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Der neue Kia Picanto zieht die Blicke auf sich

In Deutschland designed, in Rüsselsheim entwickelt, in Korea gebaut und für die ganze Welt gedacht: Die neue Kia Picanto-Generation. Der jüngste Sprössling folgt der neuen Designlinie, schließt sich den attraktiven Modellen Soul, Venga sowie Sportage an und setzt die Reihe gelungen fort. Er hat nichts mehr mit dem Vorgänger gemein, und so ist der kleine Koreaner nun weniger niedlich und unauffällig, dafür aber sehr attraktiv und ein sportlicher Hingucker. Diesen gewissen „Frauenauto“-Charme, der einem Fahrzeug aus dem A-Segment meist nachgesagt wird, hat der neue Picanto erfolgreich abgeschüttelt.

2004 startete Kia mit der ersten Modellgeneration durch, ein Facelift folgte drei Jahre später und heute präsentiert der koreanische Automobilhersteller eine von Grund auf neue Picanto-Generation. Erwachsener, kraftvoller und dynamischer sticht das Fahrzeug positiv hervor und hat einen hohen Wiedererkennungswert.
Das Fahrzeug wirkt breiter, steht nicht mehr so schmalbrüstig da, dabei ist das Fahrzeug nur in der Länge gewachsen. Gerade die Front kann sehr mit ihrem bulligen Auftritt gefallen, der mittlerweile zum Markenzeichen gewordene Kühlergrill mit Doppeltrapez-Struktur finden wir auch hier wieder vor. Er wirkt aber im Vergleich mit dem üppig dimensionierten unteren Lufteinlass und der kräftigen Frontschürze wie auch den sehr großen Leuchteinheiten recht dezent.

Apropos Licht, wie Sie auf unseren Fotos erkennen können, verfügt das Basismodell über ein gelbliches Tagfahrlicht unterhalb der Scheinwerfer neben dem Lufteinlass. Das in die Scheinwerfer integrierte LED-Tagfahrlicht gefällt dagegen wesentlich besser und wirktmoderner.

Während die stark nach hinten ansteigende Gürtellinie und der serienmäßige Dachspoiler den sportlichen Auftritt untermalen, stehen die echten Türgriffe für Reife und Wertigkeit.

Das Heck wirkt dank weit nach außen gezogenen Rückleuchten im Bumerang-Design wesentlich breiter, kann uns aber auf den ersten Blick nicht ganz so gut gefallen wie die kraftvolle Frontpartie, das ist aber mal wieder ebenso reine Geschmacksache wie die angebotenen Farbtöne.

Das von uns fotografierte frische und richtig schicke Lemongras Metallic steht neben fünf weiteren Farbtönen, das sind Schneeweiß, Aliceblau, Galaxyschwarz Metallic, Titaniumsilber Metallic und Signalrot Metallic, dem Kunden zur Wahl.

Der neue Picanto wird übrigens in Europa ab Ende August auch erstmals als Dreitürer angeboten. Dieser verzichtet jedoch nicht nur auf zwei Türen, sondern zeigt sich optisch noch dynamischer als der ohnehin schon sportliche Fünftürer.

Weniger putzig, dafür reifer … dies gilt nicht nur für das Exterieur, auch der Innenraum vermittelt mehr als nur Kleinwagen-Charakter.

Das gilt sowohl für die verwendeten Materialien, deren Verarbeitung sowie die Optik. Schwungvoll gezeichnet und intuitiv konzipiert, liegen die Bedienelemente sowohl für das Radio als auch für die Klimaanlage angenehm weit oben in optimaler Reichweite. Ebenso gut haben wir die Instrumenteneinheit mit drei Anzeigen in sportlicherer Röhren-Optik im Blick.

Leider nur in der Topvariante anzutreffen ist das Multifunktions-Lederlenkrad mit silberfarbenen Applikationen. Es ist zudem zwar ausreichend in der Höhe, leider aber nicht auch in der Weite verstellbar. Ein schickes Highlight, aber ebenfalls nicht in allen Picanto verbaut, ist derbeleuchtete Schminkspiegel im Hollywood-Design.

Die von den Koreanern gewählten Sitze sind zwar ausreichend groß dimensioniert, bleieben aber vor allem in der Ausformung auf Kleinwagenniveau und sind für solch einen dynamischen Picanto einfach zu unsportlich.
Kia selbst wirbt mit mehr Platz für die Fondpassagiere wie auch den Kofferraum. Während wir in der ersten Sitzreihe optimale Platzverhältnisse vorfinden, endet die Beinfreiheit im Fond ab 1,80 Meter. Dennoch nehmen wir auch hier bequem Platz.

Der Kofferraum fasst 200 Liter und ist durch ein Umlegen der geteilt umklappbaren Rücksitze – hierzu müssen zunächst die Sitzbank hochgeklappt und dann die Lehnen umgelegt werden – auf bis zu 870 Liter erweiterbar, der entstehende Ladeboden ist nahezu eben. Allerdings ist die recht hohe Ladekante und eine darauffolgende Stufe zu überwinden. Außerdem birgt die Heckklappe bereits für 1,80 Meter große Personen Anstoßgefahr.

Das Fahrwerks-Konzept wurde im Kern beibehalten, durch Modifizierungen aber weiter verbessert. So hinterlässt der Picanto stets einen positiven Eindruck, ermöglicht ein agiles Handling und bietet ausreichend guten Komfort auf schlecht ausgebauten Straßen.

Mit 9,80 Meter Wendekreis zeigt sich der kleine Koreaner von seiner sehr handlichen Seite, die elektrische Servounterstützung der Zahnstangenlenkung kommt einem hier zusätzlich positiv entgegen und ermöglicht ein leichtes Manövrieren.

Während wir in der Stadt mit den gut dosierbaren Standardbremsen gut zurecht kamen, profitierten wir gerade bei höheren Geschwindigkeiten von den Varianten mit ESC, da diese neben einer Traktionskontrolle sowie einer Berganfahrhilfe auch über Scheibenbremsen hinten verfügen.

DasMotorenportfolio des neuen Picanto umfasst drei Motorisierungen, neben dem 1,2-Liter-Vierzylinder der von 85 PS befeuert wird, stehen dem Käufer zwei 1,0 Liter-Benziner zur Wahl. Das Dreizylinder-Aggregat steht zum einen in der Leistungsstufe 69 PS sowie einer darauf basierenden LPG-Variante die 63 kW / 82 PS leistet im Angebot.

Allerdings muss sich der Kunde noch bis August gedulden, denn erst dann kann die Autogasvariante ausgeliefert werden. Mit einem Aufpreis von 1.300,- Euro gegenüber dem 1.0 Liter Benziner gestaltet sich das Angebot nicht nur preislich attraktiver als bei einer nachträglichen Aufrüstung, der koreanische Automobilhersteller bietet auch auf den LPG seine vorbildliche 7-Jahres-Garantie. Zudem wird hier das Platzangebot sowie der Fahrkomfort nicht eingeschränkt.

Im Schnitt begnügt sich der LPG – bei 13- oder 14-Zoll-Bereifung – mit 5,9 Liter pro 100 km und das von dem erheblich günstigeren Flüssiggas. Dabei stößt das Dreizylinder-Aggregat lediglich 95 g/km CO2 aus. Die sehr gut funktionierende Stopp-Start-Automatik ISG, die leider nur optional für die Topausstattung erhältlich ist, senkt diese Werte nochmals und erreicht einen Mixverbrauch von 5,6 Litern und reduziert den CO2-Ausstoss um weitere fünf Gramm.

Das Netz der Flüssiggas-Tankstellen wächst stetig, dennoch besteht teils beim Kunden die Sorge, nicht rechtzeitig genug solch eine Tankstelle vorzufinden. Um dem Käufer diese Angst zu nehmen, hat Kia das Fahrzeug nicht nur mit einem 35 Liter großen Flüssiggas-Tank bestückt, sondern zusätzlich einen 10-Liter-Tank für Benzin eingebaut, womit eine Reichweite von 150 Kilometern in jedem Fall garantiert ist.

Die 94 Nm Drehmoment sorgen verständlicherweise nicht fürBeschleunigungsstürme, garantieren aber dennoch ein gutes Mitschwimmen auch außerhalb der Stadt. Überholmanöver sowie Steigungen verlangen jedoch unbedingt einen Griff zum Schalthebel.

So benötigt der Kleine 14,3 Sekunden von 0-100 km/h und erreicht bereits bei Tempo 156 seine Höchstgeschwindigkeit. Für ein Fahrzeug, das zum größten Teil sein Einsatzgebiet in der Stadt sucht und findet, sind diese Werte aber ausreichend.

Das serienmäßig verbaute Fünfgang-Schaltgetriebe gibt keinen wirklichen Anlass zur Kritik, entspricht dem Klassenniveau und ist, wenn gewünscht, durch eine optionale Vier-Gang-Automatik ersetzbar.

Ob der neue Picanto in punkto Sicherheit an die Erfolge seiner Geschwistermodelle anschließen kann, ist noch nicht bekannt, zumindest geht der Hersteller selbst aber mal davon aus. Und das trotz der Tatsache, dass die Basisversion auf das elektronische Stabilitätsprogramm verzichtet, die nächst höhere Version nur gegen einen Aufpreis von 450,- Euro darüber verfügt und ausschließlich in der Topausstattung serienmäßig ESC verbaut ist. Zudem sind nur die Modelle mit ESC auch mit einer Traktionskontrolle, einer Berganfahrhilfe und Scheibenbremsen rundum bestückt ist.

Bei allen Modellen serienmäßig an Bord: das ABS-Bremssystem mit elektronischer Bremskraftverteilung EBD und der Bremsassistenten BAS sowie das adaptive Bremslicht ESS.

Bei der Entwicklung der neuen Karosserie wurde nicht nur der Schutz der Insassen weiter verbessert, sondern auch der Fußgängerschutz optimiert. Für die passive Sicherheit sorgen Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie Vorhangairbags, die bis zum Fond reichen, Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer vorn und ISOFIX-Halterungen an denRücksitzen. Ein Knieairbag und aktive Kopfstützen finden wir nur in der höchsten Ausstattungslinie, aber immerhin.

Seit wenigen Tagen steht der neue attraktive Picanto ab 9.390,- Euro beim Händler. Diese Einstiegsvariante Attract ist derzeit ausschließlich als Fünftürer und mit der 1.0 Liter Maschine erhältlich. Der 1.2 Liter-Vierzylinder bleibt dagegen der Topversion Spirit vorbehalten und schlägt mit 12.790,- Euro zu Buche.
Diese verfügt dann jedoch über zahlreiche Features, die wir in der Basisversion schmerzlich vermissen und teils auch nur in der nächst höheren Ausstattungslinie Vision optional aufrüsten können.

So fehlt hier nicht nur das bereits erwähnte ESP, auch auf einen Drehzahlmesser, einen höhenverstellbaren Fahrersitz, ein Multifunktionslenkrad, Nebelscheinwerfer, elektrisch einstell-, beheiz- und anklappbare Außenspiegel, eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung oder gar eine Fernbedienung müssen wir ebenfalls verzichten. Selbst ein Radio muss mit 219,- Euro einkalkuliert werden.

Dies gilt selbst für die 700,- Euro teurere mittlere Ausstattungslinie, die immerhin die Möglichkeit bietet, ein Klima-Paket für 1.260,- Euro inkl. Zentralverriegelung und Fernbedienung sowie die elektronische Stabilitätskontrolle inkl. Traktionskontrolle, eine Berganfahrhilfe und Scheibenbremsen hinten für weitere 450,- Euro zu ordern.

Abgesehen von den elektrischen Fensterhebern, dem höhenverstellbaren Fahrersitz und der Zentralverriegelung müssen wir aber auch hier ohne weitere Annehmlichkeiten auskommen. Diese wie auch ein Lederlenkrad- sowie Schaltknauf finden wir dann wirklich erst in der 12.390,- Euro teuren Topausstattung, die zudem mit einer Klimaautomatik,einer Sitzheizung vorn, einem Dämmerungssensor, Nebelscheinwerfern und dem Start-Stop-System zusammen für faire 760,- Euro aufrüstbar ist. Die 7-Jahre-Herstellergarantie ist erfreulicherweise bei allen Versionen im Preis inbegriffen.

Stand: Mai 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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