// Fahrbericht / Nissan Qashqai +2 2.0 dCi

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Nissan Qashqai +2 2.0 dCi

Der Beste wird noch besser. Ganz schön überzeugt sind die bei Nissan, wenn es um den Qashqai geht, dabei soll doch Eigenlob stinken. Aber in diesem Fall doch nicht, denn Nissan hat Recht. Das dezent überarbeitete C-Segment-Modell kann mit leicht überarbeiteter Instrumentierung und mit nochmals erweiterter Grundausstattung in der Gunst zulegen. Wir haben uns zudem für den +2 entschieden, der mit zwei zusätzlichen Sitzen in Reihe drei noch mehr Nutzen bieten möchte. Und besonders in der Ausstattungslinie Tekna lässt der Japaner kaum Wünsche offen, sogar ein BOSE Soundsystem, Ledersitze, Xenonlicht und vieles mehr ist serienmäßig an Bord, dann kostet der Qashqai +2 aber auch ab 30.340,- Euro.

Auf den ersten flüchtigen Blick hat sich an der Optik nichts verändert, und doch wurde die Front massiv umgekrempelt, läuft der Kühlergrill jetzt nach außen hat mit seiner Veränderung auch gleich die ganze Scheinwerferpartie, die Kotflügel und die Motorhaube mit einbezogen, das gibt dem Qashqai deutlich mehr Schwung und Eleganz. Und auch die Frontschürze hat sich der Dynamisierung angeschlossen und so steht der Nissan jetzt echt markanter da.

In der Seitenansicht sind die Veränderungen zu unserem letzten Qashqai-Testwagen nur ausstattungsbedingt, die Seitenfenster ab der B-Säule waren jetzt dunkel getönt und eine silberne Dachreling überspannte die gesamte Dachlänge, was den Crossover-Gedanken zusätzlich zu den schwarzen Kunststoffrändern der Radläufe nochmals unterstützt und den Wagen zusätzlich streckt. Dass der +2 ganze 211 mm länger ist als der kurze Qashqai fällt so richtig erst im direkten Vergleich auf.

Das gilt im Prinzip auch für die Modifikationen am Heck, denn die gewohnte Silhouette wurde beibehalten und das deutlich veränderte Heckfenster beim Siebensitzer fällt einem erst bei näherem Hinsehen auf, wie die entsprechend modifizierte Heckschürze und die neuen Abdeckungen der Rückleuchten. Optional kann der Tekna mit 18 Zoll großen Rädern ausgestattetwerden, und das macht sich schon rein optisch besonders gut.

Es gibt neue Farben für den Innenraum, trotzdem war unser Testwagen ganz in Schwarz gehüllt. Geblieben ist natürlich der bequeme Einstieg, vor allem in die erste Reihe. Hier empfangen uns angenehm straff gepolsterte, große und gut ausgeformte Sitze, die beim Tekna mit Leder bezogen sind. Der hohe Hüftpunkt sorgt auch beim +2 für ein bequemes Platznehmen. Am fast schwarzen Dach hat man es schon von außen gesehen, unser Testwagen war mit einem schicken, riesigen Glasdach ausgestattet, das reichlich Licht in den Innenraum lässt. Vor zu viel Sonne schützt dann eine elektrische Jalousie. Mit einer Länge von ca. 1,18 Metern und 88 cm Breite ist es das derzeit größte seiner Klasse.

Von den 211 mm mehr an Gesamtlänge bleiben beim Radstand 135 mm übrig. Das reicht, um dem Qashqai +2 eine längsverschiebbare Rückbank zu spendieren. Damit wächst der Freiraum durchaus auf üppige Ausmaße, auch wenn vorne große Passagiere sitzen, ist die Bank vorgeschoben, wird es für Lange auch schon mal eng im Beinraum. Die zweite Reihe ist in der Lehne dreigeteilt, das ist besonders praktisch, wenn zwei dort sitzen und auch noch lange Gegenstände eingeladen werden müssen. Zum Sitzen ist der Mittelsitz ohnehin nur bedingt tauglich, da ist die ausklappbare Lehne mit Fach, 12-Volt-Steckdose und Getränkehaltern schon besser. Zusätzlich sorgt die verstellbare Lehne für mehr Reisekomfort.

Mit einem Handgriff fahren die Außensitze der zweiten Reihe vor und geben den Weg in die dritte Reihe frei, allerdings ist der Weg dorthin für Erwachsene ebenso beengt wie der Platz auf den beiden Einzelsitzen im Laderaum. Zwar reicht ein Zug an einer Schlaufe um die Sitze aus dem Boden zu holen und auch die Mini-Kopfstützen lassen sich recht weit ausziehen, wirklich zu empfehlen sind die Plätze 6 und 7 aber nur für Kinder oder kleine Erwachsene. Auch hier lässt sich die Lehne individuell einstellen.

Die Gepäckraumabdeckung muss natürlich vorher raus, sie findet in einem Unterflurfach Platz. DerKofferraum ist nach wie vor über eine für ein SUV durchaus angenehm niedrige und solide geschützte Ladekante (Stoßstange ungeschützt) zu erreichen, Vorsicht ist bereits bei einer Körpergröße von 1,83 m geboten, dann öffnet die Heckklappe nicht mehr weit genug.

Klar ist der Laderaum gegenüber dem normalen Fünfsitzer etwas eingeschränkt, er reicht von fast schon mickrigen 130 Litern bei sieben Sitzen bis hin zu 550 Litern (140 mehr als beim Fünftürer) bei fünf und 1.520 Litern bei nur zwei benutzen Sitzen. Unter dem Boden sind weitere Fächer und das Bordwerkzeug untergebracht. Die geänderte Heckklappe vergrößert die Ladeöffnung in der Breite um 224 Millimeter und verringert die Ladekantenhöhe um 13 auf 770 Millimeter.

Also noch mal zurück in Reihe eins. Das Lenkrad – zweifach verstellbar – wirkt fast ein wenig dünn, liegt aber mit der verdickten Ausformung im Griffbereich gut in der Hand. Schön macht sich die Aluapplikation um den Pralltopf wie auch am senkrechten Türgriff und rund um den Schalthebel. Und auch die Instrumente sind silbergrau umrandet und jetzt etwas moderner gezeichnet, Tank- und Temperaturanzeigen sind jeweils integriert und zwischen den beiden Rundinstrumenten wurde ein größeres Display integriert.

Das Navigationssystem war diesmal unterhalb der beiden Luftaustrittsöffnungen integriert, geblieben ist die in der Mittelkonsole recht weit unten angeordnete Heizungs-/Lüftungseinheit. Rechts vor dem Schalthebel ist auf dem Mitteltunnel der Drehschalter für die richtige Wahl zwischen Front- und Allrad-Antrieb angebracht. Alles Wichtige ist gut beleuchtet, dagegen bekommt man meist nur beim Einstieg die im 2.0 dCi Tekna verbauten Alupedale zu Gesicht.

Da unterscheidet sich der lange nicht vom kurzen Qashqai, obwohl es speziell auf das höhere Gewicht und die höhere Zuladung angepasst wurde: das Fahrwerk ist gelungen, ein feiner Kompromiss aus gutem Komfort und sportlich straffer Abstimmung. Und so animiert dieser Nissan immer wieder mal zu einem flotteren Kurvenritt, bei dem er leicht untersteuerndsehr lange gutmütig bleibt. Dafür sorgt neben dem ESP das frühzeitige Warnen der quietschenden Reifen. EUC (Enhanced Understeer Control) hilft weiter mit, das Untersteuern zu minimieren, und so geht das Fahrverhalten des Nissan stark in Richtung neutral.

Vor allem wenn man den Drehschalter auf 4WD stehen hat, auf 2WD bekommt man die Kraft der 150 Pferde ganz ordentlich in der Lenkung zu spüren, dann ein kleiner Dreh und auf der Stellung Auto leitet der All-Mode 4×4-Antrieb die Kraft immer dort hin, wo man sie am besten in Vortrieb umsetzen kann und das Thema ist gegessen. Und gleichzeitig auch die Frage nach der Traktion ganz allgemein, denn ob unterschiedliche Fahrbahnbeschaffenheiten, Nässe oder gar Schnee, der Qashqai zieht sauber seine Bahn. Und spätestens mit dem Allrad an Bord kann man den Gedanken an einen Geländeritt durchaus auch mal in die Tat umsetzen … Dazu kann der Drehschalter auf Lock gestellt werden, was eine feste Kraftverteilung auf beide Achsen im Verhältnis 50 zu 50 sicher stellt.

Einen nicht ganz so feinen Kompromiss findet die Lenkung, die zwar sehr exakt arbeitete, aber insgesamt doch recht straff ausgelegt war.

Das Bremsen funktioniert auch beim +2 sehr gut, selbst auf schlechten Straßen bleibt er dank des gut zu hörenden ABS sauber in der Spur, CBC (Cornering Brake Control) tut ein Übriges dazu. Damit die hier vergrößerten Scheibenbremsen rundum in ihrer Bremsleistung nicht nachlassen, ist ein hydraulischer Fading-Ausgleich (HFC = Hydraulic Fade Compensation) an Bord, natürlich auch eine elektronische Bremskraftverteilung und ein Bremsassistent.

Mit der im Alltag fein zu dosierenden und zugleich schnell ansprechenden Bremsanlage steht der Qashqai +2 im Notfall aus Tempo 100 heraus nach guten 35 Metern – mit Winterreifen.
Noch was zum Komfort: zahlreiche Getränkehalter sorgen dafür, dass im Qashqai niemand Durst leiden muss, die beiden beleuchteten Make-up-Spiegel rücken Sie stets optimal ins Bild, nur mit der Rundumsicht ist es durch die breiten Dachsäulen, vor allem der sehr breiten D-Säuleetwas schlecht bestellt. Und weil sie sehr weit unten platziert sind, kommt man an die Schalter für die Tank- und Motorhauben-Entriegelung etwas schlechter ran.

Die Sitzheizung arbeitet ganz okay, schön schnell ist die Heckscheibenheizung. Da kann die Innenraumheizung nicht ganz mithalten, wenn es draußen richtig eisig ist, dauert es ziemlich lange, bis es richtig mollig warm wird. Der Motor ist nur beim echten Kaltstart zu Beginn etwas rau und brummig.

Das legt sich dann schnell und schon läuft der 2 Liter Diesel mit Turbolader und Ladeluftkühler sehr kultiviert, er ist übrigens eine Renault-Entwicklung. Dabei kann er niedertourig genau so gut wie stürmisch, dann dreht er flott hoch und begeistert mit einem feinen Durchzug. Kein Wunder, gehen doch 110 kW/150 PS bei 4.000 U/min ans Werk und die 320 Nm liegen zwischen 2.000 und 3.000 Touren an.

Und so geht es, wenn gewünscht, in 10,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, der 4WD gönnt sich 0,4 Sekunden mehr, er erreicht bei 192 km/h seine Topspeed, der 2WD ist ein km/h schneller. Der Vierzylinder-16-Ventiler mit Common-Rail-Technik ist kombiniert mit einer feinen Sechsgang-Schaltung, deren Gänge gut sortiert sind. Die kurz übersetzen unteren Gänge gehen nahtlos in die länger übersetzten oberen Gänge über, so entsteht stets ein guter Anschluss, man hat mächtig Dampf an der Kette im unteren Geschwindigkeitsbereich und braucht auf der Autobahn auch bei höherem Tempo kein schlechtes Gewissen bekommen, wenn man an den Verbrauch denkt.

So kann der 2WD in der Stadt mit 8,3 Litern, außerorts mit 5,5 Litern und im Mix mit 6,5 Litern glänzen, beim 4WD sind es mit 8,8, 5,7 und 6,8 Litern immer noch gute Werte. Der CO2-Ausstoß liegt im Mix bei 179 bzw. 199 g/km. Der kleine Holperer über die Leerlaufstellung kann die insgesamt sehr zufriedenstellende Bilanz des 6-Gang-Getriebes mit kurzen Wegen und straffer Führung nicht schmälern. Und war bei unserem letzten Qashqai der Dieselpartikelfilter noch optional an Bord, gehört er mittlerweile serienmäßig dazu, trotzdem erfüllt dasTriebwerk nur die Abgasnorm Euro 4.

Damit der Diesel selbst im Leerlauf nicht an einen Diesel erinnert, wurde die Einspritztechnik auf fünf Phasen aufgeteilt. Zwei Voreinspritzungen eliminieren dabei das Nageln, ihnen folgen die Haupteinspritzung und dann noch zwei Nachinjektionen, die übrige Rußpartikel verbrennen. Eine aluminiumverstärkte Bodenplatte und zwei gegenläufig rotierende Ausgleichswellen wirken den Vibrationen der Kurbelwelle entgegen.

In Sachen Sicherheit können wir es kurz machen, wie schon der kürzere Qashqai hat auch der +2 Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer sowie durchgehende Kopfairbags über die gesamte Innenraumlänge.

Dazu gesellen sich Dreipunkt-Sicherheitsgurte auf allen Plätzen, vorne mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern, hier sind auch aktive Kopfstützen montiert. Außerdem natürlich ISOFIX-Kindersitz-Befestigungspunkte und Kindersicherungen an den hinteren Türen.
Um den Nissan Qashqai +2 mit der stärksten Dieselmotorisierung, dem 2.0 dCi mit 150 PS erwerben zu können, sollten Sie mal vorsichtshalber 30.340,- Euro einplanen, mit 4WD erhöht sch der Preis auf 32.490,- Euro, stets mit der feinen Sechsgang-Handschaltung. Stehen Sie auf Automatik, stehen 33.990,- Euro in der Liste.

Das war’s dann aber auch fast schon, denn die genannten Preise gelten für die Topversion Tekna, und die ist echt umfassend ausgestattet. Hier gehören die BOSE Anlage, die Alu-Pedale, Xenonlicht mit Scheibenreinigungsanlage, Sitzheizung vorne, Ledersitze, Zweizonen-Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, Panorama-Glasdach, 17 Zoll-Alufelgen, 6-fach CD-Wechsler, Licht- und Regensensor, Einparkhilfe und vieles mehr bis hin zur Zentralverriegelung mit Fernbedienung zur Grundausstattung.

In der Aufpreisliste bleiben nur die 18 Zoll Räder/Felgen für 350,- Euro, eine Metallic- oder Mineraleffekt-Lackierung für 520,- Euro oder das Nissan Connect u.a. mit Navigationssystem und Rückfahrkamera für 700,- Euro. Das Navi kann auch eine Route unter Berücksichtigung des günstigsten Verbrauchs planen.

Unverändert mussder Qashqai auch als +2 alle 12 Monate bzw. 20.000 km zur Wartung in die Werkstatt und besitzt eine Drei-Jahres-Garantie bis 100.000 km. Die aktuellen Versicherungseinstufungen lauten HPF 18, VK 20 und TK 22.

Stand: Mai 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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