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Seat Ibiza Cupra – Geliebter Giftzwerg

Wobei, giftig ist der kleine Spanier eigentlich nicht, zumindest nicht im negativen Sinne. Steht das traumhafte 7-Gang-DSG auf „Normal“, benimmt sich der Cupra auch ganz so, wechselt man jedoch auf „S“, dann verändert das Fahrzeug praktisch seinen Charakter. Dann wird aus dem Alltagsauto ein geiles Sportgerät, das richtig giftig los beschleunig und dabei herrlich aufbrüllt, man ist so schnell wie ein Porsche, na ja, man fühlt sich zumindest so. Er hängt gierig am Gas, schaltet später und hält stets die Drehzahl hoch, so dass man immer richtig Dampf an der Kette hat. Dass man dann auf schlechter Straße das Lenkrad gut festhalten sollte und den Cupra mit etwas Nachdruck auf Kurs halten muss ist klar und stört kein bisschen, vor allem weil er super auch durch enge Kehren flitzt und bei einer Vollbremsung auch auf schlechter Straße prima in der Spur bleibt. Dass so viel Fahrspaß nur 23.590,- Euro kostet …


Da steht er vor uns, der Cupra, der schnellste Ibiza mit 180 PS. Und wer nicht so genau hinsieht merkt das gar nicht. Denn erst mal trägt er das Blechkleid aller Seat Ibiza, dass der obere Kühler ganz in Schwarz daher kommt und darunter ein paar zusätzliche Lüftungsschlitze stecken … geschenkt.

Die Kühleröffnung darunter wirkt allein durch den schwarzen oberen Teil größer als z.B. beim FR, letztlich liegen die Unterschiede aber nur in der Rasterung der Kunststoffeinsätze. Eine zusätzliche Spoilerlippe oder irgend so was sucht man vergebens. Schade eigentlich …
Und eigentlich hätten wir uns auch ein paar Seitenschweller am Cupra vorstellen können, aber auch hier bleibt er ganz Ibiza, in der dreitürigen Version natürlich. Einzig die schwarzen Außenspiegel deuten ein wenig auf den Sportler hin.

Also dann das Heck … Ja, hier trumpft der Cupra mit einer eigenen Heckschürze mit mächtigem Diffusor auf, in dem ein dicker Auspuff steckt, also zumindest mal eine dicke Manschette. Und links und rechts sind dann auch noch zusätzliche Luftöffnungen angedeutet. Der Dachkantenspoiler ist vom normalen Dreitürer übernommen. Sie brauchen also keine Angst haben, dass Ihr Auftritt zu prolliggerät …

Wir nehmen es mal gleich vorweg … Auch innen sind die Unterschiede des Cupra zu den anderen Ibiza nur marginal. Es geht dunkler zu, was vor allem dem sportlich-schwarzen Dach zu verdanken ist, und auch die Applikationen im Lenkrad sind dunkel statt hell, dunkel glänzend auch die Abdeckung über dem Kombi-Instrument.

Das Lenkrad ist herrlich dick und griffgünstig ausgeformt, der untere Teil ist abgeflacht … aber auch das kennen wir schon von unserem letzten Ibiza FR-Test. Und von dort kennen wir auch die Sitze, zumindest was die Beschaffenheit und Ausformung angeht. Lediglich das Design wurde mit hellen Nähten und Kunstledereinsätzen in Form dynamischer Streifen, die dann auch in den Türverkleidungen wieder auftauchen, etwas aufgepeppt. Sehr schön machen sich auch die silbernen Schaltpaddels, deren „+“ und „-“ auch Rot beleuchtet sind.

Ein wenig aufgepeppt wurden auch die beiden Rundinstrumente mit teils grauer Unterlegung und weißen Zeigern, passend zu den Nähten in Sitz und Lenkrad. Die Radiofernbedienung ist nicht viel näher wie das Radio selbst, sie geht aber vor allem dann nicht, wenn die Zündung nicht an ist. Der Bordcomputer hält – wie im VW-Konzern mittlerweile üblich – den Durchschnittsverbrauch zwei mal vor. Auf „1“ wird er immer wieder automatisch beim Neustart genullt, auf „2“ nicht.

Die Mittelkonsole kommt so manchem Fahrer mit einer noch dazu brettharten, ungepolsterten Ausformung nah, besser gesagt deren Kniescheibe, da mag man gar nicht an einen Unfall denken. Fast unverständlich, denn an anderen Stellen weiß man wie man eine weiche Abpolsterung hinbekommt. Die Materialien greifen sich weitgehend auch schön an … bis auf das Hartplastik oben an der Tür.

Ganz oben auf dem Armaturenbrett ist der Bildschirm des Navigationssystems angeflanscht und liegt hier gut im Blick – ist zudem auch mobil zu benutzen. Es ist einfach zu bedienen, findet sehr schnell die richtigen Straßen oder Orte und macht entsprechend früh seine Vorschläge. Die Bedienung erfolgt über den Touchscreen und das Gute daran ist, dass wenn man es gewohnt ist, mit dem PC zu arbeiten, findet man sich schnell zurecht, denn die Buchstaben sind auch hier wie aufdessen Tastatur angeordnet.

Aber nicht während der Fahrt rangehen, denn selbst der Beifahrer findet durch die Straßenunebenheiten nur selten eine ausreichend ruhige Hand um die richten Buchstaben zu treffen. Auch hier werden Tempolimits eingeblendet, aber auch hier nur so wie einprogrammiert, nicht per Schildererkennung, das birgt das Risiko nicht aller erfasster Limits.

Wenn man ein Ziel ausgesucht hat, schlägt das System meist mehrere Strecken vor, weicht man davon ab, kommt er schnell – schon nach der nächsten Kreuzung – auf die neue Route. Leider wirkt die Sprachführung an manchen Stellen ein wenig gestöpselt oder wie mit zwei Stimmen gesprochen. Das Navi zeigt neben der eigentlichen Route auch immer noch viele Dinge drum rum, wie z.B. Apotheken, Tankstellen etc.

Ganz sportlich hüllt sich natürlich auch das Dach des Cupra in Schwarz, das Lenkrad ist in Höhe und Weite verstellbar, die Gurte vorne sind leider nicht in der Höhe verstellbar, das führt dazu, das vielen Personen der Gurt unangenehm eng am Hals verläuft. Ansonsten gibt es über die Sitze nichts schlechtes zu sagen, die Sportsitze sind angenehm straff, gut ausgeformt und halten die Insassen so auch prima fest. Einzig eine Lordosestütze könnte nicht schaden.
Der Einstieg vorne gelingt bequem und einfach, vor allem wenn genügend Platz vorhanden ist um die großen Türen weit genug öffnen zu können. Es geht natürlich etwas tiefer runter, aber schließlich handelt es sich ja auch einen echten Sportwagen.

Nach hinten ist der Einstieg auf der Beifahrerseite einfacher als auf der Fahrerseite, der Sitz fährt hier auch automatisch mit nach vorne und der Sitz merkt sich die ursprüngliche Stellung, beim Fahrer klappt nur die Lehne vor. So kommt man dann auf der Beifahrerseite ganz bequem nach hinten und sitzt hier gar nicht mal so schlecht. Zwei haben hier ordentlich Platz, als 1,80 m Mensch hinter einem 1,80 m großen Fahrer hat man auf Grund der stark ausgehöhlten Sitzlehnen durchaus geradeso Platz. Der Kopffreiraum ist dann aber auch zu Ende, vor allem weil man hinten relativ steil sitzt.

Muss man beim Einsteigen nach hinten ein wenig auf seinen Kopf aufpassen, kann es sein, dass man beim Raus mitdem Rücken am Dachrand anstößt.

Der Seat Ibiza Cupra ist aber nicht nur Sportwagen, er kann auch ganz praktisch. Die Heckklappe öffnet schön weit, da muss man schon über 1,85 m groß sein, soll der Kopf in Anstoßgefahr geraten – zwei Griffe helfen sie wieder zuziehen. Jetzt kommt die gut geschützte Ladekante und davor die nicht geschützte Stoßstange, die Höhe ist soweit okay. Unter dem Boden liegt ein vollwertiges Ersatzrad mit Alufelge, dazu diverse Fächer neben dem Wagenheber und Bordwerkzeug.

Ein bisschen mühsam ist es, die Sitze hinten umzuklappen, denn durch die fehlenden hinteren Türen kommt man für die Um- und Zurück-Klapperei natürlich nicht so gut ran. Es werden erst die Sitzflächen hoch- und dann die Lehnen vorgeklappt, die Kopfstützen bleiben dran. Und es bleibt hinten eine kleine Stufe und auch ein Schlitz, der durchaus auch schon mal was verschlucken kann, außerdem bleibt die Ladefläche nach vorn leicht ansteigend.

Der Cupra ist die sportlichste Version bei Seat und hat auch ein extra sportlich abgestimmtes Sportfahrwerk an Bord. Damit geht der Dreitürer beim Slalomtest wunderbar geschmeidig um die Pylonen, mit ganz wenig Karosserieneigung, und er folgt sehr willig der Lenkung, die arbeitet sehr direkt und zielgenau, er quietscht kaum mit den Reifen und gibt ein sehr gutes Gefühl für die Straße ab, auch in schnellen Kurven, die er nur ganz leicht untersteuernd nimmt. Lastwechselreaktionen kommen nicht auf.

Da sollte es natürlich nicht verwundern, dass Schlaglöcher und Querrillen deutlich nach innen poltern, da geht dann auch häufig das ganze Auto mit in die Knie, und das kriegen die Insassen deutlich zu spüren. Zum Glück haben wir nicht überall schlecht gepflegte Straßen …

Bei einer Vollbremsung schmeißt sich der Cupra vehement in die Eisen, taucht dabei zwar vorne tief ein und quietscht auch heftig, steht aber schnell und sicher, unter 35 Meter aus Tempo 100. Bei wechselndem Untergrund oder schlechter Straße wird er zwar ein wenig unruhiger und man sollte vorsichtshalber die Hände fest am Lenkrad haben, aber er bleibt sauber in der Spur. Wie sportlich er ist unterstreicht der Cupra auch optisch mit rot lackiertenBremssätteln der Scheibenbremsen vorn und hinten, dazu ABS, elektronische Bremskraftverteilung, Notbremsassistent … alles natürlich Serie.

Und auch beim vollen Beschleunigen geht eine schlechte Strecke spürbar in die Lenkung, zudem drehen die Räder durch, da kann die Elektronik, die den Cupra sonst gut und wenig aufdringlich im Griff hat, auch nichts mehr machen.

Als Cupra gibt es den Ibiza nur mit dem 132 kW/ 180 PS Motor – und das ist gut so. Das Aggregat arbeitet mit Benzindirekteinspritzung und Doppelaufladung, einem Kompressor in Kombination mit einem nachgeschalteten Abgasturbolader. Er hat einen schönen Sound, vor allem wenn man ihn voll fordert und dabei das DSG auf „S“ stellt. Das ist herrlich animierend. Geht man hier voll aufs Gas, beschleunigt man so schnell wie ein Porsche – na ja, man fühlt sich zumindest so schnell.

Aber auch in echt vergehen gerade mal 6,9 Sekunden, bis aus dem Stand die Marke von 100 km/h erreicht sind, und bleibt man am Gas, dann ist erst bei 228 km/h Schluss. Und auch dieses Tempo absolviert der Cupra souverän.

Allerdings spürt man die Power auch ganz deutlich im Lenkrad, vor allem, wenn man ihn auf unebener Piste richtig fordert, da haben dann der Fahrer und die Elektronik beide Hände voll zu tun, den Cupra richtig auf Kurs zu halten. Auf sauber asphaltierter Strecke ist davon nichts zu spüren.

So beim normalen Fahren, Mittel- und Kurzstrecken gemixt mit Stadtverkehr kommt man mit 5,6 Litern hin, aber eher gemächlich gefahren. Wenn man eher flotter fährt, liegt man so um die 6 Liter – ein immer noch guter Wert für die gebotene Leistung.

Der Clou ist aber einfach das 7Gang DSG, das Doppelkupplungsgetriebe. Das ist ein automatisiertes Schaltgetriebe, das mit zwei Teilgetrieben praktisch ohne Zugkraftunterbrechung die Gänge wechselt. Während die eine Kupplung schließt, öffnet die andere. So sind praktisch kaum Schaltrucke zu spüren, man sieht nur am Drehzahlmesser wie der Zeiger – und mit ihm natürlich die Drehzahl – von einem Wert zum anderen springt, besser gesagt fällt. Man kann auch manuelle ins Geschehen eingreifen, entweder mit den Schaltwippen am Lenkrad oder am Wählhebel.

Wechselt man hier von „D“ auf„S“, hat man das Gefühl auch gleich das Fahrzeug gewechselt zu haben. Bummelt man gerade so mit 70 oder 80 über die Landstraße auf „D“ im 7. Gang und stellt auf „S“, dann geht es gleich mal zwei oder auch drei Stufen zurück, schon allein der Sound animiert sofort und jetzt hängt der Cupra gierig am Gas. Er geht richtig geil ab, schaltet früh und schnell zurück wenn er merkt, man braucht mehr Power, dreht herrlich hoch und brüllt schön auf, schon das vom Gas gehen reicht, damit er zurück schaltet und so hat man immer optimalen Vortrieb. Durch die sieben Stufen passen die Anschlüsse bestens.

Wenn man sich so gehen lässt und den Rausch des Tempos, des Vortriebs, des geilen Sounds und der faszinierenden Arbeit des DSG genießt, sollte man sich aber auch nicht wundern, wenn der Verbrauch auf 9 und leicht auch auf 10 Liter steigt. Ganz nebenbei: sehr schön schaltet das DSG wenn es bergab geht auch zurück, sodass man auch nicht ständig bremsen müsste.

Frontairbags, Kopf-Thorax-Seitenairbags vorne, Dreipunkt-Automatik-Sicherheitsgurte rundum, vorne mit pyrotechnischem Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer sowie ein ISOFIX-Kindersitz-Sicherungssystem im Fond sind serienmäßig an Bord.

Dazu die bereits beschriebenen Systeme ESP, ABS, elektronische Bremskraftverteilung und Bremsassistent.

Den Seat Ibiza SC Cupra gibt es nicht nur mit dem einen 1,4 TSI Motor mit 180 PS sondern auch nur in einer Ausstattung. Und die hat für 23.590,- Euro nicht nur die ungezügelte Fahrfreude am Bord, sondern auch u.a. elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Climatronic, Bi-Xenonlicht mit LED-Tagfahrlicht und Nebellampen mit Kurvenlichtfunktion, das Sportfahrwerk, die Sportsitze vorne, 17 Zoll Alufelgen, das Navi „Seat Portabel System“, einen automatisch abblendenden Innenspiegel, das Cupra-Lenkrad, hinten dunkel abgetönte Schieben, Coming Home Funktion und noch so einiges mehr.

Aus der Aufpreisliste möchten wir an dieser Stelle nur die Metallic-Lackierung für 480,- Euro, die Ledersitze für 905,- Euro, das Raucherpaket für 35,- Euro, das Panorama-Glasdach für 720,- Euro sowie die Einparkhilfe vorne und hinten für 400,- Euro nennen. Die dritte Kopfstütze hinten für 60,-Euro kann man sich getrost sparen, dort sitzen allenfalls zwei Personen bequem.

Die Versicherungseinstufungen HPF 16, VK 22 und HK 23 verlangen nur bei den Kaskoeinstufungen einen kleinen Expressaufschlag.

Stand: Oktober 2013; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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