// Fahrbericht / Citroën C3 Pluriel Charleston

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Citroën C3 Pluriel Charleston

Die zweifarbige Rot-Schwarze Lackierung war die einstige Prunklackierung des 2CV, mit dem Pluriel Charleston trägt Citroën dessen 60-jährigem Jubiläum im Jahr 2008 Rechnung. Bei seiner Modellpflege gingen die Entwickler sehr behutsam ans Werk, nur kleine Details wurden geändert. ESP hat unser Testwagen jetzt serienmäßig, der Drehzahlmesser hat einen roten Beriech und der Schalthebel eine neue Manschette bekommen, geblieben ist der gute Fahrkomfort, der etwas durstige und zähe Motor, die teils nicht ohne Bedienungsanleitung zu öffnende Verdeckkonstruktion und die absolute Unverwechselbarkeit. Der Preis geht für ein Cabrio voll in Ordnung.

Die offene Variante des C3 hört auf den Namen Pluriel, hat mittlerweile doch schon einige Jährchen auf dem Buckel und ist eine recht ausgefallene Interpretation des Themas Cabriolet. Dabei ist er eigentlich auch ein Coupé mit großem Schiebedach, ein Targa und erst dann ein Cabriolet. Leichte Retuschen beschränken sich auf Details, so sind die neuen Scheinwerfer jetzt mit einer Rauchglasabdeckung versehen.

Unser heutiger Testwagen kam in der Edition Charleston daher und erinnert mit seiner zweifarbigen Rot-Schwarzen Lackierung zumindest die nicht mehr ganz so jungen Semester unter unseren Lesern an die gleichnamige Ente. Und zumindest von hinten steht der Pluriel auch so ein bisschen hochbeinig da.

Die im Bogen verlaufende untere schwarze Lackierung zieht sich geschickt in die Dachholme, zwischen denen sich das Faltverdeck per Knopfdruck nach hinten fahren lässt. So hat man schon ein richtig tolles Offenfahr-Gefühl, wobei aber schon wenn man das Dach, ebenfalls perKnopfdruck über die Heckscheibe nach unten fährt, schnell deutliche Winde im Fahrzeug auftreten. Wer mehr will, der muss aussteigen.

Dann kann man – auch das geht noch ziemlich einfach – das Verdeck mit der kompletten Heckscheibe in den Boden des Kofferraums schwenken. Auch zurück geht jetzt noch alles ratz fatz und man ist vor einem plötzlichen Regenguss schnell wieder gut geschützt.

Aber der Pluriel ist ja ein echtes Cabriolet, also werfen wir erst mal einen Blick – einen sehr, sehr langen Blick – in die Bedienungsanleitung und entfernen auch die Dachholme, das geht dann sogar recht einfach, allerdings wiegen sie für weibliche Passagiere doch einiges. Aber halt, sind Sie bereits unterwegs, dann dürfen die Rücksitze nicht besetzt sein, sonst finden Sie keinen Platz für die Holme. Also schon zuhause weg mit den Bügeln und die große Freiheit genießen, das bedeutet aber auch, dass wenn Sie dann von einem Regenschauer erwischt werden, dann lässt Sie der Pluriel sprichwörtlich im Regen stehen, also sitzen.

Na ja, immerhin bietet Citroën eine Plane an, unter der Sie und Ihr Pluriel Schutz suchen können. Das ist, neben der recht umständlichen und nur mit viel Übung ohne Bedienungsanleitung in der Hand vollziehbaren Prozedur, der einzige, aber nicht zu unterschätzende Nachteil. Optisch macht der Pluriel auch komplett gestrippt eine gute Figur. Das Auto wacht selbst darüber, ob Sie beim Zusammenbau Fehler machen, so kann das Verdeck z.B. nicht versehentlich im Kofferraum entrollt werden.

Uns hat es meist genügt, mit den Dachholmen am Platz das Offenfahren zu genießen, zumal der Pluriel keine B-Säulen hat, fährt man bei heruntergelassenen Seitenscheiben auch soganz schön offen. Mit den Holmen leidet natürlich die Rundumsicht etwas, neben den recht dicken A-Säulen stören dann die breiten C-Säulen.

Der Pluriel hat sogar eine Heckklappe, die kann nach unten geklappt bis zu 100 kg tragen und macht den Wagen mit umgelegten Rücksitzen sogar zu einer Art Pick-Up, was aber natürlich bei uns in Deutschland streng verboten ist. Auf der anderen Seite stört sie etwas beim Be- und Entladen, da man sich ganz schön strecken muss, um alles aus dem Kofferraum zu holen.

Dazu lässt sich aber auch das Heckfenster nach oben klappen, was die Sache merklich erleichtert. Je nach Stellung der Rücksitze steckt der C3 Pluriel 266 bis 490 Liter (bis Fensterunterkante) weg.

Vorne bietet der Pluriel auch großen Passagieren ein gutes Unterkommen, hinten wird es da schon enger, vor allem im Beinraum bleibt hinter einem 1,80 m Fahrer kaum Platz und große Mitfahrer stoßen schnell mit dem Kopf am Dach an. Stein des Anstoßes waren für uns auch die Kopfstützen. Zwar behindern die Bügel kaum die Sicht, sind aber bretthart und nicht eben besonders kopffreundlich.

In der richtigen Reihenfolge (erst Sitz, dann Lehne) bedient, merkt sich der Sitz auch die ursprüngliche Position, von und nach hinten kommt man ganz passabel, wie rein und raus, der recht hohe Hüftpunkt hilft beim bequemen Entern, die zur besseren Steifigkeit deutlich verstärkten Längsträger machen das besonders bei kleineren Passagieren wieder zunichte. Nicht ganz optimal platziert, weil recht weit hinten, sind die Schalter für die elektrischen Fensterheber Fond.

Die Sitze haben sich im Laufe der Zeit etwas verbessert, sind nach wie vor ausreichend groß dimensioniert und recht bequem,allerdings geben sie noch immer nur bedingten Seitenhalt, vor allem im Bereich der Schultern ist es darum schlecht bestellt. Nachdem sich bei unserem Testwagen nicht nur die Sitze in schwarzes Leder hüllen sondern auch das gesamte Cockpit und die Türverkleidungen auf schwarzes Material zurückgreifen, sorgen die in Wagenfarbe lackierten oberen Türelemente – in unserem Fall also kräftiges Rot – für etwas Frische. In passendem Rot erstrahlt auch der Schaltknauf, und hier haben sich wohl nicht nur wir an der ringförmigen Manschette gestört, die allerlei Schmutz aufgesammelt hat, das aktuelle Modell hat wieder eine Ledermanschette.

Eine kleine Designänderung gab es beim Display in der Mitte oben auf dem Armaturenbrett hin zum Eckigen, die runden Lüftungsschlitze bekamen bei unserem Modell einen breiten Chromrand spendiert und auch die Instrumenteneinheit hinter dem Lenkrad wurde optisch etwas aufgepeppt und der Drehzahlmesser hat jetzt auch einen roten Bereich. Nach wie vor etwas weit unten sitzt die Bedieneinheit fürs gute Klima, für Heizung und Lüftung.

Der C3 Pluriel ist noch ein Franzose der alten Schule, legt seinen Schwerpunkt beim Fahrwerk klar auf den Komfort, dazu passt dann auch das gut gepolsterte Verdeck, das nicht nur das Wasser in der Waschstraße draußen lässt, sondern auch gut die Geräusche wegfiltert.

So gleitet man offen wie geschlossen komfortabel durch die Lande, nur grobes Kopfsteinpflaster setzt dem Pluriel etwas zu. Die Lenkung arbeitet dazu passend angenehm leichtgängig, für schnelles Fahren bietet sie etwas wenig Rückmeldung und durch die leicht indirekte Auslegung verlangt sie bei schnellen Richtungswechseln nach ordentlich Lenkarbeit. ESPist bei unserem Testwagen serienmäßig an Bord.

Auch wenn er nicht dafür gemacht ist, kann man mit dem Citroën auch gern mal flotter um die Kurven flitzen, der Wagen schiebt lange gutmütig über die Vorderräder, je näher man dem Grenzbereich kommt, je stärker wird das Übersteuern, generell legt sich der Pluriel ziemlich stark in die Kurven.

Durch die etwas weichere Fahrwerksabstimmung taucht der Pluriel bei einer Vollbremsung vorne tief ein, steht dank ABS mit elektronischem Bremskraftverteiler und Notbremsassistent und Scheibenbremsen an der Vorderachse (hinten kommen leider nur Trommelbremsen zum Einsatz) nach 42 Metern aus Tempo 100. Dabei wird automatisch die Warnblinkanlage aktiviert.

Wer offen fährt, will zumeist nicht so schnell unterwegs sein, und da macht es keine Probleme, dass der 1,4 Liter-Vierzylinder unter der Haube nur 54 kW / 73 PS leistet, aber wer gerne mal etwas flotter unterwegs ist, der wird den recht zähen Motor bemängeln. Hinzu kommt, dass die Gänge des serienmäßigen Fünfgang-Getriebes recht lang ausgelegt sind.

So muss man sich mit einer Topspeed von 164 km/h begnügen und für den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 vergehen 13,9 Sekunden. Wesentlich störender ist allerdings, dass der Motor schon bei 130 km/h auf der Autobahn recht gequält wirkt und ein Zwischenspurt im fünften Gang von 80 auf 120 km/h bei Gegenwind schnell mal fast 30 Sekunden dauern kann.

Wege und Führung des Schaltgetriebes gehen soweit in Ordnung, vor allem beim Einlegen des fünften Ganges haben wir immer wieder ein Stocken festgestellt. 6,5 Liter Super auf 100 km – der von uns auf der Normstrecke ermittelte Mix-Wert – ist für einen solch kleinen Motor auchnicht mehr rekordverdächtig, reine Stadtfahrten absolviert der Franzose mit 9,1 Litern, außerorts sind es 5,4 Liter Super. Wer den Pluriel häufig schneller bewegt, kommt auch schnell auf 9 und mehr Liter, der Motor erfüllt nur die Euro4 Norm und stößt im Mix 160 g/km CO2 aus.

Es fahren keine Überrollbügel aus, wenn man sich mit dem Pluriel überschlägt, dafür wurden die Sitzlehnen, die Kopfstützen und die A-Säule verstärkt, wem das nicht genügt, der wird zumeist die Dachholme drauf lassen.

Dass der Pluriel schon ein wenig in die Jahre gekommen ist, merkt man auch daran, dass er nur vier Airbags (Front- und Seitenairbags vorne) an Bord hat, dazu gibt es Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer für die Dreipunktgurte vorne sowie Isofix-Verankerungen für Kindersitze hinten.

Das von uns gefahrene Modell der Cabrio-Limousine C3 Pluriel Charleston steht mit 21.790,- Euro in der Liste. Dabei ist es ebenso gut ausgestattet wie die Top-Reihe Exclusive. ESP mit Antriebsschlupfregelung zählt genauso zur Grundausstattung wie elektrisch bedien- und anklappbare Außenspiegel, Fahrer- und Beifahrersitz in der Höhe verstellbar, el. Fensterheber, elektrisches Faltschiebedach, Tempomat, Nebelscheinwerfer, zweifach verstellbares Lederlenkrad, Radio-CD mit MP3, Alufelgen, Zweifarb-Lackierung, Lederausstattung, Licht- und Regensensor sowie eine Klimaanlage.

Und damit haben wir nur die wichtigsten Dinge genannt, die Ausstattung ist sehr umfangreich und so bleiben nur wenige Dinge übrig, die Sie sich aus der Aufpreisliste herauspicken können. So zum Beispiel zwei Spider-Pakete u.a. mit Persenning und Schutztaschen für die Dachbögen für 185,- bzw. 265,- Euro, ein Windschott für 198,-Euro, die Park-Control für 218,- Euro oder Alufelgen mit 205er Breitreifen im 17 Zoll Format für 1.439,- Euro. Die Bluetooth-Freisprecheinrichtung ist für den Charleston leider nicht zu bekommen.

Stand: Februar 2010, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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