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Daihatsu

Unser kleines Herzchen Daihatsu Cuore

Aufmerksame Leser haben es sofort bemerkt, den Cuore hatten wir schon als Testwagen im Haus, wieso jetzt schon wieder? Schicksal, es hätte eigentlich der überarbeitete Terios werden sollen, doch ein Vortester baute einen Unfall und hat damit die Aufnahme in unseren Testpark verhindert, der Cuore ist eigentlich nur Ersatz. Nicht für den pfiffigen Offroder, aber für den Testtermin, und so haben wir den nicht minder pfiffigen Stadtflitzer noch einmal unter die Lupe genommen. Und die normale Verbrauchsmessfahrt haben wir zur Sparfahrt umfunktioniert und es geschafft, unter 4 Litern auf 100 km zu bleiben, wenn auch nur knapp mit 3,98 Litern. Und wir haben auch sonst noch das eine oder andere herausfinden können …

Der Cuore ist wieder umgeschwenkt, zeigt mehr Emotionen beim Design, gibt sich von vorne freundlich und sympathisch. Schwungvoll läuft die weit nach unten reichende Frontschütze in die vorderen Radläufe, die runden Scheinwerfer wurden durch spitz auslaufende Ansätze an die Kotflügel angepasst.

Wie es sich für einen Kleinwagen gehört, fallen die Fahrzeugüberhänge ultrakurz aus, dafür holt der Kleine das Maximum aus dem Radstand heraus, was man vor allem nach dem Einsteigen zu schätzen weis. Mit Blick auf die Gesamtproportion hätten aber gerne die Reifen etwas größer ausfallen dürfen. Klar, das ist bei solch einem preiswerten Zwerg immer eine Frage des Geldes, aber vielleicht könnte man es irgendwie optional hinkriegen … dazu kommen wir später noch mal.

Das Heck wird dominiert von den langen senkrechten Rückleuchten, die eine größtmögliche Heckklappe einrahmen. Der Rest ist hier recht schlicht, auch hier könnte eine Version mit dickem Auspuff sicher so manchen Fahrerbegeistern.

Steigen wir also ein in den Winzling aus Japan – und wundern uns, wie bequem das geht. Die Türen öffnen weit, praktisch im 90-Grad-Winkel, und so kommt man vorne wie hinten prima rein, nur an den dünnen Türen erkennt man den Kleinstwagen, und am Klang, mit dem sie wieder ins Schloss fallen.

Und wie bequem man dann sitzt. Also weniger was die Sitze angeht, die sind halt auch typisch Kleinwagen, etwas dünn und auch nicht übermäßig groß und nur mäßig ausgeformt können sie zwar den Ansprüchen an einen Stadtflitzer genügen, aber schon auf der Landstraße vermisst man den nötigen Seitenhalt und eine etwas straffere Polsterung könnte auch nicht schaden. Klar, mit Blick auf den Preis geht auch das in Ordnung, aber z.B. ein Sportpaket, das neben dem oben bereits erwähnten dicken Auspuff auch ein paar Sportsitze beinhalten würde, wäre vielleicht eine Option.

Kommen wir zurück zum Sitzen, bequem ist das in erster Linie durch den Platz. Und das nicht nur auf den Vordersitzen, wo die meisten Kleinwagen zufriedenstellenden Platz bieten, nein auch auf der Rückbank. Was man von außen einfach nicht glauben mag, das beweist der Cuore innen eindrucksvoll. Mit der längsverschiebbaren Rückbank – in einem Kleinstwagen! – sitzen bei Bedarf nicht nur Kinder richtig gut, auch Erwachsene haben einen üppigen Beinraum zur Verfügung.

Und Dank der hohen Bauweise bekommen vier groß gewachsene Personen auch im Kopfbereich keine Probleme. Allenfalls in der Breite kommen sich dickere Menschen notgedrungen etwas näher. Der Fahrersitz ist – wie das Lenkrad – in der Höhe zu verstellen. Und ein Highlight ist – für den der es braucht – die Liegewiese. Die Vordersitze können nämlich so umgelegt werden, dass sie mit der Rückbank eine ebene Flächeergeben. Und für allerlei Kleinkram hält der Cuore dann auch noch einige Ablagefächer, Getränkehalter und ein großes Handschuhfach bereit. Den Nutzen des in der Mittelkonsole integrierten senkrechten, schmalen Fachs mit Klappe muss jeder für sich selbst erkunden.

Und wieder komme ich – es wird schon langsam penetrant, ich weiß – zum optionalen Sportpaket. Das könnte auch bei den im Innenraum verwendeten Materialien zum Einsatz kommen. Vor allem im oberen Teil der Türverkleidung könnte es das billige Hartplastik ersetzen, die Mittelkonsole in Silber tauchen und eine Zusatzfarbe am Armaturenbrett ins Spiel bringen. Zwar ist die Ausstattungsreihe Top schon zweifarbig in Anthrazit – Grau, aber richtig farbig ist das ja auch nicht. Ansonsten kann die Materialwahl am Armaturenbrett durchaus gefallen, einige silberne Applikationen sorgen für Frische.

Gut abzulesen und modern gezeichnet demonstriert ein Chromrand Hochwertigkeit bei den in strahlendem Rot-Orange beleuchteten Instrumenten. Auch hier könnte man sich natürlich etwas mehr „Verspieltheit“ vorstellen. Eher sachlich sind dann auch die wenigen Bedienelemente gezeichnet, auf alle Fälle sind diese gut erreichbar und kinderleicht zu bedienen. Recht weit unten hat Daihatsu die Schalter für die Leuchtweitenregulierung und TRC versteckt. Ein Fall für unser Sportpaket wäre schließlich auch das Lenkrad, bei dem sich ein Lederbezug, ein paar Aluapplikationen und/oder Farbe gut machen würde. Vielleicht will ja doch nicht jeder einfach nur ein Auto um von A nach B zu kommen?!?

Jetzt kommt’s, werden sich einige denken, wenn ein solcher Winzling soviel Platz für die Insassen bietet, denn geht er beim Kofferraum garantiert baden. Von wegen. Klar, wenn die Rücksitzbank ganz hinten steht, bleiben „nur“noch 160 Liter Stauraum übrig, rutscht die Bank nach vorne, was um bis zu 26 Zentimeter funktioniert, sind es bereits 215 Liter, und damit ist die Flexibilität noch nicht zu Ende. Durch Umlegen der Rücksitzbank im Verhältnis 60 : 40 entsteht ein Ladevolumen von 414 bis 600 Litern, eine Klappe verdeckt die entstehenden Schlitze. Kleines Manko: die Ladefläche ist leicht schräg und die Sitze lassen sich nicht vom Kofferraum aus umklappen.

Wie das Einsteigen funktioniert auch das Beladen ganz bequem, die Heckklappe öffnet weit und die Ladekante ist angenehm niedrig. Unter dem Boden befindet sich das sauber verstaute Werkzeug.

Der Cuore ist für die Stadt gemacht, entsprechend sitzt der Fokus auf Komfort. Mit ihm lässt es sich prima durch die Stadt flitzen. Aber das kann der Kleine auch Außerorts, allerdings sollte der Fahrer dann etwas Mut mitbringen., denn der Cuore schiebt nicht nur stark über die Vorderräder, wenn er schnell durch die Kurven gescheucht wird, er neigt sich dabei auch mächtig zur Seite. Mehr noch als im Innenraum erkennt man das als Hinterherfahrender, seine Seiteneigung sieht abenteuerlich aus.

Und es ist gut zu wissen, dass das TRC ständig über den Cuore wacht und ggf. durch teils massive Bremseingriffe die Fuhre spürbar stabilisiert. Ansonsten lässt sich der Kleine zielgenau lenken und zeigt sich natürlich mit einem Wendekreis von 8,40 Metern ausgesprochen wendig. Die geschwindigkeitsabhängige elektrische Servolenkung arbeitet ausreichend direkt und vermittelt ein gutes Gefühl für die Straße.

Grobe Bodenwellen kann er nicht ganz so gut wegfiltern und ein paar Abstriche in Sachen Komfort muss er sich auch durch die schon ab Tempo 80 auftretenden Windgeräusche vorne und vor allem hinten an der C-Säule gefallen lassen.

Vorne sindScheibenbremsen montiert, die die Hauptarbeit beim Bremsen übernehmen und sich bei einer Vollbremsung gerne noch etwas mehr festkrallen könnten, ohne Rubbeln sorgt das serienmäßige ABS für ein spurtreues Verzögern und bringt den Japaner aus Tempo 100 nach rund 40 Metern zum Stehen. Serienmäßig ist auch die elektronische Bremskraftverteilung an Bord, die Hinterachse ist mit Trommelbremsen bestückt.

Es ist noch immer das 1-Liter-Dreizylinder-Aggregat, das mit der auf 51 kW/70 PS angewachsenen Leistung zumindest unten rum für ordentlich Power sorgt. Und so flitzt der Kleine auch in 11,1 Sekunden von Null auf Hundert und wird 160 km/h schnell. Doch dahin kommt er eher langsam, und das nicht nur, weil die oberen Gänge vier und fünf recht lang übersetzt sind. Wer flott sein will, muss den Zwerg bei Drehzahllaune halten, und das macht den Motor laut und sorgt für mehr Durst als nötig, denn mit dem maximalen Drehmoment von gerade mal 94 Nm ab 3.600 U/min ist es nicht weit her. Und auch wenn man ihn niedertourig fahren will, ist er nicht gerade begeistert.

Mit dem typischen Dreizylinder-Sound ist man auf Land- und Stadtstrassen mit den Cuore am besten aufgehoben, hier konsumiert der Motor 5,5 Liter auf 100 km, für den Außerortsverkehr gibt Daihatsu 3,8 Liter an. Auf unserer Normstrecke hatten wir bei der letzten Ausfahrt 4,2 Liter auf 100 km verbraucht, das wollten wir diesmal nicht einfach wiederholen sondern sind mit gebremstem Schaum unterwegs gewesen, haben vor allem auf den Verbrauch geachtet und schwupps, mit 3,98 Litern Normalbenzin einen sehr guten Mix-Wert erfahren. Dann reduziert sich natürlich auch der ohnehin schon sehr gute CO2-Ausstoß von 104 g/km noch weiter.

Man kann also ganz zufrieden, obwohl, wenn die serienmäßige Fünfgangschaltung etwasexakter geführt wäre – und dazu vielleicht auch der Schalthebel etwas kürzer – dann wäre alles in Butter. Na ja, eins hat uns etwas gestört, auch wenn es im Alltag vielleicht weniger häufig auftritt. Nach unserer Benzinmessfahrt, bei der wir wie gewohnt 180 km zurücklegten, haben wir 7,17 Liter nachgetankt. Das ist dem Bordcomputer aber zu wenig. Alles was unter 10 Litern liegt, berücksichtigt er bei der Reichweitenanzeige einfach nicht. Dabei sind das bei diesem Sparzwerg doch gleich weit über 200 km.

Eine etwas straffere Abstimmung mit größeren und vor allem breiteren Rädern wäre dann wieder ein Fall für das optionale Sportpaket … Ich weiß, ich weiß, im Zubehörangebot gibt es auch 165er Reifen auf 15 Zoll Alufelgen und sogar ein Satz Federn mit Tieferlegung, einen Doppelrohrauspuff und vieles mehr.

Fünf Airbags sind schon mal serienmäßig in jedem Daihatsu Cuore verbaut: Front- und Seitenairbags sowie ein Fahrer-Knieairbag, den man in manch größerem Fahrzeug noch vergebens sucht. Und ab der Variante Top sind auch Kopfairbags erhältlich, wenn auch nur gegen Aufpreis.

Und schließlich gibt es noch das stoßabsorbierende Lenkrad, Sicherheitsgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern vorn und ISOFIX-Befestigungspunkte für den Kindersitz.

Ziemlich klein macht sich der Daihaustu Cuore dann auch, wenn es um den Preis geht, auch wenn das von uns gefahrene Top-Modell mit 11.490,- Euro die 10.000er-Marke locker knackt, da bleibt nur der PUR mit 9.490,- Euro darunter.

Aber die Ausstattung ist beim TOP auch entsprechend umfangreich und beinhaltet u.a. elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, CD-Radio, Klimaanlage, verschiebbare Rückbank, Mutiinformationsdisplay,Drehzahlmesser uvm.

Auf Wunsch gibt es dann noch ein Automatikgetriebe (treibt den Verbrauch um einen Liter in die Höhe) oder eine Perleffekt-Lackierung sowie das Sicherheitspaket mit der Stabilitätskontrolle für 1.290,- Euro.

Stand: Januar 2010, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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