// Fahrbericht / Die Tradition lebt im Seat Ibiza Bocanegra weiter.

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Die Tradition lebt im Seat Ibiza Bocanegra weiter.

Was verbirgt sich hinter dem Namen Bocanegra? Zunächst einmal die saloppe Übersetzung „schwarzer Mund“ bzw. „schwarze Maske“. Und genau diese prägte bereits das im Jahre 1975 eingeführte und erstmals vollständig selbst entwickelte Modell Seat 1200 Sport Bocanegra. Ein Meilenstein war gesetzt und 34 Jahre später tritt der Seat Ibiza Bocanegra die Nachfolge an und steht seitdem ebenso traditionsbewusst und der Markenphilosophie entsprechend vor uns. Dabei ist der „Bocanegra“, basierend auf dem dreitürigen SC, nicht nur als Topversion Cupra mit 180 PS erhältlich, sondern auch als FR mit dem 150 PS starken Benziner sowie dem Dieselaggregat mit 143 PS.

Auch drei Jahrzehnte später zeichnet sich der Bocanegra durch seine schwarze Front mit den regelrecht bös dreinblickenden Doppelscheinwerfern mit ebenfalls schwarzen Verblendungen und dem gewaltigen Lufteinlass aus.

Ebenso sind die Außenspiegelgehäuse und der abgesetzte optische Diffusor am Heck in schwarz gehalten. Aus denRadhäusern blitzen sportive 17-Zoll-Aluräder hervor, die abgedunkelten Scheiben und der Dachspoiler runden den attraktiven Look gelungen ab.

Die FR- und Cupra-Version variieren außerdem am hinteren Stoßfänger. Während der hintere Spoiler bei der FR-Version mit einem mattschwarzen Einsatz versehen ist, wurde das verchromte Doppelendrohr im Gegensatz zum Cupra seitlich und nicht in Trapezform angebracht. Schade eigentlich, wenn das Rohr beim Cupra auch als „Blender“ fungiert, da sich darunter zwei schmale Auspuffrohre verbergen, so steht es dem Ibiza doch richtig gut. Die Lackierungen Dakota Rot und Candy Weiß kennzeichnen farblich die Bocanegra-Modelle.

Dass der Bocanegra auch im Innenraum auf den FR- und Cupra-Modellen basiert, ist sofort zu sehen. Schwarz dominiert und diverse Features, wie zum Beispiel das unten abgeflachte und sehr gut in der Hand liegende Drei-Speichen-Lenkrad, die Alupedale oder das knackig sportliche Gestühl finden wir auch hier vor.

Dennoch setzt der Bocanegra auch hier seinen farblich dezenten aber durchauswirkungsvollen Stempel auf. So ist das abgesteppte Rautenmuster der Sitzbezüge, die Manschette um die Schaltkulisse und die diversen Bocanegra-„B“-Logos in rot getaucht. Carbonfaser-Verblendungen in Schwarz zieren ebenfalls das übersichtliche Cockpit.

Das Ladeabteil entspricht ganz dem dreitürigen SC und bietet dem Kunden auch hier ein Kofferraumvolumen von 284 Liter, das bei Bedarf auf bis zu 930 Liter erweiterbar ist. Eine Stufe bleibt auch hier zurück – Schwamm drüber.

Viele legen Wert auf ein sportliches Äußeres, aber mögen es, wenn es darunter zivil zugeht. Genau aus diesem Grund, bieten die Spanier den Bocanegra nicht nur mit der Topmotorisierung an. Aber wir müssen schon auch sagen, dass der von uns gefahrene 1.4 TSI der „nur“ von 150 Pferdchen befeuert wird, bei weitem kein zurückhaltendes Gefährt ist.

Im Gegenteil, die 110 kW bei 5.800 Touren treten in Verbindung mit dem maximalen Drehmoment von 220 Newtonmeter, das sich von 1.250 bis 4.500 U/min erstreckt, ausgesprochen willig in Erscheinung, drehen flott hoch. 7,6 Sekundenfür den Spurt von null auf Tempo 100 können sich durchaus sehen lassen, und doch sind es vielmehr die agilen Durchzugswerte, selbst von unten heraus, die nicht nur die spanische Emotion und Rassigkeit vermitteln, sondern erheblichen Fahrspaß bieten.

Die Höchstgeschwindigkeit ist laut Herstellerangaben bei 212 km/h erreicht, wenn man bei unserer Tachonadel auch förmlich das Gefühl hatte, das sie die auf der Instrumentenskala angepeilten 260 km/h erreichen wollte.

Apropos, ist man auf dieser Mission unterwegs, rückt der Spritverbrauch von den durchaus möglichen 6,3 Litern verständlicherweise spürbar in die Ferne. Dennoch muss man bei dem Ibiza Bocanegra 1.4 TSI nicht unbedingt auf Agilität verzichten, nur um sparsam unterwegs zu sein. Bei noch immer flotter Fahrt sollten Sie allerdings schon mit sieben Litern rechnen, der vom Hersteller angegebene Verbrauch verlangt doch sehr viel Disziplin.

Diese benötigen wir bereits beim Einlegen der Schaltstufe des serienmäßigen siebenstufigen DSG. Denn während wir in der Stufe „D“ problemlosunseren Gasfuß zügeln können, fällt, sobald wir den Wahlhebel auf „S“ stellen, jegliche Hemmungen. Die Drehzahl schnellt sogleich nach oben, der Motor dreht noch deutlich besser hoch, die Gangwechsel gehen schneller vonstatten und außerdem gibt der Kleine dann beim Zurückschalten Zwischengas. Wobei gerade dieses kurze Aufbrüllen einem immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubert und den Spaßfaktor erheblich in die Höhe treibt. Möglich, aber nicht unbedingt nötig, der manuelle Eingriff mittels Schaltwippen, die griffgünstig hinter dem Lenkrad platziert sind.

Wenn das Fahrwerk des FR auch nicht ganz so straff daherkommt wie das des Cupra, sollte jedoch klar sein, das auch der FR tendenziell auf Dynamik ausgelegt ist. Schließlich trägt das Fahrwerk nicht umsonst den Namenszusatz „Agil“. So konnte unser Testwagen Bodenwellen und Schlaglöcher auch nicht verbergen, doch nichts desto trotz fühlten wir uns auch im alltäglichen Verkehr sehr gut damit aufgehoben.

Aber jetzt wollen wir die sportliche Seite entdecken und somit auch dasFahrdynamiksystem XDS. Fahren wir also eine Kurve recht schnell an, sorgt das elektronische Sperrdifferenzial dafür, dass das Fahrzeug weniger über die Vorderräder schiebt und somit neutraler und mit bestmöglicher Traktion zu handeln ist.

Und das System leistet vorbildliche Arbeit. Wenn auch noch leicht untersteuernd, so lässt sich der Kleine mit schwindelerregend hohen Geschwindigkeiten mühelos durch die engsten Kehren zirkeln. Die Elektronik, ebenfalls auf Agilität ausgelegt, lässt uns hierbei recht viel Freiheit, greift aber im Ernstfall entscheidend ein.

Die wunderbar präzise und angenehm straffe Lenkung tut Ihr übriges dazu. Hier passt einfach alles harmonisch zusammen und trifft genau unseren – zugegeben sportlichen – Geschmack. Ob auf kurvigen Landstraßen, einem längeren Autobahnritt oder auch in der City …

Einen ebenfalls verlässlichen Eindruck hinterließen die Scheibenbremsen rundum, wobei vorn innenbelüftet. Stets fein zu dosieren, packen Sie wenn es darauf ankommt wenn auch quietschend und mit einem spürbarenABS-Rubbeln vehement zu, steht aus Tempo 100 nach 35 – 36 Metern.

Der „Zorro“ unter den Ibizas startet bei 21.170,- Euro, dabei verbirgt sich hinter der „schwarzen Maske“ mehr als nur ein rassiges Fahrzeug.

Stand: November 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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