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Opel Ampera, mehr als nur ein Stromer für die Stadt

Elektroautos waren bisher nicht massentauglich, da sie zum Einen bedingt durch die Reichweite auf die Stadt begrenzt sind, zum Anderen der Käufer mit einer kleinen Karosserie vorlieb nehmen und dazu auch noch tief in die Tasche greifen muss. Mit dem Ampera haben die Rüsselsheimer nun ein Elektrofahrzeug auf die Räder gestellt, das das Zeug dazu hat „Stromer“ Salontauglich zu machen und das nun sogar in Großserie produziert wird.

Dank des Range Extender (der Reichweitenverlängerung) nimmt Opel dem Käufer die Sorge, mit entladener Batterie liegen zu bleiben und garantiert eine Mindestreichweite von 500 Kilometern, die je nach Tankung des Benzinmotors x-beliebig verlängert werden kann.

Mit einem Einstiegspreis von 42. 900,- Euro ist zwar auch der Ampera kein Schnäppchen, aber durchaus ein Gesamtkonzept, das Elektromobilität deutlich attraktiver und für viele erreichbarer macht.

Dass der Opel Ampera unter Strom steht, verrät bereits ein Blick auf die äußere Hülle. Diese wurde konzipiert und gestaltet um bestmögliche Aerodynamik und Effizienz zu erreichen, basiert auf dem Pendant (Chevrolet Volt) der Konzernschwester GM. Trotz der vorgegeben Basis haben es die Rüsselsheimer geschafft, eine eigene, durchaus futuristischere und stimmigere Note mit einfließen zu lassen und trotz des amerikanischen Touchs die Opel Designsprache zu Wort kommen zu lassen.

Die großen, bumerangähnlichen Scheinwerfer charakterisieren ebenso die Front wie der trapezförmige Kühlergrill und der große Lufteinlass. Das Heck wirkt regelrecht keilförmig und bietet einiges fürs Auge. Ob es der untere schwarze Heckstoßfänger, die vertikal verlaufenden Lüftungsschlitze, die interessant gestalteten und schmal verlaufenden Heckleuchten oder der darüber integrierte Spoiler ist.

Was uns die Heckansicht bereits hat erahnen lassen, wurde uns beim Eintritt ins Innerebestätigt. Die in der Basis optionale Rückfahrkamera ist in jedem Fall empfehlenswert, da das Fahrzeug sehr unübersichtlich ist.

Das für ein Opel-Fahrzeug charakteristische Flügelmotiv der Armaturen kennzeichnet auch das Interieur des Ampera, hinzu kommen schicke Applikationen in dunklem Silbermetallic. Je nach Farbauswahl erstrahlen die Türverkleidungen und Sitzbahnen in Frosted Nickel, Spice Red oder Ceramic White.

Den futuristischen Touch untermalt außerdem der Verzicht auf herkömmliche Schalter und somit lassen sich die einzelnen Systeme über berührungsempfindliche Bedienelemente steuern. Ganz ohne Tasten geht es aber dann doch nicht und so ist zum Beispiel der „Power“-Button zum Starten des Fahrzeuges, die Taste für die diversen Fahrmodi oder die elektrische Parkbremse klassisch ausgeführt.

Leider können die zwei jeweils sieben Zoll großen hochauflösenden Farbdisplays nicht mit dem modernen Innenraum harmonieren, auch wenn man sich hier von einer konventionellen Lösung verabschiedete und statt einer bekannten Instrumenteinheit, ein großes konfigurierbares Farbdisplay, genannt Driver Information Center (DIC), verbaute. Dieses informiert den Fahrer über die gefahrene Geschwindigkeit, Reichweite und den Batterieladezustand. Die Fahreffizienz-Anzeige neben dem Tachometer zeigt einen sich auf und ab rotierenden Effizienzball an. Doch dazu später mehr.

Das DIC arbeitet zusammen mit einem weiteren Monitor inklusive Touchscreen am oberen Ende der Mittelkonsole. Hier kann der Fahrer des weiteren Informationen den Energiefluss, Ladezustand und Energieverbrauch betreffend abrufen und das Infotainment- und Navigationssystem oder aber die Klimaanlage steuern.

Das Gestühl nimmt uns bequem auf und ist vorn serienmäßig beheizbar, dabei ist die automatische Heizfunktion via Touchscreen zu steuern. Im Automatikmodus erwärmen sich die Sitze gemäß der gewünschten Raumtemperatur, die wiederum dieAußentemperatur berücksichtigt. Alternativ kann die Sitzheizung auch manuell von den Insassen eingestellt werden, hierzu stehen drei Heizstufen zur Wahl.

Wo wir aber schon beim Thema Heizen wären. Das elektrische Heiz- und Klimatisierungssystem bietet drei Einstellungsmodi: Lüftung, Eco und Komfort, die unterschiedlich großen Einfluss auf den Batteriebetrieb nehmen und somit die Reichweite beeinflussen.

Mit vier Einzelsitzen ist von vorne herein der Platz auf vier Personen beschränkt. Dabei müssen sich Großgewachsene hinten mit einer geringeren Kopffreiheit zufrieden geben, der Beinraum ist dagegen ausreichend.

Nicht gerade rekordverdächtig ist das zur Verfügung stehende Kofferraumvolumen von 310 Litern. Aber dafür bietet Opel die Möglichkeit, durch Umklappen der Rücksitzlehnen einen Stauraum von 509 bzw. maximal 1.005 Liter bei dachhoher Beladung zu schaffen.

Weitere Kapitel, bei denen Opel mit dem Ampera überrascht und zugleich überzeugt, sind das Fahrwerk und die Lenkung.

Wunderbar auf den Elektroantrieb abgestimmt, harmoniert das Gesamtkonzept. Unglaublich laufruhig gleiten wir durch die City, sind aber auch auf der Autobahn bei Tempo 130 überraschend geräuscharm unterwegs.

Nicht zu weich, aber auch nicht zu straff, haben die Ingenieure für das Fahrzeug die perfekte Auslegung gefunden. So fühlen wir uns nicht nur auf schlecht ausgebauten Straßen wohl. Das Fahrzeug liegt toll auf der Straße, hier profitiert der Ampera unter anderem von der Platzierung der 198 Kilogramm schweren Batterie, die weit unten im Mitteltunnel untergebracht ist.

Die elektrische Zahnstangen-Servolenkung mit variabler Unterstützung schließt sich diesem Eindruck absolut an und sorgt für ein müheloses Handling.

Wenn die Bremsen, dank der Bremsenergierückgewinnung, auch wesentlich weniger beansprucht werden als bei einem herkömmlich angetriebenen Fahrzeug, so können Sie sich im Ernstfall stets daraufverlassen. Nur bei all der „Seglerei“, also dem Gleiten lassen des Fahrzeuges, packen die Bremsen bereits bei leichtem Tritt etwas fest zu.

Das Anti-Blockier-System, eine Traktionskontrolle, die elektronische Stabilitätskontrolle sowie eine elektrische Parkbremse, die sich beim Anfahren automatisch löst, sind ebenfalls mit an Bord.

Um zu starten, drücken wir den blauen Power-Knopf und sofort kann es losgehen. Auch wenn man zunächst gar nicht das Gefühl hat, doch so ist das nun mal bei einem Elektrofahrzeug, man hört halt nichts. Ein Blick auf das DIC verrät jedoch, wenn der Hauptmotor bereit ist loszulegen.

Hierbei handelt es sich um eine 111 Kilowatt / 150 PS starke E-Maschine die von einem zweiten kleinen Elektromotor, der als Generator fungiert, entweder unterstützt wird oder den minimal notwendigen Ladezustand der Batterie konstant hält.

Das Drehmoment von 370 Nm steht „Stromer-typisch“ aus dem Stand heraus voll zur Verfügung, was einen kraftvollen Durchzug möglich macht. In Zahlen ausgedrückt, schafft es der 1,7 Tonnen schwere Ampera in gerade mal 3,1 Sekunden von null auf Tempo 50, neun Sekunden vergehen insgesamt bis Tempo 100 erreicht ist. Auf Elektro-Fahrzeug-Niveau liegt die begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 161 km/h.

Als Reichweitenverlängerer, dem sogenannten Range Extender, kommt der 63 kW/86 PS kleine Benzinermotor zum Einsatz. Und auch dieser kleine Benziner hält sich akustisch angenehm zurück, aktiviert sich wenn der Ladezustand der Batterie ein Minimum erreicht hat und treibt den Generator zur Stromversorgung des Elektromotors an.

Dann wären da noch die zur Verfügung stehenden Fahrmodi. Im alltäglichen Verkehr rechnet Opel damit, dass rund 90 Prozent im Normal- und Sportmodus zurückgelegt werden. Wobei in Letzterem sich das Ansprechverhalten des Gaspedals spürbar ändert und der Drehmoment-Einsatz spontaner ist.

Geht es die Alpen hinauf, ist der Bergmodus zuaktivieren, der dafür sorgt, dass auch hier ausreichend Leistung abrufbar ist. Im Hold-Modus schaltet sich der Generator sofort ein und hält die Batterie auf ihrem aktuellen Ladezustand. Womit wir, wieder angekommen in der Stadt, die eingesparte Batterieladung für rein elektrisches Fahren nutzen können.

Kommen wir nun zu dem bereits erwähnten Effizienzball. Man könnte sagen, hierbei handelt es sich um eine erzieherische Maßnahme. Denn sobald man das Gaspedal ausreizt oder zu stark bremst, bewegt sich der rotierende Ball nach unten bzw. oben und verfärbt sich orange. Doch legen wir einen effizienten Fahrstil an den Tag, bleibt die Kugel in Mitte der Anzeige, erstrahlt in grün und ist bestückt mit drei Blättern. Schon nach nur wenigen Metern hat einen förmlich der Ehrgeiz gepackt, was wiederum eine verlängerte Reichweite zur Folge hat.

Diese liegt in der Regel bei 80 Kilometern rein batterieangetrieben. Was einer Fahrstrecke entspricht, die 80 Prozent des alltäglichen Verkehrs deckt. Doch auch längere Strecken sind kein Problem mit dem Ampera, dann kommt einfach der Range-Extender zum Einsatz, der die Reichweite auf mindestens 500 Kilometer anhebt. Laut des Herstellers, begnügt sich der Ampera mit nur 1,2 Liter auf 100 Kilometer, was einen CO2-Ausstoss von lediglich 27 Gramm pro Kilometer zur Folge hat.

Um wieder rein stromangetrieben unterwegs zu sein, fahren wir eine herkömmliche Steckdose mit 230 Volt an und laden die Batterie entweder sofort auf oder aber programmieren das „verzögerte Laden“ um z.B. auch den günstigeren Nachtstrom zu nutzen. Welcher Ladevorgang es dann auch sein mag, in rund vier Stunden sind die Lithium-Ionen-Akkus wieder voll aufgeladen.

Ohnehin bietet Opel dank Kooperationen mit 30 Ökostrom-Anbietern dem Ampera-Käufer sowohl für das Fahrzeug als auch für das Eigenheim auf vergünstigten Strom zurückzugreifen. Des weiteren steht dem Kunden eine Rund-um-die-Uhr-Hotline zurSeite, die den Fahrer z.B. über diverse Lademöglichkeiten informiert.

Da es sich bei der Batterie um eine hauseigene Lösung handelt, ist es Opel möglich, dem Käufer eine derzeit einzigartige Acht-Jahres-Garantie (160.000 Kilometer Laufleistung) zu bieten.

Der Ampera ist kombiniert mit einem Planetengetriebe das über einen Vorwärtsgang „D“ sowie über die Schaltstufen R, N und P, ähnlich wie bei einem Automatikgetriebe, verfügt. Hinzu kommt hier die Einstellung L für Low. Ist diese Stufe eingelegt, wird der Generator aktiv und bremst das Fahrzeug wesentlich stärker, ähnlich der Motorbremse und speist die Energie zurück in die Batterie.

Die Lithium-Ionen-Batterie musste sich selbstverständlich strengen Sicherheitstests unterziehen. Zudem ist das Batteriesystem in Stahlschienen eingefasst und kann im Notfall von Rettungskräften rasch und ohne Probleme abgekoppelt werden.

Des weiteren zählen zu der Sicherheitsausstattung des neuen Ampera unter anderem acht Airbags, automatisch wegklappende Pedale, Dreipunkt-Sicherheitsgurte, die vorn zudem Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer aufweisen und ISOFIX-Vorrüstungen auf den Rücksitzen.

Um den Fußgänger vor dem heranfahrenden Elektrofahrzeug, das wahrlich auf leisen Sohlen daher kommt, zu warnen, kann der Fahrer ein Signal aktivieren und sich somit bemerkbar machen.

Wie Eingangs erwähnt, startet das Basismodell des Ampera ab 42.900,- Euro. Hier zu lande, steht diese Version jedoch erst ab 2012 zur Wahl. Die ersten Elektrofahrzeuge aus dem Hause Opel werden Ende diesen Jahres ausschließlich in der „ePionier Edition“ ausgeliefert.

Diese verlangt dem Käufer 48.200,- Euro ab, verwöhnt dann allerdings auch mit einer Ausstattung, die sich sehen lassen kann. Seien es die Ledersitze inklusive Sitzheizung, das Navigations- und Bose-Sound-System oder die Rückfahrkamera. Farblich ist diese Edition jedoch ausschließlich in Verbindung mit der exklusivenLithium-Weiß Dreischicht-Metallic Lackierung verfügbar.

Mit einer lebenslangen Fahrzeuggarantie bis 160.000 Kilometer Laufleistung und der achtjährigen Garantie auf das Batteriesystem bietet Opel ein rundum einzigartiges Angebot!

Stand: Oktober 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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