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Toyota

Clever und smart, der Toyota iQ

Mehr als nur smart dieser kleine Japaner. Manche stellen ihn auf eine Stufe mit dem smart, aber nicht nur dass er mit drei Metern deutlich mehr Länge zu bieten hat, auch die Optik ist eine völlig andere, er ist viel erwachsener, bietet vorne richtig üppige Platzverhältnisse, kann wenn es unbedingt sein muss auch mal vier Passagiere aufnehmen und lässt drei Insassen sogar richtig gut sitzen. Der Kofferraum wächst von praktisch Null auf bis zu 238 Litern an, wenn man nur zu zweit drin sitzt. Und er fährt auch wie ein richtiges Auto, der Fahrkomfort ist okay, die Schaltung ist exakt, der Motor bleibt durchaus kultiviert, die Lenkung wird nur in schnellen Kurven zu straff – und dann piepst der iQ wild vor sich hin, auch wenn man sich nicht anschnallt. Ganz billig ist er nicht, dafür ist die Grundausstattung üppig.

Er wirkt richtig bullig, vor allem wenn man frontal davor oder dahinter steht, macht er sich unheimlich breit. Front und Heckschürze mit den minimalen Fahrzeugüberhängen sind weit nach unten gezogen und lassen den iQ satt auf dem Asphalt stehen. Die markant ausgestellten Radhäuser werden von den Rädern gut ausgefüllt.

Kurz hinter der Tür ist der iQ dann auch schon zu Ende, die dunkel getönte Heckscheibe läuft weit in die Seite und versteckt praktisch die C-Säule, die erkennt man erst bei näherem Hinsehen, oder eben von innen, wo sie mit der B-Säule zu einem breiten Etwas zusammenwächst, das nur durch ein kleines Fensterchen unterbrochen. Zum Glück ist der Kleine aber prima auf Au0ßenspiegel einzuparken und verfügt natürlich auch über einen kleinen Wendekreis.

Nachdem die Fahrzeugüberhänge minimal geraten sind, konnte ein Radstand von zwei Metern erreicht werden, was dem Raumangebot enorm zugute kommt. Der Schwung der Heckscheibe läuft schick in den Rückleuchten aus, sie enden etwa auf gleicher Höhe wie die Heckklappe, was schon von außen auf eine hoheLadekante schließen lässt.

Das bestätigt sich dann schnell und damit nicht genug, geht es anschleißend nochmals rund 15 cm nach unten. Aber keine Panik, bei voller Bestuhlung geht mit den 32 Litern Ladevolumen gerade mal eine Aktentasche in den schmalen Ladespalt. Aber auch das ist kein großes Problem, denn zumeist sitzen ja ohnehin nur zwei Leute im iQ, und dann kann man die Kopfstützen aus den beiden Rücksitzen entfernen – eine richtige Haltevorrichtung ist dann aber nicht dafür vorhanden – die Lehnen umklappen und schwupps steckt der kleine Japaner mit einer nahezu ebenen Ladefläche 238 Liter Gepäck weg.

Und unter dem Rücksitz befindet sich ein weiteres Ablagefach mit 50 Litern Volumen, so bekommt man dann doch ganz schön was rein, wenn nur die Heckklappe weiter aufschwingen würde, ab einer Körpergröße von 1,80 Metern holt man sich schnell mal eine Kopfnuss.

Also ab nach vorne, und hier spiel der Winzling seine ganze Größe aus. Und das nicht nur in der Breite, der iQ bietet echt sehr gute Platzverhältnisse, viel mehr als man erwartet. Dazu nimmt man auf großen Sitzen Platz, die straff gepolstert aber mit wenig Seitenhalt bestückt sind. Nachdem immer mehr Menschen „Rücken“ haben, fällt die fehlende Lordosenstütze besonders auf, findige Zeitgenossen nehmen das zur „Tasche“ mutierte Handschuhfach ab und klemmen es sich zwischen Lehne und Rücken.

Toyota bezeichnet seinen Stadtflitzer als „3 + 1“, und in der Tat passen drei Erwachsene prima rein, denn hinter dem weit nach hinten verschiebbaren Beifahrersitz, der auch Sitzriesen noch ein bequemes Unterkommen bietet, kann, wenn dieser etwas weiter vorne arretiert wird, durchaus ein Erwachsener Platz nehmen. So richtig bequem sitzt der aber nicht, die Polsterung ist sehr straff, die Beine sind stark angewinkelt und das Dach ist sehr nahe.

Man kommt sogar – allerdings nur auf der Beifahrerseite – ganz bequem dort hin und auch wieder raus, schade,dass sich der Sitz nicht die ursprüngliche Stellung merkt. Hinter dem Fahrer hat nur ein Kind wirklich genügend Raum. Den braucht man auch neben dem Auto, will man durch die großen und vor allem breiten Türen bequem einsteigen.

Schauen wir uns also mal um im iQ, der Grundton ist Braun-Violett, dazu gesellen sich dunkelgraue Kunststoffelemente und ein schickes, dick gepolstertes und unten leicht abgeflachtes Lederlenkrad. Die schwungvolle Armlehne kann ebenso gefallen wie die im Dreieck auslaufende Bedientafel des Armaturenbretts. Weniger gelungen mutet der daraus wachsende Block mit der Navigationseinheit an. Die Tasten drum herum sind vor allem auf der rechten Seite für den Fahrer nur schlecht zu erkennen, da die Beschriftung ziemlich klein ist.

Wo wir beim Meckern sind: der runde Knopf im nur in der Höhe verstellbaren Lenkrad, mit dem das Radio ferngesteuert werden kann, ist vor allem auf holprigen Straßen kaum exakt zu bedienen, statt laut oder leise hat man dann schnell mal den Sender verstellt. Und die neben der Tacho-/Drehzahlmesser-Einheit verbaute digitale Anzeigeneinheit u.a. mit der Tankanzeige ist je nach Lichteinfall kaum zu erkennen, vermisst haben wir zudem eine Reichweitenanzeige. Und dass die Tankanzeige so sehr voreilt, ist auch nicht ganz praktisch, während sie mit nur noch zwei Strichen einen bald leeren Tank vorgab, gingen an der Tanksäule gerade mal 20 Liter rein – von 32.

Kleines Auto, kleine Hupe. Beim iQ ist sie so mickrig, dass sie allenfalls einem Roller genügen würde. Und auch beim Innenlicht hat Toyota ordentlich gespart. Ein kleiner Strahl erhellt nur die nächste Umgebung, der Rest vom Innenraum bleibt weitgehend im Dunkeln. Dafür haben die Japaner nicht am Alarmsignal für nichtangeschnallte Insassen gespart. Reagiert man nicht auf das erste noch erträgliche Piepsen, wird es dann höllisch heftig.

Daran, dass die Handbremshebel weit nach rechts und weit nach vorne gerutscht ist, gewöhnt mansich erst nach sehr langer Zeit, die noch davor platzierten Schalter u.a. für ESP sind einfach zu weit weg. Aber es war wohl einfach aus Platzgründen nicht anders möglich, schließlich musste der Schalthebel ja auch noch irgendwo hin wo man gut ran kommt und eine Verbindung zum Getriebe brauchte der ja schließlich auch noch.

Es ist gar nicht so einfach, einem so kurzen Fahrzeug wie dem iQ einen ordentlichen Fahrkomfort zu bescheren. Mit McPherson Vorderachse und einer Torsionslenker-Hinterachse ist Toyota aber ein angenehmer Fahrwerkskompromiss gelungen. Trotz des eher kurzen Radstandes liegt der Wagen gut auf der Straße, verkneift sich unnötige Härten und bügelt Unebenheiten gut weg.

Gepaart ist das Ganze mit einer geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung, die im normalen Fahralltag dort wo es sein muss angenehm straff, beim Rangieren auf engstem Raum schön leichtgängig arbeitet. Und der Raum kann ggf. sehr eng sein, schafft der kleine Japaner doch einen Wendekreis von 7,8 Metern – da kann so schnell keiner mithalten. Leider ist der iQ trotz seiner geringen Abmessungen recht unübersichtlich.

Doch die Lenkung hat auch einen Haken, in richtig schnellen Kurven wird sie zunehmend straffer und dann viel zu straff. Dabei geht der iQ richtig gut um die Ecken, wäre da nicht das Elektronische Stabilitätsprogramm, das beim iQ VSC heißt und den Wagen sehr stark einbremst. Das häufige Blinken der ESP-Anzeige zeigt auf kurvenreichen Sträßchen, wie viel Arbeit der elektronische Helfer hat. Und wenn man es herausfordert, piepst der Zwerg wie verrückt. Na ja, er ist ja auch mehr als Stadtflitzer denn als Kurvenräuber gedacht. Noch nicht 100%ig gelöst scheint auch die Rückstellung der Lenkung, hier muss der Fahrer immer wieder mal nachhelfen.

Unser Testwagen war mit einem Navigationssystem ausgestattet, ein nicht zu unterschätzender Komfort, erst Recht für einen Kleinwagen. Es ist, abgesehen von den recht klein beschriftetenTasten, einfach zu bedienen, nach kurzer Eingewöhnung sucht man nicht mal mehr das „Okay“ für die Zielführung, etwas nervig ist es auf Dauer, wenn die per Touchscreen gegebenen Befehle recht lange in der Ausführung dauern.

Beim Bremsen zeigt sich der iQ von seiner ordentlichen Seite. Leicht dosierbar und spontan ansprechend reagiert der Wagen umgehend mit Verzögerung, dank Scheibenbremsen vorn (innenbelüftet) und hinten, ABS und elektronischer Bremskraft-Verteilung EBD sowie Bremsassistent BA steht er bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 nach 39,5 Metern.

Derzeit stärkster Motor unter der kurzen Haube des iQ ist der von uns im Test gefahrene 1.33 mit 72 kW/98 PS. Dazu gesellt sich ein maximales Drehmoment von 132 Nm bei 3.800 U/min und ein Start-Stopp-System sowie eine Schaltempfehlungsanzeige. Die hilft mit Benzin zu sparen, auch wenn sie bei unseren Testfahrten bisweilen bei Tempo 130 ein Zurückschalten aus dem sechsten Gang forderte.

Das Schalten funktioniert übriges sehr gut, auf kurzen, exakten Wegen ist der Schalthebel angenehm straff geführt, die Abstimmung des serienmäßigen Sechsgang-Getriebes harmoniert ordentlich mit dem neuen Vierzylinder-Triebwerk, unterstützt mit seiner langen Auslegung aber den schwachen Durchzug und verlangt immer wieder den Griff zum Schalthebel, zumindest wenn man flott vorankommen will, dann braucht der Wagen Drehzahl, und dann wird er natürlich etwas lauter, unter Volllast sogar sehr laut, im direkten Vergleich mit anderen Kleinwagen bleibt sein Geräuschpegel aber immer noch ausreichend leise.

Ab Tempo 120 werden die Motorgeräusche zunehmend vom Sound des Windes untermalt, und dank der 98 PS und der Antriebsschlupfregelung TRC ist der iQ recht schnell in diesem Bereich, schon nach 11,8 Sekunden hat er aus dem Stand Tempo 100 erreicht und wird bei Bedarf 170 km/h schnell.

Befolgt man die Schaltempfehlungen, kann man den iQ – wie wir auf unserer Normstrecke – im Mix mit 4,7Litern Super auf 100 km bewegen, reine Stadtfahrten gibt Toyota mit 5,9 Litern an, außerorts sind es 4,2 Liter, der CO2-Ausstoß liegt im Mittel bei 113 g/km, das Aggregat erreicht die Abgasnorm Euro 4.

Mit serienmäßigen Front-, Seiten- und Kopfairbags gibt sich der kleine Toyota noch längst nicht zufrieden. Der ebenfalls serienmäßige Fahrer-Knieairbag und der Sitzpolster-Airbag für den Beifahrer sind aber auch noch nicht alles, um den Personenschutz bei einem Heckaufprall sicher zu stellen, wurde auch ein Heckairbag verbaut, der den Passagierraum nach hinten abschließt und sich zwischen Dachsäulen und Himmel entfaltet. Und der ist bei den nur wenigen Zentimetern bis zu den Köpfen der Fondpassagiere sicher auch dringend nötig.

Neben der hochfesten Sicherheits-Fahrgastzelle mit „Multi-load path body structure“ sorgen Dreipunkt-Sicherheitsgurte auf allen Plätzen inkl. Gurtkraftbegrenzer und –straffer vorn, das Schleudertrauma-Schutzsystem WILL sowie ISOFIX Kindersitzbefestigungen für den nötigen Schutz, immerhin erhielt der Japanflitzer fünf Sterne im Euro-NCAP-Chrashtest.

Die Preise für den Toyota iQ sind nicht von Pappe, aber relativieren sich dann doch etwas durch die recht umfangreiche serienmäßige Grundausstattung. So steht unser Testwagen, der iQ 1.33 + mit Start-Stopp mit 15.600,- Euro in der Preisliste.

Dann sind aber z.B. Nebellampen, Licht- und Regensensor, Alufelgen, ein automatisch abblendender Innenspiegel, Klimaautomatik, CD-Player, elektrische Fensterheber, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, Traktions- und Stabilitätskontrolle bereits im Preis enthalten, ebenso das schlüssellose Zugangssystem, bei dem mittels Startknopf gestartet wird.

Angenehm kurz präsentiert sich dazu die Liste der möglichen Extras. Sie beginnt beim Navi für 950,- Euro, geht weiter über die Einparkhilfe für 320,- Euro, den iPod-Anschluss für 170,- Euro, die Metallic-Lackierung für 400,- Euro, denSport-Kit für 660,- Euro (mit Auspuffblende, Dachspoiler und Heckschürze in Wagenfarbe) sowie die Teilleder-Ausstattung für 800,- Euro bis hin zum Style Kit (mit diversen Zier- und Einstiegsleisten) für 280,- Euro.

Stand: Mai 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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