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Neuer Dreiliter-Diesel im Jaguar XF – ein wahres Sahnestück

Er ist der modernste Jaguar überhaupt, sieht stark aus, auch wenn man sich an die neue Front noch etwas gewöhnen muss, und gibt sich auch stark unter der Haube. War unser Testwagen noch mit einem 207 PS starken 2,7 Liter V6 bestückt, wird der mittlerweile von einem 3-Liter-V6 mit 240 PS ersetzt. Und der hat uns noch mehr begeistert, ist noch leiser, noch kräftiger und obendrein auch noch richtig sparsamer. Mit dem macht Cruisen ebenso viel Spaß wie richtig schnell zu fahren, und mit 500 Nm Drehmoment schafft er nicht nur den Sprint auf 100 in 7,1 Sekunden sondern wird auch 240 km/h schnell – und er erfüllt die Euro 5 Abgasnorm. Schon allein das Einsteigen und Drücken des pulsierenden Startknopfes ist eine Schau, wenn sich … lesen sie selbst!

Optik ist immer eine Frage des Geschmacks und vor allem wenn man wie Jaguar mit dem XF eine völlig neue Designsprache einleitet, dann ist das immer mit einem Risiko verbunden.

Vor allem an der Front will die neue Limousine einfach noch nicht gleich als Jaguar durchgehen, was in erster Linie an den Scheinwerfern liegen dürfte. Aber schon der große Kühlergrill mit dem breiten Chromrand und dem verchromten Gitter lässt alte Jaguartraditionen neu aufleben, in der Mitte steckt der Jaguar-Kopf und beseitigt die letzten Zweifel.

Sehr schön gelöst sind die Lufteinlässe links und rechts in der Frontschürze, besonders die Chromleiste schafft die Verbindung von edler Limousine zum Sportwagen. Und schon die Linienführung der Motorhaube macht den XF dann zum echten Jaguar, und je weiter man nach hinten kommt, je mehr zeigt er Ähnlichkeiten zum XK.

Das geht schon bei der coupé-haften Dachlinie los, die die wahre Größe der Limousine geschickt kaschiert, die Chromleisten rund um die Seitenfenster sorgt wieder für die edle Anmutung. Eine breite Chromleiste zählt auch zu den markantesten Merkmalen am Heck des XF und hier präsentiert sich uns die absolute Schokoladenseite des Briten. In schönen Schwüngen fügt sich das sanft abfallende Dach in die geschwungene Abrisskante, ein Highlight sind die darunter liegenden Rückleuchten mit besagter Chromleiste, die den XF breit und kraftvoll auf der Straße stehen lassen.

Ein angedeuteter Diffusor gibt schließlich zwei dicke trapezförmige Auspuffendrohre in Chrom frei, die den sportlichen Anspruch dokumentieren. Auch wenn es sich bei dem von uns gefahrenen Testwagen „nur“ um den kleinen 2,7 Liter Diesel handelt, der mittlerweile von einem Drei-Liter-Aggregat abgelöst wurde, das wir Ihnen in einem Aufwasch natürlich auch hier vorstellen werden.

Mehr noch als bei der Karosserie wird der völlig neue Innenraum des XF vor allem die konservativen Jaguar-Kunden irritieren. Modern kommt da der Neue daher, technisch und funktional, mit Pfiff und Stil – und mit sehr hochwertigen und feinen Materialien und das alles prima verarbeitet. Vor allem das im oberen Bereichüberschwänglich verarbeitet Leder braucht keinen Vergleich zu scheuen, wurde weich und nachgiebig gestaltet und sogar das Lenkrad hüllt sich in solches, in dem Fall braunes Leder, verbindet mit den silbergrauen Applikationen, den modernen Schaltern und dem Jaguar-Kopf Moderne und Behaglichkeit.

Dahinter präsentiert sich eine moderne Instrumenteneinheit, die bestens zu den restlichen modernen und einfach zu bedienenden Schaltern passt, denn auch die hüllen sich in ein iceblau leuchtendes Licht. Doch bevor als dies neben der restlichen geschmackvoll-modernen Innenbeleuchtung auf uns wirkt, fällt der Power-Schalter auf, der – und das ist ganz beabsichtigt – wie ein pulsierendes Herz leuchtet.

Wenn man ihn drückt, „erwacht“ der XF förmlich zum Leben. Dann fährt der DriveSelector aus der Versenkung, mit dem die Automatik angesteuert wird, dann schwenken die Lüftungsdüsen in der breiten Aluapplikation die quer über die Armaturentafel bis weit in die Türen verläuft auf – erst jetzt bemerkt man, dass es die vorher praktisch gar nicht gegeben hat. Alles nur eine Spielerei, zugegeben, aber es macht einfach Spaß, den XF aufwachen zu sehen. Und dann ist da ja auch noch das sogenannte JaguarSense. Damit wird z.B. das Handschuhfach oder die Innenbeleuchtung praktisch berührungslos oder allenfalls mit einem sanften Streicheln geöffnet oder aktiviert.

Und Jaguar hat noch eine ganze Menge mehr an Innovationen und Hightech in den neuen XF gepackt, angefangen bei der Sprachsteuerung für das Navigations- und Telefonsystem, der Reifendruck-Kontrolle, der elektronischen Parkbremse, der radargesteuerten Überwachung des Toten Winkels bis hin zu einer Rückfahrkamera, die zusammen mit den Parksensoren rundum die Nachteile der etwas unübersichtlichen Karosserie wieder wett macht.

Klar, dass der XF über eine Bluetooth-Schnittstelle verfügt, einen iPod, einen MP3-Spieler oder einen USB-Stick ansteuern kann und seine Insassen mit einer feinen Audioanlage verwöhnt. Die Bedienung bis hin zur Klimaanlage erfolgt intuitiv über die moderne Bedieneinheit, über die Lenkradfernbedienung oder über den Touchscreen. Hierkann z.B. auch die Sitzheizung gesteuert werden, die schnell und effektiv arbeitet.

Wie stolz man bei Jaguar auf das neue Modell ist, zeigt nicht zuletzt die Liebe zum Detail bei der Verarbeitung im Innenraum. Selbst auf den kleinen Hebeln an den Lamellen der Lüftungsschlitze ist ein kleiner Jaguar-Schriftzug eingearbeitet.

Was die Platzverhältnisse angeht bleibt auch der Neue alten Jaguar-Gepflogenheiten treu. Das Platzangebot ist okay, man sitzt „wohlig schön eingepackt“, es ist einfach behaglich im XF. Mit feinem Leder bezogen geben sich die Sitze vorne ausreichend groß und gut ausgeformt mit einer für größere Personen etwas zu kurzen Beinauflage, die elektrische Verstellung arbeitet tadellos.

Hinten geht es etwas enger zu, 1,80 m große Mitfahrer finden aber hinter ebenso großen Fahrern noch ein gutes Unterkommen, die Kopffreiheit schrumpft dann aber auf wenige Zentimeter zusammen und am ehesten wird es im Fußraum eng, vor allem beim Aussteigen. Die großen schweren Türen verlagen einen festen Zug bzw. Schlag, geben sich dafür aber auch bestens abgedichtet, was mit zum hohen Reisekomfort auch bei hohen Geschwindigkeiten beiträgt. Zum guten Reisekomfort zählen auch die zahlreichen Ablagen und Getränkefächer, die auch große Flaschen aufnehmen.

Richtig große Sachen finden im 540 Liter fassenden Kofferraum Platz, der sich lediglich an den Seiten etwas zerklüftet zeigt. Und man kann die Rücksitze geteilt umklappen und dann weitere 420 Liter reinpacken, die Durchladeöffnung ist zwar etwas eingeschränkt, reicht aber allemal aus.

Auch in Sachen Fahrkomfort hat es Jaguar geschafft, zwei Welten miteinander zu verbinden. Zum Einen wird der neue XF selbst hohen Ansprüchen an Komfort gerecht, zum Anderen kommen auch sportlich ambitionierte Fahrer nicht zu kurz.

Wie schon erwähnt dringen nur ganz dezent Geräusche von außen an die Ohren der Insassen, nicht nur die Türen sind gut gedämmt. Und was ist mit dem Motor, schließlich steckte ein Diesel unter der Haube. Im richtig kalten Zustand schüttelte sich unser 2,7 Liter-Sechszylinder ein wenig, lief dann aber angenehm leise und klang sogar nicht nach Diesel, wurde selbst gefordert nur dezent kernig. Und jetzt ersetzt ihn ein Drei-Liter V6 mit 240 PS und der verlangt alle Aufmerksamkeit um das Aggregat als Selbstzünder zu entlarven.

Gleichzeitig bietet der XF jede Menge Agilität, und lässt auch wirklich flotte Kurvenritte zu. Und sogar bei Nässe kann man sich auf die volle Unterstützung der Elektronik verlassen, das zweistufige Stabilitätsprogramm DSC und die Understeer Control Logic halten den XF sauber auf Kurs, greifen bei gesteigertem Untersteuern ins Motormanagement und die Bremsen ein und erhöhen die Haftung der Vorderräder.

Zusammen mit der angenehm straffen Lenkung lässt er sich prima dirigieren und folgt gutmütig und direkt jeder Lenkbewegung, vermittelt ein gutes Gefühl für die Straße. Und selbst bei Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn liegt der XF super ruhig auf der Straße. Und das gute Gefühl bleibt auch bei einer Vollbremsung bestehen. Auch wenn das ABS laut rubbelt, nach nur 36 Metern steht der XF aus Tempo 100, und auch nach dem zehnten Bremsversuch ändert sich daran nichts. Mit ein Verdienst der großen, rundum innenbelüfteten Scheibenbremsen, die sich angesteuert über ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und Bremsassistent im Alltag sehr sanft und gut dosieren lassen und spontan ansprechen.

Unser Testwagen war mit dem 2,7-Liter V6-Bi-Turbodiesel mit 152 kW / 207 PS und 435 Nm maximalem Drehmoment ausgerüstet, ein feiner Motor, der sehr kultiviert lief, den XF in nur 8,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigte und für allzeit guten Durchzug und Vortrieb sorgte sowie gleichmäßig zügig bis zur Höchstgeschwindigkeit von 229 km/h bei der Sache blieb. Dazu schaffte er auf unserer Normstrecke einen Mixverbrauch von 7,3 Litern auf 100 Kilometern und einen CO2-Ausstoß von 199 g/km, ein Rußpartikelfilter war serienmäßig an Bord. War, denn mittlerweile hat ein neues Aggregat mit drei Litern Hubraum den Selbstzünder ersetzt.

Und der kann einfach alles noch etwas besser. Er läuft so ruhig, dass man selbst nach zweimaligem Hinhören den Diesel nicht entlarvt, da ist es irgendwie beruhigend, dass Jaguarzum Schutz vor einer Fehlbetankung einen speziellen Tankeinfüllstutzen verbaut hat.

Ohne große Worte wie „Blue Efficiency“ bei Mercedes-Benz oder „Efficient Dynamics“ bei BMW schafft es Jaguar, die beiden Mitbewerber mit mehr Leistung und Drehmoment sowie geringerem Verbrauch und niedrigeren CO2-Werten in den Schatten zu stellen, und die Euro5 Norm erfüllt der Brite auch noch.

Seine sechs Zylinder schütteln 177 kW / 240 PS aus den Ärmeln (es gibt sogar einen „S“ mit 275 PS) und entwickeln 500 Nm Drehmoment bei niedrigen 2.000 U/min. Damit spricht der XF spontan an, spurtet von unten heraus gewaltig los, zieht toll durch und ist dabei soooo leise. Und – wie schon bemerkt – auch sehr sparsam. Jaguar gibt den Verbrauch mit innerorts 9,5 und außerorts 5,5 Litern an, im Mix kann der 3-Liter V6 mit 6,8 Litern (Werksangabe) glänzen – auch in der 275 PS-Variante.

Und der Twin-Turbo-Diesel bietet genügend Schub, um in 7,1 Sekunden aus dem Stand die Tempo 100 zu erreichen und dann ohne Einbruch vehement weiter nach vorne zu stürmen, bis die Topspeed von 240 km/h erreicht ist. Dabei bleibt das Aggregat stets angenehm leise, voll gefordert leicht kernig, begeisternd. Die 275 PSD schaffen es übrigens in 6,4 Sekunden auf Hundert und werden (abgeregelte) 250 km/h schnell.

Kombiniert ist das Ganze mit einer feinen Automatik, die nicht nur mit einem ungewöhnlichen Wählhebel auffällt, der eigentlich gar kein Hebel mehr ist. Vielmehr wird mittels Drehknopf das gewünschte Fahrprogramm (Vorwärts, Rückwärts, Parken) gewählt. Und dann bekommt man von der Arbeit der Sechsstufen-Automatik auch kaum noch etwas mit. Sie arbeitet sehr sanft und findet stets die richtige Stufe, außerdem arbeitet sie adaptiv, passt sich also u.a. Ihrem Fahrstil an.

Wer will, kann per Knopfdruck eine sportlichere Gangart wählen, dann dreht sie die Gänge etwas höher aus, man muss aber schon gut aufpassen, um den Unterschied wirklich mitzubekommen, darin unterscheidet sich der Neue nicht vom Alten. Und wer will, der kann auch manuell ins Geschehen eingreifen und die Gänge wählen, auch wenn die Automatik letztendlich –wenn auch recht spät – dann doch wieder die Herrschaft übernimmt.

Neben zweistufig auslösenden Frontairbags sind auch Seiten- und Kopfairbags serienmäßig an Bord, außerdem aktive Kopfstützen sowie Dreipunkt-Automatikgurte mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern. Außerdem wie schon erwähnt die Überwachung des Toten Winkels, eine Kurven-Bremssteuerung und die automatische Anhebung der Motorhaube bei einem Crash.

Das Gute vorweg, der 3.0 V6d 500 mit 240 PS ist nicht wesentlich teurer als der bisherige 2,7 Liter Diesel, besonders mit der aufgewerteten Ausstattung. Und so müssen Sie – laut Liste – 51.200,- Euro für den LUXURY hinlegen, der PREMIUM LUXURY kostet 56.300,- Euro und die neue Topausstattung PORTFOLIO schlägt mit 59.000,- Euro zu Buche.
Bereits die Luxury-Version verfügt über beheiz- und 8-fach verstellbare Ledersitze, Edelholzpaneelen am Armaturenbrett, ein sensorgesteuertes Fahrlichtsystem, eine elektronische Einparkhilfe hinten, elektronische Parkbremse, 18 Zoll Leichtmetallfelgen, Geschwindigkeitsregelung mit Tempo-Begrenzer, Klimaautomatik mit Zweizonen-Regelung, eine im Verhältnis 60:40 geteilt umklappbare Rücksitzbank, Tripcomputer, Bluetooth®-Schnittstelle, 140 Watt Audioanlage, 7 Zoll-Touchscreen-Monitor, axial und vertikal einstellbare Lenksäule und JaguarSense.

Die Premium Luxury-Ausstattung bietet u. a. 10-fach elektrisch verstellbare Soft-Grain-Ledersitze, eine Armaturentafel in Walnusswurzelholz, ein \“intelligenter\“ Schlüssel mit Keyless-Entry- und Start-Funktion, automatisch abblendende Außenspiegel mit Umfeldbeleuchtung, automatisch abblendender Innenspiegel sowie eine 320 Watt starke Premium-Audioanlage.
Beim PORTFOLIO ist dann das Dach mit feinstem Velours verkleidet, sind die Nähte an der Oberseite der Armaturentafel und den Türen in Kontrastfarbe gehalten, kommt Paneele in marmoriertem Ebenholz zum Einsatz und sind spezielle Fußmatten, Softgrain-Ledersitze mit 16-Wege-Sitzverstellung für den Fahrer und 12-Wege-Verstellung für den Beifahrer an Bord, die Vordersitze sind variabel beheiz- und kühlbar.

Da bleibt dann kaum noch ein Wunsch offen. Vielleicht eineadaptive Geschwindigkeitsregelung für 1.480,- Euro, Bi-Xenon-Scheinwerfer mit integriertem Abbiegelicht, Scheinwerferreinigung etc. für 1.400,- Euro oder die Metallic-Lackierung für 880,- Euro.

Stand: Juni 2009, Test und Fotos: Redaktionsbüro Lind

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