// Fahrbericht / Renault Twingo 1.2 16V

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Renault Twingo 1.2 16V

Das Gesicht des Twingo war wohl jedem geläufig, man hat ihn sofort erkannt und er war im A-Segment über Jahre ein absoluter Bestseller. Umso überraschender, dass Renault dieses Auto so stark veränderte und mit einem völlig neuen Design an den Start gehen lässt. Geht damit auch eine Ära zu Ende? Wohl kaum, kann der Neue doch mit mehr Platz für die Passagiere aufwarten, einen variablen Kofferraum bieten, der an Heckklappe und Ladekante noch Raum für Verbesserungen hat, einen guten Fahrkomfort sichern und zugleich auch richtig flott um die Ecken gehen. Der geringfügig stärkere Motor hat jetzt mehr zu schleppen, ist dadurch etwas langsamer aber trotzdem einen Hauch sparsamer. Ab 10.700,- Euro geht der 1.2 16V los …

Es ist jetzt nicht so, dass der neue Twingo nicht gefällt, im Gegenteil, doch die Persönlichkeit, die seinen Vorgänger ausmachte, ging verloren.

Zweifelsohne ist der neue Twingo ein moderner Kleinwagen geworden, frisch und frech, aber leider nicht mehr so unverwechselbar. Und hier trifft die Aussage „er ist erwachsener geworden“ wahrlich zu, und das drückt sich – wie wir sehen werden – nicht nur auf dem Papier in den reinen Fahrzeugabmessungen aus. Immerhin ist er in der Breite um 3 cm und in der Länge um rund 17 cm gewachsen.

Große Klarglasscheinwerfer bestimmen die moderne, glattflächige Front, neben der Kühleröffnung in der Mitte der Frontschürze nehmen die beiden äußeren Einsätze wieder die Form der Scheinwerfer auf. Das hängt aber ganz von der Variante ab, hier bietet Renault auch eine richtig sportliche Frontschürze, die den Twingo mächtig aufwertet.

Erst in der Seitenansicht werden die kurzen Fahrzeugüberhänge deutlich, besonders hinten. Dazwischen offenbart sich der um 2,7 cm längere Radstand nicht sofort. Deutlich sind die Radläufe herausgearbeitet, schwungvoll geht es von der Front bis in die leicht abfallende Dachlinie. Aufschwung verheißt die aufsteigende Gürtellinie.

Ein Andenken an den Vorgänger haben die Designer mit der Übernahme der Türgriffe geschaffen, wenn man sich dran gewöhnt hat …

Das Heck des neuen Twingo wandelt die rundlichen Formen der Front in etwas kantigere Linie um. Tief reicht die große Heckklappe nach unten, deren Griffmulde ist aber sichernicht der Weisheit letzter Schluss. Mit den vertikalen Rückleuchten und der Heckschürze macht der kleine Franzose einen knuffigen Eindruck.

Auch innen hat sich einiges getan, der Neue ist auch hier erwachsener geworden. Mit einem gefälligen Materialmix und ordentlicher Verarbeitung haben die Designer eine deutlich frischere Optik geschaffen, geblieben ist die Anordnung der Instrumente mit digitalem LCD-Tachometer in der Mitte des Armaturenbrettes, die Gestaltung wurde jedoch deutlich verspielter. Ein Drehzahlmesser, der wiederum auf der Lenksäule seinen Platz findet, gibt es nur bei Dynamique und GT.

Tristes Grau ist einem sanften Beigeton gewichen, was besonders der Damenwelt gefallen dürfte. Und für die ist unser Twingo in erster Linie gemacht, wie sonst ließe sich erklären, dass ausschließlich auf der Fahrerseite ein Make-up-Spiegel montiert ist. Und woran soll sich der ängstliche männliche Beifahrer festhalten, wir haben hier einen Haltegriff vermisst.

Die wenigen Bedienelemente liegen in optimaler Reichweite, und es ist gut, dass wir das Radio auch per Fernbedienung am Lenkrad steuern können, denn die runden Knöpfe am Gerät selbst sind etwas fummelig. Warum allein die Drehregler für die Heizung/Lüftung in Blau gehalten sind weiß wohl nur Renault.

Und schon wieder entdecken wir eine Anlehnung an den Klassiker, vielleicht nett aber absolut unpraktisch: der Hupfknopf ist im Blinkhebel integriert.

Die Platzverhältnisse sind recht gut, die Sitze ausreichend straff, für Große allerdings einenTick zu klein und mit Seitenhalt können sie leider auch nicht dienen, ebenso nicht mit einer Gurthöhenverstellung. Großgewachsene finden so oft keine gute Sitzposition, hinzu kommt, dass dem Lenkrad eine Weitenverstellung fehlt.

Dank Easy-Entry gelingt auch nach hinten der Einstieg ganz bequem und der Sitz merkt sich erfreulicherweise die ursprüngliche Stellung. 1,80 Meter groß gewachsene Passagiere finden auch in Reihe zwei gute Platzverhältnisse vor, die Beinfreiheit reicht von ausreichend bis mehr als üppig, die Kopffreiheit sowie die Kopfstützen sind zwar knapper bemessen, gehen aber noch in Ordnung.

Die üppige Beinfreiheit liegt an den je nach Ausstattungs-Variante um bis zu 220 Millimeter in Längsrichtung verschiebbaren Einzelsitze oder einteiligen Rücksitzbank. Bei der Version Initiale lässt sich außerdem der Beifahrersitz flach umlegen (er verfügt zusätzlich über eine Tischfunktion) sodass sich sogar Gegenstände mit bis zu zwei Metern Länge transportieren lassen.

Der Längenzuwachs des Twingo kam in erster Linie den Platzverhältnissen für die Passagiere zu gute, der Kofferraum erhielt dadurch keinen Vorteil und bietet je nach Ausstattung eine Ladekapazität von 165 Liter bis zu 959 Liter.

Die entstehende Ladefläche ist schön eben und doch besteht Verbesserungsbedarf, z.B. die nicht ungefährliche Kante an der Heckklappe, die ungeschützte Ladekante sowie Stoßstange, die Gepäckraumabdeckung die zwar mit nach oben schwingt aber dort leider hängen bleibt und nicht wieder zurückfälltsowie die fehlende Verkleidung an der Rückwand, das sieht doch etwas billig aus.

Störende Motoren- sowie Windgeräusche treten bei dem Kleinen nicht auf. Das Fahrwerk mit einer Pseudo-McPherson-Vorderachse mit unteren Dreiecksquerlenkern und einer an Längslenkern geführten H-förmigen Verbundlenker-Hinterachse mit Schraubenfedern und separaten Dämpfern ist vom Renault Clio abgeleitet und geht nicht nur in Sachen Komfort voll in Ordnung.

Der Kleine kann auch gerne mal schnell um die Kurven gejagt werden, bleibt dabei leicht zu handeln und gutmütig. Das er sich mit der Karosserie ordentlich reinhängt überrascht bei der Fahrzeughöhe, der eher schmalen Spur und der komfortablen Abstimmung nicht. ESP ist leider nicht für jede Motorisierung und Ausstattung erhältlich und dann auch nur gegen Aufpreis.

Mit schlechten Straßen kann er ganz gut umgehen und schluckt so einiges, Bodenwellen auf der Autobahn mag er eher weniger. Die elektrische Servolenkung ist an sich angenehm, besonders für flotte Fahrer aber doch eine Spur zu indirekt.

Mit Scheibenbremsen vorn und Trommelbremsen hinten, unterstützt von ABS, der elektronischen Bremskraftverteilung EBV und einem Bremsassistent, kommt der Twingo bei einer ggf. notwendigen Vollbremsung mit einem deutlichen Rubbeln und Quietschen zum Stehen. Dies spürt man auch in der Lenkung, die je nach Fahrbahnzustand ggf. nach einer festen Hand verlangt. Im normalen Alltag spricht die Bremsanlage gut an und lässt sich fein dosieren.

Der neue Twingo ist mit einem breitenMotorenangebot bestückt, wir hatten den selben Motor wie beim Vorgänger und so wird der Nachteil des Fortschritts spürbar. Zwar hat der 1,2 Liter 16 V mit seinem maximalen Drehmoment von 107 Nm bei 4.250 U/min und mit 56 kW / 76 PS einen Hauch mehr Power als früher und gibt sich recht quirlig, sprintet aber in nur noch zwölf Sekunden von 0 auf 100 km/h, dank einem deutlichen Gewichtszuwachs verliert er damit aber zum Vorgänger fast eine Sekunde. Den einen Kilometer, der ihm bei der Höchstgeschwindigkeit von 169 km/h zu früher fehlt kann man getrost vernachlässigen.

Trotz seines spritzigen Gemüts bleibt er aber akustisch angenehm ruhig und kann auch sehr gut niedertourig gefahren werden, 40 km/h im 5. Gang ist kein Problem für ihn, nur von außen hört man, dass er sich dann etwas müht.

Dass er trotz Mehrgewicht den Verbrauch ganz leicht senken konnte zeugt von der guten Arbeit im Windkanal. In der Stadt nimmt er seinem Vorgänger mit 7,5 Litern 0,1 Liter ab, der außerstädtische Verbrauch blieb bei 4,9 Litern, auf unserer Normstrecke haben wir 5,1 Liter verbraucht. Der CO2-Ausstoß beträgt erfreuliche 135 Gramm pro Kilometer.

Zum Glück hat sich auch das Fünfgang-Schaltgetriebe so gut erhalten. Der Schalthebel flutscht leichtgängig und auf angenehm kurzen Wegen durch die Kulisse. Besonders schön, dass er auch ohne störenden Holperer über die Leerlaufstellung auskommt, die Abstufung harmoniert gut mit dem Motor.

Alternativ steht diesem Motor ein Quickshift-5-Getriebe zur Wahl, damit sinkt derGesamtverbrauch um 0,2 Liter und der CO2-Ausstoß liegt bei 130 Gramm. Außerdem steigt die Höchstgeschwindigkeit auf 173 km/h an, für den Sprint bis Tempo 100 benötigt er dann jedoch nochmals rund 1 ½ Sekunden mehr.

Die Karosserie ist mit verstärkten Blecheinlagen, Querträgern aus Stahl, Energie absorbierenden Schutzpolstern und Seitenaufprallschutz schon gut vorbereitet.

Im Ernstfall kommen dann 3-Punkt-Sicherheitsgurte mit Gurtkraftbegrenzern und pyrotechnischem Gurtstraffer vorn, zweistufig auslösende Adaptiv-Airbags vorn und je nach Ausstattung zwei Seitenairbags und Windowbags schützend zum Einsatz.

Außerdem im Sicherheitspaket inbegriffen: Isofix-Befestigungssystem, ABS, ein Bremsassistent, Anti-Submaring-Sitze und eine Kraftstoffzufuhr-Unterbrechung.

Fünf Ausstattungsvarianten und vier Motoren bieten reichlich Auswahl. Der Einstieg beginnt mit dem Authentique bei 9.500,- Euro, diese ist allerdings nur in Kombination mit dem 1.2 Benziner erhältlich. Der von uns gefahrene 1.2 16V eco² ist in den Versionen Expression, Dynamique und Initiale lieferbar, die sich preislich von 10.700,- Euro bis 14.750,- Euro erstrecken.

So sind zwei Seitenairbags, elektrische Fensterheber vorn, eine elektrische Servolenkung, das höhenverstellbare Lenkrad, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung und eine Radiovorrüstung mit zwei Lautsprechern immer mit dabei.

Die höheren Ausstattungsniveaus bringen außerdem el. verstellbare Außenspiegel, Nebelscheinwerfer, eine sportliche Frontschürze, ein Lederlenkrad,sowie bei der Topvariante eine Lederpolsterung, eine Einparkhilfe hinten, Klimaanlage, Regensensor und Metalliclackierung mit sich. Letztere kostet sonst 450,- Euro. ESP ist erst ab Dynamique für 300,- Euro erhältlich.

Stand: Dezember 2008, Fotos: Redaktionsbüro Lind

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