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Fiat 500L Living

Das L steht bereits für Large und mit dem Zusatz Living wird dieser 500er zum längsten der ganzen Familie, über 4,35 Meter Länge stehen da vor uns – und innen bis zu sieben Sitze. Doch nicht zu früh gefreut, Erwachsenen sollten nicht ganz hinten rein müssen, hier sitzen höchsten Kleinkinder wirklich bequem. Ganz anders sieht das in Reihe eins und zwei aus, auch wenn in der längsverschiebbaren zweiten Reihe nebeneinander auch nur zwei Erwachsene wirklich bequem reisen. Der Komfort ist gut, flottes Fahren wird durch ein deutliches Untersteuern und ein nachschwenkendes Heck ebenso erschwert wie durch die etwas gefühllose Lenkung und den fehlenden Seitenhalt der Sitze. Die Aufmachung innen ist frisch, der 1,4 Liter Turbobenziner mit 120 PS ist neu.

Am Heck steht es unübersehbar: 500L. Und wenn man ihn von vorne betrachtet, dann ist die Verwandtschaft zum Fiat 500 unverkennbar, und doch will einem die kleine Knutschkugel beim Anblick des 500L Living so gar nicht in den Sinn kommen.

Und mit klein hat dieser Fiat auch nicht viel am Hut, schließlich will er als Siebensitzer ja auch was her machen. Und das tut er durchaus, nicht nur mit den allen 500er Modellen gemeinsamen enormen Personalisierungsmöglichkeiten. Wem also unser dunkelgrüner Testwagen mit dem weißen Dach, den weißen Außenspiegeln und weißen Alufelgen nicht gefällt, der findet garantiert eine andere Kombination die ihm zusagt.

Das weiße Dach – und das gilt dann für alle Varianten – scheint ob den zierlichen Dachsäulen förmlich zu schweben, wobei die dunkel getönten Scheiben die wahre Breite vor allem der B-Säule geschickt zu verbergen wissen. Das zwischen C- und D-Säule abgesenkte Seitenfenster kaschiert zudem ein wenig den doch mächtigen Anbau. Gefällig machen sich die Türgriffe aus Chrom sowie die ebenfalls glänzenden Einsätze rund um die Rückleuchten, in den Rammschutzleisten, der Spange am Grill sowie an Beginn der Ladekante.

Und hier zeigt sich bereits von außen an der niedrigen Ladekante, dass der 500L Living bereit ist so einiges wegzustecken, und dafür bleibt er optisch doch sehr gefällig.

Die silberne Leiste sowie reichlich Kunststoff übernehmen schon an der Heckstoßstange den optimalen Schutz vor Ladekratzern, der sich dann auch an der angenehmniedrigen Ladekante fortsetzt. Die Heckklappe schwingt so weit auf, dass man sich zumindest als 1,83 m großer Mensch nicht an ihr stößt, aber dann wird das hervorstehende Schloss durchaus zu einem ernstzunehmenden Gegner.

Je nach Sitzkonfiguration variiert natürlich das Gepäckabteil, bei sieben genutzten Sitzen schrumpft es auf 168 Liter und lässt sich auf bis zu 1.590 Liter erweitern. Rechts und links sind kleine Haken um z.B. Taschen oder Tüten dran zu hängen, zudem eine kleine, recht mickrige Leuchte. Wer nur Wert auf den Stauraum legt, der sollte sich gleich für den Fünfsitzer entscheiden, dann gehen bis zu üppigen 1.704 Liter rein. Legt man noch die Lehne des Beifahrersitzes um, können auch bis zu 2,60 m lange Gegenstände eingepackt werden. Wenn die Sitze vor geklappt sind geht zwar ganz schön was rein, aber dadurch dass sie hinter den Vordersitzen stehen geht doch viel Raum verloren.

Beschäftigen wir uns aber mit den sieben Sitzen unseres Testwagens. Ein Fiat 500 als Siebensitzer? Das will man gar nicht glauben, doch schließlich steht schon das L für Large, also groß, und der Living legt noch einen drauf. Und ganz wie bei den Großen muss man auch hier nur an einer Schnur ziehen und die Sitze 6 und 7 kommen aus dem Boden heraus. Jetzt muss man nur noch einmal an einem Griff der zweiten Sitzreihe ziehen und deren Lehne klappt nach vorne um dann mit der Sitzfläche hoch zu klappen.

So kommt man – auch als Erwachsener – ganz gut nach ganz hinten, doch wenn man erst mal in Reihe drei angekommen ist, erkennt man sofort: Achtung es ist doch kein ganz so großes Auto, denn eine knallrote Leiste im Boden warnt: „Don`t cross the line“ und das nicht zu unrecht, denn hat man seine Füße hier drüber gestellt, und die Sitzbank der zweiten Reihe wird zurückgeklappt, dann sind die Zehen in akuter Gefahr. Und nicht nur die, ein 1,80 m Mensch wird fast zerquetscht, also lieber nur kleinere Kinder hier hinten unterbringen. Die kommen dann auch wesentlich besser wieder hier hinten raus, Erwachsene suchen erst mal nach helfenden Griffen, und ohnehin bekommt man – ganz allein hier hinten – den Sitz der zweiten Reihe kaum noch wieder vor.

Wesentlich komfortabler sitzen da Erwachsene in Reihe zwei, deren Rückenlehne kann in zwei Stellungen arretiert und die Sitze in Längsrichtung verschoben werden.Sitzen vorne sehr große Menschen, dann stören etwas die ausklappbaren Tische in der Sitzlehne. Unter diesen Tischlein hat man mit 1,80 m Größe hinter 1,80 m noch gut Platz acuh bei vorgeschobeen Rücksitzen, die Sitze sind aber ziemlich wenig ausgeformt und geben entsprechend wenig Seitenhalt und bei drei Erwachsenen nebeneinander wird auch ziemlich eng. Rein und raus kommt man hinten ganz bequem, wie vorne, hohem Hüftpunkt und weit öffnenden Türen sei dank.

Das Platzangebot ist vorne durchwegs gut, die Kopffreiheit üppig, selbst wenn Große den Sitz hoch gestellt haben. Mit den echten Türgriffen lassen sich die Türen zudem sehr bequem öffnen.

Die Sitze sind straff – sehr straff – und optisch richtig schick gemacht, auch mit gelochten Lederteilen auf der Sitzbahn und mit schönen Einsätzen im hellen Beige, das dann auch in üppiger Pracht am Armaturenbrett, der Türverkleidung und selbst an den Rücksitzen wieder auftaucht. So sehen die Sitze optisch ganz gut ausgeformt aus, bieten aber vor allem im Rückenbereich zu wenig Seitenhalt. Dafür kann man sich aber an der elektrisch verstellbaren Lordosenstütze erfreuen. Was wirklich stört ist beim Anschnallen die Mittelarmlehne, die muss dazu entweder immer wieder rauf und runter geklappt werden oder das Anlegen des Gurtes wird zur Fummelei.

Das gesamte Armaturenbrett macht in seiner Zweifarbigkeit einen frischen Eindruck, diverse Chromapplikationen lockern das Ganze zusätzlich auf. Alles wesentliche ist gut in einem gefälligen Orange-Ton beleuchtet, auch die Tasten im Lenkrad. Besonders schick gemacht ist das obere, kleine zusätzliche Handschuhfach, auch wenn dort nicht allzu viel rein geht. Schick gemacht sind auch die Drehschalter für Heizung und Lüftung, jedoch könnten die Drehringe ein bisschen schwergängiger arbeiten, so kommt es schon mal vor, dass man etwas zu viel verstellt, zudem könnte das Ganze ein wenig mehr nach oben geneigt sein, durch die hohe Sitzposition sind z.B. die digitalen Zahlen für die Temperatur nicht optimal ablesbar.

Das Navi ist einfach zu bedienen, allerdings sind die Tasten in dem kleinen Monitor doch auch ziemlich klein, da sollte man doch unbedingt zum Bedienen anhalten. Es findet auch schnell die kürzeste Route, weicht man vor der ab, schwenkt es sofort auf die neue Gegebenheit ein. Auch die erlaubten Tempolimitswerden angezeigt, aber nur was einprogrammiert wurde. Leider nicht als Verkehrszeichen sondern nur als reine Textbotschaft. Fährt man schneller, färbt sich die Schrift rot. Etwas blöd war es im Test, wenn man das Ziel einfach abbrechen wollte, dann konnte man bisweilen sehr oft auf die entsprechende Taste drücken und man kam dennoch nicht auf den entsprechenden Menüpunkt zurück, wo man die Routenführung hätte abbrechen können. Das geschah dann automatisch wenn man den Motor mal abgestellt und wieder gestartet hatte.

Der Fahrwerk wurde den Gegebenheiten des 500L Living angepasst, der Fahrkomfort ist gut, auch auf eher schlechteren Straßen werden die meisten Unebenheiten gut weggefiltert. Nur grobe Schlaglöcher knallen nach innen, aber selbst auf Kopfsteinpflaster bleibt er ruhig. Allerdings knickt das Fahrzeug auf groben Bodenwellen dann schon mal links oder rechts, im Extremfall auch im schnellen Wechsel, etwas ein. Er geht an sich zügig um die Kurven, neigt dabei deutlich zum Untersteuern, doch bevor einem die Straße aus geht weil man zu flott war, kann einen der Sitz bereits nicht mehr am Platz halten.

Wenn man dann noch schneller wird, neigt er zunehmend zum Übersteuern und drängt deutlich mit dem Heck nach außen. Hinzu kommt noch die recht hohe Sitzposition, die einen die Karosserieneigungen noch stärker empfinden lässt. Uns so schwankt er auch im Slalomtest deutlich hin und her und die Lenkung wird deutlich straffer. Da legt man gerne freiwillig eine gemütlichere Gangart an den Tag, passt ja auch besser zu einem Familienvan.

Die Lenkung ist so weit okay, könnte aber vor allem wenn man doch etwas flotter fahren will ein wenig mehr Gefühl für die Straße vermitteln. Bei 130 sind die Abrollgeräusche das Lauteste, der Motor geht darin fast unter, Windgeräusche sind dann kaum zu vernehmen, die gehen darüber aber vermehrt los. Bei Tempo 200 – laut Tacho, er geht nur echte 183 km/h – wird das Fahrzeug unruhiger und reagiert empfindlicher auf Spurrillen und Seitenwind, man ist dann ständig mit kleinen Lenkkorrekturen beschäftigt.

Der Fiat 500L Living legt sich mächtig in die Vollbremsung, taucht dann auch vorne tief ein um mit Reifenquietschen und vor allem ABS-Rubbeln sicher zum Stehen zu kommen, auch auf nicht so gut asphaltierter Straße. Aus Tempo 100 heraus geschieht das innerhalb vonweniger als 37 Metern. Bremsscheiben rundum, ABS, elektronische Bremskraftverteilung und ein Notbremsassistent sorgen für gute Bremsleistungen und gut dosierbare und schnell ansprechende Bremsen. Sicher nur eine Einstellungssache: am steilen Berg hatte bei unserem Testwagen die Handbremse – selbst wenn man sie anzieht bis man sie fast herausreißt – große Mühe, das Auto festzuhalten.

Die geteilte A-Säule ist zumindest im vorderen Bereich recht dünn, extrem dick ist die B-Säule, die C- und sogar die D-Säulen sind dann gar nicht mal so dick, so dass der Überblick nach schräg hinten ganz gut ausfällt. Für guten Durchblick sorgt auch der Scheibenwischer, der Kleine feuert, ganz wie ein Großer, bereits aus sechs Düsen das Wischwasser auf die Scheibe. Steht allerdings der Scheibenwischer auf Wischautomatik, muss er bei jedem Neustart immer wieder neu aktiviert werden.

Nicht ganz komfortabel ist auch die Tatsache, dass sich die Seitenfenster hinten nicht komplett versenken lassen und ist hinten nur ein Fenster allein geöffnet, wummert es bei Tempo 100 ungeheuer, vorne macht das kein Problem. Zündung aus und das Radio geht mit aus, kann aber auf einfachen Knopfdruck wieder aktiviert werden. Und auch wenn es sich dann zur Batterieschonung irgendwann wieder ausschaltet, reicht ein Kopfdruck zum erneuten Start. Bei vielen anderen Fahrzeugen muss dann erst der Motor wieder gestartet werden.

Unter der Haube unseres 500L Living werkelte ein neuer 120 PS / 88 kW starker 1,4 Liter 16V Turbobenziner, der zu unserem Erstaunen akustisch stets präsent war, erst bei hohem Autobahntempo wird er von lauten Umfeld-, Abroll- und Windgeräuschen übertönt.

Der Turbomotor zieht gut los, aus dem Stand heraus beschleunigt er den Siebensitzer in 10,6 Sekunden bis auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit erreicht er ohne Einbruch bei 183 km/h. Das maximale Drehmoment von stattlichen 215 Nm liegt bei 2.500 U/min. an, das Aggregat erfüllt die Abgasnorm Euro 6.

Der Verbrauch lag im Test bei unserem Stadt-Land-Mix mit etwas weniger Stadtanteil und normalem Tempo bei 6,2 Liter. Auf der Autobahn bei Richtgeschwindigkeit 130 flossen 7 Liter auf 100 km aus dem Tank. Wechselt man in den Eco Drive Modus wird überwacht wie man schaltet, beschleunigt etc. und kann diese Daten dann später wieder entsprechend abrufen.

Mit dem1.4-Liter-Vierzylindermotor harmoniert die verbaute Sechsgangschaltung gut, die Anschlüsse der Gänge passen, die Schaltwege sind ausreichend kurz, der Schalthebel ist straff und sauber geführt. Die Schaltempfehlung arbeitet nach oben und unten.

Alles Paletti also, wäre da nicht die unharmonische Arbeitsweise der Kupplung, die auf das Treten wie auch das Loslassen der Kupplung ungleichmäßig reagierte und somit ein ruckfreies Schalten praktisch unmöglich machte. Dieses Problem sollte sich aber durch ein Nachstellen der Kupplung beheben lassen.

Neben einem Fahrer- und Beifahrerairbag gibt es serienmäßig Seitenairbags vorne und durchgehende Windowbags, auf Wunsch kann ein Knieairbag für den Fahrer geordert werden. Immer mit dabei die Dreipunkt-Sicherheitsgurte auf allen Sitzplätzen, vorn mit Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer. Außerdem ein Anti-Schleudertrauma-System an den Kopfstützen der Vordersitze sowie Isofix-Verankerungen an den äußeren Sitzen der zweiten Reihe.

Zum Serienumfang zählt das elektronische Fahrstabilitätsprogramm (ESP), die integrierte Antriebsschlupfregelung (ASR), die Motorschleppmomentregelung (MSR) und eine Berg-Anfahrhilfe (Hill Holder). Optional gibt es den City-Notbremsassistent inklusive automatischer Notfallbremse und LSCM.

Los geht es mit dem Fiat 500L Living Pop-Star und dem neuen 1,4- Turbobenziner (ab 20.450,- Euro), hier gehören unter anderem eine Klimaanlage, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, eine Audioanlage mit Fünf-Zoll-Touchscreen und Bluetooth-gesteuerter Freisprechanlage für Mobiltelefone, das in Höhe und Länge verstellbare Lederlenkrad mit Multifunktionstasten zur Bedienung der Audioanlage, die elektrische Servolenkung Dualdrive mit City-Funktion, die Geschwindigkeitsregelanlage (Cruise Control), die asymmetrisch geteilt umklappbare Rückbank und die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung zur Serienausstattung.

Unser Fiat 500L Living Lounge startet ab 21.650,- Euro und verwöhnt die Passagiere zusätzlich unter anderem mit einer Zweizonen-Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Parksensoren hinten, elektrischen Fensterhebern auch hinten, getönten Scheiben hinten, 16 Zoll Alufelgen, Regensensor mit automatischer Einschaltung der Scheinwerfer sowie Nebelscheinwerfern mit Abbiegelicht-Funktion.

Eine Lederausstattung kostet ab 1.300,- Euro, das Safty-Paket mitCity-Notbremsassistent und Fahrer-Knie-Airbag ist für 500,- Euro zu haben, Sonderlackierungen kosten 400,- Euro, Metallic ab 550,- Euro. Routine-Inspektionen sind nur noch alle 30.000 Kilometer oder alle 2 Jahre angesagt.

Stand: März 2015, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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