// Fahrbericht / Renault Clio Grandtour dCi 90 eco

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Renault Clio Grandtour dCi 90 eco

Die Kombivariante des Renault Clio hört auf den Namen Grandtour, und wenn man die gesamte Ladekapazität von 1.277 Litern ausschöpft, kann man mit dem nur 4,23 Meter kurzen Clio durchaus auf große Fahrt gehen. Der spritzige 88 PS starke Vierzylinder Diesel macht auf jeden Fall einiges mit, bietet in fast jeder Lage erstaunlich viel Power und kann auch schön niedertourig, und mit den 4 Litern Mix-Verbrauch, den Renault angibt, reicht der 55 Liter Tank auch ganz schön weit, obwohl wir zugeben müssen, dass wir meist deutlich mehr verbraucht haben. Mit der leichtgängigen und präzisen Lenkung ist er stets gut zu handeln, das Fahrwerk ist komfortabel mit genügend Reserven für sportlichere Ausflüge. Die Bremse mit Scheiben rundum macht auch bei Dauerbelastung nicht schlapp.

Vorne ganz Clio macht auch der Grandtour eine sportliche Figur. Besonders gut macht sich die silbergraue Strebe am unteren Rand des großen Lufteinlasses in der Frontschürze, parallel zum Kühler verläuft eine markante Sicke bis an die großen, wie von Wind nach hinten gewehten Scheinwerfer.

Auch Richtung Motorhaube sorgt eine sich stark ausprägende Sicke, die bis in die flach stehenden A-Säulen verläuft, für einen dynamischen Auftritt. Die Dachreling nimmt das Silbergrau aus der Frontschürze noch einmal auf und gibt es an die Leiste über dem Heck-Nummernschild weiter.

Für Dynamik sorgen auch die sich nach hinten deutlich verjüngenden Seitenscheiben mit ansteigender Gürtel undabfallender Dachlinie, die zudem in einem Dachkantenspoiler endet. Die Heckklappe reicht weit nach unten und sorgt so für eine niedrige Ladekante, über die sich der Kofferraum bequem beladen lässt. Sie schwingt weit genug auf, so dass man sich erst jenseits der 1,85 m Körpergröße anstoßen kann.

Schlecht ist allerdings die eingeschränkte Greifmöglichkeit in Form einer kleinen Mulde beim Schließen und die eingeschränkte Sicht durch die recht breiten Dachsäulen. Und wenn wir schon beim Kofferraum sind, dann bleiben wir auch gleich bei den sehr ordentlichen 403 Litern Stauvolumen, die sich einfach auf 1.277 Liter erweitern lassen. Dazu wird die Sitzfläche hoch- und die Rücksitzlehne vorgeklappt, wobei sogar die Kopfstützen dran bleiben können, also zumindest dann, wenn die Vordersitze nicht ganz nach hinten geschoben sind.

Unter dem Kofferraumboden ist nochmals ein zusätzlicher Stauraum und ganz erfreulich findet hier auch die Kofferraumabdeckung ihren Platz, wenn sie nicht gebraucht wird und die Rücksitze umgelegt sind. Mit den 496 kg Zuladung wird man meistens auch gut auskommen.
Sitzen Passagiere in der zweiten Reihe, finden die auch als 1,80 m Menschen hinter ebensolchen Frontpassagieren ein ordentliches Unterkommen, zumindest auf den beiden Außensitzen. Größer sollten die Hinterbänkler aber nicht sein, der Kopf- sowie der Beinraum sind dann erschöpft.

Problemlos gelingt das Ein- wie Aussteigen, und das gilt noch mehr für die Vordersitze. Hier ist das Platzangebot durchaus üppig, die Sitze sindausreichend groß dimensioniert und auch gut ausgeformt, da aber nicht nur die Sitzfläche und die Lehnen sondern auch die Seitenwangen recht weich ausgefallen sind, geht der Seitenhalt weitgehend verloren. Schick gelöst ist die optische Aufmachung der Sitze, besonders die Lederbahnen an den Seitenwülsten mit den kontrastierenden Nähten machen sich sehr gut.

Und diese Nähte tauchen dann auch am Lederlenkrad wieder auf, das sich mit den eingearbeiteten Verdickungen angenehm griffig gibt. Das war aber auch bei dem Vorgänger schon so, wie der riesige Pralltopf, der doch irgendwie altbacken wirkt. Und das gilt auch ein wenig für die gewählte kantige Lösung für den großen Bildschirm fürs Navigationssystem.

Überhaupt wurde am Cockpit nur wenig verändert, und das bedeutet also auch für unseren Testwagen eine solide Verarbeitung mit zahlreichen Applikationen in frischem Silber, was aber nur teilweise über die recht graue Kunststoff-Landschaft, die zudem nicht sonderlich hochwertig aussieht, hinwegtäuschen kann. Auch die etwas zu hohe Sitzposition gab schon beim bisherigen Modell Anlass zur Kritik.

Ansonsten kann man über die funktionale und intuitive Bedienung ebenso wenig meckern wie über die angenehm hoch positionierten Schalter und die Instrumente, die nicht nur gut ablesbar sondern auch sportlich gezeichnet sind. Unverändert fehlt uns auch heute die Griffmulde in der Tür, um diese besser zuziehen zu können. Nicht gerade üppig bemessen ist die Größe und Anzahl der Ablagen im Auto.

Lassen Sie auch gern mal dasLicht eingeschaltet wenn Sie aussteigen? Beim Renault kein Problem, er schaltet das Licht einfach automatisch aus, ohne mit lautem Piepen auf die Nerven zu gehen.

Das Fahrwerk des von uns gefahrenen Clio Grandtour hatte eine gute Komfortabstimmung, die den Wagen sogar auf Kopfsteinpflaster sehr kultiviert abrollen ließ. Typisch Franzose, möchte man sagen, aber auch wenn es mal sportlicher um die Ecken gehen sollte, zeigte sich der Clio gut gerüstet.

Mit leichtem Untersteuern und einem dezent und spät eingreifenden ESP ließ der Renault auch problemlos flotte Fahrweisen zu, bei denen er mehr zum Übersteuern neigt. Einzig im Slalomtest schaukelte sich die Karosserie dezent auf und auf groben Schlaglöchern neigte er gelegentlich zum Poltern.

Kombiniert ist das Ganze mit einer elektrisch unterstützten Servolenkung, die leichtgängig und präzise arbeitete und ein gutes Gefühl für die Straße bot.

Und ein gutes Gefühl hatten wir auch immer dann, wenn die Bremsanlage gefragt war. Sie zeigte sich mit Scheibenbremsen rundum (vorne innenbelüftet) ebenfalls von ihrer guter Seite, meisterte auch mehrere Vollbremsungen aus Tempo 100 problemlos nach im Schnitt 37 Metern Bremsweg, sprach gut an und war angenehm zu dosieren.

Neben einer elektronischen Bremskraftverteilung sorgt ein Bremsassistent bei Notbremsungen für ordentliches Zupacken, bei dem allerdings die Reifen auch schon mal lauthals aufschreien.

Von den drei angebotenen Diesel-Aggregaten war unser Testwagen mit der mittleren, 88 PS starken Variante ausgestattet,eine durchaus goldene Mitte, wie der Test zeigte. Aus 1,5 Litern Hubraum, verteilt auf vier Zylinder mit jeweils zwei Ventilen, holt der Common-Rail-Direkteinspritzer mit Turbolader seine 65 kW / 88 PS – zwei mehr als der Vorgänger.

Um 20 auf 200 Nm reduzierte sich das maximale Drehmoment, das dafür aber schon bei 1.750 U/min zur Verfügung steht. Und so gibt sich das ausgesprochen laufruhige Triebwerk auch richtig spritzig, lässt den Clio Grandtour nach einer kurzen Anfahrschwäche in 11,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprinten und bei Bedarf 176 km/h schnell werden.
Wie schon der Vorgänger war auch der aktuelle Diesel angenehm niedertourig zu fahren und wer es darauf anlegt, kann im Mix laut Renault mit 4 Litern Diesel auf 100 km auskommen. In der Stadt verspricht der Franzose 4,9, außerorts sogar nur 3,5 Liter zu verbrauchen. Laut Bordcomputer und eher flotter Fahrt hat der 1.5 dCi 90 in unsere Test aber zumeist um die 5,6 Liter konsumiert.

Der Namenszusatz „eco“ bedeutet bei Renault, dass das Triebwerk weniger als 140 g CO2 pro Kilometer ausstößt oder mit Biokraftstoffen (z.B. Biodiesel B30) fahren kann, in einem Werk hergestellt wird, das nach der int. Norm ISO 14001 zertifiziert ist und zu 95% recycelt werden kann und mindestens 5% recycelte Kunststoffe enthält. Im Falle des dCi 90 beträgt der CO2-Ausstoß 106 g pro Kilometer und er erfüllt u.a. mit dem serienmäßigen Rußpartikelfilter die Euro 5 Abgasnorm.

Erstaunt waren wir über die Tatsache, dass das feine Sechsgang-Schaltgetriebe jetzt nur noch fürden größeren Diesel verfügbar ist und unser Testwagen mit einer Fünfgang-Schaltung ausgerüstet war. Zum Glück lassen sich die fünf Vorwärtsgänge angenehm leichtgängig und präzise schalten, aber gerade bei höheren Geschwindigkeiten hätten wir gerne wieder einen sechsten Gang gehabt.

Mit dem aktuellen Clio Grandtour geht Renault auf Nummer sicher. So gehören ab der Basisversion ESP und Antriebsschlupfregelung ASR sowie die Untersteuerkontrolle USC zur serienmäßigen Ausstattung. Unser Testwagen in der Ausstattungsvariante Luxe verfügte zudem über das Aktive Kurvenlicht.

Dazu kommen sechs Airbags (Front- und Seitenairbags sowie vorhangähnliche Windowbags) und die üblichen Dinge wie Dreipunktsicherheitsgurte, Kopfstützen etc. Wäre unser Testwagen ein Dreitürer, hätte er sogar Anti-Submarining-Airbags in den vorderen Sitzen.

Unseren Renault Clio Grandtour dCi 90 eco gibt es nicht mehr in der Ausstattungsversion Luxe, und als Dynamique kostet er jetzt 18.700,- Euro und ist auch dann gut ausgestattet.
Neben Servolenkung und Zentralverriegelung gehören z.B. auch elektrische Fensterheber vorne, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, Klimaanlage, 15Zoll Alufelgen, Radio-CD und Nebelscheinwerfer zur Grundausstattung.

Eine Metallic-Lackierung kostet 450,- Euro extra, außerdem gibt es zahlreiche Pakete, die aber oft nicht für den dCi 90 Dynamique verfügbar sind, wir empfehlen unbedingt ein ausführliches Studium der Preis- und Ausstattungslisten.

Die Diesel-Aggregate verfügen über einÖl-Kontrollsystem OCS, das den Oxidationsgrad berechnet, die normalen Inspektionsintervalle sind alle 20.000 km fällig, können durch OCS aber vorgezogen werden. Der Zahnriemen muss alle 120.000 km erneuert werden.

Stand: Oktober 2011; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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