// Fahrbericht / Opel Insignia 2.0 CDTi ecoFLEX

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Opel Insignia 2.0 CDTi ecoFLEX

Ein schicker Hobel, dieser Opel. Ich weiß, die meisten haben andere Sprüche im Kopf, wenn Sie an Opel denken. Mittlerweile völlig zu unrecht, und auch der Insignia ist ein tolles Auto geworden, das nicht nur sportlich und modern aussieht, einen elegant-dynamischen Innenraum bietet mit geradezu vorbildlichen Sitzen, dazu ein knackiges Fahrwerk, das den Rüsselsheimer flott um die Ecken gehen lässt, mit einer starken Bremse und einem Spardiesel, der außerorts locker unter vier Litern bleibt und kultiviert und ausreichend kraftvoll zugleich ist. Die etwas gefühllose Lenkung und die noch zu machenden Hausaufgaben auf dem Weg zu einem perfekten Kofferraum lassen sich da leicht verschmerzen. Bei 26.400,- Euro geht es los …

Also was die Optik angeht hat Opel das Biedermann-Image längst abgestreift, der Insignia steht top da, konnte schließlich auch bereits zahlreiche Preise einheimsen. Entsprechend selbstbewusst streckt er seinen chromglänzenden Kühler mit dem großen Opel-Logo in den Wind.

Geschickter Chromeinsatz auch an den seitlichen Lufteinlässen mit den Nebelscheinwerfern in der harmonischen Frontschürze unterstreichen die gelungene Frontgestaltung, wie vom Fahrtwind verweht ziehen sich die Scheinwerfer nach hinten.

Mit der coupéhaften Dachlinie nimmt die Limousine den gesamten Schwung mit ins kurz auslaufende Heck, ein angedeuteter Diffusor sorgt auch hier für die nötige Portion Sportlichkeit, eine breite Chromspange verbindet die beiden Rückleuchten und trägt das Logo.

Der Innenraum des Insignia kann durchwegs gut gefallen, so wie die silbergraue Applikation um dieMittelkonsole am Armaturenbrett läuft, so läuft auch eine silberne Blende um den Lenkrad-Pralltopf. Auch in den Türverkleidungen tauchen wieder diese schicken Applikationen z.B. am Türgriff auf, schade, dass sich Opel diese schöne Aufmachung an den hinteren Türen gespart hat und hier alles Ton-In-Ton geblieben ist.

Nach kurzer Eingewöhnung ist man auch mit der recht großen Zahl an Knöpfen in der Mittelkonsole bestens vertraut, legt man den rechten Arm auf die Armauflage, kommt es häufiger mal vor, dass man mit dem Steuerknopf unbeabsichtigt Befehle erteilt. Die Bedienung des großen Drehknopfes mit Drehen und Drücken des äußeren Ringes muss man eine zeitlang üben.

Hinter dem griffig ausgeformten Lederlenkrad sind zwei große und zwei kleine Rundinstrumente gut ablesbar und modern gestaltet untergebracht, dicke Chromringe sorgen für Hochwertigkeit, die man auch dem gesamten Cockpit bescheinigen kann, wo sich zahlreiche feine Chromleistchen und Ringe tummeln.

Als Fahrer wie Beifahrer tummelt man sich gerne auf dem wirklich ausgezeichneten Gestühl, gut ausgeformt, straff gepolstert und sogar mit ausziehbarer Sitzauflage versehen sind die Sitze vor allem für einen kranken Rücken wahrer Balsam. Da verlieren selbst lange Strecken ihre Schrecken, und auch der Ein- und Ausstieg gelingt sehr bequem. Das gilt dann auch für die Rücksitze, wo man allerdings ein wenig auf die enorme Dachschräge achten muss. Und auch hier sorgen zwei bestens ausgeformte Sitze für hohen Sitzkomfort, solange man nicht in der Mitte Platz nehmen muss, 1,80 hinter 1,80 ist kein Problem, allerdings haben solch große Mitfahrer nur noch knapp 2 cm Kopffreiraum übersich.

Sehr schön gelöst ist die ausklappbare Armauflage mit Zusatzfach und zwei Getränkehaltern. Dahinter verbirgt sich dann noch eine Skidurchreiche, mit der wir übergangslos den Weg zum Kofferraum schaffen, und hier liegen Licht und Schatten nahe beieinander.

Mit 500 Litern ist der gebotene Stauraum ganz schön groß, durch die fürs Fahrwerk notwendigen Bauelemente ist der aber im vorderen Bereich doch etwas zerklüftet, die Ladekante in angenehmer Höhe ist gut, die Stoßstange dagegen gar nicht gegen Verkratzen geschützt. Danach geht es wieder gut 20 cm nach unten, sprich muss das Ladegut wieder herausgehoben werden. Legt man die Rücksitzlehne um, bleibt eine Stufe, ein ansteigender Ladeboden und eine kleine Schwelle zurück, alles störend, wenn man schwerere Gegenstände drüberschieben möchte.

Die weißen Verzurrösen im ansonsten schwarzen Kofferraum sind sicher Geschmacksache, dass man unter dem Boden aufs Reserverad verzichtet hat und statt dessen nur einen Styroporblock hineingesetzt hat und damit viel Platz einfach verschenkt ist auch nicht gerade genial.

Schildererkennung! Ein Zauberwort, das dem Fahrer hilft, alle wichtigen Tempolimits auch sicher zu erkennen. Dazu zeigt der Insignia die gesichteten Schilder im Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser an. Generell funktioniert das System ganz gut, jedoch werden die Hinweise für unseren Geschmack zu kurz angezeigt und z.B. mit elektronischen Schilderbrücken auf der Autobahn hat es so seine liebe Mühe. Außerdem zeigte unser Testwagen auf einigen Autobahnabschnitten immer wieder 70 km/h Tempolimits, obwohl weit und breit gar keine Schilder vorhanden waren.

Gut ablesbarpräsentiert sich das Navi im hoch angeordneten Monitor, der kaum den Blick von der Straße ablenkt, die Bedienung erfolgt auch über die Regler auf dem Kardantunnel. Der Spurhalteassistent arbeitet im Opel nicht durch Vibrationen im Sitz, sondern durch Piepsen jeweils links oder rechts.

Obwohl eigentlich Familienkutsche, verfügt der Insignia über eine insgesamt straffe Grundabstimmung, die aber gut zum sportlichen Gesamtbild passt und in fast jeder Lage noch genügend Komfort bereit hält. Dazu passen dann auch gut die selbst bei Autobahntempo niedrigen Wind- und Abrollgeräusche, und auch der kultivierte Motorlauf stört hier nicht die Ruhe.

Aus der Ruhe bringen lies sich unser Insignia allerdings durch Querrillen, die den Aufbau schnell schwingen und schaukeln ließen, und das nicht nur auf der Autobahn. Auf der anderen Seite geht der Opel gutmütig und nur leicht untersteuernd sowie mit wenig Karosserieneigung um die Pylonen im Slalomtest bzw. durch jede noch so enge Kurve. Aber seine Insassen schmeißt er dabei ganz ordentlich hin und her.

Das ist aber wesentlich leichter zu verschmerzen als die zwar angenehm straffe aber wenig exakte Lenkung. Die vermittelt nicht nur zu wenig Gefühl für die Kurve sondern hat vor allem zu viel Spiel, was besonders in langgezogenen Kurven ständige Lenkkorrekturen heraufbeschwört. Auch das richtig exakte Einlenken bei schnell gefahrenen Kurven lässt etwas zu Wünschen übrig.

Nichts zu meckern gibt es an der gut dosierbaren und schnell ansprechenden Bremsanlage. Sie besteht aus Scheibenbremsen vorne und hinten, ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent und greift im Notfall richtig fest zu,bringt den Insignia aus Tempo 100 nach rund 38 Metern zum Stehen. Fading ist auch nach der zehnten Vollbremsung nicht festzustellen.

Kein Hersteller kann mehr einfach nur einen Diesel im Programm haben, da tauchen dann so klangvolle Namen wie Bluemotion, Effizient Dynamics, Econetic oder bei Opel eben ecoFLEX auf. Diese Clean-Tech-Technologie kam auch bei unserem Testwagen zum Einsatz, der mit seinen 96 kW / 130 PS nicht unbedingt zum Stürmer mutierte, aber im gesamten sehr ordentliche Fahrleistungen an den Tag legt und vor allem mit einem sehr ruhigen und komfortablen Lauf glänzte.

Überrascht hat uns bei dem Vierzylinder nicht nur das Fehlen eines Start-Stopp-Systems, sondern vor allem, dass er es so gar nicht niedertourig mag. Ob im dritten Gang in der Tempo 30 Zone oder bei 80 km/h im fünften Gang, der Motor beginnt zu mucken, zieht dann aber doch konstant durch bis zu Topspeed, und selbst jenseits der Tempo 200 bleibt der Motor angenehm leise, das Getriebe wurde dazu in den oberen Gängen recht lang übersetzt.

Zu den 130 Pferdchen gesellen sich ein maximales Drehmoment von 300 Nm bei 1.750 – 2.500 Touren, das dank Overboost kurzfristig auf 320 Nm erhöht werden kann und eine angenehm straffe und auf sportlich kurzen und exakten Wegen geführte Sechsgang-Schaltung. Auch ohne Start-Stopp kann man den ecoFLEX Insignia im Mix mit 4,8 Litern bewegen, in der Stadt sind es 6,7 Liter, außerorts 3,9 Liter Diesel auf 100 km. Dazu stößt der Turbodiesel 129 g CO2 pro km aus und schafft die Abgasnorm Euro5.

Und was ist jetzt das Besondere am ecoFLEX. Welche hochtechnischen Modifikationen stecken in diesem Sparmotor? Gar keine. Das Geheimnis liegt in derKombination aus Energiesparreifen mit niedrigem Rollwiderstand, aus der um 10 mm tiefer gelegten Karosserie, aus dem verkleideten Unterboden, dem geschlossenen Kühlergrill und einer Hochschaltanzeige sowie einer etwas längeren Übersetzung. Stellt sich höchsten die Frage, warum man diese Zutaten nicht gleich allen Modellen zuteil werden lässt?!?

Ausgestattet mit dem derzeitigen Standard an Sicherheitselementen wie Front- und Seitenairbags vorn sowie Kopfairbags vorn und hinten, Dreipunkt-Sicherheitsgurten auf allen Plätzen mit Gurtkraftbegrenzern und pyrotechnischen Gurtschlossstraffern vorn, aktiven Kopfstützen vorne, auskuppelnden Sicherheitspedalen, Kindersicherungen in den hinteren Türen sowie ABS, ESP Plus etc. ist der Insignia ordentlich ausgestattet.

Unser Insignia 2.0 CDTi ecoFLEX steht mit 26.400,- Euro als Selection in der Preisliste. Die Ausstattung umfasst dann neben der bereits erwähnten Sicherheitsausstattung auch eine Traktionskontrolle, Tagfahrlicht, einen Dieselfilter, el. Fensterheber vorne, Klimaanlage, zweifach verstellbare Lenksäule, Zentralverriegelung etc. Speziell für das ecoFLEX-Modell ist der Unterboden verkleidet, die Karosserie 10 mm tiefer gelegt, sind 17 Zoll-Räder mit Reifen mit niedrigem Rollwiderstand aufgezogen, wurde der Kühlergrill verschlossen und gibt es eine Hochschaltanzeige.

Wer mehr will, muss auf den Edition für 29.505,- Euro, den Sport für 30.930,- Euro oder den Innovation für 32.105,- Euro wechseln. Dazu empfehlen wir unbedingt einen Blick in die umfangreiche Serien- und Sonderausstattungslisten. Hier finden Sie dann auch das Premium-Paket Leder u.a. mit 18 Zoll-Alus für 2.690,- Euro, dasSchiebedach für 850,- Euro …

Einmal alle 12 Monate bzw. alle 30.000 km muss der Insignia in die Werkstatt, negativ könnte sich der Zahnriemen bemerkbar machen, der nach rund 10 Jahren bzw. 150.000 km gewechselt werden muss.

Stand: Juli 2010; Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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