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Chevrolet Cruze SW – Der Abschied tut weh.

Obwohl noch immer weitgehend auf der Höhe der Zeit, biegt der Chevrolet Cruze SW auf die Zielgerade ein. Schon jetzt gibt es den Deutsch-Amerikaner neu nicht mehr bei uns zu kaufen – Opel zuliebe wird der Vertrieb eingestellt und vielleicht bis auf ein paar „Reste“ ist bei den Händlern kein neues Modell mehr zu finden. Trotzdem bleibt der Wagen eine gute Wahl, kann mit dem 1,4 Liter Turbo-Benziner mit 140 PS gefallen und flotte Fahrleistungen hinlegen, er geht gut und gutmütig um die Kurven, federt ordentlich ab (nur die Hinterachse lässt so manches nach innen durch) und bremst hervorragend. Zudem hat er alles an Bord, was man so braucht, nur modernste Assistenzsystem, Xenonlicht etc. sucht man vergebens.

Optisch gibt es eigentlich nichts Neues zu berichten, nach wie vor sieht der Cruze schick aus, selbst der Kombi gefällt mit einer fast coupéhaften Linie, vorne wie hinten prang stolz das große Chevrolet-Logo.

Dezente Chromeinlagen und -umrandungen und verchromte, echte Türgriffe unterstreichen den edlen Look, Dachreling und Dachkantenspoiler sorgen für die nötige Dynamik.
An der hinten weit überstehenden Karosserie fehlt mir eigentlich nur ein gut sichtbares dickes Auspuffrohr zum Glück. Die Türen fallen mit einem satten Klang ins Schloss, die Spaltmaße sind eng und exakt.

Auch im Innenraum fallen die Veränderungen nur ganz gering aus und sind der Ausstattungslinie geschuldet, um nicht unbedingt alles noch einmal zu wiederholen, verweisen wir an dieser Stelle auf den bereits veröffentlichten Bericht (siehe Archiv Chevrolet) im Rahmen der Pressevorstellung.

So ein paarDinge lassen sich aber nur im ausführlichen Test rausfinden, und die wollen wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten. Die Sitzheizung arbeitet sehr schnell und zeigt sich auch von der Leistung her als sehr stark. Sie kann in drei Stufen variiert werden. Zahlreiche Ablagen nehmen viel Kleinkram auf, in die Fächer in den Türen passen auch größere Flaschen und generell schön gelöst ist das mit der Stoffverkleidung am Armaturenbrett, und diese Verkleidung läuft zudem schick in den Türen aus und wurde auch an den hinteren Türen nicht vergessen.

Und dieser schicke Stoff taucht dann auch in den Mittelbahnen der Sitze wieder auf. Die Sitzwangen sind mit Lederimitat mit schöner weißer Naht bezogen. Die Mittelarmlehne stört bisweilen je nach Fahrergröße und man stößt an wenn man zum Schalthebel will.

Die Sitze sehen nicht nur schick aus mit dem Stoff-Leder-Mix, sie sind auch schön ausgeformt, geben guten Seitenhalt und sind straff gepolstert, bietet einen guten Sitzkomfort, und trotz Hebel ist die Lehne recht feinrastrig zu verstellen, was fehlt ist eine Lordosenstütze.
Altbekannt und bewährt ist die Beleuchtung der Instrumente und Bedienelemente, alles in türkisfarbenem Licht, auch die Schalter im Lenkrad sowie die elektrischen Fensterheber in den Türen. Das Innenlicht ist recht dunkel, hier hätte man locker die vorderen Leseleuchten mit einbeziehen können.

Hat das Fahrzeug ein Navigationssystem, ist auch eine Rückfahrkamera verbaut. Die Bedienung das Navi wirft keine Fragen auf, alles ist intuitiv und weitestgehend über den Touchscreen zu erledigen. Durch die großen Fahrzeugüberhänge am Heck verschmutzt die Heckscheibe deutlichweniger stark, leider gilt das nicht auch für die Rückfahrkamera, die so schnell ein sehr schlechtes Bild liefert, das auf dem Navi-Bildschirm angezeigt wird.

Will man vorne rein oder raus, erwartet der Cruze eine gewisse Sportlichkeit, es ist ein bisschen eng und es geht tief runter. Hinten ist hinter einem 1,80 m großen Fahrer durch die starke Aushöhlung der Sitzlehne für einen 1,80 m großen Mitfahrer noch gerade so ausreichend Platz an den Knien, beim Kopfraum ist es da schon besser bestellt, der Mittelsitz ist nur eine Notlösung. Die kleine Mittelarmlehne hinten hätte, um besser den Arm auflegen zu können, gerne ein wenig länger sein dürfen, die Kopfstützen hinten sind nicht sehr weit ausziehbar. Schon der Einstieg in die zweite Reihe ist durch die B-Säule ein klein wenig beengt, das Raus ist an den Füßen recht eng, der Rest ist okay.

Sitzt ein 1,80 m Mensch hinter dem Steuer, wird das Umklappen der Rücksitze schwieriger, da stößt dann die Kopfstütze an und muss ggf. raus genommen werden. Ansonsten muss nur ein Griff gezogen werden und die Sitzlehne fällt um, die Ladefläche steigt so zwar nach vorne hin ganz minimal an, sie ist ansonsten aber schön groß und eben, mit solidem, stabilen Boden. Der Stauraum wächst so von 500 auf bis zu 1.478 Liter an.

Hinter den Rücksitzen liegt in der Gepäckraumabdeckung ein Trennnetz, das auch bei umgelegten Rücksitzen vorne mit eingehängt werden kann. Raffiniert gelöst ist auch die Gepäckraumabdeckung, da genügt ein leichtes Antippen und sie fährt an Schienen in der D-Säule nach oben und schon kann man auch größere Dinge bequem einladen, ohne dass man sie zuvor aus der Hand legenmüsste.

Die Heckklappe öffnet so weit, dass man sich erst mit 1,85 m an ihr stoßen kann, statt eines Reserverades hatte unser Testwagen unter dem Boden erst ein schmales Fach mit Unterteilung (Styropor) und darunter kommt die Mulde in der eigentlich das Reserverad liegen würde. Hier könnte man sich vielleicht eine Lösung ausdenken, die die Gesamtnutzbarkeit des Kofferraumes etwas optimiert.

Links und rechts sind noch zwei kleine Fächer, sonst ist das Gepäckabteil recht glattflächig. Die Ladekante ist angenehm niedrig und auch sehr gut geschützt, die Stoßstange wie so oft nicht. Die Heckklappe fällt fast von allein wieder ins Schloss, man braucht sie nur leicht anziehen. Wenn man die Rücksitze wieder hochklappt, kann man leicht den Gurt einklemmen.

Der im ersten Moment sehr positive Eindruck des Fahrwerks weicht sich im Laufe der Zeit ein klein wenig auf. Die Federung ist recht straff, vor allem an der Hinterachse, und da poltert es dann auch schon mal etwas, Querrillen kommen recht stark nach innen. Mit zunehmender Beladung wird das besser.

Auch die Lenkung ist schön angenehm straff und direkt. Es macht Spaß mit ihm etwas flotter durch die Kurven zu gehen, er fährt sie leicht untersteuernd und gut beherrschbar, reagiert dabei gut auf die Lenkung, die zudem eine ordentliche Rückmeldung gibt.

Wenn es viel regnet und man mit mehr als einer Person im Auto sitzt, die dann vielleicht vorher auch noch nass geworden sind, dann hat der Cruze alle Hände voll zu tun, die Scheiben beschlagfrei zu halten, da muss dann oft nicht nur auf volle Leistung sondern auch die Klimaanlage eingeschaltet werden.

Die Bremse packt gut zu, mit leichtemReifenquietschen und ABS-Rubbeln kommt er gut und sicher zum Stehen , auch auf wechselnden oder schlechten Straßenbelägen und bei Nässe.
Ausgestattet mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent sowie Scheibenbremsen rundum kommt er bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 nach nur 36 Metern zum Stillstand. Ein Nachlassen war auch nach der zehnten Vollbremsung nicht festzustellen, das Ansprechverhalten und die Dosierbarkeit sind einwandfrei.

Gestartet wird per Knopfdruck, der Schlüssel kann schon beim Türöffnen in der Tasche bleiben. Und gestartet haben wir den gleichen 1,4 Liter Turbo-Benziner mit 103 kW / 140 PS, den wir auch im vorangegangenen Orlando getestet hatten.

Der Motor hat mit dem Cruze etwas leichteres Spiel und läuft sehr kultiviert. Er wird schön kernig wenn man ihn fordert, bleibt ansonsten unaufdringlich. Vor allem unten rum zieht er gut durch, mit seinem 200 Nm starken Drehmoment, das bereits ab 1.850 Touren zur Verfügung steht, erreicht er nach 9,5 Sekunden die Tempo 100 und wird bei Bedarf 200 km/h schnell. Der CO2-Ausstoß liegt bei 134 g pro Kilometer.

Bei normaler Fahrweise kann der Vierzylinder mit 6,8 Litern bewegt werden. Auf der Autobahn werden daraus schnell 7,7 Liter. Obenrum ist schon etwas mehr Schaltarbeit angesagt, die oberen Gänge sind lang übersetzt. Sonst kann es passieren, dass ihm schon mal die Puste ausgeht, auch wenn die Schaltempfehlung noch gerne eins rauf schalten möchte.
Die Schaltempfehlung ist wie im Orlando unten im Display neben der Kilometeranzeige untergebraucht, und auch hier aus den Augenwinkeln heraus nicht wahrzunehmen. Zudem empfiehlt sie nur das Raufschalten. Und auchim Cruze haben wir eine Eco-Taste, mit der auch nur die Start-Stop-Funktion aktiviert wird.

Die Schaltung flutscht, die sechs Gänge sind gut sortiert und der Schalthebel geht auf kurzen Wegen gut geführt durch die Kulisse. Dazu geht alles schön straff, nur ein kleiner Holperer über die Leerlaufstellung ist aber praktisch nicht nennenswert.

Eins hat mich ein wenig gestört: Der Fußraum zwischen Kupplung und Seitenwand bietet zwar einen Platz um den linken Fuß abzustellen, der ist aber recht eng, was vor allem beim wieder rausziehen oft zum Hängenbleiben führt, besonders bei großen Füßen und Schuhen mit überstehenden Sohlen.

Wie alle Chevrolet Cruze hat auch der Station Wagon serienmäßig sechs Airbags, Dreipunkt-Sicherheitsgurte auf allen Sitzen, ISOFIX-Kindersitzbefestigungen und eine Sicherheitspedalerie. Allerdings sucht man modernste Assistenzsysteme wie Spurhalteassistent oder Toter-Winkel-Warner vergebens. Ein Umstand der nicht zuletzt der Preispolitik geschuldet ist.

Unser Testwagen war mal wieder die Top-Variante LTZ, und so kostete der Chevrolet Cruze SW 1.4 Turbo mit Keyless Entry (schlüsselloses Zugangssystem), Licht- sowie Regensensor, Stoff-/PVC-Ledersitze, 17″-Leichtmetallfelgen und einem automatisch abblendbaren Innenspiegel schnell über 25.000,- Euro.

Und natürlich gehören in dieser Variante auch die Klimaautomatik, Lenkradfernbedienung fürs Radio, elektrische Außenspiegel und Fensterheber wie auch ein Navigations- und Audiosystem inkl. Rückfahrkamera zur Grundausstattung. Eigentlich bleibt nur die Metallic-Lackierung für 490,- Euro als Extra zu benennen.

Aber eigentlich ist das schon gar nicht mehr nötig,denn die Modelle sind bereits restlos ausverkauft. Wer sich für ein solches Modell interessiert muss sich auf dem Gebrauchtwagenmarkt umschauen oder beim Schwestermodell aus dem Hause Opel reinschauen.

Stand: August 2014; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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