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Citroën C4: Rundum verbessert – eine gute Wahl.

Wer es beim C4 exklusiv und avangardistisch haben möchte, der muss wohl auf den DS4 umsteigen. Trotzdem ist die neue Limousine eine gute Wahl, denn nicht nur die Verarbeitung und die im Innenraum gewählten Materialien wie auch das Platzangebot können gefallen, auch das Fahrwerk, die Bremsen, der kultivierte Motor und der Preis stimmen. Zudem war unser Testwagen für 19.400,- Euro gut ausgestattet. Zu meckern gibt es wenig und nur Kleinigkeiten, das Platzangebot stimmt vor allem vorne und im Kofferraum, allerdings hält der nach dem Umklappen der Sitze ein störende Stufe im Boden bereit. Nur alle zwei Jahre bzw. 30.000 km muss der Franzose in die Werkstatt, auch das hilft Kosten zu sparen, und die gebotene Sicherheit kann sich ebenfalls sehen lassen: 5 Sterne im NCAP-Test.

Der C4 ist in die zweite Generation gegangen und hier verzichten die Franzosen künftig auf die dreitürige Variante. Aber auch mit fünf Türen kann die Optik gefallen, die völlig neu gut ins Citroën-Familiengesicht passt. Dynamisch und edel zugleich, sticht vor allem der Kühler ins Auge, der vom Doppelwinkel dominiert wird.

Darunter reicht die Frontschürze weit nach unten und nimmt in sportlich gezeichneten Einsätzen die Nebelscheinwerfer auf. Gut gefallen können auch die Scheinwerfereinheiten, und hier besonders die schwungvoll integrierten Blinkleuchten. Der „böse Blick“ unterstreicht den Anspruch, mehr als nur brave Familienlimousine zu sein.

Harmonisch und mit Schwung geht es in der Seitenansicht nach hinten, ein großer Dachkantenspoiler sorgt zusammen mit der mächtigen Heckschürze mit angedeutetem Diffusor mit Chromeinlage für den sportlichen Abschluss, die großen und ungewöhnlich geformten Heckleuchten sorgen für eine gute Wiedererkennung. Etwas klein ist der Heckschiebenwischer ausgefallen.

Alles neu auch im Innenraum. Dass dabei die feststehende Nabe im Lenkrad wieder weichen musste, wird viele freuen, wir trauern dieser Lösung ehrlich gesagt ein wenig nach. Was soll’s, das neue Volant sieht schick aus, der Pralltopf ist von einer schönen Alu-Applikationeingefasst, deren Form in den silbergrauen Rahmen der Luftaustrittsöffnungen und an den Heizungsreglern wieder auftaucht. Sehr gut macht sich auch die kleine Alueinlage im unten leicht abgeflachten Lederlenkrad. Schließlich soll der sportliche Touch der Karosserie innen nicht verloren gehen, die Sitze in unserem Testwagen unterstreichen das eindrucksvoll.

Doch widmen wir uns zuerst dem Cockpit. Die drei runden Instrumente mit einer Kombination aus analoger und digitaler Anzeigen lassen unzählige Farbtöne und Intensitäten zu, beim Start der Zündung schnellen die Anzeigen erst mal ganz nach oben, um dann in die Nullstellung zu gehen. Das Radio ist an die Zündung gekoppelt, schaltet man die aus, erlischt auch die Musik. Ein Kopfdruck genügt aber, und das Radio erwacht wieder zum Leben. Beim Start der Zündung geht normalerweise das Radio automatisch mit an, mal dauert das aber auch ziemlich lange – und manchmal ging es auch gar nicht mit an.

Da kann dann schon mal ein Blick in die Bedienungsanleitung nicht schaden, und das gilt auch vor allem für das Navigationssystem. Macht man das nicht, nervt das schon beim Versuch ein Ziel einzugeben, denn dann kann es sein, dass es den Versuch bereits ständig durch irgendwelche Verkehrsmeldungen unterbricht. Und auch während der Fahrt nerven dann sogar solche Meldungen, die gar nicht auf der gewählten Strecke liegen. Der Grund liegt in der Einstellung, man kann sich hier alle Meldungen im Umkreis anzeigen lassen, oder nur die, die auf der Strecke liegen oder gar keine. Also, wer lesen kann ist klar im Vorteil. Dass unser Navi zwischendrin schon mal die Orientierung verloren hatte und Abbiegevorschläge machte, die gar nicht erlaubt waren, trifft aber nicht nur Analphabeten.

Und wenn wir schon mal meckern, dann wollen wir auch die Mittelarmlehne bemängeln, die zwar ganz komfortabel war, aber nicht arretiert werden konnte und so oft unbeabsichtigt mit nach vorne fuhr. Schwamm drüber, viel entscheidender waren die positiven Dinge wie z.B. die Materialwahl am Armaturenbrett, wo der Kunststoff nicht nur optisch sondern auch haptisch erste Sahne war und herrlich weich auchVerletzungen entgegenwirken kann, dann die schicke Aufmachung der modernen Bedienelemente, die zudem alle in guter Reichweite liegen.

Liegen kann man auch in den Sitzen, die aber vor allem beim Sitzen sehr gute Dienste leisten. Sie sind ausgesprochen sportlich ausgeformt und mit unterschiedlichen Stoffmustern auch schick gemacht, dazu straff gepolstert und ausreichend groß dimensioniert. Fast schon ein wenig zu groß, denn sehr schlanke Menschen rutschen innerhalb der massiven, wenn auch recht weichen Seitenwülste hin und her. Und trotz der straffen Polsterung und der Lordosenstütze tat den ohnehin rückengeplagten Testfahrern in unserem Team schnell der Rücken weh und großen Passagieren kann das niedrige Dach auch schon mal Kopfschmerzen durch Anstoß beim Einstieg bescheren.

Was den Platz angeht, kann man im gewachsenen neuen C4 auf den Vordersitzen nicht maulen, auch nicht was die Kopffreiheit angeht, dabei war unser Testwagen mit einem schönen großen Panorama-Glasdach ausgestattet. Auf den Rücksitzen sieht das schon ein wenig anders aus, als 1,80 Meter großer Mitfahrer ist der Kopfraum auch schon erschöpft, die Kopfstützen reichen aber so weit halbwegs aus, hinter einem ebenso großen Fahrer haben die Knie dank stark ausgehöhlter Sitzlehen aber noch Luft. Richtig eng wird es beim Aussteigen für die Füße, die förmlich in den Vordersitzen hängen bleiben, und als nächsten sind die Türverkleidungen den Füßen im Weg.

Zumindest was die Größe anbelangt, kann der Kofferraum des neuen C4 seinen Mitbewerbern prima Paroli bieten. Die Landekante ist gerade noch niedrig genug und die Heckklappe schwingt hoch auf, erst jenseits der 1,85 m Körpergröße kann man sich an ihr stoßen. Zudem ist die Landekante – anders als die Stoßstange – gut gegen Ladekratzer geschützt. Recht weit unten ist allerdings der Griff um die Heckklappe zu öffnen.

Hinter der Ladekante geht es gleich wieder gut 15 cm nach unten, unter dem Boden ist anstelle des Reserverades ein weiteres großes Fach, das aber dank eines großen Styroporblocks u.a. mit dem Reifenreparaturset nicht sonderlich gut genutzt werden kann. Der jetzt408 Liter große Laderaum verfügt über Haken und Ösen, die in Verbindung mit einem Gurtband und Ladenetz auch Kleinkran gut am Platz hält.

Klappt man die Lehnen vor (geteilt 60 zu 40), kann jede Menge Gepäck untergebracht werden, allerdings dürfen die vorderen Sitze nicht ganz hinten stehen und eine störende Stufe von gut 10 cm im Boden behindert das Einladen größerer Gegenstände auch ganz erheblich. Wenn man nicht aufpasst, verklemmen sich die Gurte schnell zwischen Bordwand und Sitzlehne.

Neben dem großen, beleuchteten Handschuhfach bietet der C4 noch zahlreiche Fächer und sogar großen 1,5 Liter Flaschen eine Heimat, dazu Ablagen unter den Vordersitzen und in der Mittelkonsole, hier sogar mit Kühlung.

Der Fahrkomfort des neuen C4 ist gut, sogar deutlich besser als beim Vorgänger, der sich mehr in Richtung sportlich-straff orientiert hatte. Die meisten Straßenschäden bügelt die Federung sauber weg, auch auf Kopfsteinpflaster macht der Franzose eine gute Figur. Da kommt dann schnell die Befürchtung auf, dass es mit der Dynamik nicht mehr weit her ist.

Doch falsch befürchtet, der C4 schiebt zwar deutlich über die Vorderräder, kann aber auch auf kurvenreichen Landsträßchen eine gute Performance hinlegen. Allerdings fangen die Reifen früh an zu quietschen, nicht nur in schnell angefahrenen Haarnadelkurven. Hier blinkt die Kontrollleuchte des ESP wie wild und zeigt, dass die Elektronik alle Hände voll zu tun hat, aber – gut für jeden sportlich ambitionierten Fahrer – sie bremst den Wagen nicht wie viele Andere brutal runter.

Trotz der komfortablen Abstimmung schmeißt der C4 seine Insassen auf welliger Fahrbahn ziemlich hin und her und der Fahrer ist dann auch ständig mit „Lenken“ beschäftigt, so muss man auch in schnellen Kurven immer wieder „nachlenken“, die elektrohydraulische Servolenkung hat dann etwas zu viel Spiel, dürfte gerne direkter und auch eine Spur straffer agieren.

Geht man flott in eine Kurve und muss dann stärker abbremsen, verstärkt sich das Untersteuern kurzeitig sehr deutlich und dann geht er aber ohne dass der Fahrer etwas tun müsste, wieder sauber in dieSpur. Das serienmäßige ABS hat den Wagen prima im Griff, auch auf schlechten Straßen bleibt der Wagen gut beherrschbar und sauber auf Kurs. So wirkt die elektronische Bremskraftverteilung auf Scheibenbremsen vorn und hinten und im Notfall unterstützt der Bremsassistent den Fahrer, so wie die Berganfahrhilfe ein ungewolltes Zurückrollen des Fahrzeugs verhindert.

Die Dosierbarkeit ist, wie das Ansprechverhalten, gut, aus Tempo 100 benötigt der C4 nur 37 Meter um zum Stillstand zu kommen, ein Nachlassen der Bremsleistung war nicht festzustellen. Wenig komfortabel gibt sich der C4 bei der Motorhaube, kein Dämpfer hält sie oben, ein schnöder Haltestab muss bemüht werden.

Mit dem VTi 120 hatten wir uns quasi für die goldene Mitte des Benziner-Angebotes für den C4 entschieden. Seine 88 kW/120 PS holt er aus 1,6 Litern Hubraum, die auf vier Zylinder verteilt sind. Bei 4.250 U/min entwickelt der Ottomotor sein maximales Drehmoment von 160 Nm und leitet seine Power über ein manuelles Fünfganggetriebe an die Vorderachse.

Das Aggregat läuft schon am Start sehr kultiviert und gibt sich selbst gefordert nur angenehm kernig. Zusammen mit dem ESP kommt auch ASR an Bord, und mit dieser Antriebsschlupfregelung bringt der C4 seine Kraft gut auf die Straße und geht aus dem Stand heraus gut los, bereits nach 10,8 Sekunden ist die Tempo 100-Marke erreicht und ohne Hänger geht es flott weiter bis zur Topspeed von 193 km/h.

Wenn Sie den C4 VTi 120 flott bewegen, dann müssen Sie im gemischten Verkehr locker mit 9,8 Litern Super auf 100 km rechnen, langsam unterwegs ging während unseres Tests der Verbrauch auf bis zu 6,6 Liter im Mix zurück, eine Autobahnfahrt mit konstant 110 km/h quittiert er mit einem Verbrauch von 6,2 Litern. Reine Außerortsfahrten gibt Citroën mit 4,7 Litern an, in der Stadt sind es 8,8 Liter, jeweils mit der 15- bzw. 16-Zoll Bereifung. Die Top-Ausstattungslinie mit 17 Zoll-Rädern verlangt stets 0,1 Liter mehr. Mit 143 g/km fällt auch der CO2-Ausstoß erfreulich gering aus. Eine schöne Nebensächlichkeit: hat man die Tankklappe z.B. fernentriegelt, braucht man keinen Tankverschluss mehrbedienen, er ist in die Klappe integriert.

Kombiniert ist der VTi 120 mit einer manuellen Fünfgang-Schaltung, die straff und ausreichend kurz geführt auch halbwegs exakt arbeitet. Lediglich über die Leerlaufstellung ist ein kleiner Holperer festzustellen. Die Abstufung harmoniert gut mit dem Motor, einen sechsten Gang haben wir im Rahmen unserer Testfahrten selten vermisst, allerdings ist besonders der fünfte Gang recht lang ausgelegt, was den Durchzug dann doch merklich bremst.

Mit fünf Sternen schneidet der neue Citroën C4 im NCAP-Crashtest bereits sehr gut ab. Neben Fahrer-, Beifahrer-, Seiten- und Vorhang-Airbags kommen vor allem vorne eng am Kopf stehende Kopfstützen, natürlich Dreipunktsicherheitsgurte auf allen Plätzen (vorne höhenverstellbar und mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern) sowie ESP und ABS zum Einsatz.

Neben dem optionalen Spurhalte-Assistent können Sie auch das Notruf- und Assistance-System eTouch ordern, aber nur, wenn Sie sich für die Top-Ausstattungslinie Exclusive entschieden haben.

Also nichts für unseren Testwagen, denn der von uns gefahrene Citroën C4 VTi 120 war in der mittleren Ausstattungslinie Tendance gehalten. Die steht mit 19.400,- Euro in der Liste und ist sehr ordentlich ausgestattet. So gehören neben höhenverstellbaren Vordersitzen auch die elektrischen Fensterheber rundum, ein Bordcomputer, Alufegen, Teillederlenkrad, Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht-Funktion, stärker abgedunkelte Seiten- und Heckscheiben, Radio mit sechs Lautsprechern sowie Schubfächer unter den Vordersitzen zur Grundausstattung.

Die möglichen Extras sind dann auch recht überschaubar. So kommt mit dem Innovationspaket für 690,- Euro jede Menge Luxus ins Fahrzeug, wie z.B. Sitzheizung vorne, Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Tempomat, Follow-me-home-Lichtfunktion und einiges mehr. Die Metallic-Lackierungen sind ab 510,- Euro zu haben – so tolle Luxusdinge wie Lederausstattung oder das eMy-Way HiFi-Paket sind aber auch wieder nur der Topvariante vorbehalten – und doch war unser Tendance damit ausgestattet?!? Weiß da die Preisliste nicht so recht Bescheid?

Nur alle 30.000km muss der C4 in die Werkstatt zur Wartung – oder alle zwei Jahre. Das ist ebenso gut wie die mit Klasse 13 niedrige Haftpflicht, lediglich die 19 für Teilkasko und die 20 für Vollkasko gehen etwas ins Geld.

Stand: Dezember 2011; Fotos und Test: Redaktionsbüro Lind

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