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Volkswagen

VW Jette TSI mit 140 PS

Klein und doch groß. Die Rede ist dabei vom Motor, denn der 140 PS starke TSI-Motor im Jetta holt seine Leistung aus nur 1,4 Litern Hubraum. Zusammen mit den 220 Nm Drehmoment sind sehr ordentliche Fahrwerte drin und der Verbrauch hält sich in Grenzen, zumindest solange Sie Ihren Gasfuß im Zaum halten. Hohes Autobahntempo schreit dann doch wieder nach bis zu 16 Litern. Der Jetta kann mit Ausnahme des nur begrenzt variablen, aber sonst großen Kofferraums, nur gefallen. Tolles Fahrwerk, knackige Schaltung, gefühlvolle Lenkung, prima Sitze, solide Verarbeitung, einfache Bedienung und ein wenig Langeweile im Cockpit. Außen gibt er sich mit Chromgrill und breiten Schlappen richtig sportlich.

Optik ist ja immer eine Frage des Geschmacks, das gilt natürlich auch für den VW Jetta, uns hat er in seinem feurig roten Kleid super gefallen, was natürlich auch viel mit den breiten Reifen zu tun hatte, die dem Wolfsburger noch eine extra Portion Sportlichkeit verleihen.

Besonders gut macht sich an der Front der mittlerweile bei VW schon zum Familiengesicht zählende Chromgrill, der bis tief in die Frontschürze reicht. Darin prangt groß das VW-Logo, dessen Rund von den Hinterglas-Scheinwerfern wieder aufgenommen wird. Sportbetont gibt sich auch die Spoilerlippe an der tief heruntergezogenen Frontschürze, deren äußere Lufteinlässe auch die Nebelscheinwerfer aufnehmen.

Die Seitenliniebeginnt dann wie beim Golf, doch das gefällig angesetzte Heck mit der sanft abfallenden Dachlinie streckt den Jetta ungemein. Die markanten LED-Rückleuchten mit den zwei runden Einsätzen sorgen auch für ein eigenständiges Heck, im angedeuteten Diffusor fehlen uns jetzt nur noch ein oder besser zwei dicke Auspuffrohre.

Der Optik zuliebe bleibt die Stoßstange gegen Ladekratzer ungeschützt, ansonsten zeigt sich das lange Heck mit seinem großen Kofferraum aber ganz praktisch, die 527 Liter sind prima nutzbar – für unseren Geschmack ist der Jetta schicker als der Golf.

Nur wenn es um die Erweiterung des Stauraums geht kann er mit dem Golf nicht mithalten. Beim Jetta lässt sich zwar auch mit einem Griff die Rücksitzlehne umklappen, jedoch bleibt vor allem eine mächtige Stufe im Boden zurück und auch an die maximale Ladekapazität des Golf reicht er nicht ran. Stellt sich höchstens die Frage, ob und wie oft man solche Dimensionen braucht.

Der Rest des Jetta ist ganz Golf und somit tadellos verarbeitet, logisch durchdacht und leider auch ein klein wenig langweilig. Der Einstieg gelingt vorne sehr bequem, hinten hakten bei unserem Testwagen die Türen leicht beim Öffnen und im Fußbereich stört die B-Säule ein wenig.

Die gebotenen Platzverhältnisse können vollauf genügen, auch hinten sitzen Erwachsene hinter großen Fahrern noch gut, hier geht ab 1,85 m jedoch der Kopffreiraum zur Neige.
Voll des Lobes sind wir in Sachen Sitze,waren in unserem Testwagen doch angenehm straff gepolsterte Sportsitze verbaut, die mit Leder bezogen, groß dimensioniert und optimal ausgeformt waren.

So bieten sie besten Seitenhalt und zugleich einfachste Verstellmöglichkeiten. Wer allerdings unterhalb der Hüften eher füllig geraten ist, wird im Oberschenkelbereich ein gewisse Enge beanstanden.

Das Cockpit ist mit hochwertigem, an allen wichtigen Stellen weich abgepolstertem Kunststoff verkleidet, ein paar wenige Aluapplikationen sorgen für etwas Auflockerung. Hier böte sich aber noch reichlich Raum für Verbesserungen.

Alle Bedienelemente liegen da wo sie hin gehören, die Handhabung wirft keinerlei Fragen auf. Das Lenkrad ist – mit Leder bezogen – angenehm griffig und natürlich in Höhe und Weite verstellbar, die Instrumente sind klar gezeichnet und gut ablesbar.

Damit Sie all Ihre Kleinigkeiten gut unterbringen, hält der Jetta u.a. Fächer unterm Sitz, ein mit der Klimaanlage kühlbares Fach in Mittelkonsole, Türfächer mit Getränkehaltern für Flaschen bis 1,5 Liter und Taschen in den Sitzlehnen etc. bereit. Sogar an einen Flaschenöffner in einem der Fächer haben die Entwickler gedacht.

Mit seinem ausgewogenen Fahrwerk kann der Jetta sowohl komfortbewusste wie sportlich ambitionierte Fahrer begeistern. Als Reiselimousine bügelt er die meisten Fahrbahnunebenheiten und Schlaglöcher sauber weg, liegt – auch bei hohem Autobahntempo – sauber und ruhig auf der Straße. Ab160 km/h machen sich jedoch die Windgeräusche recht ordentlich bemerkbar.

Wer lieber flott unterwegs ist wird vor allem die straffe und direkte Lenkung zu schätzen wissen, mit der sich der Jetta prima dirigieren lässt. Fronttriebler typisch geht es leicht untersteuernd auch um flott angefahrene Kurven und selbst im Slalomtest zeigt sich der Jetta ausgesprochen gutmütig, sein Heck schwingt sanft nach und mit und ohne ESP hat man mit dem 4, 55 Meter langen Stufenheck-Golf keine Probleme.

In jeder Situation bekommt man exakte Rückmeldungen und fühlt sich so stets wohl im Jetta. Und das gilt auch bei eventuell notwendigen Vollbremsungen, die die ABS-Bremsanlage mit Bremsassistent, elektronsicher Bremskraftverteilung und Scheibenbremsen rundum, vorne innenbelüftet optimal meistert. Ohne nennenswertes Rubbeln oder gar Quietschen kommt er aus Tempo 100 nach 37,5 Metern zum Stehen, auch nach dem 10. Versuch ohne ein Nachlassen.

Im normalen Fahralltag lässt sich die Bremse sanft dosieren und verrichtet komfortbetont ihre Arbeit. Das Low Dynamic ESP (LDE) greift schon bei kleinsten Abweichungen ein, auch wenn das Fahrzeug noch stabil ist. Das neue ESP umfasst u.a. auch Antriebsschlupfregelung und elektronische Differenzialsperre.

Auch ein Zeichen von Komfort: Die Klimaanlage schaltet z.B. beim Einlegen des Rückwärtsganges oder beim Betätigen des Scheibenwischers auf Umluft, um Geruchsbelästigungen zu minimieren.

Maximale Kraft beiminimalem Verbrauch – so umschreibt VW die Philosophie des neuen Motors, TSI heißt dessen neue Zauberformel. Er arbeitet nach dem Twincharger-Prinzip, wird mittels Kompressor und Turbolader also doppelt aufgeladen.

Zumindest beim Anlassen gibt sich der in unserem Testwagen verbaute 1.4 TSI mit 140 PS / 103 kW noch etwas ruppig, und auch wenn er voll gefordert wird, kommt er recht kernig daher. Seine maximale Leistung stellt er bei 5.600 Touren zur Verfügung, das maximale Drehmoment von 220 Nm liegt zwischen 1.500 und 4.000 U/min an. Entsprechend willig dreht das Aggregat hoch und schiebt vom Start weg sehr gut an. Bei nur 1.000 Umdrehungen liegen schon 90 Prozent der maximalen Durchzugskraft an.

So ist der 1.4 TSI nach nur 9,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und beschleunigt zumindest bis Tempo 180 sehr zügig. Danach wird es aber merklich ruhiger und bis er seine Höchstgeschwindigkeit von 203 km/h erreicht hat (die Tachonadel pendelt dann schon bei 220) dauert es doch etwas.

Im gemischten Stadt-/Landstraßenverkehr kann man ihn, ohne jetzt besonders langsam zu bummeln, mit 8 bis 8,5 Litern bewegen, wer ihn mit Tempo über die Autobahn scheucht, muss mit 14 bis 16 Litern rechnen, wobei der TSI mit Super bleifrei betankt werden will. Im Rahmen unserer Verbrauchsmessfahrt haben wir 7,4 Liter auf 100 km gemessen.

Gleichgültig ob man flott oder gemütlich unterwegs ist, die knackige Schaltung im Jetta kann einfach nur gefallen. DieAbstimmung des serienmäßigen Sechsgang-Getriebes passt prima zum Motor, die Führung des Schalthebels ist angenehm straff und sehr exakt.

Sechs Airbags (Front- und Seitenairbags vorne, Kopfairbags vorne und hinten) sind serienmäßig, Seitenairbags hinten gibt es als Option.

Weitere Sicherheitsmerkmale sind bei einem Crash wegklappende Pedale, fünf Dreipunktgurte, vorne mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern, dazu fünf höhenverstellbare Kopfstützen, vorne crashaktiv. An den hinteren Außensitzen sind ISOFIX Halterungen für die einfache Kindersitzbefestigung montiert und auf Wunsch gibt es einen speziellen ISOFIX-Kindersitz von VW.

Den VW Jetta mit dem 140 PS TSI-Motor gibt es nur als Comfortline für 23.133,20 Euro oder, wie von uns gefahren, als Sportline für 23.543,54 Euro, jeweils mit dem feinen Sechsgang-Schaltgetriebe.

Die Grundausstattung umfasst dabei alles Notwendige, was man so braucht, bei unserem Sportline auch ein Sportfahrwerk mit 15 mm Tieferlegung, spezielle Alufelgen, Sportsitze, Blinker in den el. verstell- und beheizbaren Außenspiegeln, Klimaanlage und Zentralverriegelung mit Fernbedienung, um nur einiges zu nennen.

Den Wegfall der Modell- und Motorbezeichnung bekommen Sie dann auch umsonst, für zahllose weitere Ausstattungsfeatures müssen Sie aber dann ggf. tief in die Tasche greifen. So kostet z.B. eine Lederausstattung 1.831,16 bzw. 2.103,02 Euro extra, Metallic-Lack kostet 471,89 Euro,Radio-Navigationssysteme gibt’s ab 1.190,- Euro aufwärts, ein el. Schiebedach kostet 846,34 Euro und die Seitenairbags hinten 297,50 Euro.

Die Einstufung in die Versicherungsklassen liegen bei TK 24, VK 19 und HPF 16.

Stand: Mai 2007; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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