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BMW X6 35i

Ein Sports Activity Coupé (SAC) ist kurz gesagt eine Kreuzung aus SUV und Coupé. An sich war das doch recht unvorstellbar, bis BMW den X6 präsentierte. Und seither fragen sich viele: Wer braucht so was und wozu? Die Antwort ist einfach. Niemand und einfach nur um Spaß zu haben – riesigen Spaß, denn Fahrwerk und Fahrleistungen können echt begeistern, machen dem Namen alle Ehre. Und um aufzufallen, denn der X6 ist ein absoluter Hingucker, rein äußerlich lässt er alle SUV alt aussehen. Innen ist vieles X5, hinten gibt es zwei Einzelsitze und ein immer noch großer Kofferraum, wenn auch mit ziemlich hoher Ladekante. Sie sollten auf der hohen Kante mindestens 57,800,- Euro für den X6 35i haben.

Mit dieser Mischung hat BMW derzeit eigentlich eine absolute Alleinstellung, das was SsangYong dazu auf die Räder gestellt hat ist vor allem optisch nicht so der Brüller, spielt aber auch preislich in einer anderen Liga. Wir sind gespannt ob und wann andere Mitbewerber nachziehen werden.

Der X6 spaltet seine Betrachter wie kaum ein anderer BMW, bei uns trifft er absolut ins Schwarze. Egal wie unsinnig/unnütz er auch sein mag … mit seinem extravaganten Design ist er ganz klar ein Prestige-Objekt und lässt einen gewöhnlichen SUV richtig alt und langweilig aussehen. Nicht nur sein Überholimage, auch sein Neidfaktor ist riesig.

Dabei kommt er an der Front noch ganz SUV-like daher, was aber vor allem am hohen Aufbau liegt, den sieht man von der Höhe mal ab, sorgt er angefangen von den schwungvollen Scheinwerfern, weiter über die markant mit Sicken geprägte Motorhaube mit der breiten Niere und vor allem der mächtigen Frontschürze für einen sportlichen Auftritt.

Dynamisch ausgestellte Radläufe, eine markant profilierte und sanft ansteigende Seitenlinie und dann eben dieses Coupédach führen das sportliche Bild fort. Dabei wirkt die Gesamtkomposition so stimmig, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Bei unserem Testwagen waren noch recht „kleine“ Räder montiert, die verbleibende „Luft“ in den Radhäusern schreit förmlich nach gewaltigeren Pneus.

Das Heck ist ebenso ungewöhnlich wie hoch, ausgesprochen dynamisch und klar als BMW zu erkennen. Die Designer durften sich wohl so richtig austoben und haben sogar die Auspuffrohre geschmackvoll in die Heckschürze eingebunden. Von der Frontlippe zieht sich ein Kunststoffband über die Radhäuser, den Schweller bis ins Heck, wo es zu einem angedeuteten Diffusor mit Unterfahrschutz endet. Aber wer wird mit dem X6 ernsthaft ins Gelände wollen?

Das Fahrzeug wirkt insgesamt sehr voluminös und gewaltig, ist auch in Breiteund Länge größer als ein X5. Steht kraftvoll und echt beeindruckend vor uns.

Mit der Übersichtlichkeit ist es nicht ganz so gut bestellt, das sehr flache Heckfenster lässt nur einen schmalen Schlitz durch den der Blick zurück gerne mal ein Fahrzeug im Nichts verschwinden lässt. Hinzu kommen die nach hinten sehr breit werdenden Dachsäulen, sodass man beim rückwärts Einparken schnell die Rückfahrkamera zu schätzen weiß.

Ob vorne oder hinten, ob groß oder klein, was richtig stört sind – vor allem beim Ausstieg – die Seitenschweller an denen man sich hier schnell mal die Hose beschmutzt. Außerdem ist der Weg bis zum Sitz oder davon weg ziemlich weit.

Erst mal drin, kann man nicht nur auf den ersten Blick meinen, in einem X5 zu sitzen. Eine Dekorleiste am Pralltopf im Lenkrad, schicke Kniepolster in feinem Leder an der Mittelkonsole und die fehlenden Griffe am Dach sind praktisch die einzigen Unterschiede. Ach ja, bei unserm X6 schauen die serienmäßigen Schaltwippen am Lenkrad hervor.

So befindet sich alles wie gewohnt in optimaler Reichweite und liegt gut im Blick, das Bediensystem iDrive kommt auch hier zum Einsatz. Die Verarbeitung ist gewohnt hochwertig und die massiven Armaturen passen ganz zur Charakteristik des Fahrzeugs. Das Ambiente ist auch hier in ein wunderschönes Licht gehüllt, bereits außen ist der X6 sehr gut beleuchtet. Ebenfalls nichts neues, die sehr schnelle Sitz- und Lenkradheizung.

Und auch die in unserem Testwagen verbauten Sitze mit vorbildlichen elektrischen Verstellmöglichkeiten sind aus anderen BMW-Modellen hinlänglich bekannt. Kommt man vorne noch recht bequem rein, müssen sich die Fondpassagiere durch einen leider etwas engen Eingang zwängten, Radhaus und Dachholm stören. Dann aber warten zwei schön ausgeformte Einzelsitze auf sie, die trotz der sehr stark abfallenden Dachlinie auch Platz für 1,85 Meter große Passagiere bieten,der Beinraum ist stets üppig. Ein reiner Viersitzer also, aber das ist ja üblich für ein Coupé ;-). Die Bedienelemente, die uns im Fond des X6 erwarten, kann so mancher Kleinwagen am Armaturenbrett nicht vorweisen, liegen aber ebenfalls gut im Blick und werfen bezüglich der Bedienung keine Fragen auf.

Der Kofferraum bietet mit 570 Liter ein üppiges Ladevolumen und lässt sich spielerisch durch Umlegen der geteilten Lehnen auf bis zu 1.450 Liter vergrößern. Die Fläche ist zwar leicht ansteigend aber absolut hochwertig verkleidet.

Die Heckklappe lässt sich in zwei Stufen weit öffnen, funktioniert aber beim Schließen erst mal recht streng um dann das letzte Stück fast allein herunter zu fallen und dann zieht sie ein E-Motor ganz zu. Optional steht auch eine vollautomatische Öffnungs- und Schließfunktion zur Verfügung.

Die mächtig stabile Gepäckraumabdeckung ist allerdings nur manuell im Z-Faltungsprinzip zu öffnen und schließen und lässt sich bei Bedarf komplett unter dem massiven Ladeboden verstauen. Dieser wird von einem Stoßdämpfer gehalten und hält ein weiteres großes Staufach sowie sauber verstautes Werkzeug parat. Außerdem beinhaltet das optionale Ablagenpaket zwei Verzurrschienen (sammeln schnell Schmutz auf) mit vier verstellbaren Verzurrösen, Ablagenetze und Taschenhaken.

Neben dem Design, legte BMW sein Hauptaugenmerk auf das Fahrwerk. Auch hier wollte man eine Alleinstellung erreichen, und ehrlich gesagt: „Das ist ihnen voll und ganz gelungen. Nach einem solchen Fahrerlebnis sucht man ansonsten vergeblich.

Perfekt in Szene gesetzt werden die Antriebs- und Fahrwerkssysteme durch ihre Vernetzung im Integrated Chassis Management (ICM). Eng miteinander verbunden ist das intelligente Allradsystem BMW xDrive und die Dynamic Performance Control. Letztere sorgt nicht nur für die stufenlose Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse, sondern regeltauch das Antriebsmoment der beiden Hinterräder.

So ist auch bei abrupten Lenkmanövern oder plötzlicher Gaswegnahme die Stabilität des Fahrzeugs garantiert. Durch umleiten der Kraft vom kurveninneren zum kurvenäußeren Hinterrad (oder umgekehrt), wird ein Über- wie Untersteuern weitgehend verhindert.

Außerdem kommen zahlreiche Helferlein zum Einsatz: die elektronische Differenzialsperre DSC, das Automatic Differential Brake ADB, das Anti-Blockier-System ABS, die automatische Stabilitäts Control ASC, die Anhänger-Stabilitätskontrolle, die Bergabfahrhilfe Hill Descent Control HDC, die Dynamische Bremsen Control DBC, die Kurvenbremsunterstützung Cornering Brake Control CBC sowie die Steuerung der serienmäßigen Geschwindigkeitsregelung mit Bremsfunktion.

Vorn kommt eine Doppelquerlenkerachse mit Doppelgelenkprinzip zum Einsatz und hinten ist es eine Integral IV Hinterachse. Damit fährt der X6 straff aber keineswegs unkomfortabel, trifft genau unseren Geschmack. Die Lenkung wirkt im ersten Augenblick etwas zu straff, fast schwergängig. Sie ist – typisch BMW – sehr direkt ausgelegt und nach einer kurzen Eingewöhnung wünscht man sich nichts anderes mehr. Auch hier steht die optionale Aktiv-Lenkung zur Wahl.

Den SUV komplett abgestreift hat der X6 wenn es darum geht, Kurven schnell zu umrunden. Das hohe Gewicht wie auch der hohe Aufbau machen dem X6 überhaupt nicht zu schaffen, geradezu spielerisch lässt er sich durch den Slalom oder durch schnelle Kurven jagen, die Fahreigenschaften sind für dieses Fahrzeug einfach beeindruckend. Diese Agilität, dieses Gefühl wie auf Schienen zu fahren … und selbst bei Nässe ist er nicht aus der Ruhe zu bringen und bleibt auch mit deaktiviertem DSC sehr stabil. Selbst die Wankbewegungen sind dabei minimal – ein Verdienst des optionalen Adaptive-Drive-Systems. Was der X6 kann ist einfach sagenhaft und erinnert ausschließlich an einenSportwagen, einen hochgelegten eben. Besonders, wenn man die Sport-Taste aktiviert.

Wie nicht anders erwartet legt er auch bei mehrmaligen Vollbremsungen aus Tempo 100 eine super Performance hin und steht nach weniger als 35 Metern, lässt allerdings ein lautes Rubbeln und Brummen ertönen. Im Alltag ist die Bremse mit innenbelüfteten großen Scheiben rundum fein zu dosieren und reagiert schnell.

Die elektrische Parkbremse löst sich leider nicht selbstständig, ist aber mit einer Auto-Hold-Funktion ausgestattet.

Neben dem 407 PS-Power-Aggregat steht für den X6 der stärkste Reihensechszylinder im BMW Motorenprogramm mit 225 kW/306 PS parat. Der BMW X6 xDrive35i schöpft seine Kraft aus 3,0 Liter Hubraum und stellt zwischen 1.300 und 5.000 U/min sein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern zur Verfügung.

Die Kombination aus Twin Turbo Aufladung und High Precision Injection machen sich bezahlt und bereits von unten heraus ist für ordentlich Vortrieb gesorgt und das Ganze wird von einem kernigen, turbinenartigen Sound begleitet.

In 6,7 Sekunden sprintet er von null auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 240 km/h erreicht, selbst dann liegt der X6 sehr ruhig und sicher auf der Straße.

Der angegebene Mixverbrauch liegt bei 10,9 Liter auf 100 Kilometer. Wen es allerdings im Gasfuß kitzelt sollte mit ein paar Litern mehr rechnen. Ebenfalls nicht gerade niedrig, liegt der CO2-Wert mit 262 Gramm pro Kilometer.

Das weiterentwickelte Sechsgang-Automatikgetriebe führt die Schaltbefehle schnell und ausgesprochen sanft aus, im S-Modus tut es dies sogar spürbar flotter. Die Abstimmung ist prima auf Motor- und Fahrzeug-Charakteristik zugeschnitten, steckt immer in der richtigen Stufe. Wechseln wir auf den manuellen Modus, kann man am Joystick oder ganz bequem an den serienmäßigen Schaltpaddels am Lenkrad die Gänge wechseln. Auch hier zeichnet sich das Getriebe durcheine schnelle und zugleich sanfte Arbeitsweise aus. Letztendlich, wenn auch sehr spät, greift die Elektronik dann doch wieder selbst ein.

Von Front- und Becken-Thorax-Airbags, seitlichen Curtain-Kopfairbags, Dreipunkt-Automatikgurten auf allen Plätzen inkl. Gurtkraftbegrenzer und eine Gurtstrammerfunktion vorn über crashaktive Kopfstützen, ISOFIX-Kindersitzbefestigungen, Bi-Xenon-Scheinwerfern und einem zweistufigen Bremslicht bis hin zu der Roll-over-Sensorik , die dafür sorgt, dass die Curtain-Airbags ausgelöst und die Gurtstrammer aktiviert werden, sind alle relevanten Sicherheitselemente serienmäßig an Bord.

Gegen Aufpreis steht zudem ein Fahr- und Fernlicht-Assistent und das adaptive Kurvenlicht zur Wahl, der Regensensor ist Serie.

In Anbetracht der Ausstattung und Motorisierung liegt der X6 preislich nur unwesentlich höher als der X5, der X6 xDrive35i startet bei 57.800,- Euro und beinhaltet dann die elektrische Sitzverstellung, 19-Zoll Räder mit 255/50er Breitreifen, die Dynamic-Performance Control, das Efficient-Dynamics Paket, das Entertainmentsystem mit MP3-fähigem CD-Laufwerk und AUX-In-Buchse, die Klimaautomatik, Geschwindigkeitsregelung mit Bremsfunktion, Park Distance Control am Heck, Schaltpaddles am Multifunktionslenkrad und noch so einiges mehr.

Trotz der guten serienmäßigen Ausstattung ist die Liste der optionalen Features so umfangreich, dass wir diese jetzt wirklich nur kurz anschneiden möchten und in jedem Fall einen Blick in die Preisliste empfehlen.

ie Rückfahrkamera (420,- Euro bei Navi, sonst 520,- Euro) ist nur zu empfehlen, außerdem wären da noch das Head-Up Display (1,340,- Euro), die Aktivlenkung (1.300,- Euro), der Fernlichassistent, das DVD-Videosystem im Fond, der individuell einstellbare elektrische Öffnungs- und Schließmechanismus für die Heckklappe (540,- Euro), das adaptive Kurvenlicht, die aktive Sitzbelüftung, diverse Leder-oder Alcantara-Polsterungen (zwischen 2.160,- und 6.220,- Euro) oder die Soft-Close-Automatik für die Türen erwähnenswert. Die verschiedenen Metallic-Lackierungen erstrecken sich von 980,- bis 2.250,- Euro.

Stand: Dezember 2008, Fotos: Redaktionsbüro Lind

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