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Nissan

Der vernünftige Nissan Pixo

Laut Nissan kommt dieser Stadtfloh genau zur richtigen Zeit, in der Wirtschaftkrise, in der niedriger Verbrauch, einfaches Handling, viel praktischer Nutzen und ein günstiger Preis besonders wichtig sind. Kann man unterschreiben, aber dann sollten Sie unbedingt auf die Automatik verzichten, die zumindest den Verbrauch und auch den Preis deutlich anheben. Für die Stadt ist der Kleine richtig prima, der Platz für Erwachsene beschränkt sich aber auf die beiden Vordersitze. Der Kofferraum ist mit 129 Litern nicht gerade üppig, die Ladeluke zudem klein, die Ladekante hoch und der Kofferraumboden lapprig. Für seine 68 PS ist der Pixo unten rum ausreichend spritzig, oben rum ist damit Schluss, besonders mit der Automatik.

Er trägt das Nissan-Gesicht, dass wir auch vom Tiida und Note kennen, besonders aufregend sieht der kleine Pixo damit aber nicht aus. Eher unaufgeregt sorgt allenfalls die Frontschürze mit der schwarzen Kunststoff-Rammschutzeinlage, die nach unten in einen großen Lufteinlass übergeht mit den daran anschleißenden scharf geschnittenen Radläufen für etwas Schwung.

Die Seitenlinie gibt sich klar gezeichnet und durch das sanft abfallende Dach und dem Aufwärtsknick am hinteren Seitenfenster einigermaßen dynamisch. Hätte man den Türgriff der zweiten Tür versteckt, ginge der Kleine auch locker als Dreitürerdurch.

Richtig bullig steht der Pixo mit seinem breit gezeichneten Heck da, die Horizontale betonen das eher schmale Heckfenster und die massive Heckschürze mit der breiten Rammschutzleiste. Schon von außen sieht man, dass die breite C-Säule und das kleine Heckfenster die Rundumsicht stark einschränken, auch die A- und B-Säule sind recht massiv ausgefallen.

Und auf den ersten Blick sieht man auch schon, dass die Ladekante ziemlich hoch ausgefallen ist, was zudem die gesamte Ladeöffnung merklich einschränkt.

Da ist es fast kein Wunder, dass es nach der hohen Ladekante erst mal ganz schön tief runter geht und danach ein nur bedingt nutzbarer, 129 Liter kleiner Kofferraum auf uns wartet. Klappt man die Rücksitzlehne nach vorne, entstehen bis zu 774 Liter Ladevolumen mit einem leicht ansteigen Boden, der zudem im Kofferraum sehr lapprig ausfällt. Zum Öffnen muss man entweder die Fernentriegelung oder den Schlüssel benutzen.

Rutschen wir eins nach vorne und nehmen wir auf den Rücksitzen Platz. Als Erwachsener sollten wir das nur tun, wenn vorne kein Fahrer größer 1,80 sitzt, denn dann stoßen die Knie in die Vordersitzlehen und hier drücken harte Streben gegen die Knie. Zudem sitzt man recht steil, was auf Dauer doch eher unbequem ist. Der Ein- und Ausstieg ginge soweit noch in Ordnung, wenn es nur im Fußraum nicht so sehr eng würde.

Okay, also Kinder auf denRücksitz, Erwachsene nach vorne. Und die finden hier ganz ordentliche Platzverhältnisse vor, die Sitze sind ausreichend groß und halbwegs straff gepolstert, allerdings bieten sie nur begrenzten Seitenhalt. Die manuelle Verstellung ist okay, der Lenkrad kann kleinwagentypisch nur in der Höhe verstellt werden. Zum Glück ist der Pixo nicht breiter, so kommt man auch auf der Beifahrerseite noch gut an die manuelle Außenspiegelverstellung.

Die verwendeten Materialien sind einfach, gegen aber durchaus in Ordnung, nur muss das alles so Grau sein? Zwar schwingt sich das Cockpit noch ganz harmonisch von der Mittelkonsole aus nach außen, aber mit dem hellen Grau unten, dem dunkleren oben und nur wenig Applikation bleibt das Ganze doch recht trist. Das offene Handschuhfach macht die Sache nicht unbedingt besser.

Die wenigen Bedienelemente sind einfach zu bedienen, der Schalter für die Nebellampen ist leider etwas vom Lenkrad verdeckt und es fehlt die Kontrollleuchte für die brennenden Nebellampen. Der große Tacho ist gut ablesbar und modern gezeichnet, die eckigen Luftaustrittsöffnungen in der Mitte des Armaturenbrettes hätten wir uns auch rund wie die links und rechts außen gewünscht.

Mit ausreichendem Fahrkomfort kann das Fahrwerk nicht nur in der Stadt, sondern auch auf kurvenreichen Landstraßen überzeugen, zum Renner ist der Pixo, vor allem mit Automatik-Getriebe, ohnehinnicht geboren. Der kleine Fronttriebler ist leicht untersteuernd ausgelegt, um den echten Grenzbereich auszuloten waren die Straßenzustände einfach zu schlecht, es war nicht einmal möglich, in den 14 Testtagen eine schnee- oder eisfreie Straße in ausreichender Länge zu finden.

So musste diesmal nicht nur der Slalomtest ausfallen, auch ein aussagekräftiger Bremstest war nicht machbar, dafür konnten wir uns ständig davon überzeugen, dass der kleine Nissan auch bei rutschigem Untergrund sauber in der Spur bleibt. Nicht ganz überzeugend war für uns sein etwas schwammiges Verhalten auf Schnee und Matsch, hier ging schnell das ansonsten gute Gefühl für die Straße verloren.

Ein wenig merkwürdig war auch die Tatsache, dass die ausreichend direkte und auch angenehm leichtgängige Lenkung bei ganz langsamen Rangiermanövern teilweise sehr schwergängig war. Das verwundert besonders deswegen, weil der Pixo eine geschwindigkeitsabhängige Servolenkung an Bord hat.

Mit innenbelüfteten Scheibenbremsen an der Vorderachse und Trommelbremsen hinten lässt sich die Bremskraft angenehm dosieren und auch das Ansprechverhalten ist okay. Bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 steht der Pixo (laut ADAC) aber erst nach über 42 Metern, ABS und Elektronische Bremskraftverteilung sind serienmäßig.

Er ist für die Stadt gemacht, und hier reichen seine 50 kW/68 PS bei 6.000 U/min und auch dasgeringe Drehmoment von 90 Nm bei 3.400 Touren durchaus aus, wer auf der Landstraße richtig flott vorankommen will, sollte statt der Automatik lieber den Handschalter wählen. Auch wenn man beim Automatikgetriebe selbst schalten kann und sich die Elektronik sogar ein Stückweit zurück hält und die Schaltbefehle ausreichend zeitnah ausführt.

Fährt man im Automatik-Modus, werden die Schaltvorgänge ausreichend sanft ausgeführt, nach dem Tritt aufs Gas lässt sich die Automatik aber doch ganz schön Zeit mit dem Zurückschalten. Für die Stadt ist diese Kombination aber durchaus zu empfehlen, außerhalb mussten wir aber immer wieder mal ein eher unmotiviertes Schalten feststellen.

Und was um Tempo bemühte Mitmenschen am meisten stören wird, mit der Automatik braucht der Pixo statt 14 satte 17 Sekunden um aus dem Stand auf Tempo 100 zu kommen und die Höchstgeschwindigkeit sinkt von 155 auf 150 km/h. Das ist aber leicht zu verschmerzen, für die Autobahn ist der Kleine ohnehin nicht unbedingt die erste Wahl.

Der 1-Liter-Dreizylinder mit elektronisch gesteuerter Benzineinspritzung und zwei obenliegenden Nockenwellen wird schnell laut, sobald er gefordert wird. Und schon sind wir beim nächsten Nachteil der Automatik gegenüber dem Schaltgetriebe: Der Verbrauch. Kommt der Schalter in der Stadt mit 5,5 und außerorts mit 3,8 Litern Super aus, verbraucht die Automatik stolze 6,7 inder Stadt und 4,5 außerhalb. Im Mix stehen 4,4 Liter den 5,2 Litern der Automatik gegenüber. Eine von uns selbst durchgeführte Messfahrt über unsere Normstrecke war wegen den unwirtlichen Straßenbedingungen diesmal nicht möglich.

Immerhin schaffen beide Euro 5, doch schon beim CO2-Ausstoß hat die Automatik-Variante mit 122 g/km gegenüber 103 des Schalters wieder das Nachsehen.
Vier Airbags (Fahrer-, Beifahrer und Seitenairbags vorne) sind serienmäßig an Bord, ebenso Kopfstützen und Dreipunktgurte auf allen vier Plätzen. Optional kann für 590,- Euro das Safety-Pack geordert werden, hier sind Kopfairbags und ESP drin. Allerdings gibt es das nur für die gehobenere Ausstattungsreihe „Acenta“.
Mit einem Einstiegspreis von 7.990,- Euro startet der Pixo Visia, der Acenta kostet 9.190,- Euro. Für ihn gibt es für 790,- Euro auch eine manuelle Klimaanlage und für 1.200,- Euro die Vierstufenautomatik. Beide Varianten können für 350,- Euro auch in eine Metallic-Lackierung gehüllt werden.

Ansonsten ist alles an Bord, was man zum preiswerten Fahren unbedingt braucht, der Acenta hat dann auch noch so luxuriöse Features wie elektrische Fensterheber oder Nebellampen an Bord.

Alle 15.000 km bzw. einmal im Jahr muss der Pixo zur Inspektion, die Versicherungseinstufungen lauten HPF 15, VK 14 und TK 16. Die dreijährige Fahrzeuggarantie (max. 100.000 km) wird ergänzt durcheine Garantie gegen Durchrostung von 12 Jahren und einer Drei-Jahres-Lackgarantie. Bei Einhaltung der vorgeschriebenen Wartungsintervalle gilt die Mobilitätsgarantie unbegrenzt.

Stand: April 2010; Test: Redaktionsbüro Lind; Fotos: Nissan und Redaktionsbüro Lind

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