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Premium zum Schnäppchenpreis – Hyundai ix55

Mit dem Hyundai ix55 erhält man ab 42.290,- Euro ein SUV, das im direkten Preisvergleich mit seinen Mitbewerbern wie ein Billigangebot anmutet, aber trotzdem ausgesprochen umfangreich ausgestattet ist, eine hochwertige Verarbeitung und feine Materialien zeigt. Unter der Haube schnurrt ein kultivierter 3-Liter V6 Diesel mit 239 PS, der dank einem guten Drehmoment für guten Durchzug sorgt, am Start aber etwas verhalten zur Sache geht und „nur“ 200 km/h schnell wird. Reicht aber aus, zumal er sich bei flotter Fahrweise nicht sonderlich wohl fühlt, erst stark unter- dann übersteuert, mit der Karosserie wankt und sich in der Lenkung verhärtet. Viel Komfort bietet die 6-Gang-Automatik wie auch der gesamte, moderne Innenraum.

Im gediegenen Braun-Metallic macht der ix55 schon von außen deutlich, dass er mehr Pkw denn derber Offroader ist, Chrom rund um den Kühlergrill, die Seitenscheiben, an den Türgriffen und am Heckklappengriff unterstreichen den hochwertigen Charakter. Die glattflächige Form mit den sanften Schwüngen kaschiert geschickt die wahre Größe des immerhin 4,84 m langen SUV.

Damit kein Zweifel an der Geländegängigkeit auftaucht, wurden von der Frontschürze über die Radläufe und den Seitenschwellerbereich bis zur Heckschürze farbig abgesetzte Kunststoffteile angesetzt. Der zusätzliche praktische Nutzen als Schutz vor Kratzern ist dabei nicht zu vernachlässigen.

Neben der Dachreling sorgen vor allem der Dachkantenspoiler und zwei dicke ovale Auspuffrohre für den nötigen sportlichen Touch, markant, schwungvoll und unverwechselbar bilden die Rückleuchten den gelungenen Abschluss.

Und gelungen geht es auch hinter der auf Knopfdruck elektrisch öffnenden und schließenden Heckklappe weiter. Sie schwingt nicht nur weit auf, sondern gibt auch eine für solch ein Fahrzeug angenehm niedrige und gut geschützte Ladekante frei, über die man mühelos das Gepäck einladen kann.

Und davon nicht zu knapp, die 598 Liter Ladevolumen lassen sich problemlos auf biszu 1.746 Liter erweitern, dazu werden die Sitzlehnen der zweiten Reihe vorgeklappt, was aber einen leicht ansteigenden Boden hinterlässt. Unter dem stabilen Boden ist ein weiteres Zusatzfach, in dem auch das Werkzeug sauber verstaut seinen Platz findet, wir haben eigentlich nur eine Gepäckraumabdeckung vermisst.

Apropos finden: Wer mit den fünf Sitzen nicht auskommt, der kann ohne große Mühe zwei weitere Sitze aus dem Kofferraumboden herausklappen, und hier können sogar Erwachsene ganz gut sitzen, auch wenn denen die Kopfstützen schnell zu kurz geraten. Ab 1,80 m Körpergröße geht dann aber auch der Kopfraum zu Ende, der Freiraum im Beinbereich ist okay, zumindest wenn die Sitze der zweiten Reihe nicht ganz hinten stehen. Dass bei sieben Sitzen der Kofferraum auf kaum mehr als 100 Liter schmilzt versteht sich praktisch von selbst.

Die Längsverschiebbarkeit der zweiten Sitzreihe ist eine der Annehmlichkeiten, die die Passagiere neben der individuellen Lehnenverstellung, der Sitzheizung (Serie bei der Premium-Variante) und den richtig üppig bemessenen Platzverhältnissen hier genießen. Nicht ganz optimal ist die Tatsache, dass die Beine zumeist nicht ganz aufliegen und beim Ausstieg wird es, trotz ausgehöhlter B-Säule für die Füße richtig eng. Der Zuggang zur dritten Sitzreihe ist stets recht beengt.

Vor allem in Reihe eins stören die recht breiten Türschweller, hier hat man sich schnell mal die Hosenbeine verschmutzt. Dabei kann man sie auf keinen Fall übersehen, schließlich sind sie beleuchtet. Ansonsten gelingt der Ein- und Ausstieg hier ganz bequem, und bequem nimmt man dann auch auf zwei großen, angenehm straff gepolsterten Sitzen Platz, die für ein Fahrzeug dieser Kategorie ausreichend stark ausgeformt sind. Sehr angenehm ist auch die Tatsache, dass in den entsprechenden Bereichen die Polsterung des Armaturenbrettes weich ausgeführt wurde, ganz bequem lässt sich das Gestühl elektrisch verstellen und beheizen.

Als ganz und gar nicht bequem erwiesen sich jedoch die aktiven Kopfstützen, sie sitzen bei normalerSitzposition so nahe am Kopf, dass man ständig leicht vorgebeugt dasitzt. Will man der Nähe zu den Kopfstützen entkommen, ist man gezwungen die Sitzlehen deutlich flacher zu stellen als es für ein bequemes und vor allem richtiges Sitzen angebracht wäre.

Das war’s dann aber auch schon mit dem Meckern im Innenraum des Hyundai ix55, na, ja, allenfalls die ein wenig kühl wirkende blaue Beleuchtung gefällt vielleicht nicht jedem und ist auch nicht immer gut auf den silbernen Tasten zu sehen, ansonsten kann der Koreaner angefangen beim Mood-Licht – irgendwie haben wir hier nie begriffen was man tun muss, damit es auch von allein wieder ausgeht – über die modernen Bedienelemente und Instrumente bis hin zu den angenehmen Materialien in einem gefälligen und auch hochwertigen Mix und der guten Bedienerfreundlichkeit nur gefallen.

Man vergisst immer wieder, dass man in einem Fahrzeug sitzt, das im Vergleich zu seinen Mitbewerbern vor allem preislich meilenweit entfernt ist. Da lässt es sich doch glatt verschmerzen, dass die hinteren Seitenfenster nicht ganz versenkt werden können, was aber selbstverständlich wie auch vorne elektrisch auf Knopfdruck funktioniert.

Die Entwickler haben für den ix55 einen ordentlichen Fahrwerkskompromiss gefunden, auch wenn die Betonung eindeutig auf dem guten Komfort liegt. Und so zeigt sich der Hyundai in schnellen Kurven auch eine Spur zu weich, schiebt erst deutlich über die Vorderräder und kommt dann schnell mit dem Heck, gut dass ESP an Bord ist. Zudem macht er auch mit deutlichen Karosserieneigungen auf sich aufmerksam, bleibt aber insgesamt gutmütig.

Und so ist auch der Slalomparcour nicht unbedingt das vom ix55 favorisierte Terrain, ein wenig schwerfällig bewegt er sich um die Hütchen und vor allem die enorme Lenkarbeit und die sich beim schnellen Richtungswechsel über die Mittellage stark verhärtende Lenkung verhindern hier eine schnellere Gangart. Im normalen Fahralltag zeigt sich die angenehm straffe Lenkung aber ausreichend direkt und zielgenau, die Rückmeldung ist aber nochverbesserungswürdig.

Also lieber cruisen und dann kann man auch ganz schnell die kleine Gedenksekunde der Automatik vor dem Zurückschalten vergessen und einfach nur deren sehr sanfte Arbeitsweise genießen, die auch bestens mit dem kräftigen Motor harmoniert, von dessen Dieselherkunft man im Inneren kaum etwas mitbekommt. Dafür sind dann aber leider ab Tempo 130 deutliche Windgeräusche zu vernehmen.

Das gilt kaum für die jeweils herrschenden Straßenzustände, sie werden weitgehend weggefiltert und so ist für ein sehr bequemes Reisen im ix55 gesorgt. Und dank des automatischen Allaradantriebs „Interactive Torque Management“, der bei Bedarf blitzschnell vom normalerweise vorherrschenden Frontantrieb auf alle Viere umschaltet ist stest für optimale Traktion gesorgt, trotz der breiten Reifen ist der Geradeauslauf prima und auhc Spurrillen wirken sich kaum aus. Auf Wunsch kann der Fahrer auch per Knopfdruck den Allradantrieb zwingend vorgeben, wenn es dann doch mal von der Straße auf unbefestigte Wege gehen soll, wo der ix55 ebenfalls eine gute Figur macht. Jenseits der Tempo 38 wird automatisch wieder zurückgeschaltet.

Eine gute Figur macht der ix55 auch als Zugpferd, liegen keine größeren Steigungen als 8% auf dem Weg, lassen sich bis zu 3,2 Tonnen an den Haken nehmen, bei Steigungen bis zu 12% stellt der Wagen noch eine Anhängelast von 2.500 Kilogramm zur Verfügung.

Beim schnellen Verzögern macht sich die komfortablere Fahrwerksabstimmung durch tiefes Eintauchen der Front bemerkbar, dazu arbeitet das ABS laut vernehmlich, bringt den Wagen aus Tempo 100 trotz innenbelüfteter Scheibenbremsen rundum, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent erst nach 42 Metern zum Stehen. Ein Nachlassen der Bremswirkung war auch nach der zehnten Vollbremsung nicht festzustellen. Im Alltag lässt sich die Bremse gut dosieren und spricht schnell an. Für ein sicheres Fahren wie auch Bremsen ist serienmäßig das Stabilitätsprogramm ESP inkl. Traktionskontrolle TCS an Bord.

Bei einem SUV ist ein Diesel stets erste Wahl, beimix55 zur Zeit auch die einzige. Denn für den fast 2,3 Tonnen schweren Wagen bietet Hyundai nur den Dreiliter-V6-Common-Rail-Diesel mit Piezo-Injektoren und einem elektronischen Turbolader sowie serienmäßigem Dieselpartikelfilter an. Und der Motor passt sehr gut zum Komfortcharakter des ix55, er läuft sehr kultiviert, ist selbst unter Last akustisch nicht als Diesel zu erkennen.

Leider hält er sich nicht nur akustisch etwas zurück, gleiches gilt auch für seine Leistungsentfaltung. Schon am Start kommt er ein wenig verhalten los und braucht dann 10,4 Sekunden um die Tempo-100-Marke zu erreichen. Das ist zwar im Alltag durchaus ausreichend, wie auch die Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, wenn man jedoch die Leistung von 239 PS/176 kW bei 3.800 U/min betrachtet, würde man sich etwas mehr Temperament erwarten. Dafür zieht er sehr gut durch, wofür das maximale Drehmoment von 451 Nm zwischen 1.750 und 3.500 Touren verantwortlich zeichnet.

Und damit harmoniert die neue Sechsstufen-Automatik sehr gut, arbeitet ausgesprochen sanft und dank des guten Drehmoments muss sie auch nur selten kräftig zurückschalten, wobei sie sich stets eine kleine Gedenksekunde gönnt. Daran ändert sich auch nichts, wenn sie, sich adaptiv der Fahrweise des Fahrers anpassend, auf vorprogrammierte Schaltprogramme zurückgreift.

Und so waren wir auch nur selten versucht, einmal selbst ins Geschehen einzugreifen, was mit dem ix55 durchaus Spaß macht. Die Befehle werden schnell und sanft ausgeführt und die Elektronik verkneift es sich geflissentlich, dem Fahrer ins Handwerk zu pfuschen.

Lässt man die Automatik gewähren, kommt man bei angepasster Fahrweise auf sehr gute Verbrauchsresultate, so haben wir im Rahmen unserer Messfahrt nur 9,2 Liter pro 100 km auf der Normstrecke verbraucht, wer viel in der Stadt unterwegs ist muss aber mit stolzen 12,4 Litern rechnen. Dafür kann man bei Autobahn- oder Landstraßenpassagen auch locker mit nur 6,5 Litern hinkommen, ein Schnitt von 130 km/h quittiert der leider nur Euro 4-Motor mit rund 9,6 Litern auf 100km.

Den heutzutage gültigen Standard erfüllt der ix55 auch in Punkto Sicherheit. Neben Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer besitzt er Vorhangairbags, die über die gesamte Länge reichen.

Dazu gesellen sich natürlich Dreipunkt-Sicherheitsgurte auf allen Plätzen, vorne höhenverstellbar sowie mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern bestückt, mit aktiven Kopfstützen auf den beiden Vordersitzen sowie ISOFIX-Kindersitzbefestigungen auf den äußeren Sitzplätzen der zweiten Reihe.

Den Einstieg in die schöne SUV-Welt des ix55 beginnt bei 42.290,- Euro mit der Comfort-Variante, der Premium startet bei 48.290,- Euro und lässt dann aber praktisch keine Wünsche offen.

Denn auch bei der Ausstattung hat Hyundai nicht gespart. Neben den sieben Sitzen sind eine Alarmanlage, Licht- und Regensensoren, ein Audiosystem mit sechs Lautsprechern, RDS-Radio und CD-Spieler sowie Zusatzanschlüssen für MP3-Player und iPod., eine Zweizonen-Klimaautomatik sowie die Klimaanlage im Fond, Reifendruck-Kontrollsystem TPMS, eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, ein gekühltes Fach in der Mittelarmlehne, elektrische Fensterheber rundum und eine Geschwindigkeitsregelanlage mit an Bord.

Beim Premium sind dann auch noch Xenon-Scheinwerfer, eine Scheinwerfer-Reinigungsanlage, 18-Zoll-Räder, eine elektrische Lenksäulenverstellung, automatisch abblendende Innenspiegel mit integrierter Kompassanzeige und große, von innen elektrisch verstell-, beheiz- und anklappbare und automatisch abblendende Außenspiegel mit integrierten Blinkleuchten, Zentralverriegelung mit Smart-Key-System und elektrisch verstellbare Ledersitze inklusive Sitzheizung vorne und in der zweiten Sitzreihe, Memory-System, eine elektrisch Heckklappe und noch einiges mehr im Serienumfang enthalten.

So findet man in der Aufpreisliste nur noch wenige Dinge, wie ein Glasdach, ein Navigationssystem mit Rückfahrkamera und diverse Sonder- und Metallic-Lackierungen sowie eine Anschlussgarantie.

Die serienmäßige Garantie umfasst drei Jahre auf das Fahrzeug ohneKilometerbegrenzung, drei Jahre Hyundai-Euro-Service und 10 Jahre gegen Durchrostung. Die Versicherungseinstufungen lauten HPF 23, TK 24 und VK 26, die Wartungsintervalle sind alle 20.000 km bzw. jährlich durchzuführen.

Stand: März 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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