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Volkswagen

Der VW Touareg mischt ganz oben mit

Die neue Optik bekommt dem Touareg gut, nicht nur, weil er sich damit weiter vom Schwestermodell Porsche Cayenne entfernt. Auch der neue Innenraum weiß zu gefallen, und auch wenn vieles davon nur gegen Aufpreis erhältlich ist, der gebotene Komfort bis hin zur Sitzkühlung kann echt gefallen. Dazu gesellt sich ein tolles Fahrwerk, ein Allrad-Antrieb, ein kraftvoller und zugleich kultivierter Sechszylinder-Diesel gepaart mit einer geradezu traumhaft arbeitenden 8-Gang-Automatik, und als Extras z.B. eine Niveauregulierung, eine elektrischen Heckklappe, ein tolles Navi und ein Kamera-System mit Optiken am Heck, an der Front und in den Außenspiegeln, wodurch man sein Fahrzeug und die nahe Umgebung praktisch von oben betrachten kann. Zu all dem Hightech und Luxus wollen die schon bei 130 km/h ordentlichen Windgeräusche gar nicht passen.

Er hat das neue VW-Gesicht angenommen, und das lässt ihn erwachsener und zugleich doch weniger riesig erscheinen, obwohl er etwas gewachsen ist. Schade, dass neben dem großen VW-Logo die beiden Streben im Kühler die einzigen Chromakzente sind. Die Front zeigt sich mit kurzem Überhang und eng anliegender Frontschürze auch für einen Ausritt ins Gelände gut gerüstet, der dezente Unterfahrschutz hat aber wohl mehr optische Gründe.

Nicht nur im Gelände bringt der untere schwarze Kunststoffansatz Vorteile und Schutz für den teuren Lack, er setzt sich auch an den Kanten der Radläufe bis in die Heckschürze fort. Seitlich unterstreicht eine silber glänzende Blende (optional) unterhalb der Türen den Haupteinsatzbereich des Touareg, der im Alltag mehr vor der Oper denn im Steinbruch zu suchen ist.

Über dem muskulösen, sanft ansteigenden Body schwingt sich eine leicht wirkende Fensterfront noch hinten, ihr Schwung wird unterstützt durch die mitlaufende Dachreling, die schwarzen Fensterrahmen sorgen zusammen mit den dunkel getönten Scheiben für eine schicke Einheit.

Ein kleiner Dachkantenspoiler rundet das ganze ab, darunter tauchen die Rückleuchten im neuen Familienlook auf, Sportlichkeit suggerieren die Rückstrahler in der Heckschürze und darunter die beiden dicken Auspuffrohre links und rechts. Um am Heck den Unterfahrschutz richtig zu Gesicht zu bekommen, muss man schon in die Knie gehen.

Bleiben wir gleich hier und sehen uns mal den Kofferraum genauer an. Die Ladekante ist SUV-typisch etwas hoch, lässt sich aber auf Knopfdruck dank Niveauregulierung mit dem Heck absenken. In derGeländestellung (optionale Luftfederung) wird das Einladen aber durchaus zum Kraftakt. Auf Knopfdruck schwenkt auch ggf. die Anhängerkupplung aus. Und auf Knopfdruck – ebenfalls von der Heckklappe aus – lassen sich die Rücksitze umklappen. Und nicht zu vergessen, natürlich ließ sich bei unserem Testwagen auch die Heckklappe selbst auf Knopfdruck elektrisch öffnen und schließen.

Unser Touareg verzichtet auf ein Reserverad und hat somit unter dem Ladeboden, der in eine gut geschützte Ladekante und Stoßstange mündet, noch ein Riesenfach zu bieten. Schienen im Boden lassen die Halteschiene sich dem Ladegut anpassen, von stolzen 580 Litern kann durch Umlegen der Rücksitze – geht auch von der zweiten Reihe aus – auf bis zu 1.642 Liter anwachsen, leider steigt der Ladeboden ganz leicht an.

Üppige Platzverhältnisse bietet dieser VW aber nicht nur im Gepäckabteil, auch für die Passagiere ist für mehr als ausreichend Platz gesorgt, und das sowohl in der ersten wie in der längsverschiebbaren zweiten Reihe. Und weil so ein Pressetestwagen mit allem ausgestattet ist, was sich so ein Autofahrerherz wünschen kann, verwöhnte natürlich auch auf den Rücksitzen eine Sitzheizung, die wie in Reihe eins, sehr schnell arbeitet.

Vorne wird die Sitzheizung zudem noch durch eine Sitzbelüftung ergänzt, die das Wohlgefühl auf den sportlichen und mit Leder bezogenen Sitzen nochmals steigert. Straff gepolstert, gut ausgeformt und – wieso erwähnen wir das überhaupt noch – elektrisch (optional) zu verstellen findet man schnell die optimale Sitzposition, zumal auch das Lenkrad zweifach verstellt werden kann. Allerdings „nur“ manuell – obwohl was heißt „nur“, das reicht eigentlich, aber schon bis hier hin ist die Erwartungshaltung an den Touareg so groß, dass man ihn einfach gleichwertig neben BMW oder Mercedes setzt.

Und diese hohe Erwartung wird schon geweckt, wenn man nur den Schlüssel des neuen Touareg in die Hand nimmt, er besteht aus einem schicken Mix feinster Materialien und ist allein für sich schon ein kleines Kunstwerk. Da verwundert es fast schon wieder, dass man ihn tatsächlich noch ins Zündschloss stecken und drehen muss. Geschenkt …

… lassen wir lieber mal den Blick schweifen und genießen wir die feinen Materialien im schicken Mix, die sich zu einer wohltuenden Landschaft zusammenfügen. Schwarzglänzender Klavierlack ziert schon die Speichen des schönen kleinen Lederlenkrades mit den griffigen Ausformungen und taucht dann auch am Armaturenbrettund den Türverkleidungen wieder auf, dazwischen immer wieder schön anzusehende Zierleisten aus glänzendem Chrom.

Die Schalter und Drucktasten sind allesamt modern gezeichnet und wie alles selbstverständlich auch in der Nacht bestens beleuchtet, die Instrumente sind gut ablesbar, der große Bildschirm in der Mittelkonsole ist schön weit oben und zeigt u.a. das Bild des Navigationssystems. Das kann seine Karten auf Wunsch auch dreidimensional anzeigen, ist einfach und intuitiv zu bedienen. Ansonsten wird dieser Bildschirm auch zur Darstellung der Audioanlage sowie für die Rückfahrkamera genutzt, und davon hat der Touareg gleich vier, nämlich eine am Heck, eine an der Front und jeweils eine in den Außenspiegeln. Daraus bastelt sich der Wagen ein eigenes, zusammengesetztes Bild, auf dem man rund um die grafisch eingeblendeten Wagenumrisse die nähere Umgebung sehen kann, man beobachtet sich praktisch selbst von oben. Natürlich verfügt der Touareg auch über die „normalen“ optischen und akustischen Anzeigen für nahende Hindernisse.

Unterhalb dieser Einheit mit dem Bildschirm beginnt eine riesige Aluapplikation, die sowohl die Steuerelemente für Heizung und Klima umspielt, wie auch den Wählhebel der Automatik und die Steuerung für den Allrad-Antrieb, das Fahrwerk etc. Alle wichtigen Teile am Armaturenbrett sind weich abgepolstert, die verwendeten Materialien sind angreiffreundlich und hochwertig anzusehen wie verarbeitet. Den Beifahrer, der ja während der Fahrt oft Zeit hat, die Sitzposition und Haltung der Beine zu verändern, dürfte sich aber hin und wieder an dem Buckel im Fußraumboden stören.

Dafür werden Fahrer wie Beifahrer von sehr schön gelösten Make-up-Spiegeln in den Sonnenblenden verwöhnt, die mit einem dezenten Lichtband rundum das Gesicht prima ausleuchten, oder soll man sagen „illuminieren“? Kommt die Sonne von der Seite, lassen sich die Sennenblenden an die Seitenscheiben schwenken und darunter kommen zwei weitere Sonnenblenden zum Vorschein, die dann gleichzeitig die Frontscheibe abdecken.

Was haben wir nicht schon an zahllosen Komfort-Features im neuen Touareg erwähnt, er spielt hier eindeutig bei den ganz Großen mit. Und so verhält es sich auch beim Fahrwerk. Es lässt sich von Komfort über Normal auf Sport stellen und zumindest zwischen Komfort und Sport sind die Unterschiede richtig spürbar, die Luftfederung ist aber nur optional zu haben. Wie auch immer, stets geht der große SUV mit wenig Karosserieneigungen um die Kurven, und zeigt sichmit der direkten und sehr gefühlvollen Lenkung bestens dirigierbar, geht man zu schnell um die Ecken, hat man aber mit einem deutlichen Untersteuern zu kämpfen.

Geradezu spielerisch bewegt man das doch immerhin fast 2,2 Tonnen schwere Fahrzeug über Straßenunebenheiten einfach hinweg. Abseits befestigter Wege glänzt er mit einer guten Verschränkung und es ist fast müßig zu erwähnen, dass dem Touareg Verspannungen unbekannt sind. Schließlich verfügt er mit dem 4Motion Allrad über eine ganz feine Lösung, die schon on the road für beste Traktion sorgt. Mit dem permanenten Allradantrieb mit asymmetrisch-dynamischer Antriebsmomentverteilung und selbstsperrendem Zentraldifferential wird einem so schnell nicht bange.

Offroad kann dann auch noch auf „Low“ eine Reduzierung aktiviert werden und schon gibt es fast kein Halten. Neben einer Antriebsschlupfregelung, der elektronischen Differenzialsperre, einer Gespannstabilisierung und natürlich ESP helfen auch eine Berganfahr- und Bergabfahrhilfe dem Fahrer im Alltag. Ein weiterer Pluspunkt stellt dann das Fahrwerk dar, dass sich dank optionaler Luftfederung durch eine elektronische Dämpferreglung und neben der Niveauregulierung auch durch eine Höheneinstellung auszeichnet. Am meisten werden wohl die Verbotsschilder am Wegesrand und die Angst ums edle Blech den Vortrieb des VW stoppen.

Apropos stoppen. Der Touareg verfügt über eine sehr gute Bremsanlage mit Scheibenbremsen rundum, die über ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistenten angesteuert werden und im Ernstfall den Wagen nach weniger als 39 Metern aus Tempo 100 zum Stehen bringen. Auch auf wechselndem Untergrund erfreut er mit Spurtreue und guten Bremsleistungen. Dass sich die Bremsleistung fein dosieren lässt und das Ansprechverhalten sehr gut ist, braucht da fast nicht mehr extra erwähnt werden.

Auch nicht, dass der Motor sich stets von seiner kultivierten Seite zeigt. Und da verwundert es um so mehr, dass auf der Autobahn ab Tempo 130 überraschend laute Windgeräusche auftreten, die so gar nicht zum hohen Komfortanspruch des Touareg passen wollen.

Eine ganz feine Sache schlummert auch unter der Haube, wobei schlummern vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist. Dabei gibt sich der Sechszylinder-Diesel schon beim Anlassen von seiner ganz kultivierten Seite. Er läuft auch dann wenn es los geht sehr ruhig und erinnert zu keiner Zeit an einen Diesel. Auch nicht, wenn er gefordert wird, dann umschmeichelt er unsere Ohren mit einem sonorenSechszylindersound, schön kernig und zu keiner Zeit aufdringlich.

Aus drei Litern Hubraum holt der Common-Rail-Turbodiesel 176 kW/240 PS bei 4.000 bis 4.400 U/min und entwickelt ein maximales Drehmoment von 550 zwischen 2.000 und 2.250 Touren. Damit zieht der Touareg von unten raus schön durch, beschleunigt in 7,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und erst bei 218 km/h findet die Beschleunigung ein Ende. Wobei man aber feststellen muss, dass der enorme Durchzug unten rum nach oben hin doch ein wenig nachlässt.

Lässt man sich vom gebotenen Vortrieb zur ständigen flotten Fahrweise animieren, kommt man mit dem angegebenen Mix-Verbrauch von 7, 4 Litern auf 100 km nicht hin, dann fordern die 240 PS ihren Tribut, ein zurückhaltender Gasfuß kommt außerorts mit 6,5 Litern hin, in der Stadt sind es 8,8 Liter Diesel. Gar nicht schlecht für solch ein Fahrzeug, daran hat die sehr schnell arbeitende Start-Stopp-Automatik einen hohen Anteil.

Bei defensiven 120 km/h auf der Autobahn kam der BlueMotion mit 7,2 Litern aus. Im Mix stößt der V6 TDI 195 g CO2 pro Kilometer aus und erfüllt die Abgasnorm Euro 5, ein Partikelfilter ist serienmäßig an Bord.

Mitverantwortlich für den günstigen Verbrauch, vor allem aber für den enormen Fahrspaß ist die 8-Gang-Getriebeautomatik. Sie erledigt ihre Arbeit schnell so sanft, dass man kaum etwas davon mitbekommt, zudem reicht das enorme Drehmoment häufig aus, dass sie überhaupt nicht zurück oder gar hektisch hin- und herschalten muss.

Wie fein die Automatik agiert merkt man vor allem daran, dass man seltenst versucht ist, im manuellen Modus selbst ins Geschehen einzugreifen, auch wenn das am Wählhebel und über Wippen am Lenkrad bestens funktioniert und obwohl die Schaltbefehle schnell und sanft ausgeführt werden, auf „S“ geht das alles noch eine Spur sportlicher. Dass die Abstufungen und Anschlüsse bei acht Gängen prima passen, muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden.

Schon allein der Allradantrieb und die zahlreichen Assistenzsysteme von ABS über ESP bis hin zur Antriebsschlupfregelung sorgen neben der hohen Sitzposition für gefühlte und erlebbare Sicherheit.

Darüber hinaus kommen dann ja auch noch Dreipunktsicherheitsgurte auf allen Plätzen, vorn mit Gurtstraffern und Höhenverstellung, sicherheitsoptimierte Kopfstützen, ISOFIX hinten und Airbags für Fahrer und Beifahrer sowie ein Kopfairbagsystem für Front- und Fond-Passagiere inkl. Seitenairbags zum Einsatz.

Trotzdem tauchen Seitenairbags und Gurtstraffer vornund hinten für 335,- Euro auch noch einmal in der Aufpreisliste auf, wie ein Knieairbag für den Fahrer für 155,- Euro. Und dann sind da ja auch noch die vielen Fahrerassistenzsysteme, die zusätzliche Sicherheit bringen. Das Paket für 3.125,- Euro beinhaltet beispielsweise eine automatische Distanzregelung mit Umfeldbeobachtung, Parkdistance, Spurhalteassistent und Spurwechselassistent. Oder Sie ordern für 1.220,- Euro die Rückfahrkamera mit Parkdistanzkontrolle oder die bereits beschriebene Umgebungsansicht „Area View“ mit Rückfahrkamera, mit der man sich herrlich von oben beim Einparken beobachten kann. Die Bestandteile können jeweils auch einzeln erworben werden.

Womit wir eigentlich beim einzigen eher unerfreulichen Kapitel des VW Touareg angekommen sind, Denn um sich dieses gelungene Fahrzeug leisten zu können, muss man ganz schön tief in die Tasche greifen. Der Touareg 3.0 V6 TDI BlueMotion kostet mit der 8-Gang-Automatik 50.700,- Euro. Neben den beschriebenen Sicherheitsfeatures sind dann auch schon 17 Zoll Alufelgen mit 235er Reifen, ein Multifunktions-Lederlenkrad, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, längsverschiebbare Rückbank, Sitzhöhenverstellung vorne, Radiosystem mit 8 Lautsprechern, Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorn und hinten, zweifach verstellbare Lenksäule, Allradantrieb, Regensensor, Start-Stopp-System, Tagfahrlicht und Zentralverriegelung, um nur die wichtigsten Dinge zu nennen, mit an Bord.

Der ganz große Spaß geht aber erst in der Aufpreisliste los. Angefangen bei der Anhängervorrichtung (elektrisch) für 850,- Euro, diversen Dekoreinlagen und Designpaketen (z.B. Terrain-Style mit Offroad-Schwellern, Unterfahrschutz etc. für 975,- Euro) über die feinen Fahrwerke (z.B. Luftfederung für 2.575,- Euro oder Fahrdynamikpaket mit Wankausgleich und sportlicher Abstimmung für 2.995,- Euro), Lederausstattungen von 2.210,- bis 5.305,- Euro, dann mit Komfortsitzen bis hin zum Licht- und Sichtpaket für 405,- Euro und einem Sound-System für 1.480,- Euro sowie einem Radio-Navigationssystem für 2.060,- Euro kann man schon noch so manchen Tausender los werden, von den 20-Zoll-Reifen/Alufelgen für 3.010,- Euro oder Keyless Access für 1.065,- Euro ganz zu schwiegen.

Allen Interessierten empfehlen wir unbedingt ein sorgfältiges Studium der Preis- und Ausstattungslisten. Wann Sie mit Ihrem Wagen zur Inspektion müssen, hängt stark von Ihrem Fahrverhalten ab, das dürfte aber entweder so alle 28.000 km oder spätestens nach zwei Jahrender Fall sein. Einmal im Jahr ist eine Inspektion ohne Ölwechsel fällig. Mit den Versicherungsklassen HPF/TK/VK von 24/28/26 liegt der Touareg recht hoch und auch die Kfz-Steuer ist nicht von Pappe.

Stand: Februar 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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