// Fahrbericht / VW New Beetle Cabrio TDI

Volkswagen

VW New Beetle Cabrio TDI

Sympathisch, komfortabel und auf Wunsch teuer. Es macht rundum eine gute Figur, auch wenn das geöffnete Verdeck nicht so ganz ins Bild passt. Die optionalen Sportsitze vorne sehen nicht nur gut aus, sie bieten ein perfektes Unterkommen. Platz gibt es reichlich, mit endloser Armaturenbrett-Tiefe und riesiger Kopffreiheit fast schon zu viel. Der Motor läuft sehr kultiviert und vor allem sparsam, bietet für 105 PS ordentliche Fahrleistungen und guten Durchzug. Exakt und straff zeigen sich die Lenkung wie auch die Schaltung, die Klappe vom Kofferraum ist leider zu klein. Der Grundpreis geht in Ordnung, man kann (muss) aber für diverse Extras noch jede Menge Geld ausgeben.

Es ist fotogen, das Cabrio auf Basis des New Beetle, keine Frage. Und mit der modernen Interpretation des legendären Käfer wirkt es auch sehr sympathisch.

Von den Scheinwerfern bis zur Dachkuppel bestimmen Rundungen das Bild, besonders im geschlossenen Zustand ergibt sich eine in sich schlüssige Erscheinung. Die Verarbeitung ist mit exakten Spaltmaßen hochwertig. Obwohl die Ausmaße des geöffneten Verdecks deutlich kleiner ausfallen als beim Urkäfer, will das nach hinten geklappte Verdeck einfach nicht so recht passen, es wirkt wie ein Fremdkörper, der über dem Heck schwebt.

Außerdem nimmt es sehr viel Sicht weg, was man auch von der recht breiten A-Säule behaupten kann. So entziehen sich Front und Heck dem Blick des Fahrers, was beim Einparken etwas Eingewöhnung verlangt, eine Einparkhilfe gibt es gegen Aufpreis.

Das Verdecköffnet und schließt (allerdings nur gegen Aufpreis) auf Knopfdruck elektrisch, vor allem beim Schließen genehmigt es sich nach dem Druck auf den Knopf aber erst einmal eine längere Gedenksekunde. Danach geht es recht schnell, allerdings muss ein Drehgriff ent- bzw. verriegelt werden, was vor allem für weniger kräftige Frauenhände nicht ganz ohne ist. Die Fenster müssen mit einem Tastendruck separat wieder hochgefahren oder abgesenkt werden.

Mit echten Griffen lassen sich die Türen leicht bedienen, die Seitenfenster fahren dabei auch etwas nach unten und nach dem Schließen wieder hoch. Trotzdem kommt es vor, dass die Schiebe leicht an den Dichtungen am Dach hängen bleibt, was zu unschönem Klappern führt.

Der Einstieg gelingt leicht und dann empfängt einen ein geradezu riesiger Raum. Durch die mehr als üppige Kopffreiheit auf den Vordersitzen und der endlos tief scheinenden Armaturentafel fühlt man sich fast ein wenig verloren im New Beetle Cabriolet.

Ganz anders dagegen die Sitze. Denn unser Testwagen war, als Sonderausstattung versteht sich, mit lederbezogenen Sportsitzen ausgestattet die einen eng umschließen und einen hervorragenden Seitenhalt bieten. Einfach zu verstellen findet man schnell die richtige Sitzposition, die Größe der Sitze passt ebenso wie die angenehm straffe Polsterung, an heißen Tagen erwies sich das Leder jedoch als nicht sehr atmungsaktiv, wird es kühler, kann man sich über eine flotte Sitzheizung freuen.

Ist das Platzangebot vorne riesig, sitzen hinten zwei Erwachse bis max. 1,80 m Körpergröße bequem, der Kopfraum istdann aber zu Ende und die Knie stoßen in die Lehnen der Vordersitze, falls der Fahrer größer als 1,70 m ist. Insgesamt ist die Stellung der Rückenlehnen hinten etwas zu steil und die Kopfstützen sind zu kurz. Der Weg von und nach hinten ist prima, der Sitz lässt sich einfach und weit nach vorne klappen, Easy Entry kostet aber extra.

Zurück auf den Fahrersitz und hinter das zweifach verstellbare, griffige Lederlenkrad mit den schönen Alu-Applikationen, von denen wir uns mehr im Inneren gewünscht hätten. So müssen wir mit den angenehmen Materialien vorlieb nehmen, in die Instrumente wie Bedienelemente übersichtlich und gut erreichbar eingebaut sind.

Ganz wie beim alten Käfer dominiert hinter dem Lenkrad ein großes, gut ablesbares Rundinstrument, dazu die runden Luftaustrittsöffnungen und runden Bedienteile für die Heizung/Lüftung, die Auflockerung durch die hellen und dunklen Kunststoffe und das wieder Auftauchen der Außenfarbe in den Türen – man kann sich im New Beetle Cabrio wohl fühlen, in die kleine Vase am Armaturenbrett gehören natürlich Blümchen, es muss ja nicht unbedingt eine Sonnenblume sein.

Fast wie zu alten Käferzeiten hat das Gebläse bei heftigem Regen alle Hände voll zu tun, um die Scheiben frei zu halten – nur gut, dass es im Rahmen der Extra-Pakete eine Klimaanlage gibt, ist die eingeschaltet, ist selbst bei kleinster Stufe blitzschnell der optimale Durchblick garantiert. Der Wanderaschenbecher wird in die Getränkehalter gesteckt, damit man ihn auch im Dunkeln findet, wurde darüber ein Dämmerlicht montiert. Bei VW eigentlichselbstverständlich und hier nur am Rande erwähnt: alle Bedienelemente und Anzeigen sind gut beleuchtet.

Der Kofferraum des modernen Krabbeltieres ist mit seinen 201 Litern durchaus ordentlich, die viel zu kleine Ladeöffnung erschwert aber das Be- und Entladen aber schon bei kleinen Gegenständen.

Das ausgewogene Fahrwerk beschert dem New Beetle einen guten Fahrkomfort, schluckt Schlaglöcher und Co. recht anständig und hält trotzdem genügend Reserven bereit, um auch mal sportlicher unterwegs zu sein. Beim flotten Anfahren neigen die Antriebsräder aber gern mal zum Durchdrehen.

Mit der angenehm straffen Lenkung hat man das Cabrio gut im Griff, es folgt willig jeder Lenkbewegung und geht ziemlich neutral um die Ecken. In unserem Slalomtest vermittelte es mit seinen starken Karosserieneigungen jedoch eher das Gefühl in einem Schiff zu sitzen. Zum Cruisen ist er absolut spitze, und dazu passt dann auch der sparsame Diesel bestens.

Eine gute Verwindungssteifigkeit haben die Konstrukteure geschafft, offen ist kein Zittern oder Ähnliches zu verspüren, im geschlossenen Zustand konnte sich unser Verdeck auf schlechten Straßen aber ein ziemliches Knarren nicht verkneifen. Ab Tempo 170 werden im geschlossenen Fahrzeug die Fahrgeräusche zudem recht laut. Ansonsten zeigt sich das Verdeck absolut dicht und auch dick gepolstert, was auf eine gute Wintertauglichkeit schließen lässt.

Ohne Windschott wird ab 100 km/h der Wind im New Beetle langsam heftig, vor allem hinten. Sitzt dort niemand, können sich die Frontpassagiere mit einem großen Windschott reichlichBesserung verschaffen. Seine Montage gelingt ebenso einfach wie die der Persenning.

Die Bremsanlage verfügt über ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und dazu vier, vorne innenbelüfteten Scheibenbremsen, die die Bremsleistung fein dosierbar abgeben. Bei einer Vollbremsung packen sie ordentlich zu, kreischen dabei aber laut auf. Im Belastungstest zeigten sich die Bremsen sehr standfest und der Bremsweg wurde mit warmer Bremse sogar über einen Meter kürzer.

Ein Diesel in einem Cabriolet ist nichts ungewöhnliches mehr, und der 1,9 Liter TDI des VW New Beetle ist ohnehin nur im Stand noch schwach als Diesel zu erkennen. Im normalen Fahrbetrieb dominiert dann ein angenehm kerniges Brummen, der Turbo hat einen breiten Wirkungsgrad und arbeitet ohne Turboloch oder schlagartigen Einsatz.

Ansonsten macht sich Selbstzünder nur durch einen sparsamen Umgang mit dem teuren Treibstoff und ordentlichen Fahrleistungen mit einem guten Durchzug bemerkbar. Dazu holt er aus 1.896 cm³ Hubraum 105 PS / 77 kW und ein maximales Drehmoment von 240 Nm bei niedrigen 1.800 Touren.

Damit wird er bei Bedarf nicht nur 179 km/h schnell, er sprintet in 12,0 Sekunden von Null auf Hundert und hält in praktisch jedem Bereich einen sehr ordentlichen Durchzug bereit. Dafür ist auch das Fünfgang-Schaltgetriebe mitverantwortlich, das harmonisch auf das Fahrzeug abgestimmt ist und sich zudem sehr exakt bedienen lässt.

Mit einem Mixverbrauch von 5,5 Litern im Rahmen unserer Messfahrt lässt sich auch eine sonntägliche Spazierfahrt ohne Reue beim Tanken genießen. Bei reinenÜberlandfahrten kann man sogar mit 4,7 Litern Diesel auf 100 km auskommen. Damit steigt dann die Reichweite auf weit über 1.000 km.

Cabriofahrer sind in der Regel keine Raser, besonders nicht, wenn das Verdeck geöffnet ist. Trotzdem kann es nicht schaden, einen Blick auf die Sicherheitsausstattung zu werfen. Hinter den Rücksitzen steckt ein Überschlagschutzsystem, das im Notfall binnen 0,25 Sekunden ausfährt.

Dazu kommen dann noch Front- und Kopf-Seiten-Airbags sowie aktive Kopfstützen vorne. Selbstverständlich sind auf allen Sitzplätzen Dreipunkt-Automatikgurte eingebaut.

23.345,- Euro für das New Beetle Cabrio mit dem 1.9 TDI Turbodiesel mit 105 PS sind kein schlechter Preis, aber vieles was Spaß macht, Komfort bietet oder einfach nur toll aussieht kostet extra. Das gilt für die Klimaanlage ebenso wie für das elektrische Verdeck oder die Metallic-Lackierung.

Da empfiehlt sich ein ausgiebiges Studium der langen Aufpreisliste, denn die beginnt beim Tempomat für 185,- Euro und geht weiter über das Komfort-Paket für 195,- Euro, das Highline-Paket für 475,- Euro, das Exclusive-Paket für 1.150,- Euro oder das Premium-Paket für 2.450,- Euro, bei dem dann auch Alufelgen, Breitreifen, Windschott etc. mit dabei sind. Auch das Easy-Entry für den bequemen Einstieg nach hinten ist in den Paketen enthalten, wie die Nebellampen, die Sitzheizung etc.

Und dann gibt es auch noch Winterpakete und nicht zuletzt Lederausstattungen, die bei 1.550,- Euro beginnen und zusammen mit den von uns als sehr gut empfundenen Sportsitzen 1.810,- Euro kosten können. DerAufpreis richtet sich nach dem gewählten Grundpaket.

Mit Euro 4 und für ein Cabrio günstigen Versicherungseinstufungen (HPF 16, VK 18, TK 24) sowie dem geringen Verbrauch kann man die Unterhaltskosten niedrig halten.

Stand: September 2005, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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