// Fahrbericht / Renault Latitude

Renault

Renault Latitude

Er macht schon was her, bietet eine Ganze Menge, und doch tut er sich wie viele seiner Mitbewerber schwer, gegen die etablierten Premium-Modelle vor allem aus Deutschland zu bestehen. Und für eine obere Mittelklasse zeigt er doch gewisse Verarbeitungsschwächen im Innenraum. Das Platzangebot ist gut, die Ausstattung auch, das Fahrwerk offenbart wie auch die eher gefühllose Lenkung einige Schwächen, die Bremse ist tadellos und so steht er aus Tempo 100 nach 36 Metern. Der Motor gibt sich ausreichend spritzig, macht den Wagen bis zu 205 km/h schnell, legt man es drauf an, kann man auch mit nur 5,4 Litern Diesel unterwegs sein, immer dabei ist eine sanfte Sechsstufen-Automatik. 36.600,- Euro würde er eigentlich kosten, doch man kann ihn – warum auch immer – nur finanzieren?!?!

Würde man am Renault Latitude die Markenlogos entfernen, würde wohl kaum jemand den Franzosen erkennen. Denn die 4,90 m lange Limousine ist ein seltener Gast auf unseren Straßen. Dabei kann der Latitude allein von seiner Optik her schon gut gefallen.

Die Front wird dominiert von einem großen Kühlergrill, der sich komplett in Chrom hüllt und von großen Klarglasscheinwerfern flankiert wird, die sich bis weit in die Seite ziehen. Darunter demonstriert die Frontschürze mit zusätzlichem Lufteinlass durch große Fahrzeugüberhänge die Größe der Limousine.

So geht es auch am Heck weiter, das mit einem coupéähnlich auslaufenden Dach weit über die Radhäuser hinausläuft. Wie an der Front ziehen sich auch hier die Rücklichter weit in die Seitenlinie, eine breite Chromspange verbindet beide und nimmt die Kofferraumentriegelung und Nummernschildbeleuchtung auf.

Ein angedeuteter Difussor demonstriert Sportlichkeit, wird dabei von massiven Seitenschwellern unterstützt. Edler Chrom umspielt auch die Seitenfenster und endet mit einer breiten Leiste in der C-Säule. Dazu gesellen sich echte Türgriffe, mit denen die großen Türen bequem zu öffnen sind, sie fallen sanft und miteine satten Plopp zurück ins Schloss.

Scheinbar haben sich im Mutterland des Latitude die ehemals rauen Parksitten gebessert, zumindest kommt Renault vollkommen ohne Rammschutzleisten aus. Die Spaltmaße sind eng und exakt. Also steigen wir mal ein und schauen, was der Latitude innen so zu bieten hat.
Der Ein- und Ausstieg gelingt sehr bequem, vor allem vorne, in der zweiten Reihe muss man ein wenig auf den Kopf aufpassen, die sanft abfallenden Dachlinie bringt den Dachholm bedrohlich nahe an den Kopf.

In den Vordertüren ist ein rot/weißes Licht verbaut, das den Einstiegsbereich beleuchtet und zugleich den von hinten kommenden Verkehr warnt. Die hinteren Türen besitzen nur ein rotes Katzenauge.

Bleiben wir gleich mal hinten sitzen. Hier hat man als 1,80 m Mensch noch genügend Beinfreiheit, selbst wenn der Vordersitz weit hinten steht, und auch wenn der Einstieg mit drohendem Kopfanstoß etwas anderes vermuten lässt, ist auch die Kopffreiheit hinten üppig. Die Kopfstützen reichen zumindest bis 1,80 m aus. Beim Raus bleibt man hinten dann zwar nicht hängen, aber im Fußraum wird es etwas eng.

Also nichts wie vorne rein, das Platzangebot ist hier rundum üppig, die Sitze sind ausreichend groß, straff gepolstert und ordentlich ausgeformt, die Sitzverstellung bietet elektrisch natürlich zahllose Möglichkeiten, vor allem für den Fahrer, hier hat man nicht nur Sitzheizung sondern auch eine Massagefunktion und auch die Lordosenstütze ist in drei unterschiedlichen Höhen individuell verstellbar – natürlich auch per Knopfdruck.

Wie sehr dieser Renault bei den Großen mitspielt verdeutlicht auch die Tatsache, dass wenn man die Tür öffnet, der Fahrersitz automatisch nach hinten fährt. Wer kurze Beine hat, muss erst mal nur den Startknopf drücken damit der Sitz in die ursprüngliche Position nach vorne fährt, bevor er dann den Motor starten und dabei auch die Bremse treten kann.

Schön machen sich die Applikationen in der Mittelkonsole aus schwarzem Klavierlack, der taucht dann auch am Lederlenkradwieder auf, aber besonders an der Mittelkonsole zieht er den Staub magisch an. Und gewisse Verarbeitungsmängel was die Passgenauigkeit angeht kann man auch entdecken, ebenso eine ganze Menge Hartplastik.

Das Navi ist sehr einfach zu bedienen, das gesamte Bedienelement kann man schön mit auf der Armauflage aufliegendem Arm bedienen, dazu funktioniert alles rein intuitiv, ohne Fragen aufzuwerfen, und auch die Zielführung geht in Ordnung, obwohl dieses Navi teilweise etwas umständlichere Wege fährt als andere oder der ortkundige Fahrer wählen würde.

Was so gar nicht zum High-Tech-Renault passen will ist die Tatsache, dass er nicht über einen Tipp-Blinker verfügt, bei dem ein kurzes Antippen genügt, und automatisch drei mal geblinkt wird. Dafür sind, wie eigentlich die gesamte Innenraumgestaltung, die inneren Türgriffe in mattem Silber schön gelöst, und insgesamt wurde reichlich Leder verarbeitet, bis hin zum griffgünstigen kleinen Lenkrad, das zweifach verstellbar ist.

Durch dieses blickt man auf schicke Instrumente, die auch richtig schön beleuchtet sind, vor allem die beleuchteten Ringe um die runden Anzeigen können gefallen, leider muss man dafür die Beleuchtung weit hoch drehen und dann ist zum Beispiel die Nullanzeige vom Tank verdammt rot und auffällig.

Die C-Säule ist ziemlich breit und läuft nach hinten noch breiter aus, da ist es schon gut wenn man auf Außenspiegel oder mit Rückfahrkamera einparken kann. Dazu gesellt sich noch eine Einparkhilfe vorn und hinten, allerdings piepst der Renault damit relativ früh und ggf. an vielen Ecken gleichzeitig, das nervt dann auch schon mal. Auch das Piepsen fürs Nicht-angeschnallt-sein – auch hinten – ist schon recht heftig.

Die Schalter für die Sitzheizung und die Massagefunktion, die übrigens sehr fein und auch deutlich spürbar arbeitet, sind direkt links neben dem Sitz, wo auch alle anderen Schalter zur elektrischen Sitzverstellung montiert sind. Beim Beifahrer sind die rechts außen, so kann der Fahrer nicht sehen, was dort eingestelltist. Macht aber nichts, denn wenn der Beifahrer seine Sitzheizung eingeschaltet hat, erscheint ein entsprechendes Symbol im Drehzahlmesser. Leider sind nicht alle Schalter (z.B. Tempomat im Lenkrad) auch beleuchtet.

Wer auf Reisen geht, hat meist auch ordentlich Gepäck dabei. Gut zu wissen, dass der Kofferraum nicht nur eine angenehm niedrige und gut geschützte Ladekante – mit ungeschützter Stoßstange – sondern Verzurrösen hat. Allerdings ist das Ladeabteil nicht nur ziemlich riesig, es fasst immerhin 477 Liter, es ist an den seitlichen Wänden leider ein wenig zerklüftet und vor allem sehr tief, was dort rein rutscht, ist nur mühsam wieder raus zu holen.

Unter dem Ladeboden liegt im Reserverad ein Styroporblock mit Wagenheber und Werkzeug.
Reicht der Kofferraum so nicht aus, genügt ein Zug und die Lehnen der Rücksitze klappen geteilt vor und schon ist richtig viel einzuladen. Allerdings ist die Ladefläche nicht ganz eben und vor allem am Ende der Sitze stört eine Stufe im Boden, wie auch die relativ eingeschränkte Durchladeöffnung. Ist alles verstaut, genügt ein leichter Zug und der Kofferraumdeckel fällt sanft zurück ins Schloss.

Der Renault Latitude ist ein Franzose durch und durch, und doch auch wieder nicht. Denn eigentlich ist das Fahrwerk im Gesamten doch recht straff ausgeführt, und das sorgt dafür, dass vor allem auf kurzen Querrillen die Schläge deutlich nach innen durchdringen. Und dann sorgen richtig dicke Bodenwellen dafür, dass die gesamte Karosserie ziemlich nachschwingt.

Im Slalomtest verhielt er sich dank der strafferen Auslegung recht gutmütig und nur leicht untersteuernd, beim Annähern an den Grenzbereicht wird er dann zunehmend übersteuerend, allerdings zeigte er sich in der Lenkung auch ein wenig indirekt und in schnellen Kurven offenbart sich die Lenkung dann als eher gefühllos. Auch auf der Autobahn wie bei hohen Kurvengeschwindigkeiten hat die Lenkung etwas zu viel Spiel, und ist damit nicht so zielgenau wie man sich das wünschen würde. Viele Kurven, gerade imengeren Bereich, steuert man unwillkürlich falsch an und auf der Autobahn ist man immer wieder ein wenig am Nachlenken. 2 – 3 Zentimeter Lenkbewegung hin und her haben auf das Fahrverhalten überhaupt keinen Einfluss.

Also doch mehr was für den defensiven Fahrstil, und so fühlen sich das Auto wie der Fahrer eigentlich beim Cruisen wesentlich wohler. Denn ab 170 km/h sind zudem ordentliche Windgeräusche zu hören und dann werden auch die Abrollgeräusche merklich lauter. Und weil die Seitenneigungen des Fahrzeugs in schnellen Kurven recht stark ausfallen werden für die Insassen deutlich Fliehkräfte spürbar.

Nichts zu meckern gibt es bei eventuell notwendigen Vollbremsungen. Diese erledigt der Latitude mit Scheibenbremsen rundum, ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistenten souverän, auch auf schlecht ausgebauten Straßen. Aus Tempo 100 steht der Franzose nach 36 Metern, bleibt sauber in der Spur und steht mit ganz wenig Reifenquietschen und nur dezentem ABS-Rubbeln. Dabei spricht die Bremsanlage schnell an und lässt sich im Alltag gut dosieren.

Drei Motoren stehen beim Latitude zur Wahl, neben einem Benziner auch zwei Diesel, von denen unser Testwagen mit dem kleineren mit 127 kW / 173 PS bestückt war. Beim Starten und auch im Stand hört man deutlich, dass es sich um einen Diesel handelt, zudem vibriert er auch ein klein wenig.

Im Fahralltag gibt sich der Selbstzünder ausreichend kultiviert und geht durchaus spritzig und mit schönem Druck zur Sache, dafür sorgen u.a. die 360 Nm maximales Drehmoment, das bei 2.000 Touren zur Verfügung steht. Und so sprintet der 2-Liter Diesel in 9,9 Sekunden auf Tempo 100 und wird bei Bedarf 205 km/h schnell.

Im normalen gemischten Stadt-Land-Verkehr auf kürzeren Strecken haben wir 8,1 Liter im Mix bei normalem Tempo verbraucht. Geht man auf Strecke, dann kommt man schon mit 7,4 Litern aus, dann sind auch Autobahnetappen mit 130 und selten auch mal 170 km/h drin. Zurückhaltende Fahrweise quittiert der Latitude-Diesel mit 5,4 Litern.

Keine Wahlhaben Sie beim Getriebe, der 173 PS-Diesel ist stets mit einer Sechsstufen-Automatik gekoppelt, von der auch bei Vollgas die Gänge sanft gewechselt werden, vor allem beim Kickdown lässt er sich aber doch ne Menge Zeit. Man kann selber Schalten, auch diese Befehle führt die Elektronik sanft und ausreichend schnell aus, aber sie greift relativ früh selbst ein.

Nicht wählen brauchen Sie beim Thema Sicherheit. Alles was die Franzosen für den Renault Latitude anbieten ist zugleich auch schon serienmäßig verbaut.

Also sechs Airbags, doppelte Gurtstraffer auf den Vordersitzen und Gurtstraffer auf den hinteren Außensitzen, Gurtkraftbegrenzer auf allen Plätzen sowie ISOFIX hinten. Dazu gesellen sich die Kopfstützen auf allen Plätzen und die Elektronische Stabilitätskontrolle ESP mit ASR (Antriebsschlupfregelung) mit USC (Untersteuerungskontrolle).

Nicht viel zu wählen gibt es auch bei der Ausstattung, der Farbe und unverständlicher Weise auch bei der Bezahlung. So gibt es den Latitude 175 dCi nur in einer Ausstattung für 36.600,- Euro, und selbst die Metallic-Lackierung ist dann schon drin, allerdings haben Sie auch nur eine ganz kleine Farbauswahl dabei.

Und einfach so kaufen kann man das Auto auch nicht, Renault bietet eigentlich nur verschiedene Finanzierungen an, und dann kostet der Latitude bei 9.000,- Euro Anzahlung z.B. 670,06 Euro bei einer Laufzeit von 48 Monaten und 861,22 Euro bei 36 Monaten.

Lange Aufpreislisten sucht man vergebens, dafür ist aber auch eine umfangreiche Grundausstattung Serie. Und die fängt bei einem Bose-Audio-System u.a. mit 6fach CD-Wechsler an, geht über die Lederausstattung, einer Drei-Zonen-Klimaautomatik, Parfumspender, automatisch abblendendem Innenspiegel, elektrisch verstell, beheiz- und anklappbaren Außenspiegeln, 18 Zoll Alufelgen, elektrischen Fensterhebern vorn und hinten, Tempomat, Bi-Xenonlicht mit dynamischen Kurvenlicht, Licht- und Regensensor, automatischer Parkbremse sowie Einparkhilfe weiter und hört erst beim schlüssellosen Einstieg auf.

DieVersicherungseinstufungen für den Latitude lauten HPF 19, VK 23 und TK 23, die jährliche Steuer beläuft sich auf 190 Euro. Alle zwei Jahre oder – nutzungsabhängig – bis alle 30.000 km ist eine Wartung fällig.

Stand: Dezember 2012; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

Diesen Artikel weiterempfehlen:

ähnliche Beiträge

Kommentare

Keine Kommentare for “Renault Latitude”

Kommentar schreiben

XHTML: Folgende HTML-Elemente sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Archive

banner