf-Seiten-Airbags für Schutz. Die Dreipunktgurte auf allen Plätzen sind vorne mit Gurtstraffern ausgestattet. Und für die Kleinen sind hinten ISOFIX Kindersitzbefestigungen montiert.

Ein aktives Überroll-Schutzsystem lässt im Falle eines Falles hinter den Kopfstützen der Rücksitze Schutzbügel blitzschnell ausfahren.

Unsere beiden 2-Liter FSI Eos kosten mit 150 PS 27.950,- und mit 200 PS 30.200,- Euro. In der serienmäßigen Ausstattung sind neben dem el. Verdeck auch eine Klimaautomatik mit Cabriomodus, die Sportsitze vorne, ein Lederlenkrad und -schaltknauf, el. einstell- und beheizbare Außenspiegel, el. Fensterheber, beheizbare Heckscheibe, Alufelgen, Servolenkung und Zentralverriegelung enthalten.

Der Eos wäre aber kein VW, gäbe es da nicht eine sehr umfangreiche Aufpreisliste, die bei Ambiente-Paketen ab 380,- Euro anfängt, über ein Sportfahrwerk mit 15 mm Tieferlegung für 205,- Euro bis hin zur Lederausstattung ab 1.980,- Euro bzw. Komfortpaketen ab 3.030,- Euro reicht. Und dann gibt es noch den Parkpilot für 380,- Euro, Navigationssysteme bis 3.710,- Euro, Sportpakete mit besonderen Alufelgen, Standheizung und, und, und. 10.000,- Euro zusätzlich reinzupacken sind überhaupt kein Problem.

Sparen können Sie dagegen bei der Wartung, denn der technische Fortschritt macht esmöglich: Beim Eos müssen Sie erst dann zur Inspektion, wenn das Fahrzeug sie braucht, und das kann, abhängig von Ihrer Fahrweise, durchaus auch erst nach rund 60.000 km bzw. nach vier Jahren der Fall sein.

Stand: Mai 2006, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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