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Opel KARL

Zugegeben, die Erwartungen an den Opel KARL waren unsererseits sehr groß – zu sehr haben wir einen kleinen Ableger des Opel Adam oder Corsa erwartet. Doch während die beiden Schwestermodelle auf Individualität und Lifestyle setzen, ist der Opel KARL der Vernünftige und Sachliche. Von Opel absolut so gewollt, ist diese Entscheidung eigentlich auch genau die Richtige. Können die Rüsselsheimer doch nun mit diesem Portfolio im Bereich der Klein- und Kleinstwagen eine sehr große Bandbreite abdecken. Mit dem neuen Opel-Einstiegsmodell spricht der Hersteller gerade den preissensiblen Kunden an der auf Funktionalität Wert legt. Dennoch fährt auch der neue Opel KARL mit Features vor, die unter den Kleinsten eher selten zu finden sind, aber selbstverständlich auch hier den Einstiegspreis von 9.500 Euro spürbar in die Höhe treiben.

Benannt nach einem Sohn des Firmengründers Adam Opel, lässt die Namensgebung natürlich die Frage aufwerfen, ob wir künftig auch Opel Modelle zu sehen bekommen, die den Namen der vier weiteren Söhne Wilhelm, Heinrich, Fritz oder Ludwig tragen? Wir dürfen gespannt sein!

Wenn der Opel KARL optisch auch nicht ganz so modern wie seine größeren Brüder gehalten ist, so ist doch die Opel-Formensprache unverkennbar. Die markentypische Grillspange im trapezförmigen Grill ist dabei ebenso kennzeichnend wie die seitlich verlaufende Sichel im unteren Türbereich. Und wie ein „Billigheimer“ steht der KARL nun wirklich nicht da und ist in bis zu zehn unterschiedlichen Karosseriefarben erhältlich, darunter sogar einüberraschend peppiges Kiwi Grün.

Mit einer Gesamtlänge von gerade einmal 3,68 Metern und einem Radstand von 2,38 Metern lässt der Opel KARL natürlich keine Wunder erwarten und dennoch überrascht der kleinste Rüsselsheimer mit großzügigen Platzverhältnissen auf den vorderen Sitzen. Die gerade für einen Kleinstwagen angenehm groß dimensioniert und komfortabel ausgeführt sind, aber leider den nötigen Seitenhalt vermissen lassen. Ebenfalls fehlt uns für die perfekte Sitzposition die Möglichkeit das Lenkrad auch in der Weite zu justieren. Im Basismodell muss der Käufer sogar auf jegliche Verstellmöglichkeiten verzichten.

Doch kommen wir wieder zu den Vorzügen des Opel KARL. Gerade im Vergleich zu manch einem Mitbewerber bietet der Rüsselsheimer nicht nur Platz für bis zu fünf Personen – wenn auch hier hinten Großgewachsene jenseits der 1,80 Meter nur auf kurzen Strecken Platz nehmen sollten, gerade wenn vorne ebenso große Personen reisen – so sorgen die zwei zusätzlichen und stets serienmäßigen Fondtüren für einen angenehmen Zustieg ohne Verrenkungen.

Wirklich hervorheben kann sich der Opel KARL in seinem Segment aber mit dem ab November bestellbaren IntelliLink-Infotainment-System und dem persönlichen Online- und Service Assistenten Opel OnStar.

Die neue Generation des IntelliLink-Infotainment-Systems inklusive des großen Touchscreen ermöglicht nicht nur die Vernetzung mit dem eigenen Smartphone, lässt uns Kontakte und Unterhaltungs-Apps auf den Bildschirm zaubern, auch sprachgesteuerte Textnachrichten sind möglich.

In unseren Augen verbirgt sich allerdings das absolute Highlight hinter Android Auto (Google Maps) und Apple CarPlay. Wenn auch das Handy noch per USB-Kabel an das Fahrzeug angeschlossen werden muss, so ist dann eine einwandfreieNavigation mit toller Darstellung auf dem Touchscreen-Display möglich.

Wir konnten das preislich sehr attraktive System bereits testen und uns davon überzeugen, wie großartig dieses funktioniert. Schade, dass Opel dieses Angebot für den Kunden nicht bereits von Anfang an zur Verfügung stellen konnte.

Gleiches gilt für Opel OnStar, mit dem der kleine KARL nicht nur zum 4G/LTE WLAN-Hotspot wird – bis zu sieben mobile Endgeräte lassen sich an das System koppeln, auch ein deutliches Sicherheitsplus bringt der Online- und Service-Assistent mit sich. Während Opel OnStar im Falle eines Unfall automatisch eine Verbindung zu einer Leitstelle herstellt, bekommen die Insassen außerdem rundum die Uhr und das an 365 Tagen im Jahr den Pannenservice oder andere Dienstleistungen zur Seite gestellt.

Dass mit Blick auf den Preis der Rotstift angesetzt wurde, ist verständlich und fällt zum einen bei der Materialauswahl auf, die spürbar unter dem Niveau des Adam oder Corsa liegt, aber dennoch eine vorbildliche Verarbeitung und eine ansprechende Haptik aufweisen kann.

Negativ fallen dagegen die Sparmaßnahmen im Bereich Kofferraum auf. Während die Kofferraumabdeckung stets per Hand rauf und runter geklappt werden muss, lässt auch die Rückbank einen zeitgemäßen Umklappmechanismus vermissen. Müssen nicht nur die Sitzkissen herausgezogen und aufgestellt werden, können auch die Kopfstützen nicht in Ihrer Position bleiben.

Ohnehin ist die Basisversion ausschließlich mit einer Sitzbank für zwei Personen ausgestattet, erst in der zweihöchsten Ausstattungsvariante ist eine im Verhältnis 60:40 umklappbare Bank für drei Personen erhältlich (Teil des Funktionspaketes) und in der Topausstattung serienmäßig verbaut.

Durch die geteilt umklappbare Rücksitzbank erweist sich derKofferraum natürlich als etwas flexibler und bei einem Fassungsvermögen von gerade einmal 195 Litern in der Standardkonfiguration kommt uns dies sehr gelegen. Maximal erreichen wir im KARL immerhin ein Stauvolumen von 1.013 Liter.

Was Verstau- und Ablagemöglichkeiten im Innenraum anbelangt, kann der Opel KARL wiederum mit einem zusätzlichen Staufach über dem Handschuhfach sowie großen Türfächern aufwarten, die problemlos Einliter-Standard-PET-Flaschen aufnehmen können.

Um dem Anspruch eines City-Car zu entsprechen, reicht heut zu tage augenscheinlich nicht mehr nur ein geringer Wendekreis aus – der beim Opel KARL übrigens bei knackigen 9,5 Metern liegt.

Abhängig von der Ausstattung (die Basisversion mal wieder ausgenommen) ergänzt Opel die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung um dem sogenannten City-Modus, der dem Fahrer ein noch leichteres Rangieren gerade in enge Parklücken möglich macht. Wir persönlich würden auf dieses Extra verzichten und uns dagegen über eine direktere Lenkauslegung im Allgemeinen freuen.

Nichts zu meckern, gibt es am gelungenen Federungskomfort, der auch Kopfsteinpflaster-Passagen nicht zum unangenehmen Hindernis werden lässt.

Mit gerade mal einem Dreizylinder-Sauger, nimmt Opel dem Kunden die Qual der Wahl, stellt diesem aber ab sofort zumindest eine ecoFLEX-Version zur Seite. Gegen einen Aufpreis von 450,- Euro reduziert diese mit Start/Stop-System und ECO-Paket den Verbrauch dank aerodynamisch optimierter Frontspoilerlippe, einem Dachspoiler sowie rollwiderstandsarmen Reifen auf bis zu 4,1 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer (- 0,2 Liter). Die CO2-Emissionen sinken entsprechend um fünf Gramm auf 94 Gramm pro Kilometer.

Im realen Fahrbetrieb sollte der Fahrer aber mit gut einem Liter Mehrverbrauch rechnen. Nichts destotrotz … unabhängig von der Version, erfüllt das Einliter-Aggregat stets die Euro6 Norm.

Die von Opel gestoppten 15,5 Sekunden sprechen bereits für einen sehr zähen Beschleunigungsvorgang, der einem in der Praxis sogar noch beschwerlicher vorkommt. Der Schalthebel der präzise arbeitenden Fünfgang-Schaltung muss in jedem Fall ordentlich bemüht werden, die 55 kW/75 PS geschweige denn das maximale Drehmoment von 96 Newtonmeter ziehen aber auch dann nicht die Wurst vom Teller.

Aber Gott sei Dank ist in der Stadt schon bei Tempo 50 Schluss und schließlich ist der Opel KARL hier zu hause oder sollte es zumindest sein. Wer dennoch die große Stadt verlässt und den Weg auf die Autobahn wagt, sollte stets den Song „Probier´s mal mit Gemütlichkeit“ im Ohr haben. Mit viel Geduld sind maximal 170 Stundenkilometer drin.

Und auch erst jenseits der 100 km/h oder bei vollem Leistungsabruf von unten heraus tritt der Kleine akustisch in Erscheinung. Ansonsten verblüfft der kleine Benziner gerade für einen Dreizylinder mit einer unerwarteten Laufruhe.

Nicht selten der Fall, wird gerade bei den preisgünstigen Modellen an der Sicherheitsausstattung gespart. Nicht so bei Opel, serienmäßig bereits mit sechs Airbags, auskuppelnden Sicherheitspedalen PRS, ABS, der Traktionskontrolle TCPlus, dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESPPlus, einem Reifendruck-Kontrollsystem und sogar einem Berg-Anfahr-Assistenten ausgestattet, kann der Opel KARL in der Topausstattung auch mit Nebelscheinwerfern inklusive Abbiegelicht und einem Spurassistenten – der den Fahrer akustisch und optisch vor dem unbeabsichtigten Verlassen der Fahrspur warnt – überraschen.

Diese Sicherheitsmerkmale sind außerdem im Funktionspaket (erhältlich für die Ausstattungslinie Edition) enthalten.

DasStartangebot für den neuen Opel KARL liegt aber bereits bei der Variante Selection. Der „Kampfpreis“ von 9.500 Euro hat allerdings auch zur Folge, dass in diesem KARL weder ein Radio noch eine Klimaanlage inklusive sind.

Selbst in der nächst höheren Ausstattung Edition müssen diese in Form des Cool&Sound-Paketes für 850 Euro hinzugeordert werden. Womit der Preis von 10.650 Euro auch hier nicht gehalten werden kann. Elektrische Fensterheber vorn, eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, eine höheneinstellbare Lenksäule, ein 4fach einstellbarer Fahrersitz, der City-Modus und ein Geschwindigkeitsregler und Geschwindigkeitswarner sind aber dann schon im Preis enthalten.

Während die einen die unzähligen Individualisierungsmöglichkeiten des Adam vermissen werden, erfreuen sich wiederum andere an der übersichtlich gestalteten Preisliste. Die aber zumindest für die Variante Edition das ein oder andere Options-Paket bereit hält, wie beispielsweise das erwähnte Funktions-Paket, das für 325 Euro außerdem 15 ̋-Designräder im „4-Speichen“-Design und die im Verhältnis 60:40 geteilt umklappbare Rücksitzlehne beinhaltet.

Für 12.900 Euro nehmen Sie in der Topvariante Exklusiv Platz, dessen Interieur in Schwarz und Grau gehalten und mit einer Stoff/Ledernachbildung, einem Leder-Multifunktionslenkrad sowie Chromelementen zusätzlich aufgewertet ist. Neben den bereits aufgeführten Komfortfeatures, lassen sich die Außenspiegel elektrisch verstellen und beheizen und eine Klimatisierungsautomatik finden wir ebenfalls vor.

Und wer weitere 495 Euro investiert, schützt das Heck vor unschönen Remplern und genießt an den kalten Tagen ein wohlig-warmen Sitz und lernt das beheizbare Multifunktions-Lederlenkrad zu schätzen. Im Sommer verspricht wiederum das 850 Euroteure elektrische Glas-Schiebedach das gewisse Frischluft-Vergnügen.

Mit einberechnen muss man unabhängig von der Ausstattungslinie die für die Zweischicht-Metallic-Lackierung fälligen 460 Euro.

Stand: September 2015; Text und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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