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Seat Mii – Ein Drilling kommt selten allein.

Der Name Mii ist ein Kunstwort, das Auto nur eine Spielerei? Nein! Trotz der knappen Abmessungen bietet der Seat Mii ein gutes Raumangebot und selbst in der Dreitürer-Variante bis zu vier Personen Platz. Wenn auch baugleich mit dem VW up! und dem Skoda Citigo setzt der fahrspaßorientierte Stadtflitzer auf Eigenständigkeit und versucht die markeneigene Designlinie umzusetzen. Das Konzept wirkt absolut jung und frisch, spricht aber bei weitem nicht nur diese Käuferschicht an. Los geht der Spanier bei 8.990,- Euro, das dreitürige Topmodell liegt dann schon bei 10.685,- Euro – und es gibt noch Extras …

Sportiv aber dennoch praktisch, diesem Eindruck entspricht auch das Design, das gerade in Form des markentypischen Kühlergrills im „Arrow Design“ auf Familienzugehörigkeit setzt.

Dennoch ähnelt dieser Zwerg sowohl an Front wie auch am Heck spürbar dem Skoda Citigo, der VW up! geht hier einen anderen Weg. So ist die Heckklappe beim Mii in Wagenfarbe lackiert und die Rückleuchten sind in veränderter Optik ausgeführt.

Welches Styling Sie letztlich mehr anspricht bleibt Ihrem persönlichen Geschmack überlassen.

Im Innenraum unterscheiden sich die Drillinge im Grunde nur durch die Lenkräder, das im Fall des Seat Mii zweifelsohne den ersten Platz verdient hat. Denn mit silberner Applikation versehen, in Leder gehüllt und angenehm dick ausgeführt, hebt sich die gesamte Anmutung spürbar von den „billig“ wirkenden Derivaten der Schwestermodelle ab.

Ohnehin kann sich der Wolfsburger wie sonst üblich in Bezug auf Verarbeitung und Wertigkeit nicht von den anderen absetzen.

Kennzeichnend für alle Modelle ist die reduzierte und nüchterne Gestaltung, dasreichlich verbaute Hartplastik sowie das auch im Cockpit herausstechende Blech der äußeren Hülle. In Kombination mit der roten Außenfarbe und dem grau glänzenden Armaturenbrett macht sich diese Lösung in unserem Testwagen aber richtig gut.

Ebenso einfach wie selbsterklärend ist auch die Bedienbarkeit gehalten. Die wenigen Schalterelemente liegen zudem griffbereit in optimaler Höhe.

Und auch wenn die Lösung der elektrischen Fensterheber mit nur einer Taste auf der jeweiligen Türseite noch zu entschuldigen ist – in der Einstiegsversion kommen ohnehin nur altertümliche Fensterkurbeln zum Einsatz – so gibt jedoch die Lenkradjustierung Anlass zur Kritik.

Denn während der Schalter für das Beifahrerfenster für größer Gewachsene mühelos zu erreichen ist, so bleibt einem die Möglichkeit den einzig in der Höhe zu verstellenden Lenkstockhebel auch in der Weite anzupassen, verwehrt.

Des weiteren verdeckt der Lenkradkranz in den tieferen Einstellungen die Instrumenteneinheit, versehen mit einem mittig angeordneten und groß ausgeführten Tacho und zwei danebenliegenden Rundinstrumenten. Allerdings gibt auch dann noch die digitale Anzeige den Blick frei auf die gefahrene Geschwindigkeit.

Ausstattungsabhängig ist die Ausführung des Handschuhfaches. Während dieses in der Basisversion noch offen gehalten ist, können ab der Variante Style Kleinkram in einem geschlossenen Fach untergebracht werden, Stifte sowie eine Brille finden außerdem in entsprechenden Halterungen ihren Platz.

Wer den fairen Aufpreis von 350,- Euro investiert, erhält zudem das SEAT Portable System. Diese innovative Infotainment-Lösung, dessen 5-Zoll-Bildschirm mittig auf dem Armaturenbrett seinen Platz findet und bei Bedarf im Handumdrehenauch herausnehmbar ist, umfasst nicht nur ein Navigationssystem, sondern verfügt auch über eine Telefon-Freisprechanlage (Bluetooth) mit Sprachbedienung sowie einen Bordcomputer.

Was die Sitze betrifft, lässt der Mii die von Seat gewohnte rassige Sportlichkeit leider vermissen, obwohl die Optik mit integrierten Kopfstützen zunächst darauf schließen lässt, so geht das Gestühl für einen Kleinwagen zwar in Ordnung, lässt aber gerade eine Lordosenstütze vermissen. Ebenso fehlt uns eine Gurthöhenverstellung, eine feinere Lehnenverstellung und die Möglichkeit, den Beifahrersitz auch in der Höhe zu verstellen.

An was es uns in Reihe eins keineswegs mangelt ist das Platzangebot. Selbst Großgewachsene fühlen sich hier wohlig aufgehoben und alles andere als eingeengt. So luftig geht es im Fond leider nicht mehr zu, und so wird es für 1,80 Meter große Insassen deutlich knapper, die Kopffreiheit ist allerdings auch dann noch großzügig.

Die Rückbank erreichen wir an sich für diese Fahrzeuggröße und in Anbetracht der Dreitürer-Ausführung recht problemlos. Wenn es das Umfeld hergibt, öffnen die Türen sehr weit und der Sitz fährt großzügig nach vorn. Allerdings muss das Fahrzeug mit dem Seat Pack ausgestattet sein, sonst merkt sich der Sitz nicht die ursprüngliche Stellung und der Mii ist auch nur dann mit einem höhenverstellbaren Fahrersitz sowie einer im Verhältnis 60:40 geteilt umklappbaren Rückbank bestückt.

Dann lässt sich der Kofferraum flexibel von gerade mal 251 Liter auf bis zu 951 Liter erweitern, ein Entnehmen der Kopfstützen ist dabei nicht von Nöten. Allerdings muss die Gepäckraumabdeckung von Hand hoch- bzw. heruntergeklappt werden. Mit Blick auf den Preis haben die Verantwortlichen auchauf eine ansprechende Verkleidung des Ladeabteils verzichtet.

Erfreulicherweise aber nicht auf einen variablen Laderaumboden, dieser schafft dabei eine ebene Ladefläche und reduziert die enorme Höhe der Ladeschwelle. In dieser Einstellung hält der Mii unter dem Boden 115 Liter bereit.

Wer jedoch Getränkekisten transportieren möchte, muss den Zwischenboden herausnehmen um an Höhe zu gewinnen. Dann wiederum muss das Gepäck nicht nur weit hineingehoben sondern auch wieder herausgewuchtet werden. Hierbei entstehen rasch unschöne Kratzer an der ungeschützten und sehr hohen Ladekante sowie der Stoßstange.

Während die Heckklappe weit genug aufschwingt, birgt das Schloss die Gefahr, dass sich größere Passagiere doch den Kopf stoßen.

Die Feder-/Dämpferabstimmung entspricht einem guten Kompromiss, einzig grobe Schlaglöcher schlagen spürbar durch und bei Fahrten über Kopfsteinpflaster verliert sich der Komfort im lautstarken Klappern.

Wie von einem 3,56 Meter kurzen Gefährt nicht anders erwartet, zeigt sich der Mii in der Stadt von seiner wendigen Seite und kann nicht nur mit einem Wendekreis von 9,8 Meter aufwarten, sondern findet auch in der kleinsten Lücke seinen Platz.

Die Lenkung sorgt dabei für ein handliches Gefühl und arbeitet gerade beim Rangieren angenehm leichtgängig. Mit zunehmender Geschwindigkeit wird sie straffer und der Mii folgt direkt und willig den Lenkbewegungen.

Diese sowie die straffe Auslegung kommt uns abseits der City zu gute und so flitzen wir mit dem kleinen Mii wieselflink durch die Kurven. Zwar untersteuernd und teils nervös, darf man sich hiervon nicht verunsichern lassen. Denn letztlich haben nicht nur wir mühelos sondern auch das spürbar eingreifende ESP, den Spaniersicher im Griff.

Der sportlich ambitionierte Fahrer kann den Seat Mii optional auch mit dem Sport-Paket ausstatten, das nicht nur über ein dementsprechendes Fahrwerk verfügt, sondern den Wagen auch um 15 Millimeter tief legt.

Die Bremsleistung des Mii erwies sich während unserer Testphase als solide und zuverlässig, schnell ansprechend verzögert der Kleine auch aus Vollbremsungen aus Tempo 100 sicher, wenn auch mit starkem ABS-Rubbeln und Eintauchen der Karosserie.

Drei Einliter-Aggregate stellt Seat dem Mii zur Seite, dabei sind die Ottomotoren stets mit drei Zylindern bestückt. Die Leistungsstufen reichen von 44 kW / 60 PS über die Erdgasvariante mit 68 PS bis hin zu der von uns gefahrenen 75-PS-Version.

Die Leistungssteigerung erreichen die Ingenieure durch eine veränderte Motorsteuerung, das maximale Drehmoment liegt unverändert bei 95 Newtonmeter.

Somit schafft der stärkste Mii den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 in 13,2 Sekunden, begleitet wird der Vortrieb stets von einem niedlichen 3-Zylinder-Brummen. Kernig, aber keineswegs störend, entfaltet sich der Motor akustisch auch bei Erreichen der Höchstgeschwindigkeit von 171 Stundenkilometern.

Während die reinen Zahlen ganz klar für einen Kleinwagen sprechen, so vermittelt der Spanier im realen Fahrbetrieb durchaus ein spritzigeres Fahrgefühl, gerade was die Stadtfahrten betrifft. Auf der Autobahn ist es einem zumindest möglich, gut mitzuschwimmen, mehr sollte man aber auch nicht erwarten.

Dass wir unter diesen Bedingungen die von Seat angegebenen 4,7 Litern im Schnitt um einen halben Liter verfehlt haben, ist natürlich verständlich. Das Spritspar-Modell (Ecomotive) mit abgesenkter Karosserie, rollwiderstandsarmen Reifen sowieBremskraftrückgewinnung und einem Start-Stopp-System soll sich sogar mit 4,3 Litern auf hundert Kilometer begnügen.

In Verbindung mit dem gut geführten Fünfgang-Schaltgetriebe liegt dem Mii durchaus eine schaltfaule Vorgehensweise, die serienmäßige Schaltempfehlung ist ohnehin genau darauf ausgelegt.

Ausstattungsfeatures wie Fahrer- sowie Beifahrerairbag und Seitenairbags schützen die Insassen im Falle eines Crashs bestmöglich, Kindersitze lassen sich im Fond an Isofix-Verankerungen und Top-Tether-Befestigungen sicher fixieren.

Der City Safety Assist warnt den Fahrer in einem Geschwindigkeitsbereich von 5 bis 30 km/h nicht nur bei drohenden Unfällen, sondern leitet bei mangelnder Reaktion sogar eine automatische Bremsung ein um damit einen Aufprall zu schwächen oder gar zu verhindern.

Während die Basis für 8.990,- Euro einzig einen günstigen Einstieg bietet und ausschließlich mit dem kleinen Aggregat kombinierbar ist, muss sie zudem auf eine Radiovorrichtung und eine Servolenkung verzichten.

Die Versionen Reference und Style stellen da eine deutlich bessere Wahl dar und sind in Verbindung mit allen drei Motorisierungen erhältlich.

So müsste der Kunde für unser dreitüriges Topmodell 10.685,- Euro hinlegen, der 75 PS starke 1.0 ist darüber hinaus mit Start-Stopp-System (+400,- Euro) oder einem automatisierten Fünfgang-Getriebe erhältlich (+700,- Euro).

Elektrische Fensterheber, eine Zentralverriegelung, in Wagenfarbe lackierte Außenspiegel, die zudem elektrisch verstell- und beheizbar sind, gehören dagegen zum serienmäßigen Umfang, wie auch Leichtmetallräder, ein Lederlenkrad und die asymmetrisch teilbare Rückbank.

Eine weitere Aufwertung findet der kleine Spanier in Form von denzusätzlichen Style-Packs Chic oder Sport wie auch den diversen Sonderausstattungen, darunter das tolle Panorama- Glasschiebedach, die Klimaanlage, das Soundsystem oder das portable Navigations- und Entertainment-System.

Stand: August 2013; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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