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Daihatsu

Daihatsu Materia 4WD

Der Kleine ist innen größer als außen und bringt nicht nur in Sachen Optik Abwechslung auf unsere Straßen, sondern sorgt jetzt auch mit seinem Allrad-Antrieb für nicht Alltägliches – zumindest in dieser Fahrzeugklasse. Und auch wenn er nicht ins Gelände soll, mit 4WD liegt der Materia wesentlich stabiler auf der Straße, zeigt bei jeder Witterung eine gute Traktion, kommt allerdings auch etwas schwer los, sodass man ihn bisweilen gerne mal abwürgt. Auch mit vier angetriebenen Rädern hat er nur fünf Vorwärtsgänge und dabei schreit er förmlich nach einen sechsten Gang, und die dann auch bitte besser geführt sind.

Da schreien die Kunden angeblich immer nach ausgefallener Optik, wollen endlich mal was anderes, und dann zeigt Daihatsu gleich mit verschiedenen Modellen den Mut dazu – und wird doch nicht richtig belohnt. Den knuffigen Trevis hat man mittlerweile wieder eingestellt, und auch der Materia fristet auf unseren Straßen eher ein Außenseiterdasein.

Schade, denn neben dem auffallenden Auftritt hat der kleine Japaner noch viel mehr zu bieten, u.a. Platz in Hülle und Fülle. Doch dazu gleich mehr. Seine Optik ist ein wenig an amerikanische Fahrzeuge angelehnt, so ein bisschen Gangsterauto schimmert da durch. Eine mächtige Front stellt sich in den Wind und mit dem Kühler mit den beiden Chromleisten und den schick integrierten Zusatzleuchten/Blinkern bekommt er ein unverwechselbares Gesicht.

Der bullige Body wird ergänzt von markant ausgestellten Radläufen, in denen nur noch etwas größere Räder stecken müssten, dazu stark ausgearbeitete Schweller und die geradlinig sich nach hinten verjüngenden Seitenfenster mit der dunklen Abtönung im hinteren Bereich – auch von der Seite ist der Materia unverwechselbar

Dafür sorgt auch die hinten seitlich nach außen versetzte kurze Antenne, und wenn man sich das Heck betrachtet, verschwindet auch der letzte Zweifel daran, dass Daihatsu alles getan hat, denMateria unverwechselbar zu machen. Steil abfallend sorgt vor allem das silbergraue Band zwischen den Rückleuchten mit dem Materia-Schriftzug für hohe Wiedererkennung. Der Auspuff schreit förmlich nach einer dickeren Blende.

Also nichts wie rein in den Design-Mini und sofort verfliegt die Euphorie. Denn im Innenraum hat Daihatsu praktisch jede Chance ungenutzt gelassen, dem Materia echten Pfiff zu geben. Das beginnt schon bei der Tatsache, dass er – als eines der wenigen Modelle aus diesem Hause – kein Momo-Lederlenkrad besitzt. Und vom schmucklosen Plastik-Volant geht es nahtlos in die restliche Plastiklandschaft über.

Und die ist auch ebenso grau wie der Lenker, dabei hätten zahllose Materialansätze hier jede Menge Möglichkeiten eröffnet. Einzig die Blende rund ums Radio strahlt in glänzendem Schwarz. Wer mehr will, muss auf jeden Fall in den Zubehörkatalog schauen. Die Art, wie die Lüftungsöffnungen in der Mitte angebaut wurden bleibt aber immer wenig schön.

Die Handhabung aller Bedienelemente geschieht problemlos, alles wichtige ist beleuchtet, wechselt aber von oben rum Orange-Gelb nach unten hin ins Grüne.

Für einen Familien-Mini-Van bieten die für unseren Geschmack etwas zu weich gepolsterten Sitze mit einem ansehnlichen Stoffmix aus Uni und Muster ausreichendSeitenhalt, die Bedienung erfolgt manuell und ohne Probleme, der Fahrersitz ist sogar höhenverstellbar.

Viel zu verstellen gibt es auch auf der Rückbank, wo man fast noch mehr Platz vorfindet als in der ersten Reihe. So kann nicht nur die Lehne individuell verstellt werden, die Rücksitzbank kann um 16 cm in Längsrichtung verschoben werden, so dass man hier ggf. auch problemlos die Beine übereinander schlagen könnte. Der Kopfraum ist ebenso riesig und selbstverständlich gestaltet sich der Ein- und Ausstieg vorne wie hinten ganz bequem.

Doch damit nicht genug, wenn Sie die Vordersitzlehnen nach hinten umlegen, entsteht in Verbindung mit den umgelegt Rücksitzen eine durchaus bequeme Liegewiese, die Sie aber auch zusammen mit dem Kofferraum für bis zu 2,20 Meter langes Transportgut verwenden können.

Ist die Rücksitzbank nach hinten geschoben, gehen gerade mal 181 Liter in den Kofferraum, zieht man sie vor, sind es bereits 294 Liter und im Verhältnis 60 zu 40 umgeklappt, schaffen die Rücksitzlehnen bis zu 1.000 Liter Laderaum mit ebener Ladefläche. Die große Heckklappe erkennt man schon von außen, dass sie schön weit hochschwingt und eine angenehm niedrige Ladekante freigibt erst beim Beladen.

Das Fahrwerk des Materia ist recht straff ausgefallen und so bringen Bodenwellen schnellUnruhe ins Fahrzeug, grobe Querrillen hauen zudem ziemlich durch. Der hohe Aufbau sorgt trotzdem für deutliche Karosserieneigungen und bei starkem Seitenwind hat der Fahrer einiges zu tun.

Etwas abträglich für den Komfort ist die unzureichende Geräuschdämmung, der geforderte Motor ist ebenso laut im Innenraum zu vernehmen wie die Windgeräusche bei hohem Tempo und aufgeschleuderte Steinchen in den Radkästen.

Anders als seine frontgetriebenen Schwestermodelle hat der allradangetriebene Materia natürlich mit Untersteuern weniger am Hut. Er liegt in jeder Fahrsituation deutlich stabiler auf der Straße, auch bei hohem Autobahntempo und geht wesentlich neutraler um Kurven oder auch um die Pylonen unseres Slalomtests. Mit der ausreichend direkten und leichtgängigen Lenkung ist er problemlos zu handeln, der kleine Wendekreis von 9,80 m tut ein Übriges dazu.

Das Allrad-System sorgt bei jeder Witterung für eine sehr gute Traktion, allerdings kommt der 4WD etwas schwer los und so würgt man den Kleinen beim Anfahren schnell mal ab. Dabei fährt auch der 4WD im günstigsten Fall nur mit Frontantrieb, erst wenn hier Schlupf auftritt, leitet er vollautomatisch einen Teil der Kraft an die Hinterräder. Die optionale Stabilitäts- und Traktionskontrolle (VSC und TRC) ist für den 4WD nicht zu bekommen.

An der starren Hinterachse kommen nur Trommelbremsen zum Einsatz, vorne sind es aber innenbelüftete Scheibenbremsen, die serienmäßig über eine Vierkanal-ABS-Regelung verfügen und zusammen mit einer elektronischen Bremskraftverteilung, Bremskraftverstärker und Bremsassistent für zufriedenstellende Bremsleistungen sorgen, dabei taucht der Wagen vorne tief ein.

Wenn man den Materia mit Allrad-Antrieb ordert, muss man sich auch zwangsläufig für den 1,5 Liter Vierzylinder entscheiden, der 76 kW/103 PS (bei 6.000 U/min) leistet und ein maximales Drehmoment von 132 Nm bei 4.400 U/min zur Verfügung stellt. In Verbindung mit dem Allrad-Antrieb geht dabei aber ein wenig von der Spritzigkeit verloren, mit 11,9 Sekunden ist er über eine Sekunde langsamer auf Tempo 100 als der Fronttriebler, seine Topspeed ist mit 168 km/h zwei Kilometer früher erreicht.

Der Motor dreht willig hoch und macht den Materia 4WD ausreichend quirlig, zumindest wenn man ihn bei Drehzahllaune hält. Das bedeutet aber leider häufig Schalten, und genau hier hat der Materia eine unschöne Schwachstelle. Die serienmäßige Fünfgang-Schaltung ist recht hakelig und auf langen Wegen geführt. Für unseren Geschmack schreit die gewählte Übersetzung förmlich nach einem sechsten Gang, das würde auch die Motorakustik bei hohemAutobahntempo reduzieren.

Erhöht – zumindest gegenüber der Fronttriebler-Version – zeigt sich der 4WD im Verbrauch. Auf unserer Normstrecke hat der 4WD mit 7,2 Litern etwa 0,3 Liter auf 100 km mehr verbraucht als der frontgetriebene Materia, die Werte für Stadt (9,0) und Land (6,3) gibt Daihatsu ebenfalls geringfügig höher an. Die CO2-Emissionen liegen bei 172 g/km, und es wird auch nur Euro 4 erreicht.

Wie bei den Geschwistern kann die Sicherheitsausstattung mit Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer durch optionale Kopfairbags ergänzt werden. Dazu kommen höhenverstellbare Kopfstützen und Dreipunkt-Automatikgurte auf allen Plätzen (vorne höhenverstellbar und mit Gurtkraftbegrenzern und -straffern) sowie ISOFIX Kindersitzbefestigungspunkte auf den Rücksitzen.

Der Daihatsu Materia 1.5 4WD mit 103 PS kostet 17.990,- Euro, die Grundausstattung ist dabei mit Nebelscheinwerfern, elektrischen Fensterhebern rundum, Klimaanlage, RDS-CD-Radio mit MP3/WMA, Leichtmetallfelgen, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, höhenverstellbarem Fahrersitz, längs verschiebbarer Rücksitzbank etc. recht umfangreich.

ESP gibt es für den 4WD nicht, Sonderlackierungen kosten 390,- Euro Aufpreis. Anders als beim frontgetriebenen Materia 1.5 kann beim 4WD die Innenbeleuchtung nicht gedimmtwerden, sind die Innentürgriffe statt in Chrom in Schwarz gehalten, fehlt vorne in der Mittelkonsole der Getränkehalter und sind die Lautsprecher in den Türen wie auch die Türinnengriffe nicht beleuchtet.

Stand: Mai 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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