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Fiat Ducato Maxi

Hin und wieder erreicht ein echter „Lieferwagen“ unseren Testfuhrpark. Und dann ist – besonders wenn man von einem Kleinwagen kommt – der Umstieg doch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Aber sobald man sich an die größeren Abmessungen gewöhnt hat, fahren sich diese Lastesel ganz easy. Und am 177 PS Diesel findet man ganz schnell Gefallen, denn damit hat man ordentlich Power unterm Hintern um auch „Ferntransporte“ ganz entspannt zu absolvieren, mit durchaus sparsamem Verbrauch. Bei diesem Fiat Ducato Maxi erhält das Wort Laderaum eine ganz neue Bedeutung, bis zu 17 m³ Ladevolumen sprechen für sich, dazu Türöffnungen von 1.250 mm und 1.562 mm, da kann auch mit dem Stapler beladen werden. Dazu eine unglaubliche Artenvielfalt …

So ein Kastenwagen muss in erster Linie praktisch sein, das bedeutet viel Stauraum auf möglichst kleiner Fläche, so sind die Seitenwände wie auch die Rückwand ziemlich senkrecht, schnörkellos und so dünn wie möglich. Trotzdem entscheidet aber auch das Auge in dieser Fahrzeugklasse immer mehr mit und so hat Fiat versucht, mit den dunkelgrauen Beplankungen nicht nur für einen guten Rundumschutz was Lade- und Rangierkratzer angeht zu schaffen, sondern diese Elemente auch gleich für eine gefälligere Optik zu nutzen.

Besonders gut ist den Designer das an der Front gelungen, links und rechts sowie unterhalb des großen Kühlergrills entwickelt sich eine richtig schicke Plastiklandschaft, die dem Fiat Ducato Maxi ein ganz ziviles Outfit beschert. Harmonisch fügen sich hier die zusätzlichen Lüftungsöffnungen wie auch die Nebellampen ein und ergeben mit den Klarglasscheinwerfern mit gebogenem LED-Tagfahrlicht ein freundliches „Gesicht“.

Im Falle unseres „MAXI“ steigt die Linie der schräg stehenden Frontscheibe im Anschluss weiter an um die Gesamthöhe von 2,539 Metern zu erreichen. Im Dach wie an den Seiten sorgen diverse Sicken und Ausprägungen für eine feingliedrigere Optik und nicht zuletzt die nötige Steifigkeit, was sich auch in geringeren Vibrationen positiv auswirkt. Die großen Außenspiegel mit Weitwinkelblick sorgen vor allem für eine gute Rücksicht, unsere Variante mit Heckfenster sorgt – zumindest unbeladen – für den vom Pkw gewohnten Blick im Rückspiegel.

Zu den diversen Versionen kommen wir dannspäter im Thema Laderaum/Zuladung. An dieser Stelle sei natürlich kurz erwähnt, dass es den Ducato in Lang- und Kurzversionen mit mehreren Radständen und Dachhöhen gibt, mit und ohne Fenstern oder auch mit Pritsche und als Dreiseitenkipper sowie – hier ist der Italiener seit Jahren unangefochtener Spitzenreiter in den Zulassungsstatistiken – mit diversen Wohnmobilaufbauten.

Wenn man einsteigt, erinnert einen eigentlich gar nicht viel an einen Kastenwagen, außer dass man relativ hoch klettern muss. Der Blick nach vorne geht nahezu ungehindert auf die Straße, kurz nach der Windschutzscheibe hört das Auto nach vorne hin auf. Dafür geht es dann nach hinten erst so richtig los …

Bleiben wir aber erst mal vorne in der Fahrerkabine. Unser Testwagen war als Zweisitzer ausgeführt, um den Freiraum zwischen den Sitzen optimal nutzen zu können – oder wenn hier ein dritter Sitzplatz verbaut ist – rutscht die Handbremse nach links außen. Ein Umstand, an den man sich schnell gewöhnt.

Klar, man sitzt anders als im Pkw, zumal auch das Lenkrad nur in der Höhe zu verstellen ist, aber bei unserem Testwagen war es schick mit Leder ummantelt und mit Chrom verziert. Die Sitze selbst sind optisch ansprechend gemacht, groß dimensioniert, ausreichend straff gepolstert und mit gutem Seitenhalt versehen. Die Verstellmöglichkeiten sind allerdings etwas eingeschränkt.

Die Instrumente und auch das gesamte Cockpit, alles ist wie in einem Pkw, gefällig designed und gut ablesbar, allerdings spiegeln die Rundinstrumente doch ganz ordentlich.

Spiegeln tut sich auch – je nach Licht- und Witterungsverhältnissen – das gesamte Armaturenbrett in der Windschutzscheibe. Wenn man dann die Ablage mit der Klemmvorrichtung benutzt, um dort irgendwelche Papiere zu deponieren, dann wird das weiße Papier ganz extrem gespiegelt. Dagegen hat Fiat aber vorgesorgt, die Zettelbox kann, auch damit man sie gut vom Sitz aus ablesen kann, nach oben und hin zu den Passagieren geklappt werden.

Mit Spiegelungen hat man es ohnehin ständig zu tun, denn vor allem im Dunkeln werden vom Fenster in der Trennwand zum Laderaum die Lichter der anderen Fahrzeuge gespiegelt und bis man sich daran gewöhnt hat – was recht lange dauert – denkt man ständig es kommt jemand.

Ablagen sind ausreichend vorhanden, Getränkebecher vorne im Armaturenbrett und auch fürriesige Flaschen in den Türen, neben dem offenen Fach auf der Beifahrerseite gibt es darunter auch noch ein Handschuhfach und sogar ein Fach mit Klimatisierung und – je nach Version – auch ein Fach oben im Dach.

Die Bedienung aller Hebel und Schalter wirft eigentlich keine Fragen auf. Einmal am Rad des unteren Lenkstockhebels gedreht und entweder der Tempomat oder der Speedlimiter ist aktiviert, dann den Hebel nach oben oder unten gedrückt und die gewünschte Geschwindigkeit – die gerade gefahren wird – ist programmiert.

Auch das Navi ist einfach und schnell bedient, sogar die Wahl eines anderen Landes geht ruck zuck, hier fiel aber auf, dass man in einigen Fällen entweder die Straße nicht mit Hausnummern versehen konnte oder dass es nur die Eingabe Zentrum gab. Das Navigationssystem von Tomtom lässt sich recht viel Zeit bis es hochgefahren ist und eine Zieleingabe möglich wird.

Während das Cockpit auch was die verwendeten Materialien angeht vollauf genügen konnte, erschien uns das gewählte Material der Fußmatten nicht so optimal, schon beim Aussaugen merkt man wie sich das Teil beginnt in seine Einzelteile zu zerlegen und es ziehen sich schnell viele Fäden, da hätte man sicher etwas strapazierfähigeres finden können, denn auf der Fahrerseite war nach rund 20.000 km der Boden schon ziemlich abgetreten.

Schon so viel geredet und dabei waren wir noch gar nicht im dem Teil des Fiat Ducato Maxi, der für den Kauf am entscheidensten ist – dem Laderaum. Und den erreichen wir bei unserem Testwagen durch ein große Schiebetür auf der Beifahrerseite und eine zweiflüglige Tür am Heck. Die kann eine Öffnung von 1.562 mm Breite frei geben und in der Höhe statt 1.790 mm auch 2.030 mm bieten, die seitliche Schiebetür gibt immerhin noch eine Breite von 1.250 mm frei, dem Beladen mit großen Dingen, u.a. auch Paletten mit dem Gabelstapler, steht also nichts im Wege. Zumal der Innenraum riesig ist, beim Fiat Ducato Maxi mit 3.450 mm Radstand z.B. 3.120 mm lang und 1.870 mm hoch, das Ladevolumen von dann 11,5 m³ lässt sich aber problemlos als Hochdach auf 13 m³ erhöhen, beim Super Hochdach sind es 15 m³ und mit dem XL Super Hochdach und 4.035 mm Radstand sind es sogar 17 m³.

Immer ist die Ladekante auf angenehmer Höhe von 550 mm, immer sind Verzurrösen verbaut – und alles was jetzt vielleicht noch fehlt kannoptional zugekauft werden, also beispielsweise eine Laderaumseitenverkleidung oder ein Holzboden. Die Möglichkeiten sind vielfältig, sodass wir in jedem Fall einen ausführlichen Blick in die Info-Unterlagen des Herstellers anraten.

Mit einem Leergewicht von 2.045 kg kann unser Testwagen eine Nutzlast von 1.455 kg einladen und eine maximale Anhängerlast von 4.250 kg an den Haken nehmen.

Die Federung ist relativ straff und hat jede Menge Spielraum für jede Menge Zuladung. Wenn er leer ist steht er auch recht hochbeinig da, was diese Tatsache noch unterstreicht.

Je mehr Gewicht er aufnimmt, umso ausgewogener wird das Fahrwerk, das vorne mit McPherson Federbeinen und hinten mit einer Starrachse ausgestattet ist. Im fast leeren Zustand und dann bei vielen aufeinander folgenden Querrillen fängt er an mit den Passagieren zu hoppeln, grobe Querrillen werden hart und ungefiltert in den Innenraum weitergeleitet.

Die Lenkung ist relativ leichtgängig was das Rangieren einfach macht, zudem hat sie auch sehr viel Spiel und ist recht indirekt, für solch einen Transporter kann das aber noch voll in Ordnung gehen.

So fährt er leicht untersteuernd – das wird mit zunehmender Beladung eher zum Übersteuern.
Vor allem bei höherem Tempo reagiert er empfindlich auf Spurrillen, und wenn sich dazu auch noch das ein oder andere Schlagloch und Bodenwelle gesellt, dann wir er ganz schön unruhig. Entsprechend der indirekten Lenkung hat man auch viel zu tun, wenn es in schnelle Kurvenfolgen geht. Im Slalomtest ist man schwer beschäftigt, die Karosserieneigung ist in Anbetracht der Fahrzeughöhe noch vertretbar. Je beladener er ist und der Schwerpunkt nach oben wandert, um so ausgeprägter wird die Seitenneigung allerdings. Dass der Fiat Ducato Maxi mit seinem großen Aufbau vor allem unbeladen ziemlich seitenwindempfindlich ist, braucht einen nicht zu verwundern.

Beim Bremsen taucht er vorne ordentlich ein, macht auch akustisch ziemlich viel Krach mit Rubbeln und Quietschen, bleibt aber sauber in der Spur. Im Alltag ist die Bremse gut zu dosieren, sie spricht normal an. Um den hohen Anforderungen gewachsen zu sein hatte unser Testwagen neben ABS und Bremsassistent innenbelüftete Scheibenbremsen vorn und hinten.

Die Scheibe in der Trennwand zum Laderaum spiegelt zwar, ist aber trotzdem gut, weil man so auch im Rückspiegel den vom Pkwgewohnten Blick nutzen kann. Ansonsten hat der Ducato große Außenspiegel mit asphärisch gebogenen Einsätzen im unteren Bereich, sodass man nichts übersehen kann und auch keine Toten Winkel hat. Damit lässt er sich doch recht gut manövrieren, den Blick nach draußen zur Seite aus dem Fenster nutzt man kaum, da man hier nur wenig nach schräg hinten blicken kann.

Auch das Einparken macht – nach einer gewissen Eingewöhnung – keine Probleme, vor allem auch weil er eine Rückfahrkamera besitzen kann, die zwar das Bild ein wenig verzerrt, aber mit der man auf wenige Zentimeter genau rangieren kann, auch dank der gelb-rot-grünen Markierungslinien.

Bei einem Transporter ist es kein Luxus sondern notwendiger Komfort, wenn ein Tempomat an Bord ist. Im Falle des Fiat Ducato hält er das Tempo ganz gut und beschleunigt auch recht flott wieder dort hin bzw. bremst gut ab, wenn man das Tempo nach unten korrigiert. Allerdings läuft er, wenn es gut bergab geht, locker 15 km/h schneller als eingestellt.

Sein Spurverlassenswarner aktiviert sich bei jedem Neustart automatisch und muss ggf. immer wieder manuell deaktiviert werden. Das Radio läuft auch ohne Zündung.

Die Schildererkennung liest die diversen Tempolimitschilder alle gut, das Problem ist nur, wenn nach einem Tempolimit von z.B. 70 km/h ein Ortschild kommt, das ja dieses Limit aufhebt, dann erkennt er das Ortseingangsschild nicht und hält die 70 bei. Auch wenn im Ort mal eine Strecke mit Tempo 30 kommt, erkennt er am Ortsausgangsschild nicht, dass auch die 30 km/h aufgehoben wären. Nur gut, dass das System nach einer gewissen Zeit automatisch jedes Tempolimit löscht.

Der Motor sollte natürlich zum Einsatzbereich passen, von daher hat Fiat mit der breiten Motorenpalette von 115 bis 177 Diesel-PS inkl. einer 136 PS CNG Natural Power-Variante sicher für jeden das Richtige im Angebot. Obwohl, Leistung kann man ja eigentlich nie genug haben, von daher war es nicht schlecht, dass unser Testwagen mit dem stärksten Diesel-Aggregat bestückt war.

Es holt aus seinen 3-Litern Hubraum verteilt auf vier Zylinder stolze 130 kW / 177 PS bei 3.500 U/min und stellt dazu schon bei 1.400 Touren sein maximales Drehmoment von 400 Nm zur Verfügung. Das reicht nicht nur für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h sondern macht den Ducato vor allem in jeder Lage – leer wie beladen –stark genug um flott vom Fleck zu kommen.

Wobei das vom Fleck kommen eine gewisse Umstellung erfordert, wenn man nur Pkw gewohnt ist. Denn die unteren Gänge sind sehr kurz übersetzt, man jagt beim Anfahren vom ersten, zweiten in den dritten Gang innerhalb von Sekunden. So geht das nicht nur recht zügig sondern auch durchaus etwas ruppig voran, gerade erst bei Tempo 30 und man ist schon im vierten Gang. Dafür kann man dann aber schon bei Tempo 60 locker im sechsten Gang fahren, ohne dass sich der Motor gequält anhören würde und auch die Schaltempfehlung ist zufrieden, man muss dann also nicht mehr so oft zum Schalthebel greifen.

Die ersten Gänge muss man auch ziemlich flott durchschalten, sonst gibt es ein Reit- und Spring-Turnier, weil das Fahrzeug zu hüpfen und springen anfängt, so stark hängt er am Gas, das erfordert einen gefühlvollen Gasfuß beim Rangieren.

Er hat leider keine Start-Stopp-Automatik, so lag bei uns der Verbrauch im gemischten Verkehr bei 7,6 Litern Diesel auf 100 km (Fiat gibt im Mix 8 Liter an für den Hochdach mit 3.450 mm Radstand und 3,5 Tonnen Gesamtgewicht), kann man ihn auf der Autobahn so mit 100 rollen lassen, kommt man mit 6,7 Litern hin.

Der Schalthebel der serienmäßigen Sechsgang-Schaltung ist vorne am Armaturenbrett angeflanscht, somit ist er gut erreichbar, die Wege sind ausreichend kurz für so ein Fahrzeug, ordentlich geführt, nur über die Leerlaufstellung gibt es einen kleineren Holperer. Durch die kurz übersetzten unteren Gänge fährt man wenn es bergab geht besser gleich im zweiten oder dritten Gang an.

Der Einsatzbereich bestimmt wie viel Sicherheit Ihr Fiat Ducato Maxi enthält. Da er oft nur mit einer Person besetzt ist, hat er erst mal auch nur einen Fahrer-Airbag an Bord. Der Beifahrer-Airbag kostet dann 333,20 Euro und die Seiten- und Kopfairbags 883,10 Euro extra.

Die Rückfahrkamera ist für 333,20 Euro, der Regen- und Lichtsensor für 273,70 Euro zu haben. Der Spurverlassenswarner kostet 416,50 Euro Aufschlag.

Aber es gibt natürlich noch viel mehr an Zubehör und auch die Variantenvielfalt lässt uns daher an dieser Stelle nur kurz ein Modell herausgreifen: Der Fiat Ducato Maxi 180 MultiJet kostet bei einem Radstand von 3.450 mm als Hochdachkastenwagen 37.128 Euro. Metallic-Lack 642,60 Euro, die Schiebetür auf der Fahrerseite 583,10 Euro, Alufelgen 714,- Euround eine Klimaanlage 1.666,- Euro.

Für alles andere müssen Sie unbedingt den Blick in die umfangreichen Ausstattungs- und Preislisten werfen, zu groß ist die Vielfalt an individuellen Möglichkeiten.

Stand: November 2015, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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