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Dacia Lodgy dCi 110 Prestige

Er gehört zu den billigsten seiner Klasse, kann ab 9.990,- Euro geordert werden, ist dann aber spärlich bestückt, mit stärkerem 107 PS Dieselmotor und in der Ausstattung Prestige kostet er dann aber auch schon 16.590,- Euro, dann sind aber u.a. auch die Ledersitze, Alufelgen, elektrische Fensterheber, Einparkhilfe hinten etc. serienmäßig. Er bietet jede Menge Platz, vor allem fürs Gepäck, von 207 bis zu gigantischen 2.617 Litern. Dann müssen aber die Sitze der dritten Reihe ausgebaut werden. Der Motor ist ausreichend stark, kann auch niedertourig, unter 5,7 Liter im Mix sind wir aber nicht gekommen. Der Innenraum ist soweit ansprechend gemacht, man merkt ihm aber die verordnete Sparsamkeit an. Schnickschnack, Spielereien, Luxus (bis auf die Ledersitze) und Sicherheitsassistenten sucht man vergebens.

Er will praktisch sein, geräumig und preiswert, das schlägt sich auch ein wenig in der Optik nieder. Entsprechend ist er zwar nicht hässlich, aber besondere Highlights sucht man vergeblich. Einzig die Chromleiste zwischen den Scheinwerfern, die kantige Lippe an der Frontschürze, die Dachreling und die silbergraue Leiste an der Hecklappe sorgen für ein bisschen Pepp.

Die Rammschutzleisten an den Türen sitzen sehr weit unten und wirken ein wenig überdimensioniert, trotzdem dürften sie die meisten Rempler von anderen Türen nicht abhalten.

Die langgestreckte Seitenlinie kommt nicht von ungefähr, schließlich kann der Lodgy auch zum Siebensitzer gemacht werden. Die eigenwillige, rautenähnliche Form der Rückleuchten sorgt für eine gute Wiedererkennung. Die Heckklappe reicht weit nach unten und wird über einen konventionellen Druckknopf geöffnet, wie man ihn noch von früher kennt.

Leider öffnet die Heckklappe nicht sonderlich weit, bei seitlicher Annäherung droht ab 1,80 m Körpergröße der Anstoß. Dieniedrige Ladekante ist gut gegen Ladekratzer geschützt, die Stoßstange leider nicht.

Bleiben wir also mal gleich hier hinten im Laderaum. Und hier fallen, nachdem man die Gepäckraumabdeckung mit beiden Händen bearbeitet hat, die beiden Sitze sechs und sieben auf, die am besten auch gleich vom Kofferraum aus vorgeklappt werden. Das geht für die Lehnen geteilt, für den ganzen Sitz nur komplett, und dann stehen die Sitze eigentlich immer im Weg rum. Ausbauen geht zwar einfach, aber die beiden Sitze sind doch recht schwer, wiegen fast 20 kg.

Der Laderaum variiert von 207 Liter bei voller Bestuhlung bis 2.617 Liter bei ausgebauter dritter und umgelegter zweiter Sitzreihe. Das Werkzeug und der Wagenheber sind links und rechts an der Seite untergebracht.

So viel zum Thema Laden, also alles wieder zurück und mal in die dritte Reihe zum Probesitzen. Dazu reicht ein Zug und die Lehne des Außensitzes der Reihe zwei klappt vor, dann kann man den ganzen Sitz vorklappen und schon kommt man prima in die dritte Reihe. Das geht sogar als Erwachsener, aber hier hinten wird es vor allem im Beinraum und an den Füßen recht eng. Beim Zurückklappen der Sitze in Reihe zwei klemmt man den Gurt schnell mal ein.

Apropos Gurte, der Mittelgurt ist recht weit hinten, ganz oben an der Decke befestigt und muss an zwei Stellen eher umständlich geschlossen werden. Ansonsten sitzen in der zweiten Reihe auch 1,80 m große Passagiere noch ganz bequem, auch wenn vorne 1,80 m große Personen Platz genommen haben, nur die Kopfstützen sind dann nicht weit genug ausziehbar. Das Rein geht auch hier ganz bequem vonstatten, nur beim Raus bleiben die Füße schon mal an der B-Säule hängen und auch die Türverkleidung ist dann schnell im Weg, die Türen hinten könnten gerne etwas weiter öffnen.

Die besten Plätze sind ganz klar vorne, hier stimmen nicht nur der bequeme Ein- und Ausstieg, auch derPlatz ist mehr als zufriedenstellend. Auch die Sitze sind ausreichend groß und straff gepolstert – bei unserem Testwagen sogar in Leder – verfügen aber über keine ausgeprägte Ausformung, auch eine Lordosenstütze haben wir vermisst, und die Verstellung der Lehne ist durch die Mittelarmauflage kaum zu erreichen, das gilt dann auch für die Handbremse und das Anlegen der Gurte vorne. Klappt man die Armauflage hoch, stößt man je nach Körpergröße häufig mit dem Ellenbogen dran.

Gespart hat man z.B. auch bei den Sonnenblenden, sie muten an wie in einem Lieferwagen, sind sehr groß und aus hartem Plastik, dazu gesellt sich ein einfacher Dachbezug und an den inneren Türöffnern steckt eine unschöne Schraube mitten in der Griffmulde. Daran, dass die Hupe noch immer im Blinkerhebel steckt, kann man sich ja gewöhnen, dass das Lenkrad nur in der Höhe zu verstellen ist, macht die Suche nach der idealen Sitzposition nur schwieriger.

Schauen wir uns mal weiter um. Durch die hellgrauen Einsätze am Armaturenbrett und der Mittelkonsole aus schwarzem Klavierlack sowie zahlreichen Chromapplikationen wirkt das gesamte Erscheinungsbild durchaus freundlich und wertig, vor allem das Lederlenkrad macht da was her.

Dahinter stecken drei Rundinstrumente mit Drehzahlmesser links (mal wieder ohne roten Bereich) und Tacho in der Mitte, orangerot beleuchtet und gut ablesbar, der rechte Kreis beherbergt ein viereckiges Display, an dessen rechten Rand die Füllstandsanzeige des Tanks und davor eine frei wählbare Anzeige wie z.B. Außentemperatur, Durchschnittsverbrauch etc. Leider muss man sich – stets nur in eine Richtung – immer wieder komplett durchklicken. Mir hätte hier eine frei wählbare Dreierkombination (z.B. Reichweite, Fahrstrecke und Durchschnittsverbrauch) besser gefallen, zumal dann das Display auch nicht so leer wäre.

Die Knöpfe für Heizung und Lüftung muten schonrecht einfach an und der Knopf für die Leuchtweitenregulierung ist mächtig antiquiert, sitzt aber zum Glück so weit unten, dass man ihn kaum sieht. Die Tasten im Lenkrad für den Speedlimiter sind nicht beleuchtet, die elektrischen Fensterheber besitzen keine Rauf- oder Runter-Automatik.

Apropos Automatik: es gibt keinen Licht- und auch keinen Regensensor und wenn man das Licht einfach angeschaltet lassen möchte, dann erlischt es beim Ausschalten des Fahrzeugs nicht mit, also auch hier ist immer wieder Handarbeit angesagt.

Wenig Handarbeit ist bei der Bedienung des Navis von Nöten, per Touchscreen kommt man schnell und einfach ans Ziel. Hat dann auch das Fahrzeug selbiges fast erreicht, also so bis auf rund 600 Meter und man legt noch einen schnellen Stopp ein, dann begnügt sich das Navi damit und zeigt beim Neustart das Ziel erst mal nicht mehr an. Zudem wirkt die Stimme der Routenführung ziemlich künstlich.

Ziemlich zu kämpfen hat die Heizung bei größeren Minusgraden. Steht sie dann auf Stufe eins, wird es praktisch nicht warm im Auto, und auch bei Stufe zwei in der Gebläseeinstellung braucht es die volle Hitze-Einstellung. Oder man muss auf Stufe drei oder vier gehen, und dann macht das Gebläse einen heiden Krach.

Das ist natürlich dem Komfort nicht eben zuträglich, in Anbetracht des möglichen Grundpreises von 9.990,- Euro muss man halt doch gewisse Abstriche machen. Und dazu zählen auch die recht lauten Fahrgeräusche, der Wind ist ab Tempo 100 stets gut zu vernehmen.

Die Fahrwerksauslegung ist auf Komfort ausgelegt, und doch knallen grobe Schlaglöcher vor allem auch akustisch deutlich nach innen. Will man sich flotter fortbewegen, wird man nicht zuletzt vom massiven Schieben über die Vorderräder, der deutlichen Karosserieneigung und dem mangelnden Seitenhalt der Ledersitze eingebremst. Dabei zeigt sich die Lenkung als angenehm, ausreichendstraff und direkt, zumindest wenn man nicht zu flott fahren will. Und der Lodgy folgt ihr auch im Slalomtest recht willig und legt den doch recht hohen Aufbau noch zufriedenstellend zur Seite. Stets wacht ESP über das Fahrzeug und greift wenn nötig auch massiv ein.

Die Bremsanlage mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung, Bremsassistent und Scheibenbremsen vorn sowie Trommelbremsen hinten lässt sich gut dosieren und spricht spontan an. Selbst eine Vollbremsung legt er ohne nennenswertes Reifenquietschen oder ABS-Rubbeln hin und steht nach durchschnittlich 37 Metern aus Tempo 100. Ein Nachlassen war ebenso wenig festzustellen wie eine Neigung die Spur zu verlassen, wenn die Straße mal nicht so toll ist.

Mit dem 79 kW / 107 PS starken Reihenvierzylinder Diesel mit Commonrail-Direkteinspritzung und Turbolader ist der Lodgy gut motorisiert, nur voll beladen hat er etwas zu kämpfen. Dass es sich um einen Diesel handelt hört man – vor allem draußen – besonders beim Kaltstart. Und wenn es dann richtig knackig kalt ist, dann gönnt sich der Motor mehr als nur eine Diesel-Gedenk-Sekunde.

Danach kann man über das 1.461 cm³ große Aggregat aber nicht mehr meckern, es läuft ausreichend kultiviert, kann richtig niedertourig, auch wenn er dann zum Dröhnen neigt und zieht bei Bedarf auch aus dem Drehzahlkeller ordentlich durch. Ganze 11,6 Sekunden vergehen aus dem Stand bis auf Tempo 100 und die Topspeed ist bei 175 km/h erreicht.

Beim Verbrauch sind wir deutlich über den Werksangaben geblieben, im Stadt-Land-Mix haben wir im günstigsten Fall 5,7 Liter Diesel verbraucht, Dacia gibt hier 4,4 Liter an, man hat aber an einer Start-Stopp-Automatik gespart.

Die Schaltung selbst mit ihren sechs Vorwärtsgängen geht in Ordnung, auf ausreichend kurzen Wegen ist der Schalthebel – mit Lederschaltknauf – sauber, vielleicht ein wenig trocken geführt, aber auch dieAbstufungen stimmen, lediglich die Gänge fünf und sechs sind sehr lang übersetzt, da muss trotz des kräftigen Motors häufiger zurückgeschaltet werden. Schnell geschaltet hakt es auch schon eher mal, der Rückwärtsgang ist problemlos einzulegen.

Sicherheit – Das altbekannte Thema. Front- und Seitenairbags sind serienmäßig an Bord, die Windowbags oder ein Knieairbag sind auch nicht in der Aufpreisliste zu finden.

So hat dann zwar jeder Sitz seine Kopfstütze und seinen Sicherheitsgurt, der vorne auch höhenverstellbar ist, aber so Dinge wie Spurhalteassitent, Toter-Winkel-Warner oder ähnliche „Spielereien“ sucht man vergebens. ISOFIX für die Kindersitzbefestigung ist auf den beiden Außensitzen der zweiten Reihe vorhanden.

Klar, bei einem Fahrzeug für 9.990,- Euro für den Dacia Lodgy in der Einstiegsversion muss man auch bei der Ausstattung auf gewisse Dinge einfach verzichten. Unser Testwagen mit dem dCi 110 Dieselmotor in der Ausstattungslinie Prestige schlägt da nicht nur bei der Ausstattung sondern mit 16.590,- Euro auch beim Preis schon deutlich mehr zu.

Hier sind dann die Lederausstattung, das Multimediasystem Media-Nav, ein Lederlenkrad, elektrische Fensterheber vorne und hinten, ABS, ESP, 16 Zoll Alufelgen, Nebelscheinwerfer, eine Einparkhilfe hinten und die Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung serienmäßig mit dabei. Allerdings noch nicht die Sitze sechs und sieben, die kommen noch mal mit 590,- Euro hinzu, ebenso sind eine Deckenleuchte für die hinteren Sitzreihen und hinten ausstellbare Seitenfenster mit dabei.

Die Metallic-Lackierung schlägt dann noch mal mit 470,- Euro zu, das Reserverad kostet 60,- Euro, Sitzheizung vorne 150,- Euro und ein Sicherheitstrennnetz 160,- Euro. Und dann stehen noch diverse Dinge im Multimediabereich zur Wahl, von Bluetooth bis hin zu Audiosystemen.

Leider muss der Lodgy entweder alle 12 Monate odernach kurzen 10.000 km zur Wartung in die Werkstatt. Alle zwei Jahre bzw. 20.000 km ist dann eine Inspektion mit Ölwechsel fällig. Die Einstufungen bei den Versicherungsklassen lauten TK 17, VK 19 und HPF 20.

Stand: Mai 2015, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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