// Fahrbericht / Citroën C6 HDi 240 Biturbo

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Citroën C6 HDi 240 Biturbo

Echt Klasse, echt Oberklasse? Vor allem auf dem deutschen Markt tun sich im Bereich der oberen Mittelklasse alle schwer in der Welt von Audi, BMW und Mercedes. Auch Citroën mit dem C6, obwohl man sich alle Mühe gegeben hat, ein imposantes und ausgefallenes Flaggschiff auf die Räder zu stellen. Ein Grund ist sicher die fehlenden richtig großen Motoren. Mit dem neuen HDi 240 ist da zumindest schon mal ein Anfang gemacht. Ein kultivierter und zugleich starker Sechszylinder Common-Rail-Diesel mit Biturbo und 177 kW/241 PS und 450 Nm Drehmoment, kombiniert mit einer sanften Sechsstufen-Automatik sowie einer schicken Innenausstattung mit leider nur ganz dezenten Holzeinlagen und feinem cognacfarbenem Leder. Dass hier doch schon öfter mal auf dem Rücksitz Platz genommen wird zeigen gegen Aufpreis die auch hier bestens ausgeformten und elektrisch verstellbaren Sitze. Der Preis ist auch klasse, startet ab 54.180,- Euro.

Schönheit bleibt immer eine Frage des Geschmacks, das bekommt der C6 voll zu spüren, er polarisiert, gefällt oder eben nicht. Aber er ist ein Gesicht in der Menge, unverwechselbar und obwohl er doch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat noch immer modern und frisch. Dabei unterscheidet sich auch der neue große Diesel nicht von seinen Brüdern: Breit, flach mit langgestreckter Front und schmalen Scheinwerfern, tief auf den Asphalt geduckt.

Unverändert natürlich auch die Seitenansicht, die mit ihren geschwungenen Fensterlinien und den schlanken Dachsäulen noch mal die Länge des C6 betont, um dann fast unvermittelt in einem kurzen Stummelheck zu enden.

Auch hier alles hinlänglich bekannt, die im Bogen verlaufenden Rückleuchten, der ungewöhnliche Schwung der Heckscheibe nach innen … Aber es gibt doch was neues, oderbesser gesagt etwas anderes. Denn der starke Diesel demonstriert seine Power mit zwei dicken, ovalen Auspuffrohren links und rechts. Das lässt doch schon mal hoffen.

Beim letzten C6-Test haben wir noch das viele Schwarz bemängelt und auf die möglichen Ausstattungsvarianten verwiesen, die Frische und Farbe in den Innenraum bringen – wie jetzt beim HDi 240 Exclusive.

Wenn auch ein wenig zaghaft wurden einige Holzapplikationen eingebaut – besonders an den Türfächern mit dem feinen „Schiebe-Mechanismus“ macht sich das sehr gut und harmoniert vor allem bestens mit dem cognac-farbenen Leder an den Türverkleidungen und den Sitzen.

Damit wirkt der Innenraum bis hin zur Materialanmutung des verwendeten Kunststoffs ganz schön hochwertig, mit den – zugegeben auch deutlich teureren – Konkurrenten aus dem Mutterland des Automobils kann der C6 aber nicht ganz mithalten, nicht nur, weil die Tasten im Lenkrad nicht beleuchtet sind, auch die digitalen Instrumente sind nicht unbedingt Oberklasse.

Die sind beim C6 nicht nur zu einem viel zu schmalen Schlitz verkommen, sondern je nach Sonneneinstrahlung bisweilen auch schlecht abzulesen. Da ist es wieder gut zu wissen, dass der C6 über ein Head-Up-Display verfügt. Auch nicht gerade begeistern kann der wuchtige Pralltopf im Lenkrad, aber wo wir das Multifunktionslenkrad mit feststehender Nabe z.B. aus dem C4 begrüßen würden …

Nobel und klasse ist die sehr feine Innenbeleuchtung mit indirekten Lichtleisten im oberen Teil der Türverkleidungen, nicht so toll die vielen kleinen Schalter in der Mittelkonsole, die doch eine gewisse Eingewöhnung verlangen. Und die Platzierung der Schalter für die Sitzheizung am Sitz ist vorne wie hinten recht versteckt. Immerhin zeigt die Sitzheizung hinten wo man bei Citroën hin wollte.

Damit nicht genug, auch inReihe zwei können die Sitze (Option) elektrisch verstellt werden. Und wie. Da kann man ganz entspannt in einer Art Liegesitzposition reisen, und hat selbst dann noch hinter einem 1,80 m großen Fahrer ausreichend Platz. Ganz komfortabel wird es auf dem hinteren rechten Sitz, wer hier Platz nimmt, kann per Knopfdruck den Beifahrersitz vorfahren und sich so mehr als fürstliche Platzverhältnisse sichern.

Die bestens ausgeformten äußeren Rücksitze machen auch auf langen Strecken nicht schlapp, sorgen aber dafür, dass man den Mittelsitz im Prinzip vergessen kann. Die restlichen vier Sitzplätze sind angenehm straff gepolstert und dank der guten Ausformung auch mit ausreichend Seitenhalt bestückt.

Wer den Kofferraum mit größeren Gegenständen bestücken will, sieht sich schnell eingeschränkt, von den nur 411 Liter Ladevolumen, von der recht kleinen Ladeöffnung und der doch geringen Zuladung von nur 385 kg sowie der nicht vorhandenen Möglichkeit, die Rücksitze umzuklappen.

Spätestens wenn der C6 als Chauffeur-Limousine benutzt wird, spielt die Sportlichkeit keine große Rolle mehr, da ist dann vor allem Komfort gefragt – und den kann der große Franzose bieten. Dazu fährt er mit der hydropneumatischen Federung schweres Geschütz auf, gleitet förmlich über die Straße, schluckt fast alles was sich den Reifen in den Weg legt. Und kann manuell auf sportlich gestellt werden, was aber nicht ganz ernst gemeint ist, auf jeden Fall liegt sein Fokus immer auf Komfort.

Dazu passt, dass der Motor bei Autobahn-Richtgeschwindigkeit von 130 nur leise säuselt, die dann schon deutlich zu vernehmenden Windgeräusche sind weniger klasse. Die sanfte Automatik unterstreicht den Komfortanspruch ebenso wie die leichtgängige Lenkung, die ohnehin für flottes Fahren eine Spur zu wenig Gefühl vermittelt. Dass sichdie große Limousine im Slalomtest und in schnellen engen Kehren mächtig zur Seite neigt und das ESP bisweilen unharmonisch und stark eingreift unterstützt die Behauptung, den C6 mehr als Cruiser denn als Renner einzusetzen.

Denn jenseits der 200 km/h-Marke wird auch die Bremsanlage an ihre Grenzen geführt, Vollbremsungen machen den weichen Franzosen hier noch weicher und hinterlassen ein sehr unsicheres Gefühl, aus Tempo 100 heraus bremst der C6 aber ganz ordentlich und steht nach rund 38 Metern, aber auch dann kann eine schlechte Piste die Karosserie ganz schön schwanken lassen. Dosierbarkeit und Ansprechverhalten der Scheibenbremsen vorn und hinten sind okay.

Auch wenn die von Citroën angebotenen Motoren vollkommen ausreichen, hier wird es ganz deutlich, zur richtigen Oberklasse fehlt es dann doch. Keine Acht-Zylinder, keine 300 und mehr PS … aber um ehrlich zu sein gehört der C6 auch in die obere Mittelklasse, aber selbst hier bieten die Konkurrenten auf Wunsch deutlich mehr Leistung. Dafür aber hat Citroën jetzt einen feinen Sechszylinder-Diesel mit auf drei Liter angewachsenem Hubraum und 177 kW/241 PS, die bei 3.800 U/min anliegen und einem maximalen Drehmoment von 450 Nm schon ab 1.600 bis 3.600 U/min im Angebot.

Schon beim Start gibt sich der Sechszylinder ganz komfortabel, läuft angenehm ruhig und wird dann selbst gefordert nie laut. Das trägt mit dazu bei, dass man von den tatsächlichen Beschleunigungen nicht viel mit bekommt und rein subjektiv den Vorwärtsdrang eher zurückhaltend bezeichnen würde. Nimmt man die Stoppuhr zu Hand, stellt man fest, das die schwere Limousine mit dem 241 PS immerhin in nur 8,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprintet, das ginge sicher noch schneller, käme der Turbodiesel mit der Automatik schneller aus dem Stand los.

Reicht trotzdem allemalaus, und die Topspeed von 235 k/hm wird den meisten auch vollkommen genügen. Auch der Durchzug ist okay, wobei sich die Elektronik beim Tritt aufs Gas mit dem Zurückschalten ein wenig Zeit lässt, oder aber man wechselt manuell die Stufen, und auch dann greift die Technik ggf. ein und schaltet eigenmächtig zurück. Dann geht es aber gut los, denn die Abstufung der sechs Vorwärtsgänge harmoniert gut mit dem Selbstzünder und auch bei hohem Autobahntempo halten sich die Drehzahlen in angenehmen Grenzen.

Für eine bessere Agilität und vor allem Laufruhe wurde nicht nur der mögliche Einsritzdruck auf bis zu 2.000 bar erhöht, mit jetzt acht statt bisher sechs Löchern an den Einspritzdüsen wird eine noch feinere Dosierung und Zerstäubung des Kraftstoffs erreicht, mit bis zu fünf Einspritzungen pro Arbeitstakt wird neben der Verringerung des Verbrennungsgeräusches natürlich auch die Entstehung von Schadstoffen reduziert. Von den beiden Turboladern ist jeweils einer für eine Bank, also drei Zylinder zuständig.

Und wer es unbedingt braucht, der kann den C6 auf „S“ stellen, dann wird alles ein wenig knackiger und fühlt sich irgendwie straffer an. Gibt man sich mit moderaten Ausfahrten zufrieden, dann lässt sich der Common-Rail-Diesel der dritten Generation mit 5,8 Litern außerorts und 10,2 Litern in der Stadt bewegen, im Rahmen unserer Normstrecke hat sich der C6 mit 7,3 Litern begnügt. Dann steigt die Reichweite auf fast 1.000 km und die Schadstoffbelastung mit CO2 liegt bei 195 /km. Und natürlich hat der HDi 240 einen Partikelfilter an Bord, schafft die Euro 5 Norm und auch ein System zur Energierückgewinnung ist neu mit dabei.

Dabei wird mit einer Drehstromlichtmaschine beim Bremsen oder im Schiebebetrieb die Bewegungsenergie des Fahrzeugs teilweise zurückgewonnen und in der Batteriegespeichert, ohne dass dafür zusätzlich Kraftstoff verbraucht würde.

Der C6 spielt in der Liga der sichersten Autos ganz oben mit, hat nicht zuletzt Dank der aktiven Motorhaube und dem damit verbundenen Fußgängerschutz nicht nur fünf Sterne im NCAP-Crashtest bekommen, sondern das auch mit der höchsten Punktzahl.

Neben adaptivem Fahrer- und Beifahrer-Airbag, Seiten- und Kopfairbags vorne und hinten sowie einem Knieairbag für den Fahrer kommen auch aktive Kopfstützen, Dreipunktsicherheitsgurte mit Gurtkraftbegrenzern und pyrotechnischen Gurtstraffern, eine elektrische Kindersicherung in den hinteren Türen und ISOFIX-Kindersitzbefestigungen zum Einsatz, im Exclusive auch der AFIL-Spurassistent (Alarm bei Fahrbahnabweichung per Infrarot-Linienerkennung).

Den Einstieg in den Citroën C6 HDi 240 bekommt man mit dem „Business“ für 54.180,- Euro, unser „Exclusive“ kostet 58.730,- Euro, hat dann aber auch fast alles an Bord, was man so braucht.

So gehören hier neben der hydropneumatischen Federung auch die elektrische Parkbremse, automatisch abblendende Innen- und Außenspiegel, letztere elektrisch verstell-, anklapp- und beheizbar, Einparkhilfe vorne und hinten, Lichtautomatik und Tagfahrlicht, mitlenkendes Bi-Xenonlicht, Nebelscheinwerfer, zweifach el. verstellbares Lederlenkrad, Head-up-Display, HiFi-Soundsystem von JBL, Spurassistent, Lederpolsterung, Alufelgen, verchromte Einstiegsleisten, el. Fensterheber vorn und hinten, Tempomat, Mehrzonen-Klimaautomatik, Memory für Fahrsitz, Außenspiegel und Head-up-Display, Sonnenschutzrollo hinten sowie Zentralverriegelung zur Serienausstattung.

Einzig die Metallic-Lackierung für 850,- Euro, die elektrisch verstell- und beheizbaren Einzelsitze hinten für 1.300,- Euro und das elektrische Schiebedach für 850,- Euro sollte man vielleicht nochin seine Überlegungen mit einbeziehen. Ansonsten? Wer `ne Anhängerkupplung braucht, ein Multimedia-System, spezielle Alufelgen, eine Alarmanlage – der sollte doch besser noch mal in die Preisliste schauen.

Stand: Mai 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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