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Mazda 5 – Weniger ist nicht mehr.

Die zweite Generation bringt eigentlich keine echten Innovationen, die Form wurde modifiziert und das Cockpit überarbeitet, das Platzangebot blieb nahezu gleich und auch die Variabilität konnte keine Fortschritte machen, Mazda hat eher gespart denn aufgestockt. So bietet der Mazda5 ein gutes Platzangebot und einen Kofferraum von mageren 112 über sehr gute 426 bis hin zu 1.485 Litern. Der Fahrkomfort ist gut, bei schnellen Kurvenfahrten entsteht aber ein unsicheres Gefühl und vor allem der in unserem Testwagen verbaute Motor konnte nicht überzeugen. Er ist durchzugsschwach, wird schnell laut und verbraucht zudem recht viel. Bei flotter Fahrt waren 11 Liter im Mix keine Seltenheit. Ausstattung und Anschaffungspreis gehen aber in Ordnung.

Mit dem aktuellen Mazda5 haben wir die zweite Generation des beliebten Kompakt-Vans vor uns, und Mazda ist ganz stolz auf das neue Design im Stile der Nagare Formensprache. Kann die an Front und Heck noch vollauf gefallen, haben viele mit den „Wellen“ an den Seiten gewisse Probleme. Bei der dunkelblauen Lackierung unseres Testwagen waren sie aber oft kaum zu erkennen.

Die Front ist noch immer typisch Mazda, strahlt Dynamik und Sportlichkeit aus, besonders mit der stark konturierten Schürze. Schwungvoll setzen sich die Scheinwerfer in den Kotflügeln fort, die für markant ausgestellte Radhäuser vorne sorgen.

Die Seitenlinie ist bis auf die beschriebenen Wellenlinien sehr gradlinig, auch das Dach fällt nach anfänglichem Schwung gerade und sanft ab. Damit sich die Seitenscheiben in den hinteren Türen ganz versenken lassen haben die Entwickler diese kurzerhand geteilt. Das fällt bei den dunklen Streben und denabgedunkelten Fenstern zwar kaum auf, sobald man es aber richtig bemerkt hat, stört es einen irgendwie.

Wie auch die hinten auf dem Dach seitlich nach rechts versetzte kleine Stabantenne. Dafür kann dann das gesamte Heck wieder gut gefallen, den unteren Schwung des Heckfensters nehmen die Scheinwerfer auf und verstärken ihn, der angedeutete Diffusor mit den Rückstrahlern sorgt zusammen mit dem kleinen Dachkantenspoiler für den sportlichen Abschluss. Dabei will der Japaner ja eigentlich vor allem praktisch sein …

… und damit sind wir dann auch gleich schon im Innenraum angelangt, der am Heck durch eine Klappe erreicht wird, an der man sich ab einer Körpergröße von 1,85 Metern schon mal stoßen kann. Schnell am Ende seines Fassungsvermögens ist der Mazda5, wenn alle sieben Sitze ausgefahren sind, dann gehen gerade mal 112 Liter rein. Unter dem Boden ist ein weiteres Fach mit dem Bordwerkzeug. So schnell wie durch den Zug an einer Lasche die Sitze 6 und 7 aus dem Boden herausgeholt sind, so schnell sind sie auch wieder verschwunden und dann passen schon sehr gute 426 Liter rein, solider Ladeboden inklusive.

Klappt man dann auch noch die zweite Sitzreihe um (dazu einfach die Sitzfläche hoch und die Lehne vorklappen, die Kopfstützen können dran bleiben) und schon passen sogar 1.485 Liter Gepäck rein, der Boden ist noch immer eben, nur zwischen den beiden Sitzreihen 2 und 3 klafft eine Unterbrechung im Boden.

Prima zu beladen ist der Mazda5 auch durch die beiden seitlichen hinteren Schiebetüren. Sie erleichtern auch das Ein- und Aussteigen, nicht nur in engen Parklücken. Und damit wären wir auch schon bei der Nutzung der Sitze. Wie bei den meisten 7-Sitzern sollten auf längeren Strecken nurkleinere Passagiere in die dritte Reihe. Zumindest haben die Entwickler aber auch hier an die nötigen Getränkehalter gedacht.

Deutlich geräumiger geht es in Reihe zwei zu, vor allem, wenn man den sehr harten und nur als Notlösung akzeptablen Mittelsitz als Armlehne verwendet oder komplett im linken Sitz versenkt. Das geht geradezu spielerisch: Hierzu muss nur die Sitzfläche des linken Sitzes hoch und der Mittelsitz dort hinein geklappt werden. So haben die Passagiere auch in der zweiten Reihe viel Ellenbogenfreiheit und zudem auch noch Armlehnen, wie die beiden Vordersitze. Dadurch, dass die Sitze auch hier längsverschiebbar sind und eine variable Lehnenverstellung bieten, ist der Sitzkomfort wie das Platzangebot bestens und die an den Vordersitzlehnen angebrachten Klapptische können gut genutzt werden.

Auch in Reihe eins ist das Raumangebot tadellos, hier ist lediglich das starke Einsitzen vor allem im Rückenbereich trotz vorhandener Lordosenstütze (nur am Fahrersitz) zu bemängeln. Die Sitzverstellung geschieht manuell aber einfach und bequem, die Sitze sind groß dimensioniert und ordentlich ausgeformt.

Also lassen wir den Blick mal schweifen und schnell fällt ein Kontrast von modern und altbacken auf. So sind die Instrumente in tiefen Röhren schön gezeichnet, die Drehschalter für Heizung und Lüftung sind modern gestaltet, wie die zudem gut beleuchteten Tasten im Lenkrad, da fallen die Schalter z.B. für die Sitzheizung antiquiert aus. Und der schicke und schön zu greifende Knauf des Wählhebels der Automatik steckt in einer mächtig gezackten Kulisse, wie man sie zumeist früher einmal hatte.

Blickt man links neben das Lenkrad, entdeckt man eine ganze Armada an Schaltern, die aber beiunserem Testwagen nur durch Platzhalter belegt waren. Da braucht es schon sehr viel Phantasie, sich für jeden eine sinnvolle Funktion auszudenken. Was uns dagegen gefehlt hat war ein Tippblinker.

Ein wenig zu viel war uns allerdings wieder das reichlich verbaute Hartplastik, vor allem weil es doch stark ausdünstet und so für unangenehmen Duft im Auto sorgt. Etwas viel Masse bringen auch die Dachsäulen mit, sprich: sie sind – vor allem die C-Säule – recht breit ausgefallen, was der Rundumsicht nicht gerade dienlich ist.

Komfort wird beim neuen Mazda5 groß geschrieben. Das Fahrwerk meistert selbst grobe Unebenheiten souverän, bügelt fast jedes Schlagloch sauber weg. Trotzdem könnte die Familienkutsche auch durchaus schnell um die Kurven bewegt werden. Könnte, denn vor allem hier wirkt die leichtgängige Lenkung zu indirekt und gefühllos, was für reichlich Unsicherheit sorgt und keinen guten Kontakt zur Straße aufkommen lässt, obwohl sich die Karosserieneigung in Grenzen hält.

Bewegt man den Mazda5 moderat, kann die Lenkung gut gefallen, auch in der Stadt macht sie den Wagen wendig und handlich. Auch auf langen Autobahnetappen bietet der Japaner einen guten Komfort, schade nur, dass ab Tempo 120 die Motor- und Windgeräusche deutlich lauter werden. Die Arbeit von Stabilitäts- und Traktionskontrolle geht beim nur leicht untersteuernden Mazda5 in Ordnung, meist bewegt man den Wagen ohnehin nicht so schnell, dass diese Sicherheitssysteme zum Einsatz kämen.

Die Bremsanlage mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie Schiebenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) verlangt auch im Alltag einen etwas festeren Tritt, spricht nicht gleich voll an. Im Notfall bringt sie denKompakt-Van aus Tempo 100 nach 38,5 Meter zum Stehen, Ermüdungserscheinungen konnten wir auch nach der zehnten Vollbremsung nicht feststellen.

Aus der Motorenpalette hatten wir in unserem Testwagen den 106 kW / 144 PS starken Zweiliter Benziner an Bord, der im Alltag kultiviert läuft, bei flotterer Gangart allerdings unangenehm laut wird und oft etwas gequält wirkt. In der Stadt gibt sich das Aggregat ausreichend spritzig, sobald man aber die Tempo-50-Zone verlässt, hält sich die Beschleunigung jedoch in Grenzen, vor allem die Automatik nimmt dem Wagen zusätzlich an Schwung und lässt den Motor sehr laut aufjaulen, wenn man es denn mal eilig hat. Bei höherem Tempo wird das Temperament zunehmend zäher. Okay, der Mazda5 ist ein Familienfahrzeug, und dafür sind die Werte durchaus okay, aber nicht jeder Familienvater will nur langsam. Und eigentlich lesen sich 144 PS im vorne quer eingebauten Vierzylindermotor auch nicht schlecht, aber schon die „nur“ 180 Nm Drehmoment, die bei 4.500 U/min anliegen deuten auf die Durchzugsschwäche hin. Hinzu kommen die recht lang übersetzen oberen Gänge der ansonsten sanft arbeitenden Fünfgang-Automatik.

Wer will, kann hier auch manuell eingreifen und so dem Motor zu etwas mehr Drehzahl und Schwung verhelfen, und überraschenderweise mischt sich die Automatik dann auch nicht ein. Wie auch immer, 13,4 Sekunden für den Sprint von Null auf Hundert sind für 144 PS sehr müde, und auch die Topspeed von nur 186 km/h ist da eher schwach. Da sollte man ggf. doch lieber auf einen der beiden anderen Benziner zurückgreifen, oder gleich auf den Diesel, der ist zwar auch nicht schneller, spart aber ordentlich Treibstoff.

Denn auch in Sachen Verbrauch kann unser 2-Liter MZRnicht überzeugen. Mazda gibt für die Stadt 11,2 Liter an, außerorts sollen es 6,5 und im Mix 8,3 Liter sein. Wir sind im Schnitt auch bei verhaltener Fahrweise kaum unter 9,3 Liter gekommen, haben wir den Motor gefordert, waren es zwischen 10 und 11 Liter auf 100 km im Schnitt – viel zu viel. Und auch beim CO2-Ausstoß überholt der 2.0 MZR mit 144 PS seine Brüder bei weitem, 192 g/km stehen hier zu Buche. Schaltempfehlung und Start-Stopp sind für diesen Motor leider nicht erhältlich.

Zu den Frontairbags, Seitenairbags und Kopf-Schulter-Airbags über den gesamten Fahrgastraum, also auch in der dritten Sitzreihe, gesellen sich Dreipunktgurte (vorne mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern), Kopfstützen auf allen Plätzen und ISOFIX Kindersitzhalterungen auf den Außenplätzen in Reihe zwei.

Das Lenkrad ist zweifach verstellbar, die Servolenkung arbeitet geschwindigkeitsabhängig und elektro-hydraulisch, neben ABS und Bremsassistent ist auch eine Stabilitäts- und Traktionskontrolle (DSC und TCS) serienmäßig an Bord.

Drei Ausstattungslinien sind für den Mazda5 erhältlich und insgesamt vier Motoren stehen zur Wahl. Unser Mazda5 2.0 MZR mit 144 PS ist als Center-Line für 26.630,- Euro und als Sports-Line für 28.970,- Euro zu haben.

Die von uns gefahrene Center-Line-Ausstattung bietet bereits eine Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer, Alufelgen, Lederlenkrad, klappbare Tabletts, Lenkradfernbedienung, Karakuri-V-Konzept für die dritte Sitzreihe, seitliche Schiebetüren, el. Fensterheber rundum, höhenverstellbarer Fahrersitz etc.

Mit dem Trend-Paket (960,- Euro) kommen dann optional auch noch Licht- und Regensensor, Tempomat, abgedunkelte Heck- und hintere Seitenscheiben, Sitzheizung vorne undeine Einparkhilfe hinten dazu, im Trend-Plus-Paket (1.390,- Euro) sind auch Xenon-Scheinwerfer mit dabei. Die Metallic-Lackierung kostet 510,- Euro extra, ein Navigationssystem mit 5,8 Zoll-Monitor 720,- Euro.

Stand: November 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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