// Fahrbericht / BMW X1 xDrive 20d

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BMW X1 xDrive 20d

Lange Zeit hat BMW das Segment der kleineren Crossover anderen überlassen, jetzt füllt der X1 diese Lücke, und wie. Typisch BMW setzt er vor allem in Sachen Fahrwerk wieder mal Maßstäbe, sportlicher kann sich ein SUV nicht bewegen lassen, und zusammen mit dem Allradantrieb bringt er seine Power auch bestens auf den Asphalt, hier springt er beim Sprint förmlich nach vorne, neigt sich nur wenig und erlaubt schnellste Kurventempi. Dazu ein Innenraum ganz nach BMW-Manier, vor allem die Sitze unseres Testwagens haben voll überzeugt, auch wenn diese ausnahmsweise mal „nur“ mit Stoff bezogen waren. Prima Platzverhältnisse, eine ausreichend niedrige Ladekante mit gutem Gepäckabteil dahinter, gute Bremsen, eine knackige Schaltung die langsam bedient mal wieder etwas hakelt, eine exakte Lenkung und eine individuelle Optik machen den X1 zu einem Verkaufsschlager, auch wenn er nicht ganz billig ist.

Optik ist immer eine Frage des Geschmacks, und wie alle 1er von BMW ist vielen auch der X1 etwas zu schmal geraten, oder ist die Niere irgendwie zu groß? Wie auch immer, der X1 fällt auf, ist unverwechselbar und trägt allein optisch schon mal ganz schön dick auf. Selbstbewusst streckt er seine Nase in den Wind, die dynamischen Scheinwerfer werden von einer schwarz abgesetzten Frontschürze unterstützt, an der vor allem der silbergraue Einsatz den hohen Freizeit- und Offroad-Charakter zum Ausdruck bringt.

Dabei ist der kleine Bayer für Matsch und Dreck ohnehin viel zu schade und auch zu nahe am Boden, aber es kommt gut, wenn man so aussieht als ob, und der Allradantrieb hat reichlich andere Vorteilefür den X1 im Gepäck.

Dynamisch steigt die Gürtellinie an, darüber schwingen sich die Seitenfenster nach hinten, die kleine Dachreling unterstützt mit der kleinen Antenne und dem Heckspoiler den unbestritten sportlichen Anspruch. Wie die schräg abfallende Heckscheibe darunter, die schwarze Einfassung der Radläufe, die über die ebenfalls schwarzen Seitenschweller Front und Heck harmonisch verbinden.

Neben den markanten Rückleuchten mit LED-Technik hebt der silbergraue Einsatz in der Heckschürze den X1 aus der Masse heraus, fast schon dezent schaut da ein dickes Auspuffrohr hervor.

Trägt der X1 ein auch im Familien-Verbund ziemlich eigenes Kleid, kann und will er innen seine Herkunft keinesfalls verleugnen. Typisch BMW vereint sich hier ein Mix aus Hightech, Modernität, Sportlichkeit und hochwertiger Verarbeitung. Und alle Elemente sind einem sofort vertraut, hat man schon mal in einem BMW gesessen.

Das kleine dicke Lederlenkrad ist griffgünstig ausgeformt und gibt den Blick frei auf die typischen BMW-Instrumente, bei denen man nicht nur auf gute Ablesbarkeit sondern wie gewohnt auch auf die symmetrische Ausrichtung mit parallel stehenden Zeigern geachtet hat.

Meistens sind unsere Testwagen mit tollen, aber auch teuren Ledersitzen bestückt, unser X1 wartete „nur“ mit Stoffsitzen auf, aber auch die konnten vollauf begeistern. Straff, bestens ausgeformt und mit verlängerbarer Beinauflage fühlt man sich in Ihnen bestens eingepackt – daran hat natürlich die Tatsache maßgeblichen Anteil, dass man bei den optionalen Sportsitzen auch die Seitenwangen verstellen kann. Schick gelöst auch, wie der Stoff dann wieder in denTürverkleidungen auftaucht. Beim Einstieg ist man fast etwas überrascht, wie tief man sitzt, glaubt man doch in ein SUV zu steigen.

Das gelingt wie der Ausstieg vorne wie hinten ganz bequem, in Reihe zwei stoßen die Füße aber schnell mal beim Aussteigen an der B-Säule und der Türverkleidung an. Das Platzangebot ist rundum gut, auch als 1,80 m Mensch sitzt man hinter einem ebenso großen Fahrer noch ganz bequem, der Kopfraum ist ohnehin üppig. Weit weniger komfortabel sitzt man hinten auf dem knochenharten Mittelsitz, die individuelle Lehnenverstellung sorgt zumindest für die Außensitzenden für noch mehr Komfort.

Prima ist dagegen wieder die Dreiteilung der Rücksitzbank, deren Lehne einfach umzulegen ist mit ganz leicht ansteigendem Boden den 420 Liter großen Kofferraum auf bis zu 1.350 Liter vergrößert. Und unter dem stabilen Boden steckt ein flaches Zusatzfach mit praktischen Unterteilungen. Nicht nur für ein SUV ist die Ladekante angenehm niedrig, die Stoßstange aber wie so oft ungeschützt. Ab 1,85 m Körpergröße sollte man seinen Kopf schützen, oder zumindest auf mögliche Anstöße an der Heckklappe achten.

Der X1 kann mit einem typischen BMW-Fahrwerk aufwarten, das bedeutet in jeder Lage einen guten Komfort, dem auch schlechte Straßen nur wenig anhaben können. Aber das ist nur die eine Seite des Münchners, auf der anderen bietet er eine Fahrdynamik, die jedem Sportwagen zur Ehre gereichen würde.

Der X1 ging nicht nur willig und mit wenig Karosserieneigung um die Pylonen unseres Slalomtests, auch ansonsten nimmt er schnelle Kurven 1a und völlig unbeirrt, dabei liegt er ruhig und wie ein Sportwagen auf dem Asphalt.Daran hat neben dem Fahrwerk natürlich auch der xDrive-Allradantrieb seinen Anteil.

Beim Sprint springt er förmlich los, bringt seine Kraft optimal auf den Boden. Der variable Allrad-Antrieb verteilt die Kraft immer genau dort hin, wo sie gebraucht wird. Und die diversen elektronischen Helferlein wie Stabilitäts-, Traktions- und Performance-Control sorgen u.a. durch gezieltes Beschleunigen oder Abbremsen einzelner Räder für Spurtreue, enorme Kurvendynamik und natürlich beste Traktion, was man beim X1 weniger im Gelände denn bei Nässe, Eis und Schnee Tag für Tag auf der Straße genießen kann.

Dazu gesellt sich die angenehm straffe und herrlich direkte Lenkung, mit der man ein super Gefühl für die Straße bekommt. Mit ihr lässt sich der X1 prima dirigieren und zielgenau durch jede noch so enge Kurve zirkeln.

Da ist man gerne mal versucht, flotter unterwegs zu sein, und dann ist es sehr beruhigend zu wissen, dass man sich im Notfall auch auf die Bremsanlage verlassen kann, wobei wir jetzt einfach mal die gute Dosierbarkeit und das schnelle Ansprechen voraussetzen.

Mit ABS, Bremsscheiben rundum, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent zeigt sich die Bremse vor allem bei einer Notbremsung von ihrer besten Seite. Ohne nennenswertes Quietschen oder ABS-Rubbeln kommt sie vehement zur Sache und staucht den X1 nach kaum mehr als 35 Metern aus Tempo 100 auf Null. Und auch nach dem zehnten Bremsversuch noch ohne Nachlassen der Bremswirkung.

Da braucht es sicher einen kräftigen Sechszylinder oder über 200 Diesel-PS unter der Haube, um die Vorteile der guten Traktion und die perfekte Straßenlage voll ausnutzen zu können? Mitnichten, unser Testwagen war mit dem 2 Liter Diesel mit 130 kW/177 PS verteilt auf vier Zylinder ausgestattet, der zudem ein maximales Drehmoment von 350 Nm zwischen 1.750 und 3.000 U/min auf die Kurbelwelle schmeißt.

Der Common-Rail-Diesel läuft nach dem Kaltstart dezent brummig, dann in jedem Bereich angenehm und nie aufdringlich. Beim Sprint von Null auf Hundert springt er dank optimaler Traktion am Start förmlich nach vorne, erreicht die 100er-Marke nach 8,4 Sekunden, muss sich hier aber schließlich dem heckgetriebenen Modell mit 0,3 Sekunden geschlagen geben – geschenkt.

Mit der Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h wird der X1 ausreichend schnell, und selbst bei diesem Tempo liegt der BMW ruhig und satt auf der Straße und auch die Motorgeräusche bleiben sehr erträglich. Falls Ihnen das nicht reicht, schafft der X1 20d mit optimierter Höchstgeschwindigkeitsabstimmung sogar 213.

Kombiniert ist der 20d mit einem feinen Sechsgang-Schaltgetriebe, das in seiner Abstimmung perfekt mit dem Motor harmoniert und – solange man die Gänge schnell wechselt – herrlich knackig nur so durch die Kulisse flutscht, kurze und exakte Wege selbstverständlich. Lässt man sich jedoch mit dem Schalten etwas Zeit, wird das Ganze sogleich ein wenig holprig.

EfficentDynamics heißt das Zauberwort bei BMW, mit dem man den Fahrzeugen derzeit maximale Sparsamkeit anerziehen will. Maßnahmen wie Bremsenergie-Rückgewinnung, Auto Start Stop Funktion und eine Schaltpunktanzeige stehen dabei zur Auswahl. Und damit kommt ein X1 20d xDrive auf unserer Normstrecke auf einen Mixverbrauch von 5,7 Litern. Für die Stadt gibt BMW 7,0 Liter, außerorts 5,1 Liter an. OhneAllrad sind das in der Stadt bis zu 0,6 Liter weniger.

Der Turbolader mit variabler Einlassgeometrie und Common-Rail-Direkteinspritzung kommt im Mix auf einen CO2-Ausstoß von 153 g/km und schafft die Abgasnorm Euro 5.

Zur Serienausstattung gehören natürlich höhenverstellbare Kopfstützen und Dreipunkt-Automatikgurte auf allen Plätzen, dazu Front- und Seitenairbags vorne sowie durchgehende Kopfairbags, adaptives Bremslicht und Tagfahrlicht.

Keine Rose ohne Dornen – der BMW X1 20d xDrive steht mit 34.700,- Euro in der Preisliste, können Sie auf den intelligenten Allradantrieb verzichten, verzichtet Ihr Händler auf 2.000,- Euro.

Da ist dann alles dabei, was man zum Autofahren braucht, also Zentralverriegelung, Servolenkung, Alufelgen, Fahrer- und Beifahrersitz höhenverstellbar, Klimaanlage, Start-Stopp-Knopf, Nebelscheinwerfer, el. Fensterheber rundum, Radio mit CD und 6 Lautsprechern, Bordcomputer etc.

Wir müssen es aber immer wieder erwähnen, alles was so richtig Spaß macht, den Komfort so richtig in die Höhe treibt oder, oder ist nur gegen satte Aufpreise zu haben, so die tollen Sportsitze für 580,- Euro, allein 1.250,- Euro sind für die elektrische Sitzverstellung und 1.590,- Euro für die Lederpolsterung hinzulegen. Für die Metallic-Lackierung sind weitere 660,- Euro fällig, die Klimaautomatik kostet 560,- Euro, eine Einparkhilfe ab 450,- Euro, das Kurvenlicht 410,- Euro, Xenonlicht 870,- und ein Navi kostet zwischen 1.840,- und 3.680,- Euro.

Sogar für die Deaktivierbarkeit des Beifahrerairbags müssen Sie 40,- Euro berappen. Das schöne an der wirklich üppigen Aufpreisliste ist die Tatsache, dass selbst dasFahrsicherheits-Training und sogar ein Winter- und Rennstreckentraining nicht fehlen, auch wenn Sie dafür ggf. bis nach Schweden und 3.300,- Euro auf den Tisch blättern müssen – und der Flug kommt dann auch noch dazu.

Stand: Juli 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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