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Daihatsu

Oh wie süß, der kleine Daihatsu Trevis

Der neue Trevis basiert auf dem Cuore, zeigt sich aber optisch komplett eigenständig, knuffig und richtig emotionsgeladen. Trotzdem wird man als Mann hinter’m Steuer von manchem Zeitgenossen belächelt. Das ändert sich aber schnell, etwa wenn man den anderen in ihren dicken Schlitten im Stadtgewühl enteilt oder ihnen auf kurvenreichen Sträßchen den Auspuff zeigt (das erfordert jedoch ein klein wenig Mut), wenn man in jede Parklücke passt und doch den Einkauf unterbringt oder spätestens wenn man sich an der Zapfsäule wiedersieht. Denn mit 4,6 Litern gibt sich der Kleine ganz schön knauserig im Umgang mit dem teuren Sprit, und 114 g/km CO2-Ausstoß ist auch ein super Wert.

Dass sich der Trevis optisch am alten Mini orientiert macht gar nichts, herausgekommen ist dabei ein knuffiger Kleinwagen, der aber gerade im direkten Vergleich mit dem alten Mini geradezu riesig anmutet.

Dabei bewiesen die Entwickler Liebe zum Detail bei den chromumrandeten Front- und Heckleuchten, der Griffleiste an der Heckklappe in Chrom und nicht zu vergessen beim markanten Kühlergrill, der nicht nur in Chrom erstrahlt sondern auch mit seiner groben Gitterstruktur zu gefallen weis.

Seine Linienführung ist klar und ohne Schnörkel, das leicht schräge Heck sorgt für italienische Momente. Stoßstangen im herkömmlichen Sinne hat der Trevis ebenso wenig wie Rammschutzleisten, da gerät man im Großstadtdschungel schnell in Sorge um das schickeBleckkleid.

Die Räder dürften für unseren Geschmack gerne etwas größer ausfallen. Dass die Fahrzeugüberhänge auf ein absolutes Minimum reduziert wurden lässt den Wagen nicht nur kompakt aussehen, es verrät auch schon, dass es dafür innen viel Platz geben muss.

Dass es dann so „üppige“ Platzverhältnisse sind, überrascht aber dann doch. Der Viersitzer bietet durch weit (90°) öffnende Türen, leider nicht mit echten Türgriffen, vorne wie hinten einen bequemen Einstieg und dann findet man nicht nur auf den vorderen Plätzen viel Platz, sondern auch hinten kann man als Großgewachsener nicht über mangelnde Kopf- oder Beinfreiheit klagen.

Erst wenn man sich an die auch hinten weit vom Kopf wegstehenden Kopfstützen anlehnt, stößt man quasi am Dach an. Das einzige was dem kleinen Stadtflitzer fehlt ist etwas Breite, aber man kann ja nicht alles haben.

So verfügen die Sitze nur über eine zu kurze Beinauflage und geben auch nicht viel Seitenhalt, was man in seinem Haupteinsatzgebiet aber noch verkraften kann. Würden die Bezugsstoffe jetzt noch statt Grau in Grau in einem frischen Farbton passend zu Außenfarbe auftauchen, wären wir schon wieder zufrieden. Dass die Fernbedienung der Zentralverriegelung von manchem Standort aus nicht einwandfrei funktioniert ist nur ein kleiner Schönheitsfehler.

Zufriedenstellend ist auch das Cockpit geraten. Als großes flaches Oval zieht sich eine schöne silbergraue Applikation über die gesamte Fahrzeugbreite. Schick integriert zeigen sich dazudie runden Luftaustrittsöffnungen, die schön mit den runden inneren Türöffnern harmonieren und auch der große, runde und weiß unterlegte Tacho mit dem eingeklinkten kleineren Drehzahlmesser passt dazu bestens, wie die orangefarbene Beleuchtung.

Davor steht das griffige Lenkrad, das auch beim Trevis von Momo stammt, sich in feines Leder hüllt und mit Aluapplikationen verziert ist. Schwungvoll hängt quasi die kleine Mittelkonsole mit den wenigen Bedieneinheiten am Armaturenbrett, alles ist übersichtlich und einfach zu bedienen, lediglich die weniger oft benötigten Schalter für die Verstellung von Außenspiegel und Leuchtweite sind etwas vom Lenkrad verdeckt. Weniger gefallen hat uns die Lösung „Radio mit Zusatzfach“.

Die Konstrukteure haben beim Trevis keinen Millimeter verschenkt, und so kommt zum großen Innenraum auch noch ein recht ordentlicher Kofferraum von 167 Litern, auch wenn der für den großen Wocheneinkauf mit größeren Einkaufskisten kaum ausreicht. Zum Glück reicht ein Griff, um die Rücksitzlehne umzulegen (geteilt im Verhältnis 60 zu 40) und so bis zu 420 Liter Ladevolumen zu schaffen. Allerdings bleibt eine große Stufe zurück, die die Möglichkeiten doch begrenzt. Und wer größer als 1,80 m ist, der sollte sich vor der dann nicht weit genug aufschwingenden Heckklappe in Acht nehmen.

Für den alltäglichen Kleinkram bietet der Trevis angefangen von zwei geschlossenen Ablagen im Armaturenbrett, über diverse Fächer u.a. in den Türen bis hin zur Tasche in derRücksitzlehne des Fahrersitzes ausreichend Ablagemöglichkeiten, dazu kommen noch mehrere Getränkehalter.

Solange sich die befahrenen Straßen in einem guten Zustand befinden, kann man sich über mangelnden Fahrkomfort nicht beschweren, aber das Fahrwerk des Trevis ist insgesamt recht straff ausgelegt und in Verbindung mit dem kurzen Radstand (kurz, weil das Fahrzeug einfach nicht länger ist) lässt er die Insassen über keine Bodenwelle oder Schlagloch im Unklaren.

Die geschwindigkeitsabhängig, aber stets leichtgängig arbeitende Lenkung ist immer straff genug, um für einen guten Fahrbahnkontakt zu sorgen, sie arbeitet direkt und zielgenau, sorgt für einen kleinen Wendekreis von nur 8,80 Meter und so ist der Trevis spielerisch leicht zu manövrieren, passt in jede kleine Lücke.

Verlässt man sein angestammtes Jagdrevier und lässt ihn über Landsträßchen mit engen Kurven fliegen, offenbart sich ein nicht zu unterschätzendes Untersteuern, dass den Trevis mächtig über die Vorderräder schieben lässt, zudem neigt sich die Karosserie in schnellen Kurven ganz schön. Das ist dann auch der Punkt, wo man vielleicht das fehlende ESP vermisst.

Mit innenbelüfteten Scheibenbremsen vorne inkl. Bremskraftverstärker und Trommelbremsen hinten ist der Stadtflitzer ordentlich bestückt, ein Vier-Kanal-ABS, elektronische Bremskraftverteilung (EBD) und ein Bremsassistent gehören ebenfalls zur serienmäßigen Ausstattung. Gut so dosieren sorgt nur bei einer Vollbremsung das laute Rubbeln fürAufmerksamkeit, die Bremsleistung blieb auch beim Belastungstest konstant und der Trevis sauber in der Spur. Aus Tempo 100 kommt er nach 42 Metern zum Stillstand.

Daihatsu nennt den Kleinen „Frauenversteher“, dabei kann man sich auch als Mann problemlos in den Trevis vergucken. Na ja, etwas Selbstbewusstsein sollte Mann schon haben, schließlich steckt auch nur ein 1-Liter Dreizylinder-Aggregat unter der kurzen Haube.

Dessen 43 kW / 58 PS verströmen aber den typischen, kernigen 3-Zylindersound und sind für die Stadt und auch für die Landstraße durchaus ausreichend, machen den Trevis direkt spritzig und sorgen sogar für echten Fahrspaß.

Mit dem maximalen Drehmoment von 91 Nm bei 4.000 U/min schafft er den Sprint von Null auf Hundert in flotten 12,2 Sekunden. Dann ist aber Schluss mit lustig, wenn man sich auf die Autobahn wagt, geht ihm schnell die Puste aus, auch wenn er eine Topspeed von 160 km/h schafft. Dann wird er laut, zum Motorgebrüll gesellen sich zunehmend Windgeräusche und am Berg heißt es Zurückschalten und sich in Geduld üben.

Das gilt noch mehr in Sachen Durchzug. Schon im vierten Gang braucht er 23,1 Sekunden um von Tempo 80 auf 120 zu beschleunigen, im fünften Gang sind es quälend lange 35,3 Sekunden, vorausgesetzt es bleibt eben und es hat keinen Gegenwind.

Auch da hilft dann nur der Griff zum Schalthebel. Mit einem serienmäßigen 5-Gang-Schaltgetriebe ausgestattet, kann man der Durchzugsschwäche schnell Einhalt gebieten. Die Wege sind von der Länge herakzeptabel und die Führung ist okay, über die Leerlaufstellung holpert es allenfalls ein wenig.

Verkneift man sich das häufige Zurückschalten und lässt man den Trevis artgerecht traben, dann begnügen sich die 58 Pferdchen mit wenig Heu, sprich 4,6 Liter Normalbenzin auf 100 km auf unserer Verbrauchsmessstrecke. Damit sind dann auch mit dem kleinen 36-Liter-Tank ordentliche Reichweiten drin. Reine Überlandfahrten schafft man mit etwas Zurückhaltung und vorausschauendem Fahren locker mit unter vier Litern. Hält man sich dann auch noch die 114 g/km beim CO2-Ausstoß vor Augen, braucht man bei der Klima-Diskussion kein schlechtes Gewissen mehr haben.

Frontairbags für Fahrer- und Beifahrerairbag, mehr gibt’s nicht, und das ist für heutige Verhältnisse dann doch etwas wenig. Ansonsten sind höhenverstellbare Drei-Punkt-Sicherheitsgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern vorn und ISOFIX Befestigungen für zwei Kindersitze hinten mit an Bord.

Außerdem noch Sicherheitspedale das CF-Sicherheitssystem, das nach einem Crash automatisch die Türen entriegelt, die Warnblinkanlage und die Innenbeleuchtung aktiviert.

„We make it compact“ sagt Daihatsu, und das gilt nicht nur für das Fahrzeug sondern auch für den Preis. Auf den Grundpreis von 11.290,- Euro gibt es allenfalls noch einen Aufschlag von 1.000,- Euro für die optionale Automatik.

Alles Wichtige ist in der Grundausstattung enthalten, wie elektrische Fensterheber vorn und hinten, höhenverstellbarer Fahrersitz, Klimaanlage,MOMO-Lenkrad, RDS-CD-Radio, abblendbarer Innenspiegel, Zentralverriegelung, elektrisch verstellbare Außenspiegel und die Perleffekt-Glanzlackierung. Auch die Versicherungseinstufungen sind mit 13/16/13 für HPF/VK/TK sehr günstig.

Stand: März 2007, Text und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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