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Der brachiale Porsche Cayenne Turbo

Irgendwie hat man ein schlechtes (Umwelt-) Gewissen, wenn man diesen Porsche fährt, versucht im restlichen Leben jeglichen Müll zu vermeiden und beruhigt sich damit, dass man den Cayenne Turbo auch fahren muss, wenn er denn schon gebaut wird. Und das Fahren macht riesigen Spaß, er geht wie ein Sportwagen um die Ecken und beschleunigt auch so schnell. Dass er dabei locker mal 25 und mehr Liter verbraucht lässt sich nicht ändern. Nehmen Sie sich zurück, was allein bei dem geilen 8-Zylinder-Sound schwer wird, kann er außerorts auch mit 10,5 Liter – dann aber ganz, ganz bedächtig. Wie auch immer, fast 113.000 Euro müssen Sie erst mal hinblättern, bevor Sie Gas geben dürfen.

Dass er vor Kraft nur so strotzt, das strahlt der Cayenne Turbo bereits im Stand aus. Sein Bugteil mit den großen Lufteinlässen und den schwarzen Lamellengittern vorn, sein mächtiges Heck mit dem Dachspoiler und den dicken Endrohren … aber dennoch ist der Unterschied zu den Basis-Modellen nur gering.

Dass der Turbo jedoch was besonderes ist, erkennt man erst so richtig im Detail. So wurden z.B. die Blink- und Positionsleuchten in einem eigenständigen Design ausgeführt.

Wir waren aber ehrlich gesagt doch etwas überrascht vom Understatement, das Porsche mit diesem Turbo an den Tag legt. Obwohl er es sich doch leisten könnte, wirkt er so gar nicht protzig oder aufdringlich.

Und im Innenraum unterscheidet sich der Turbo praktisch überhaupt nicht von seinen Schwestermodellen.

So stechen auch hier die silbernen Zierleisten, die zweifarbige Gestaltung des Interieurs, die vorbildliche Verarbeitung und die feinen Materialien hervor. Aber auch hier müssen wir zum wiederholten Male die silbergrauen Schalter und vor allen Dingen die Regler an den Lüftungsschlitzen bemängeln, die Ausführung wirkt einfach billig und so gar nicht Porsche-Like.

Ein Blick nach oben lässt uns diesen Eindruck jedoch schnell wieder vergessen, hier strahlen zwar keine leuchtenden Sterne vom Dachhimmel, dafür aber wunderschönes, feines Alcantara.

Lassen wir unseren Blick weiter wandern, trifft er schnell auf die fünf Rundinstrumente, die uns in Ihren Bann ziehen und sehr gut abzulesen sind. Auf den ersten Blick wiederum nicht allzu gut zu erfassen sind die zahlreichen kleineren Tasten, die sich um den Bildschirm versammeln. Ansonsten ist auch hier die Bedienung intuitiv und alles liegt in guter Reichweite. DieLenkradheizung macht das ohnehin angenehme Lederlenkrad im Winter zum absoluten Handschmeichler.

Platz ist rundum mehr als ausreichend vorhanden, auf dem feinen Ledergestühl nimmt man vorne wie hinten gerne Platz. Doch wenn wir ehrlich sind, sitzen wir am liebsten hinter dem Steuer. Hier hält uns der gut ausgeformte und groß dimensionierte Sitz gut im Sattel und im Dunkeln leuchtet uns ein wunderbares Innenlicht den Weg.

Der reichlich gebotene Luxus hört auch im Kofferraum nicht auf, wer möchte kann sich hier von einer elektrischen Öffnungs- bzw. Schließfunktion verwöhnen lassen und wird dann von einem hochwertig verkleideten Ladeabteil empfangen, dazu muss nur eine für die Fahrzeugkategorie angenehm niedrige und geschützte Ladekante überwunden werden. Dann stehen wie in den Basis-Modellen 540 Liter Ladevolumen zur Verfügung. Durch Umlegen der Rücksitze im Verhältnis 60:40 lässt sich dies auf 1.770 Liter erweitern. Hierzu müssen erst die Sitzfläche hochgeklappt, die Kopfstützen rausgenommen und dann noch die Lehne umgelegt werden.

Die Fahrwerkseigenschaften des Porsche Cayenne Turbo beeindrucken und lassen uns fast sprachlos zurück. Ein Fahrzeug mit diesem Gewicht und den Abmessungen, das sich trotzdem wie ein Sportwagen handeln lässt und derart schnell um enge Kurven zu manövrieren ist, noch dazu mit so dezenten Wankbewegungen … Hier macht Porsche so schnell keiner was vor.

Das Handling ist einfach grandios, spielerisch und sicher. Die Lenkung ist auf der einen Seite angenehm straff, aber wenn nötig auch wunderbar leichtgängig, dabei aber stets exakt, und der Cayenne folgt willig und direkt der kleinsten Lenkbewegung.

Wer sich einen Cayenne Turbo leisten kann, sollte ohnehin wie aufWolken schweben, mit der Luftfederung kann man das wörtlich nehmen, sie bietet dem Fahrer zudem die Möglichkeit, je nach Situation, die Karosserie des Cayenne Turbo zu senken oder anzuheben. Die integrierte Niveauregulierung gewährleistet gleichzeitig eine vom Beladungszustand unabhängige, konstante Fahrzeuglage. Zu den weiteren Funktionen gehört das automatische Absenkung des Fahrzeugs bei zunehmender Geschwindigkeit, was nicht nur die aktive Sicherheit weiter erhöht sondern auch zur Verbrauchssenkung beiträgt. Das variable Dämpfungssystem PASM bietet dem Fahrer darüber hinaus die Möglichkeit, während der Fahrt seine ganz persönliche Dämpfer-Einstellung vorzunehmen. Zur Auswahl stehen die Programme “Komfort\“, “Normal\“ und “Sport\“.

Die serienmäßigen Fahrwerksysteme mit Luftfederung und der aktiven Dämpferregelung PASM können auf Wunsch durch die Neuentwicklung Porsche Dynamic Chassis Control (PDCC) ergänzt werden. Hiermit werden die Seitenneigung in Kurven nahezu verhindert. Im Offroad-Modus lässt das System unterhalb einer Geschwindigkeit von 35 km/h überdies die maximal mögliche Achsverschränkung zu.

Außerdem kommt PDCC dem Fahrkomfort auf schlecht ausgebauten, unebenen Straßen entgegen. Die Skyhook-Regelung kommt hier zum Einsatz und lässt den Cayenne komfortabel dahingleiten. Der Turbo-Leistung angepasst wurden auch die Bremsen verstärkt. Dazu wurden die Bremsscheiben und Bremssättel vergrößert und die vorderen Bremszangen zudem noch versteift. Darüber hinaus verstärkt die Servounterstützung den Pedaldruck noch kräftiger als bisher.

Mit den neuen Funktionen “Vorbefüllung der Bremsanlage und Bremsassistent\“ wird je nach Situation der Anhalteweg bei Vollbremsungenverkürzt und schnellstmöglich der volle Bremsdruck aufgebaut. Das Offroad-ABS erkennt, wenn das Fahrzeug auf lockerem Untergrund bewegt wird und verzögert nach einer optimierten Strategie, um einen zusätzlichen Bremskeil vor den Rädern aufzubauen. Bei Gespannfahrten erkennt PSM ein eventuelles Aufschaukeln und wirkt mit gezielten beidseitigen Radbremseingriffen stabilisierend entgegen.

Und dann ist da ja auch noch der permanente Allradantrieb Porsche Traction Management (PTM), der dem Cayenne Turbo On- wie Offroad hervorragende Fahreigenschaften beschert. Es verteilt die Motorkraft im Grundmodus im Verhältnis 62:38 zwischen Hinter- und Vorderrädern und kann je nach Bedarf bis zu 100 Prozent nach vorn oder hinten leiten. Dabei steht PTM ständig in Verbindung mit dem Porsche Stability Management (PSM). Das dirigiert ABS, ASR und ABD (automatisches Bremsdifferenzial), greift aber nur im Grenzbereich ein, so dass sich der Cayenne Turbo jederzeit sportlich bewegen lässt.

Und wie sportlich sich so ein Porsche Cayenne Turbo bewegen lässt zeigt schon ein Blick auf die technischen Daten des neuen Bi-Turbomotors der zweiten Generation, der dank der neuen Benzin-Direkteinspritzung, der erstmals eingesetzten VarioCam Plus-Ventilsteuerung sowie einer Hubraumerhöhung auf 4,8 Liter gewaltige 500 PS (368 kW) leistet, das entspricht einem Leistungsplus von 50 PS.

Wahnsinnige 700 Nm lassen den Giganten brachial nach vorn preschen, in gerade mal 5,1 Sekunden hat der Riese aus dem Stand die Tempo 100 Marke erreicht. Und dem mehr als beeindruckenden Vortrieb ist erst bei 275 km/h ein Ende gesetzt. Wir fahren uns – begleitet von einem kernigen sonoren Achtzylinder-Brüllen – förmlich in einen Rausch.

Doch wie von einemWeckerklingeln werden wir vom Blick auf die Tanknadel aus unseren Träumen gerissen. So gigantisch die Beschleunigung auch ist, so durstig ist der Turbo dabei auch. Unter 15 Liter Super Plus ist der Cayenne Turbo im Mix kaum zu bringen, bei einer Vollgasorgie pendelt sich der Verbrauch sogar jenseits der 25 Liter ein. Trotz allem spricht Porsche von einer Einsparung von bis zu 15 Prozent gegenüber dem Vorgänger, was sich aber in erster Linie auf den Außerortsverbrauch bezieht, der jetzt bei 10,5 Liter liegt, und ein absolut defensives und vor allem langsames Fahren voraussetzt. Auf unserer Normstrecke haben wir immerhin nur 14,5 Liter verbraucht – aber auch bei den hier an den Tag gelegten Fahrleistungen reicht ein Cayenne Diesel mehr als aus, dafür braucht man eigentlich keinen Turbo, aber die Diskussion, ob man dieses Auto überhaupt braucht wollen wir an dieser Stelle auf keinen Fall wieder lostreten.

Im Gegenteil, wir haben die Zeit mit dem Cayenne Turbo genossen. Wie auch die neue Sporttaste, die den Wagen noch spontaner ansprechen lässt. Dann fährt er auch grundsätzlich im ersten Gang an und dreht die Gänge höher aus, schaltet also später hoch und früher wieder zurück. Und auch auf die Federung/Fahrwerksregelung wirkt sich der Druck auf die Sporttaste aus, verpasst dem Cayenne einen noch sportlicheren Touch.

Die serienmäßige Sechsgangautomatik Tiptronic S überzeugt in vollem Umfang. Sie wurde dem Leistungszuwachs entsprechend überarbeitet und macht die Gangwechsel noch einen Tick schneller und zugleich auch komfortabler. Und auch hier setzt der mögliche Sportmodus in Sachen Schnelligkeit noch einen drauf, aber auch dann arbeitet die Automatik stets sehr sanft. Darüber hinaus bietet sie eineHill-Holder-Funktion.

Dreipunktsicherheitsgurte, Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer sind ebenso an Bord wie Fullsize-Airbags für Fahrer- und Beifahrer, ein Seitenaufprallschutzsystem mit Thorax- und Curtain-Airbags.

Ein Überschlagssensor kann im Notfall gezielt Gurtstraffer und Curtain-Airbags auslösen und dadurch das Verletzungsrisiko beim Überschlag deutlich minimieren.

Porsche verlangt für den Cayenne Turbo 225,34 Euro pro PS, das entspricht einem Gesamtpreis von 112.670,- Euro und die 500 Pferdchen gibt es nun mal nur im Gesamtpaket. Und dabei handelt es sich besser gesagt um den Grundpreis.

Dieser beinhaltet zwar Bi-Xenon-Licht sowie statisches und dynamisches Kurvenlicht, einen Dachhimmel in Alcantara, einen Regensensor, elektrisch verstell-, beheiz- und anklappbare Außenspiegel, el. Fensterheber rundum mit Komfortschließfunktion, Einklemmschutz und Tipp-up- und -down-Funktionen am Fahrerplatz, eine Komfortsitzanlage mit el. Gurthöhenverstellung vorn und el. Lenksäulenverstellung, die el. Zuziehhilfe für die Heckklappe, Sitzheizung vorne und hinten inklusive Lenkradheizung, eine Klimaautomatik mit getrennter Temperatureinstellung für Fahrer und Beifahrer sowie automatischer Umluft-Control-Steuerung inklusive Luftgütesensor, ein BOSE® Surround Sound-System mit 14 Lautsprechern und das Porsche Communication Management (PCM) inklusive Navigationsmodul, zentrales Multimedia-System inklusive – 6,5-Zoll-TFT-Farbbildschirm mit Touchscreen-Funktion, doch dem individuellen Gestaltungsdrang sind kaum Grenzen gesetzt.

Hierfür steht u.a. eine Lederausstattung mit Naturleder in schwarz-kastanienbraun, das Cayenne-Sport-Rad im Zehnspeichen-Design oder das SportPlus-Rad im Mehrspeichen-Design im 21Zoll-Format, die automatische Heckklappe oder ein in den Ladeboden integriertes Schienensystem inkl. Gepäckraum-Trennnetz zur Wahl. Mehr verrät Ihnen Ihr Porsche-Händler gerne in einem persönlichen Gespräch …

Stand: April 2009, Text und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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