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Seat Toledo TSi

2004 war der Toledo noch eine Stufenheck-Limousine, dann entschied man sich bei Seat um und machte einen Van draus. Jetzt hat man sich wieder eines besseren besonnen und ist zur Limousinen-Form zurückgekehrt. Obwohl, Seat sprach eigentlich immer von einer Limousine. Egal, wir finden’s toll, macht doch der Neue eine gute Figur und viele brauchen doch eigentlich keinen Endlos-Stauraum. Und mit 550 Litern bietet die Stufen-Schrägheck-Version eigentlich sogar mehr, erweiterbar auf 1.490 Liter. Und wer Seat will, der will eigentlich auch was sportliches. Und das kann der Toledo bieten, selbst mit dem eher kleinen 1,2 Liter TSi mit 105 PS, der Motor aus dem VW-Regal gibt sich nicht nur sparsam sondern echt spritzig. Ein bisschen gespart hat Seat beim Hartplastik innen, bei den Schaltern für die el. Fensterheber, beim Kofferraumlicht. Schade eigentlich.

Alles eine Frage des Geschmacks oder einfach nur höhere Firmenpolitik? Während der Vorgänger des Toledo den Wechsel von der Limousine zum Van vollzogen hatte und was den Verkauf angeht eher geflopt ist, kehrt das aktuelle Modell wieder zur klassischen Limousinenform zurück, exakt so wie die Modelle aus dem Mutterkonzern VW oder dem Schwesterunternehmen Skoda auch geschnitten sind. Und dabei sind ja eigentlich Stufenheckmodelle in der Klasse gar nicht beliebt. Eigentlich.

Uns gefällt der neue Toledo eigentlich sehr gut. Er vereint die sportliche Optik aller Seat und strahlt zum anderen Eleganz und Größe aus, kommt im Garu-Metallic unseres Testwagens richtig gediegen daher. Und wenn man sich die Seitenlinie mal genauer anschaut, dann ist er ja auch ein richtiges Schrägheck-Modell, und schließlich öffnet ja auch das Heckfenster zusammen mit der Kofferraumklappe.

Das massive Heck deutet es in jedem Fall schon mal an, dass der Toledo ganz schön was wegsteckt und sich damit auch von seiner ganz nützlichen Seite zeigt, und ganz Schrägheck hat das Heckfenster schließlich auch einen Scheibenwischer.

Die Heckklappe wird über das Logo geöffnet, kann aber auch mit dem Schlüssel fernentriegelt werden. Der Kofferraum hat eine relativ hohe Ladekante, die Stoßstage bleibt leider ungeschützt. Danach geht es rund 25 cm nach unten – in einen ziemlich großen Kofferraum, der an den Seiten links und rechts auch noch Zusatzfächer bereit hält,dort sind auch Haken um Dinge aufzuhängen und außerdem Verzurrösen.

Wirft man einen Blick in die Technischen Daten, denn erkennt man, dass der neue Toledo mit einem Kofferraumvolumen von 550 Litern schon in der Grundstellung ganz praktisch ist und den Vorgänger sogar übertrumpft. Und auch das Umlegen der Rücksitze geht ganz einfach, aber es bleibt dann eine ansteigende Fläche nach vorne hin und eine fast 10 cm hohe Stufe. Das erschwert es natürlich Gegenstände durchzuladen, trotzdem gehen bis zu maximal 1.490 Liter Gepäck rein, wenn man dachhoch belädt. Da könnte man mit der erlaubten Zuladung von 460 kg schnell an die Grenzen stoßen.

Unter dem Boden lag bei unserem Testwagen nur ein Reparatur-Set statt eines Reservereifens, außerdem ein Gepäcknetz. Die Kofferraumklappe schwingt weit hoch, da besteht kaum Anstoßgefahr, allenfalls kommen kleinere Menschen vielleicht nur schwer dran.

Steigen wir also einmal vorne ein und lassen den Blick schweifen. Hell, freundlich, gediegen und auch ein kleiner Schuss „auto emotion“, eine solide Verarbeitung wenn auch durchwegs harten Plastiks, ein griffiges Lederlenkrad mit schicker Aluapplikation, moderne Schalter und Anzeigen, ein frischer Mix, hier ist man sofort heimisch.

Leider hat man aber an einigen Stellen gespart, so fehlen vorne beim Fahrer die Schalter für die elektrischen Fensterheber der hinteren Fenster, das Innenlicht hinten ist nicht an die Türkontakte gekoppelt, das Kofferraumlicht ist eher mager, außerdem gibt es die mittlere Kopfstütze hinten nur gegen Aufpreis von 50,- Euro.

Die Instrumente sind weiß beleuchtet, dazu rote Zeiger, auch alle Anzeigen sind rot beleuchtet, selbst die im Lenkrad, passt alles gut zusammen, denn auch die Spiegelverstellung und die Fensterheber leuchten in sportlichem Rot, was fehlt wäre ein Dimmerlicht von der Decke. Unser Testwagen war mit einem großen Monitor bestückt, und wenn man z.B. auf Radio steht, dann sind auch diese Anzeigen auf dem Bildschirm in Rot gehalten, eigentlich schade, dass das bei anderen Einstellungen dann das Navi auf Blau und das Telefon auf Grün wechselt.

Das Navi ist sehr einfach zu bedienen, aber das sollte man tunlichst nicht während der Fahrt tun, denn die Knöpfchen auf dem Touchscreen sind klein und nah beieinander, das erfordert eine gewisse Aufmerksamkeit, die einem dann für die Straße fehlt. Undauch der Beifahrer riskiert dann schnell mal eine Fehlbedienung, weil man doch die Hand nicht so ruhig führen kann, auch weil der Toledo eher eine straffe Fahrwerksabstimmung zeigt.

Aber das Anhalten dauert nicht lange, denn die Zieleingabe geht schnell, das System hat ratz-fatz die passenden Vorschläge parat. Die Verkehrsführung ist dann auch ganz prima, aber wenn wie in unserem Fall passiert, eine Autobahnausfahrt gesperrt ist und wir eine Ausfahrt vorher nehmen mussten, zeigte sich der elektronische Lotse erst mal unbeirrbar und über viele Kreuzungen oder Abbiegemöglichkeiten hinweg will er seinen Vorschlag „BITTE WENDEN“ befolgt haben. Erst nach einigen Kilometern hat er sich dann die neue Route zu eigen gemacht.

Das Navigationssystem kann nicht nur ganz einfach die letzten Ziele wieder abrufen, es hält auch blitzschnell Sonderziele wie Sehenswürdigkeiten oder auch Parkplätze bereit. In die Karte mit der Verkehrsführung wird auch immer das Tempolimit eingeblendet, aber nicht mit von einer Kamera abgelesenen Verkehrsschildern, sondern so wie es einprogrammiert wurde. Dass führt leider immer wieder mal dazu, dass aktuelle Limits nicht erkannt und angezeigt werden.

Die Sitze in Reihe eins sind ausreichend groß, straff gepolstert und gut zu verstellen, bei der Variante Style unseres Testwagens waren Fahrer- und Beifahrersitz auch in der Höhe einstellbar. Was mir fehlte war eine Lordosenstütze, schon nach 100 km kann man Rückenschmerzen bekommen. Hat man die Armlehne vorne unten, ist sie im Weg, wenn man zur Handbremse greifen will, man tut sich dann schwer diese anzuziehen.

Die Sitzheizung vorne arbeitet sehr schnell, und ebenso schnell und bequem steigt man vorne ein und wieder aus, das Platzangebot ist üppig, die Kopffreiheit riesig und man kommt einfach an den Gurt heran. Hinten hat es dann mit einem 1,80 m Fahrer für einen ebenso großen Mitfahrer auch noch massenhaft Platz, fast 10 cm Freiraum am Knie, Kopfraum auch noch üppig. Der Mittelsitz ist allein schon durch den Kardantunnel und die Mittelkonsole nur als Notlösung zu empfehlen, da sitzt man nicht sehr bequem, außen aber prima.

Vielleicht hat sich Seat deswegen dazu entschlossen, die mittlere Kopfstütze einzusparen und nur gegen Aufpreis anzubieten, die aufklappbare Armlehne macht das Sitzen in der Mitte zusätzlich unbequem. Dahinter befindet sich aber eineschöne große Durchreiche, in der Armauflage gibt es Getränkehalter.

Beim Ausstieg aus der zweiten Reihe müssen die Füße etwas hoch über den Bodenschweller gehoben werden, große Füße stoßen dann auch schon mal an der Türverkleidung an, ansonsten kommt man aber auch bequem wieder raus. Eigentlich nicht der Rede wert: Die Seitenscheiben sind auch hinten voll versenkbar.

Bisweilen wünscht man sich beim Rangieren, man könnte auch das hohe Heck ein wenig versenken. Der Blick durch den Rückspiegel ist durch eine relativ flache und dadurch schmale Heckscheibe gekennzeichnet, zudem ist die Heckscheibe recht hoch angesetzt. Aber auch zur Seite und nach schräg hinten wird die Sicht nicht unbedingt besser, die B-Säule ist schon recht breit und die C-Säule ist dann noch massiver ausgeführt, und eigentlich ist das Ende der Front auch nicht richtig abzusehen, aber schnell kann man das gut abschätzen und dann gibt es ja auch noch für 200,- Euro eine Einparkhilfe.

Der neue Toledo ist ein Seat, also muss sein Fahrwerk einfach straff sein. Und so darf man sich dann auch nicht wundern, wenn grobe Schlaglöcher und Querrillen doch deutlich nach innen zu den Insassen durchdringen. Dafür geht der Spanier richtig flott durch die Kurven, folgt dabei willig der Lenkung und selbst in unserm Slalomtest gab es keine Probleme beim Tanz um die Pylonen.

Dabei zeigt sich der Toledo meist leicht untersteuernd und erst spät macht sich dann das Heck deutlicher bemerkbar, aber dann greift auch schon das ESP, das hier ESC heißt, schützend ein. Selbst Bodenwellen oder Lastwechsel bringen den Toledo so schnell nicht aus der Ruhe, er hält sauber den eingeschlagenen Kurs, die Karosserieneigungen sind nicht sonderlich ausgeprägt.

Und auch der Geradeauslauf ist okay und auf der Autobahn liegt er selbst bei Tempo 200 (laut Tacho, in echt geht er „nur“ 195 km/h) noch ruhig auf dem Asphalt. Die gesamte Geräuschkulisse wird dann natürlich lauter, gibt aber keinen Grund zur Klage. Insgesamt folgt er willig der Lenkung, das Gefühl für die Straße ist gut, die el. Lenkung selbst arbeitet ausreichend straff wenn man flotter unterwegs ist und angenehm leichtgängig beim langsamen Rangieren.

Verlass ist auch auf die Bremsanlage, eigentlich. Wenn man aber auf unebener Strecke zu einer Vollbremsung gezwungen wird, dann wird der Toledo ein klein wenig unruhig, stelltsich ein bisschen quer und schiebt so geradeaus weiter, malt dabei dicke schwarze Striche auf den Asphalt.

Auf ebener Strecke mit gutem Belag bremst er einwandfrei, die schwarzen Striche werden dünner und der Wagen bleibt absolut gerade, steht super spurtreu und ohne Fading aus Tempo 100 nach weniger als 37 Metern. Dazu gehen Scheibenbremsen vorne (innenbelüftet) und hinten ans Werk, die über ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung angesteuert werden.
Das Motorenangebot ist breit gefächert, da sollte für jeden was dabei sein. Unser Testwagen war mit dem 1,2 Liter TSi Vierzylinder Benzinmotor mit 77 kW/105 PS bei 5.000 U/min ausgerüstet, den wir eigentlich rundweg empfehlen können. Der einzige Makel bestand nur darin, dass obwohl er als Ecomotive mit einer Start-Stopp-Automatik ausgerüstet war, diese in den meisten Fällen den Dienst versagte, obwohl alle Parameter eigentlich dafür gesprochen hätten, es war nicht zu kalt, die Klimaanlage war aus, die Batterie sollte nicht geschwächelt haben …

Schon beim Kaltstart und im Stand läuft der Motor kultiviert, erst bei Vollgas wird er ein wenig kerniger, aber nie aufdringlich. Und wenn er richtig Drehzahl hat, hängt er wirklich sehr gut am Gas, das Downsizing hat hier bestens funktioniert, zumal das Aggregat auch gut niedertourig zurecht kommt.

Und folgt man der Schaltempfehlung, dann kommt das immer wieder mal vor, denn auch wenn sie beim Raufschalten ganz gut arbeitet, hält sie sich beim Zurückschalten doch lange zurück, da hat man instinktiv schon längst den nächst niedrigeren Gang eingelegt. Na ja, eigentlich greift man auch ohne die Schaltempfehlung gerne zum gut in der Hand liegenden Schaltknauf, denn die bei dieser Variante serienmäßige Sechsgang-Schaltung arbeitet sehr gut, der Schalthebel gleitet auf knackig kurzen Wegen sauber geführt und angenehm straff durch die Kulisse, man kann wenn man will auch jeden Gang schnell einlegen und auch die Abstufung und die Anschlüsse passen. Wenn, dann stört nur der Ruckler über die Leerlaufstellung.

Zurück zum Motor, der Vierzylinder stemmt ein maximales Drehmoment von 175 Nm zwischen 1.550 und 4.100 Nm auf die Kurbelwelle und beschleunigt den Toledo in 10,3 Sekunden von Null auf Hundert, macht ihn bei Bedarf 195 km/h schnell. Nach einer kleinen Anfahrschwäche zieht der Motor vehement los, hat richtig guten Bums. Wenn man ihnso richtig flott beschleunigt, spürt man allerdings die Kraft, die auf die Vorderräder wirkt ein wenig in der Lenkung.

Im gemischten Verkehr mit ein bisschen mehr Strecke sind wir auf 4,9 Liter gekommen, um drunter zu liegen muss man schon sehr langsam machen. Ansonsten fährt man ihn zwischen 5 und 6 Litern im Alltag, dafür dass man dann richtig flott ist eine feine Sache. Bei der Mix-Verbrauch-Werksangabe von 5,1 Litern auf 100 km stößt der TSi 118 g/km CO2 aus.
So bei 130 auf der Autobahn im 6. Gang dreht er mit ca. 2.800 Touren und verbraucht so um die 5,6 Liter, muss man häufiger vom und wieder aufs Gas sind es auch mal 1-2 Liter mehr, so können es bei Tempo 160 auch schnell mal 9,5 Liter werden. Selbst bei diesem Tempo ist der Motor nur als angenehm dunkles Brummen zu vernehmen, die Windgeräusche werden dann so langsam stärker.

Dieses Kapitel könnten wir eigentlich überspringen. Nichts besonderes, alles so wie man es erwartet, absolut Standard eben. Will heißen, sechs Airbags (Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer, Windowbags für vorne und hinten), Dreipunktsicherheitsgurte, vorne höhenverstellbar und mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern.

Die Kopfstütze für den Mittelsitz in Reihe zwei muss extra geordert werden, ISOFIX ist hingegen auf den Außensitzen hinten serienmäßig.

Die Bandbreite der angebotenen Toledo-Modelle ist groß, diverse Motoren und Ausstattungsvarianten stehen zur Wahl. Unser Testwagen mit dem 1.2 TSi-Motor mit 77 kW und Start-Stopp kostet in der Variante Style 19.520,- Euro.

Die Ausstattung umfasst dann u.a. Aluflegen, Tirefit Reifenreparatur-Set, el. Fensterheber vorne und hinten, Tagfahrlicht, el. Servolenkung, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, ein Multifunktions-Lederlenkrad, ein Seat Sound System, Nebellampen mit Abbiegelicht, ein Ablagepaket, Klimaanlage, höhenverstellbare Vordersitze, Make-up-Spiegel in beiden Sonnenblenden, Tempomat und ein Bordcomputer.

Aus der Liste der aufpreispflichtigen Extras seien hier noch das Safety Paket mit Berganfahrhilfe und Reifendruckkontrolle für 50,- Euro, das Navigationssystem für 750,- Euro, das Winterpaket mit Sitzheizung vorne, Scheinwerferreinigung und beheizten Scheibenwaschdüsen für 400,- Euro, der Heckscheibenwischer für 75,- Euro, die Einparkhilfe für 200,- Euro und die Metallic-Lackierung für 470,- Euro genannt.

DieVersicherungseinstufung für den 105 PS TSi liegt bei 18 für die Haftpflicht, 19 für die Voll- und 17 für die Teilkasko. Ein insgesamt feines Angebot, da will man eigentlich nur noch losfahren …

Stand: August 2013; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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