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Porsche Cayenne GTS

Wenn man den 405 PS des Achtzylinders so richtig die Sporen gibt, bleibt die rechte Hand besser am Schalthebel, so schnell dreht der 4,8 Liter große Saugmotor hoch, dass nur die schnelle Hand verhindern kann, dass der Drehzahlbegrenzer abregelt. Zwar ist auf dem Papier die Tiptronic nur unwesentlich langsamer, rein gefühlsmäßig liegen aber Welten dazwischen. Welten liegen, und das auch bei gemäßigter Fahrt, zwischen dem von Porsche angegebenen Mixverbrauch und der Anzeige im Bordcomputer – sonst findet man am Leistungssportler unter den SUV aber nichts zu meckern. Geiler Sound, tolles Fahrwerk, exakte Lenkung, bärige Bremsen, tolle Sportsitze (ggf. mit roten Gurten), hochwertige Verarbeitung und das alles in einer sportlich-dynamischen Hülle. Ach ja, der Preis und die schier endlose Liste möglicher Extras dürfte so manchem den Spaß verderben.

Bereits die Optik des GTS, die sich an den Turbo anlehnt, zeigt wie sportlich und kräftig er ist. Nach unten hin endet die dynamische Front mit den gewaltig großen Luftöffnungen mit einer zusätzlichen Spoilerlippe, die den GTS schon optisch tiefer auf den Asphalt drückt.

Die gewaltigen 21-Zoll-Felgen (und diese sind serienmäßig drauf) mit 295/35er Breitreifen füllen die nochmals verbreiterten Radhäuser super aus, dazu noch Schwellerverkleidungen und schließlich die Tieferlegung, die im Vergleich zum „normalen“ Cayenne ganze 24 mm ausmacht, unterstreichen die betont sportliche Ausrichtung.

Also alles nur Schau von wegen Offroad? Von wegen. Im Rahmen der Presse-Vorstellung zeigte uns Renn- und Rallye-Ass Walter Röhrl was in diesem Porsche steckt. Aber hochschleudernde Schotterbrocken, die den sündhaft teuren Lack gefährden (siehe etwas weiter unten) sind nicht jedermanns Geschmack.

Kommen wir wieder zu den optischen Besonderheiten des Cayenne GTS. In derSeitenansicht fallen da die schwarzen Blenden über den B- und C-Säulen ebenso auf wie die schwarzen Fenstereinfassungen und Türgriffe.

Im bullig-kraftvollen Heck findet das sportliche Design mit den schönen verchromten Doppelendrohren links und rechts vom Diffussor, der in zusätzliche Spoilerlippen ausläuft seinen dynamischen Höhepunkt im auf Wunsch und ohne Aufpreis auch etwas gewaltigeren Dachkantenspoiler mit feststehendem Doppelflügel-Profil.

Speziell für den Cayenne GTS hat Porsche die beiden Sonderlackierungen GTS Rot (siehe Fotos) und Nordischgoldmetallic im Angebot, die allerdings mit 2.344,30 Euro recht hoch angesiedelt sind.

Das Cockpit präsentiert sich ganz und gar in Porsche-Manier, so wie wir es Ihnen bereits im zivilen Cayenne vorgestellt haben.

Speziell für den GTS hat Porsche die Sportsitze rein gepackt, vorne und hinten. Ja, richtig, auch hinten nehmen zwei sehr gut ausgeformte Sitze – man könnte fast sagen Einzelsitze – zwei Passagiere perfekt auf und bieten ihnen wie vorn mit den hohen Seitenwangen optimalen Seitenhalt. Die elektrische Sitzverstellung reicht bis hin zur Lordosenstütze und so ist alles erdenkliche bequem per Knopfdruck verstellbar.

Ebenso wie diese Sitzanlage sind vorerst auch die „roten“ Gurte, die perfekt auf die Außenfarbe GTS-Rot abgestimmt und auch nur in dieser Kombination erhältlich sind, dem GTS vorbehalten.

In edles Leder sind nicht nur die Sitze, sondern auch die Schaltkulisse, die Mittelkonsole und die Türverkleidungen gehüllt, kombiniert wird das mit reichlich Alcantara, das sich unter anderem am Dachhimmel, der Armauflage, am Schalthebel sowie auch an der Türverkleidung wiederfindet und somit für ein hochwertiges Ambiente sorgt.

Weitere GTS-Highlights sind die Türeinstiegsleisten aus Edelstahl mit Modellschriftzug sowie Zierblenden aus satiniertem Alu in der Instrumententafel und an den Türen.

Bei allem Hangzur Sportlichkeit kommt natürlich wie bei den anderen Cayenne-Varianten auch beim GTS die Alltagstauglichkeit nicht zu kurz. Auch hier lässt sich der 540 Liter große Kofferraum durch Umklappen der Rücksitze auf bis zu 1.749 Liter vergrößern. Aber wer interessiert sich bei diesem Auto schon für den schnöden Alltagsnutzen?

Kommen wir also zum Fahrwerk, das neben dem bärenstarken Motor für die sportlichen Fahrleistungen verantwortlich ist. Dieses serienmäßige Stahlfeder-Fahrwerk mit PASM (Porsche Active Suspension Management) kann auch mit der Luftfederung und der Wankstabilisierung PDCC (Porsche Dynamic Chassis Control) kombiniert werden.

Damit werden Wankbewegungen so weit minimiert, dass nur bei sehr forscher Fahrweise in engen Kurven ist eine leichte seitliche Karosseriebewegung wahrzunehmen ist. Doch bei den erreichbaren Fahrleistungen verblast diese Kleinigkeit sofort. Hier hat Porsche absolut gute Arbeit geleistet und schafft ein unglaubliches Fahrgefühl, besonders bei einem Fahrzeug mit diesen Ausmaßen. Dazu die angenehm leichtgängige und sehr direkte Lenkung, die das spielerische Handling perfekt macht.

Zudem lässt sich das Fahrzeugniveau je nach Situation verändern. Die Normalstellung liegt bei 195 Millimetern, im Gelände (bis Tempo 80) erhöht sich die Bodenfreiheit um 26 mm, für extremes Gelände hält der GTS ein Sondergeländeniveau mit weiteren 30 mm und einer Bodenfreiheit von 251 mm bereit. Damit gekoppelt ist ein Tempolimit von 30 km/h. Ab Tempo 125 senkt sich die Karosserie um neun Millimeter und ab 210 km/h um weitere fünf Millimeter ab. Zum optimalen Be- und Entladen senkt sich der Cayenne GTS (nur im Stillstand) um 34 Millimeter ab.

Von komfortabel bis sportlich stehen dem Fahrer des GTS drei Stufen zur Verfügung, mit denen die Dämpferkennlinie variiert werden kann. Und dann gibt es da ja auch noch die „Sport-Taste“, die zusätzlich die Wahl zwischeneiner „verbrauchsorientierten“ Grundeinstellung und einer betont sportlichen Abstimmung bietet. Und der Unterschied ist wirklich spürbar, das bereits sportlich-straffe Fahrwerk wird noch härter, der Motor reagiert spontaner und dreht höher. Der sportlich ambitionierte Fahrer wird an dieser „Spaß“-Taste schnell Gefallen finden – Komfort-Fans werden sich eher weniger für den GTS entscheiden.

Für die optimale Traktion sorgt der permanente Allrad-Antrieb, das Porsche Traction Management (PTM). Dieses System verteilt die Motorkraft im normalen Fahralltag im Verhältnis 38 zu 62 zwischen Vorder- und Hinterachse. Über eine elektromotorisch betätigte und elektronisch geregelte Lamellenkupplung wird das Verteilungsverhältnis je nach Fahrsituation stufenlos angepasst.

Ein absoluter Ohrenschmaus ist die serienmäßige Sportabgasanlage, die ein wunderschön sonores Brummen verströmt und dem GTS-Fahrer immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubert und den Passanten durchaus den Kopf verdreht.

Ebenso bärig packt im Ernstfall die Bremsanlage zu. Gewaltige 350 mm große innenbelüftete Bremsscheiben vorne und 330 mm große Bremsscheiben hinten mit rot lackierten Sechs- bzw. Vierkolben-Bremssätteln aus Aluminium (wie beim Turbo) haben den GTS jederzeit gut im Griff.

Und so wird bereits bei abrupter Gaswegnahme im Bremssystem Druck aufgebaut, der bei einer Bremsung den Anhalteweg verkürzen hilft. Der Bremsassistent baut darüber hinaus beim Erkennen einer Notbremsung den zur maximalen Verzögerung erforderlichen Bremsdruck auf. Ein weiteres elektronisches Assistenzsystem hilft in Extrem-Situationen beim Fahren mit Anhänger. Die Gespannstabilisierung erkennt Pendelbewegungen des Anhängers und greift durch gezielte, individuelle Rad-Bremseneingriffe am Fahrzeug stabilisierend ein.

Basierend auf dem Aggregat des Cayenne S leistet der betont sportliche GTS gewaltige 405 PS (298 kW) bei 6.500U/min. Das maximale Drehmoment von 500 Newtonmetern steht bei 3.500 U/min zur Verfügung. Der V8-Saugmotor mit Benzin-Direkteinspritzung (DFI Direct Fuel Injection) bekommt jetzt durch Optimierung des Ansaugtrakts mehr Luft.

Die Beschleunigung in Verbindung mit der sportlichen Sechsgang-Schaltung gerade aus dem Stand ist absolut beeindruckend und der Vorwärtsdrang ist dabei so brachial, dass es nur ratsam ist, die rechte Hand am Schalthebel zu lassen, in Windeseile dreht der Achtzylinder hoch und in den Drehzahlbegrenzer. Ist der Fahrer schnell genug, vergehen gerade mal 6,1 Sekunden bis die Tempo 100 Marke erreicht ist.

Alternativ kann eine Sechsgang-Tiptronic S geordert werden, mit ihr beschleunigt der GTS immer noch in 6,5 Sekunden auf Hundert, rein vom Gefühl her nimmt sie dem GTS aber mehr als nur die 0,4 Sekunden. Das Brachiale geht hier vollkommen verloren, fast ist man gewillt von eher „gemächlich“ zu sprechen. Doch ob Automatik oder Handschalter, immer reagiert der V8 blitzschnell auf Gasbefehle und beeindruckt mit einem mächtigen Vortrieb, auch bei den Zwischensprints. Hier nimmt der GTS mit 6,6 Sekunden für den Zwischensprint von 80 auf 120 km/h dem Cayenne S glatt zwei Sekunden ab. Ein Ende der begeisternden Beschleunigung ist erst bei 253 km/h in Sicht.

Das Automatikgetriebe bietet eine so genannte Hill-Holder-Funktion, dieses System hat die gleiche Funktion wie der „Drive Off Assistant“ bei der Schaltgetriebe-Version und verhindert das Zurückrollen des Fahrzeugs beim Vorwärts-Anfahren am Berg.

Ein Blick in die technischen Daten zeigt, dass bei gleicher Gangabstufung die Achsübersetzung sowohl des serienmäßigen 6-Gang-Schaltgetriebes sowie der Automatik von 3,55:1 auf 4,1:1 verkürzt wurde.

Der Durchschnittsverbrauch des GTS mit Tiptronic S liegt laut Porsche bei 13,9 Liter Super Plus, wir bezweifeln jedoch, dass dieser Wert in der Praxis zu erreichen ist. Denn wirwaren fast etwas geschockt, als die Durchschnittsverbrauchanzeige bereits satte 16 Liter anzeigte, als der GTS mit vom Tempomat gehaltenen Tempo 130 auf der Autobahn unterwegs war.

Die Version mit Schaltgetriebe ist im Mix bereits mit 15,1 Litern angegeben. Ein richtiger Tritt aufs Gaspedal war uns in Portugal leider nicht erlaubt, deutsche Autobahnen werden den Benzinverbrauch aber mit Sicherheit in schwindelerregende Höhen katapultieren.

Und schon ist es wieder da, das „schlechte“ Umweltgewissen, denn ein CO2-Ausstoß von 332 g/km (Schalter 361 g/km) ist auch nicht gerade vorbildlich.

Mit Front- und Seitenairbags vorne sowie Vorhangairbags bis zur C-Säule ist der GTS durchschnittlich gut bestückt, hinzu kommen Dreipunktgurte auf allen Plätzen, die vorne und an den hinteren Außenplätzen Gurtstraffer besitzen, vorne zudem Gurtkraftbegrenzer und eine Höhenverstellung aufweisen.

Zur Sicherung der kleinen Beifahrer sind ISOFIX Kindersitz-Verankerungspunkte am Beifahrersitz und den Außensitzen hinten serienmäßig montiert.

Er trägt eine bärig Optik zur Schau, auch der Sound ist bärig, wie die Bremsanlage, das Fahrwerk und die Motorleistung, leider aber auch der Preis von 76.725 Euro. Der wird durch die umfangreiche Serienausstattung, die von den exklusiven Sportsitzen, über die 21-Zöller bis hin zur Tieferlegung und dem Porsche Active Suspension Management wieder etwas relativiert wird.

Aber zu all dem kommen auf Wunsch noch so einige Extras hinzu, auf die ein Porsche-Fahrer mit Sicherheit nur ungern verzichtet, wie z. B. die Luftfederung und das PDCC für 6.176,- Euro, eine automatische Heckklappe für 642,60 Euro, die Sonderlackierung, Parkassistent vorne und hinten für 809,20 Euro, ein el. Glasschiebedach für 1.297,10 Euro, ein Panorama-Dachsystem für 3.272,50 Euro und, und, und.

Allen, die sich den Porsche Cayenne GTS leisten können empfehlen wir einen Blick indie Aufpreisliste, die in diesem Fall den Umfang einer fast hundertseitigen Broschüre hat. Außerdem ist auch noch ein wenig Geduld gefragt, denn der Verkaufsstart für Deutschland ist erst im Februar 2008.

Stand: November 2007; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

Werbung: Automarkt auto24.de

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