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Lancia Ypsilon in the City

Dass der Frauenanteil gerade bei Kleinwagen deutlich höher liegt, als der der Männer ist kein Geheimnis und auch nicht wirklich verwunderlich. Erstaunlicher ist doch viel mehr die Tatsache, dass sich der im vergangenen Jahr eingeführte Lancia Ypsilon hierzulande immer noch schwer tut, während er gerade in Italien die Frauenherzen im Sturm erobert.

Denn dem kleinen Italiener mangelt es zweifelsohne nicht an reichlich Charme oder Stilbewusstsein. Beim großen Schaulaufen mit seinen Mitbewerbern sticht der Lifestyle-Cityflitzer absolut hervor. Doch der Lancia Ypsilon hat nicht nur leidenschaftliches Design zu bieten. Wenn er auch nicht völlig frei von Schwächen ist, so sind die individuelle Ausstattungsvielfalt, die innovative Motorentechnologie, die reizvollen Preise und die erstmals fünftürige Karosserievariante durchaus überzeugende Argumente.

Ja, wenn auch beim flüchtigen Blick nicht unbedingt zu sehen, so ist die aktuelle Generation des Womanizers als Fünftürer ausgelegt. Dennoch bewahren die Designer dem Ypsilon den Dreitürer-Charakter und verstecken nicht nur die hinteren Türgriffe in der C-Säule auch die gesamte Tür ist kaum zu sehen.

Die Karosserie vereint auf eine sehr harmonische Art und Weise runde wie aber auch markante, sowie moderne und retro Designelemente, die im einzelnen ausdrucksstark hervorstechen. Sei es nur der große markentypische Kühlergrill, der dasLancia-Logo umfasst.

Eine gehörige Portion Extravaganz verleiht dem Kleinen aber gerade die empfehlenswerte Zweiton-Lackierung, die das Fahrzeug aus dem meist tristen Verkehrsalltag deutlich hervorhebt.

Die zwei zusätzlichen Türen erleichtern selbstverständlich den Zugang zu den hinteren Plätzen, wahlweise finden wir hier zwei oder drei Sitzmöglichkeiten vor. Womit wir auch schon beim Schwachpunkt des Ypsilon angelangt wären, dem Innenraum.

Zum einen bietet dieser gerade im Fond nur ein mäßiges Raumangebot, dessen Kopffreiheit in Verbindung mit dem zwar tollen und sehr großen Glasdach zusätzlich eingeschränkt wird. Apropos Kopf, auf diesen sollten Sie beim Einstieg achten, schnell hat man sich diesen am Dach angestoßen.

So geht nicht nur die sportlich verlaufende Dachlinie zu Lasten der Nutzbarkeit, auch die schwungvolle Heckklappe schränkt die Ladeluke ein und birgt zudem eine recht hohe Ladekante. Keinesfalls ein Lademeister, aber mit 245 Liter Stauvolumen ganz auf Klassenniveau, lässt sich der Kofferraum durch Umlegen der Rücksitze im Verhältnis 50:50 um ein vielfaches erweitern. Die entstehende Stufe trübt diesen positiven Eindruck ein wenig.

Platzmangel können sowohl Fahrer als auch Beifahrer nicht beanstanden, selbst bei größerer Statur sitzen wir angenehm luftig. Allerdings sind die straff gepolsterten Sitze mit einer zu kurzen Beinauflage und nur geringem Seitenhalt bestückt.

Mit der Übersichtlichkeit hält essich leider ebenfalls sehr in Grenzen, die ultrabreite C-Säule schränkt den Blick nach hinten völlig ein. Per Außenspiegel lässt sich das Fahrzeug aber glücklicherweise gut manövrieren. Wer möchte kann den Parkvorgang aber auch von der optionalen Einpark-Automatik übernehmen lassen. „Magic-Parking“ misst nach Aktivierung des Systems per Tastendruck die Größe der vom Fahrzeug passierten Parklücken. Erkennen die Sensoren einen Parkraum von mehr als 4,60 Meter (Fahrzeuglänge 3,84 Meter), wird dies sowohl akustisch wie auch optisch angezeigt. Nun übernimmt das System die Lenkradbewegung während des Einparkvorgangs. Gas geben muss weiterhin der Fahrer.

Ebenfalls alles andere als im Blick liegt die mittig auf dem Armaturenbrett platzierte Instrumenteneinheit, die regelrecht wie ein Fremdkörper wirkt und leider unschöne Gießgrade aufweist.

Die Materialqualität wie auch deren Verarbeitung entspricht dem erwarten Kleinwagenniveau, die Kunststoffe am Armaturenbrett und den Türen sind aber sehr weich gepolstert. Die großen Bedienelemente schön weit oben platziert liegen wiederum im optimalen Sichtfeld und lassen sich intuitiv steuern.

Leider verliert der Ypsilon im Innenraum etwas an Emotionalität und setzt mehr auf minimalistisch moderne Elemente. Drei verschiedene Innenraumdesigns die in Farbe, Stoff sowie Applikationen differenzieren stehen dem Kunden zur Auswahl.

Wenn auch das komfortable Fahrgefühl überwiegt, so scheut sich derStadtwagen auch nicht vor einer sportlicheren Gangart. So wuseln wir agil und spritzig durch die City und nur gelegentlich poltern starke Straßenschäden durch.

Spielerisch lässt sich das wendige Gefährt mittels direkter Lenkung manövrieren, die aktivierte „City“-Taste reduziert die Lenkkräfte um ein deutliches, das Ansprechverhalten ist dann aber nicht mehr so exakt.

Kleines Auto, kleiner Motor, das passt!

Der vom Fiat-Konzern entwickelte TwinAir Benziner schöpft aus gerade mal 0,9 Litern Hubraum 63 kW / 85 PS und stellt 145 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung. Ein spritziges Fahrgefühl und flottes Vorankommen sind in Verbindung mit dem geringen Fahrzeuggewicht garantiert. Natürlich muss man ihn bei flotter Fahrt weit ausdrehen, wenn auch hier dem Drehzahlmesser der rote Bereich fehlt.

So erreichen wir schon nach 11,9 Sekunden aus dem Stand die Tempo 100 Marke und ziehen wenn gewünscht bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von überraschenden 176 km/h weiter. Während dem kleinen Zweizylinder außen einen sehr kernig-charmanter Sound entströmt und das Aggregat nach viel mehr Leistung klingt, dringt es innen teilweise zu laut hervor.

Nicht nur das gut funktionierende Stopp-Start-System reduziert den Verbrauch, auch die Schaltempfehlung kommt hier unterstützend hinzu, regt allerdings zu sehr frühem Hochschalten an, was das Aggregat letztlich nicht nur schlapp erscheinen lässt, sondern auch akustisch untertourig wirken lässt.

Fürnoch deutlichere Einsparungen sorgt der aktivierte „Eco-Modus“. Allerdings setzt sich auch die Leistung herab, mit nur noch 57 PS und 100 Newtonmeter geht dem Motor spürbar die Spritzigkeit verloren.

Und Sie haben die Wahl, entweder gehen Sie mit gezügeltem Gasfuß an die Sache heran und erreichen den möglichen Wert von 4,2 Liter oder sie nehmen auch einen Mehrverbrauch von rund 1 ½ Litern oder sogar drei Litern in Kauf, erfreuen sich aber dafür an einer flotten Fahrweise und müssen auch die Autobahnetappen nicht scheuen.

Der Schalthebel des Fünfgang-Getriebes gleitet in jeder Situation angenehm durch die Schaltkulisse, die Platzierung weit oben ist durchaus angenehm, der eckige Knauf jedoch weniger. Abgesehen von der Basisausstattung kann das Fahrzeug für 900,- Euro Aufpreis auch mit einer Fünfgang-Automatik ausgestattet werden.

Das serienmäßige Sicherheitspaket umfasst klassenüblich zwei Frontairbags, Kopfairbags sowie vordere Seitenairbags und Dreipunktsicherheitsgurte inklusive zweistufig wirkenden Straffern und Gurtkraftbegrenzern vorn.

Dazu gesellen sich dann noch Kopfstützen mit Anti-Schleudertrauma-Effekt und ISOFIX-Befestigungspunkte für die Kindersitze. ESP und eine Berganfahrhilfe machen die Ausstattung komplett.

Doch der Lancia Ypsilon hat bei weitem mehr zu bieten als nur diese Features. Wenn sich die Basis „Silver“ mit den Ausstattungsmerkmalen Start-Stopp-Automatik, den elektrischen Fensterhebern vorn und einerZentralverriegelung inklusive Funkfernbedienung noch etwas zurückhält, so bieten die nächsthöheren Niveaus nicht nur einiges mehr, sondern dies auch mit attraktiven Preisvorteilen.

So sorgt die Linie Gold dank serienmäßiger Klimaanlage nicht nur für einen stets kühlen Kopf, sondern beschallt die Insassen mit einer Audioanlage inklusive CD-/MP3-Radio und Doppeltuner und verfügt außerdem über ein Lederlenkrad sowie elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel.

Hierauf aufbauend beinhaltet die Topausstattung Platinum außerdem 15″-Leichtmetallräder, eine Klimaautomatik sowie die Blue&Me-Freisprechanlage. Ein schicker Leder/Stoff-Mix erhöht nicht nur den Wohlfühlfaktor, auch der Fahrer kann seinen Sitzkomfort dank manueller Lordosenstütze steigern. Auch den Insassen im Fond ist es zudem möglich die Fenster elektrisch zu öffnen.

Am Beispiel des von uns gefahrenen 0,9 TwinAir Turbo schlagen sich die zur Wahl stehenden Ausstattungs-Linien preislich wie folgt nieder. Angefangen von der Basis für 13.700,- Euro über die 15.150,- Euro teure Gold-Version bis hin zur Variante Platinum ab 16.850,- Euro.

Individuelle Ausstattungsvielfalt garantieren die Italiener beispielsweise durch diverse Karosseriefarben bis hin zur Zweiton-Lackierung, verschiedene Sitzbezug-Variationen, Außenspiegelkappen und zahlreichen Leichtmetallrädern. Neben den zahlreichen Einzeloptionen finden wir in der Preisliste aber auch attraktiv und preislichreizvolle Pakete wie die Technologie-Pakete oder das Dolce-Vita-Paket vor. Sie sollten sich in jedem Fall genug Zeit nehmen und einen genauen Blick in die Aufpreisliste werfen. Die Variationsvielfalt ist bemerkenswert.

Stand: September 2012; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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