// Fahrbericht / Mehr als nur Lifestyle? Der neue Lancia Ypsilon.

Lancia

Mehr als nur Lifestyle? Der neue Lancia Ypsilon.

Italienischer Flair gepaart mit Stil und Persönlichkeit. Und dabei sprechen wir nicht von einem Ferrari, nein viel mehr von einem Kleinwagen, der nun seit 26 Jahren auf dem Markt ist und dieser Tage in seiner vierten Generation zu Deutschlands Händlern rollte. Der neue Lancia Ypsilon wurde erstmals als Fünftürer konzipiert, zeigt sich grenzenlos individuell und ist mit effizienter Motorentechnologie bestückt. Doch schafft es die Neuauflage – die in ihrem Heimatland seit jeher große Erfolge feiert – nun endlich auch hier zulande? Potential hat der kleine Lifestyle-Italiener aus unserer Sicht in jedem Fall.

Die etwas gestrecktere und flachere Karosserie macht zwar in der aktuellen Generation den Eindruck auch weiterhin ein Dreitürer zu sein, ist es aber nicht. Erstmals ist der Ypsilon als Fünftürer ausgelegt worden, auf eine Dreitürer-Variante wird sogar künftig ganz verzichtet. Und sie ist in Anbetracht des neuen Designs auch gar nicht mehr nötig.

Denn nicht nur die versteckten hinteren Türgriffe sind erst bei genauem Hinsehen zu erkennen, auch die Türen selbst sind kaum wahrzunehmen. Diese sind ebenso wunderbar in die markant modellierte Karosseriefläche eingearbeitet.

Dabei trifft die abfallende Dachlinie optisch auf die C-Säule, diesen Eindruck verstärkt die sehr schicke Zweiton-Lackierung noch. Dies gilt auch für die farblich abgesetzte Motorhaube die förmlich aufzuliegen scheint. Der darunter platzierte große und in Chrom gehaltene Lancia-Kühlergrill streckt mit horizontalen Streben und dem im Rahmen integrierten Logo stolz die Nase in den Wind.

Dynamisch und kompakt präsentiert sich auch die Heckpartie, wobei gerade die neu gezeichneten und in die Seitenflächen verlaufenden Heckleuchten inLED-Technologie einen sehr eigenständigen Look garantieren. Der angedeutete Diffusor lässt den Ypsilon aber etwas hochbeinig dastehen.

Leider verfolgt der Ypsilon im Innenraum eine etwas andere Richtung und lässt hier die italienische Leidenschaft ein wenig vermissen, minimalistisch und für unseren Geschmack mit etwas wenig Farbe. Es stehen aber dem Käufer die Töne Rot und Braun zur Auswahl, wobei gerade Letztere zwar Wertigkeit ausstrahlt, dafür aber wenig Pepp zeigt.

Je nach Ausstattung stehen drei verschiedene Innenraumdesigns zur Verfügung, die sich im Kern jedoch nur durch die erwähnten Farben, den verwendeten Stoffen sowie Applikationen unterscheiden.

Über ein zentral platziertes Hauptinstrument verfügen alle Ypsilon, eine Entscheidung die nicht wirklich unserem Geschmack entspricht, zumal die Anzeigen – wenn auch angenehm groß dimensioniert – so nicht optimal im Blick liegen. Die klassische Lösung hinter dem Lenkrad erweist sich hier einfach als ideale Lösung, ein Grund warum auch die meisten Mitbewerber sich auch wieder für diese Variante entschieden haben.

Die großen Bedienelemente für Radio und Klimatisierung sowie der Schaltknauf sind wiederum optimal und angenehm weit oben angebracht. Die im gesamten Cockpit verwendeten Materialien entsprechen dem klassenüblichen Niveau und sind solide verarbeitet.

Das Raumangebot ist zwar gegenüber dem Vorgänger sowohl für Passagiere als auch Kofferraum angestiegen, machen ihn aber dennoch nicht zu einem Raumwunder. So sitzen wir als Großgewachsener in Reihe eins wunderbar, nehmen wir jedoch auf der hinteren Sitzbank Platz, die je nach Wahl über zwei oder drei Sitzmöglichkeiten verfügt, wird es spürbar enger.

Ist Ihr Fahrzeug dann auch noch mit dem durchaus tollen und 0,64 Quadratmeter großen Glasdachbestückt – nach Aussagen des Hersteller das größte in diesem Segment – wird die Kopffreiheit zusätzlich eingeschränkt.

Ohnehin besteht für den Kopf beim Einstieg vorne wie hinten Anstoßgefahr, die aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase gebannt ist. Dass sich die zwei zusätzlichen Türen im Vergleich zur vorherigen Generation als durchweg positiv erweisen, dürfte verständlich sein.

Individualität und Exklusivität zählen zu den Stärken des „Y“, an Flexibilität fehlt es dem Kleinen dagegen schon eher. Die Rückenlehnen lassen sich zwar geteilt umlegen und das Stauvolumen von 245 Liter (30 Liter Zuwachs gegenüber dem Vorgängermodell) steigt dadurch erheblich an, doch die entstehende Stufe im Boden wie auch die nur durchschnittliche Anzahl an Ablagen lassen nur eine durchschnittliche Bewertung zu.

Das Fahrwerk der neuesten Ypsilon-Generation wurde vollständig überarbeitet, was eine zusätzliche Gewichtsreduzierung zur Folge hat, die wiederum Verbrauch und CO2-Ausstoß weiter reduziert.

Die neue Monocoque-Konstruktion sorgt für ein angenehm komfortables Fahrgefühl und zugleich für ein agiles Vorankommen in der großen Stadt. Die angenehm ansprechende und präzise ausgelegte Lenkung ermöglicht ohnehin ein spielerisches Handling. In engen Parklücken kommt einem zudem die „City“-Taste entgegen, die das Rangieren noch leichter macht und nur ganz geringe Lenkkräfte verlangt.

Wer sich den Parkvorgang noch leichter machen möchte, sollte auf „Magic-Parking“ zurückgreifen. Die Einpark-Automatik misst nach Aktivierung des Systems per Tastendruck die Größe der vom Fahrzeug passierten Parklücken. Erkennen die Sensoren einen Parkraum von mehr als 4,60 Meter (Fahrzeuglänge 3,84 Meter), wird dies sowohl akustisch wie auch optisch angezeigt. Nun übernimmt das MagicParking die Lenkradbewegung während des Einparkvorgangs, die Betätigung des Ganghebel sowie der Pedale übernimmt weiterhin der Fahrer.

Ob sich das System in Ihren Augen jedoch als stadtfreundlich erweist, ist reine Ermessenssache. Denn ein Fahrer, der das Einparken beherrscht, schafft den Parkvorgang im Enddefekt rascher, eine Tatsache, die jedoch auf alle derzeit angebotenen Einpark-Assistenten zutrifft.

Für das große Schaulaufen hat der neue Lancia Ypsilon in jedem Fall das richtige Outfit übergezogen. Mit welchem der angebotenen Motoren Sie letztlich den Catwalk meistern, bleibt Ihnen überlassen.

Lancia bietet den kleinen Stadtflitzer mit zwei Benzinern und einem Diesel an, die allesamt die Euro5-Norm erfüllen. Ein tadellos funktionierendes Stopp-Start-System sowie eine Schaltpunktanzeige sind stets serienmäßig an Bord und steigern die Effizienz zusätzlich.

Zwei Aggregate unterbieten sogar die 100g-Grenze beim CO2-Ausstoß, dabei handelt es sich zum einen um den 1,3-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel, der mit 70 kW / 95 PS ein angenehm spritziges Fahrgefühl garantiert und sich im Schnitt mit 3,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer begnügt, sowie den neuesten TwinAir Benziner.

Die aus dem Fiat 500 bekannte Neuentwicklung soll voraussichtlich auch den größten Teil der Käuferschicht abdecken. Der Zweizylinder-Motor mit 0,9 Litern Hubraum leistet 63 kW / 85 PS und stellt 145 Newtonmeter Drehmoment bereit, was von unten heraus bereits für flotten Vortrieb sorgt.

Nur an die gefühlte Anfahrschwäche muss man sich etwas gewöhnen, die aus dem verzögert einsetzenden Turbolader und dem damit verbundenen Turboloch resultiert. Danach spurtet er in 11,9 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht eine überraschende Höchstgeschwindigkeit von 176 km/h. Während sich das Aggregat imalltäglichen Fahrbetrieb akustisch zurückhält, ertönt der Motor bei drehfreudiger Fahrweise mit einem charmantem Röhren.

Wie sich das Fahrzeug abseits der großen Stadt verhält, konnten wir leider auch im Rahmen dieser Testfahrt nicht erfahren. Aber sein Haupteinsatzgebiet sucht der Kleine auch nicht auf der Landstraße oder gar der Autobahn.

Sollten Sie sich doch abseits der Stadt bewegen, liegt der Verbrauch bei 3,8 Liter, resultierend aus diesem und dem Stadtverbrauch von fünf Liter, begnügt sich der Lancia Ypsilon TwinAir im Durchschnitt mit 4,2 Liter. Weitere Einsparungen ermöglicht die ECO-Taste, sie drosselt das maximale Drehmoment auf 100 Nm, reduziert die Leistung auf 42 kW / 57 PS und verändert das Ansprechverhalten des Gaspedals dementsprechend.

Während der Diesel an das manuelle Fünfgang-Schaltgetriebe gekoppelt ist, stehen für den TwinAir neben diesem auch ein automatisiertes Schaltgetriebe DNF zur Auswahl. Ist der Zweizylinder-Turbo hiermit kombiniert und der Eco-Modus aktiviert, stößt er nochmals zwei Gramm weniger und somit lediglich 97 Gramm Kohlendioxid aus und reduziert den Verbrauch um 0,1 Liter.

Das manuelle angenehm geführte Schaltgetriebe verfügt, wie bereits erwähnt, über eine Schaltpunktanzeige (Gear Shift Indicator), in Verbindung mit dem modernen TwinAir-Motor schlug die Schaltempfehlung jedoch ein für unseren Geschmack zu niedertouriges Fahren vor.

Sechs Airbags, darunter zwei Frontairbags, Kopfairbags sowie vordere Seitenairbags gehören ebenso zum serienmäßigen Sicherheitsumfang wie die Dreipunktsicherheitsgurte inklusive zweistufig wirkenden Straffern und Gurtkraftbegrenzern vorn und Kopfstützen mit Anti-Schleudertrauma-Effekt, wie aber auch ESP und eine Berganfahrhilfe. Den kleinsten Passagieren kommen die ISOFIX-Befestigungenzu gute.

Der neue Lancia Ypsilon möchte ganz klar durch Individualität, Stil und Emotion überzeugen. Die Funktionalität rückt dabei bewusst in den Hintergrund. Wer einen Lademeister möchte, wird sich nicht für den Ypsilon entscheiden. Ist Ihnen jedoch Exklusivität und Persönlichkeit wichtig, erlangen Sie diese bereits ab 12.500,- Euro in Form des Lancia Ypsilon 1.2 8v in der Basisversion Silver mit einer Start-Stopp-Automatik, elektrischen Fensterhebern vorn und einer Zentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung.

Der 0,9 TwinAir Turbo startet bei gleichem Ausstattungsniveau ab 13.700,- Euro und ist zudem in den darauf aufbauenden Varianten „Gold“ für 15.150,- Euro und „Platinum“ ab 16.850,- Euro erhältlich. Des weiteren steht für diese beiden Versionen eine Fünfgang-Automatik für 900,- Euro zur Wahl.

Der Hersteller selbst rechnet damit, dass bis zu 70 Prozent der Käufer sich für die GOLDene Mitte entscheiden. Mit einer Klimaanlage, dem CD-/MP3-Radio, einem Lederlenkrad und elektrisch verstell- sowie beheizbaren Außenspiegel ist die schon mal gut aufgestellt. Zudem stellt diese Variante zwei Innenraum-Alternativen zur Wahl: Die Variante Urban Black mit starken Grafiken und Anthrazit-Grau als Kontrastfarbe sowie die Version Chocolate Wave geprägt von organischen, mode-inspirierten Strukturen und Oberflächen.

Das höchste Ausstattungsniveau „Platinum“ bietet des weiteren ein sportliches Ambiente mit mattiertem Leder wie aber auch eine Klimaautomatik sowie die Freisprechanlage Blue&Me.
Doch damit ist der Qual der Wahl noch lange nicht zu Ende. Diverse Karosseriefarben bis hin zur Zweiton-Lackierung, sechs verschiedene Sitzbezug-Variationen, abgedunkelte Hauptscheinwerfer, Außenspiegelkappen in verschiedenen Chrom-Varianten, schwarze Schwellerleisten mitbeleuchtetem Logo und zahlreiche Leichtmetallräder sind ebenso in der Aufpreisliste zu finden wie ein sehr breites Angebot an Zubehör, das dem Kunden mehr als 600 Individualisierungsmöglichkeiten bietet.

Stand: Juli 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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